Ja, das alles wirkt schon seltsam: In letzter Sekunde kommt der
Prinz in Form des Hauptsponsors dahergeritten und rettet Handballdeutschland
vorm bösen Blackout-Drachen. Wie im Märchen – und viel zu schön, um wahr zu
sein!
Ich gehe auch davon aus, dass genau diese „Notlösung“ von
Anfang an – also direkt nach dem Ausstieg der ÖR – geplant war. Der DHB hat mit
Sicherheit Interesse daran, dass sein Zugpferd „Weltmeisterschaft“ frei empfangbar
ist, daher wäre DAZN keine gute Option gewesen. Sportdeutschland.tv ist zu
unbekannt und bei Sky kann ich mir sogar vorstellen, dass die in die DHB-Pläne eingeweiht
waren. Zumindest wirkten sie beim Zirkus um die Rechtevergabe doch latent unengagiert.
Es würde auch Sinn machen, denn bevor Handball demnächst weitgehend
hinter der Bezahlschranke verschwindet, ist die WM noch einmal eine gute Möglichkeit,
neue Zuschauer zu generieren. Mit Youtube an Bord spricht man sogar die meistumworbene
Zielgruppe an: Junge, technikaffine Leute, die sicher gern bereit sind, ein
umfangreiches Sky-Paket abzuschließen (… und dafür einen Kredit benötigen
). Rückblickend
klingt für mich die Aussage von Sky („Stand heute, zeigen wir nichts“) auch so,
als hätten sie als Backup zur Verfügung gestanden, falls der DKB-Deal noch schiefgegangen
wäre.
Insgesamt ist das schon alles ein sehr smarter Schachzug. Denn
abgesehen von den großen Free-TV-Sendern, lassen sich mit Youtube sicher die größtmöglichen
Reichweiten erzielen. Dramaturgisch besser und werbeeffizienter hätte auch Spielberg
das Ganze nicht inszenieren können. Erst ordentlich Ängste schüren: Oh weh, oh
weh, die Katastrophe naht und auf dem Höhepunkt der Panik steigt die DKB als Erretter
empor und kann sich dem ewigen Dank aller Handballfans sicher sein. Dazu passend
der Slogan: „Das kann Bank“.
Nun ja, das hat schon was von Schmierentheater. Aber sei’s drum!
Hauptsache die WM wird übertragen.