"Mannheimer Morgen", Morgenweb, 05. März 2003
Niederlage in Friesenheim wäre kein Beinbruch
HANDBALL: SG Kronau/Östringen auf dem Weg in die Bundesliga und die Teenies lauern
Von unserem Redaktionsmitglied Ute Krebs
Die SG Kronau/Östringen führt nach 24 Spieltagen mit 41:7-Punkten vor der HSG Düsseldorf die Tabelle der zweiten Handball-Bundesliga an. Zwei Miese mehr als die Rheinländer, nämlich 13, hat die TSG Friesenheim auf dem Konto, rangiert aber wegen noch ausstehender Nachholspiele nur auf Platz fünf. Heute nun kreuzt die Mannschaft des Trainertandems Michael Roth/Rolf Bechtold in der Ludwigshafener Friedrich-Ebert-Halle zum Spitzenspiel bei den Eulen auf. Wir sprachen vor dem Derby mit SG-Coach Michael Roth.
Herr Roth, noch liegen zehn Partien vor Ihnen und Ihrer Mannschaft, aber ganz langsam biegt ihr auf die Zielgerade Richtung Bundesliga ein. Wie ordnen Sie auf diesem Weg das Spiel bei der TSG Friesenheim ein?
MICHAEL ROTH: Für uns war es vor allem sehr wichtig, am vergangenen Samstag in Kornwestheim zu punkten. Denn das war das erste von drei Auswärtsspielen und nach dem Sieg ist der Druck für die nächsten Partien auf fremdem Parkett doch nicht mehr ganz so groß. Beim heutigen Derby in der Ebert-Halle wird die Tagesform entscheidend sein. Dabei wäre eine Niederlage in Friesenheim aber auch kein Beinbruch. Denn noch haben wir den Aufstieg selbst in der Hand.
Aber ein Sieg in Friesenheim würde . . .
ROTH: . . . einen großen Schritt Richtung Bundesliga bedeuten.
Der Linkshänder Christian Zeitz hat eine Riesenentwicklung genommen, in der jüngsten Vergangenheit kommt er allerdings nicht so richtig in Fahrt.
ROTH: Christian ist 22 Jahre alt und er hat zurzeit ein mentales Problem. Schließlich hat sich für ihn seit der Weltmeisterschaft sehr viel verändert, stehen jetzt beispielsweise wegen ihm 50 Teenies vor der Kabinentür. Er muss lernen, dass das Leben auch nach einer WM weitergeht.
Gut zwei Drittel der Saison sind gelaufen, wie sieht Ihre bisherige Bilanz aus?
ROTH: Der sportliche Erfolg nach der Fusion beider Vereine ist für mich auf eine gelungene Mischung zurück zu führen. Die erfahrenenen Spieler des TSV Östringen haben die jungen Akteure der HSG Kronau/Bad Schönborn an der Hand genommen und allesamt haben sich zu einem stabilen Team entwickelt. Parallel dazu haben die Jungfüchse Andreas Blank oder auch Matthias Rohr einen großen Sprung gemacht. Wir haben eine Gemeinschaft, die den Erfolg will - das ist wohl unser Geheimnis. Dabei wissen wir aber auch, dass die Zweite Liga kein Wunschkonzert ist und man jede Partie wirklich voll marschieren muss.
Die SG "Kö" hat mit dem polnischen Nationalspieler Mariusz Jurasik die erste Neuverpflichtung und damit gleichzeitig den Nachfolger von Christian Zeitz vermeldet. Das wird aber personell nicht alles gewesen sein, noch besteht auf verschiedenen Positionen Bedarf.
ROTH: Sicherlich müssen wir personell weiter nachlegen. Dabei sollten die Akteure nicht nur finanziell, sondern auch menschlich zu uns passen.
Stichwort Bundesliga, dazu muss Kronau/Östringen wohl auch den Etat kräftig anheben.
ROTH: Ganz klar. Wir brauchen Planungssicherheit. Noch haben wir keinen Hauptsponsor. Aber wir bemühen uns auch auf dieser Ebene. Es wäre doch schade, wenn wir den Erfolg und diese Euphorie nicht nutzen und keinen Partner finden würden, der uns hilft, Spitzenhandball zu präsentieren. Dass es in der Region ein riesiges Potenzial an Handball-Fans gibt, belegen unsere Zuschauerzahlen.
Etwa 1500 Anhänger pilgern im Schnitt zum Spielort Rhein-Neckar-Halle in Eppelheim. Wird diese auch in der nächsten Runde das Domizil der SG "Kö" sein?
ROTH: Davon gehe ich aus.
Beim Heimspiel gegen den TSV Bayer Dormagen gab es bei der "Ballfaszination" zum ersten Mal eine Kombination, im konkreten Fall mit der Sportart Volleyball. Sind solche Veranstaltungen auch in Zukunft angedacht?
ROTH: Absolut. Wir wollen unserem Publikum einiges bieten. Aber ehe wir an Events denken, muss der sportliche Erfolg da sein.
TSG Friesenheim - SG Kronau/Östringen, heute, 20 Uhr, Friedrich-Ebert-Halle.
© Mannheimer Morgen – 05.03.2003