Original von Stuttgarter Zeitung vom 01.02.2005
Pfullingens Sponsor gibt grünes Licht
Der Handball-Bundesligist bekommt Planungssicherheit
STUTTGART. Der VfL Pfullingen gilt als erster Anwärter für einen Regelspielbetrieb in der neuen Arena auf dem Wasen. Jetzt laufen aussichtsreiche Gespräche des Handball-Bundesligisten mit dem Hauptsponsor Südleasing über einen Dreijahresvertrag.
Von Joachim Klumpp
Die Stadt Stuttgart sucht derzeit fieberhaft nach einem passenden Namen für das sportliche Areal auf dem Wasen um Daimlerstadion und Schleyerhalle; dazu wurde sogar ein öffentlicher Wettbewerb ausgeschrieben. Stichtag ist der 1. März. Ganz so spektakulär wird die Umbenennung des VfL Pfullingen wegen des Wechsels nach Stuttgart kaum werden. Wobei die Türen dafür seit diesem Wochenende weit offen stehen. Wichtigster Punkt: der Hauptsponsor Südleasing hat intern inzwischen seine Bereitschaft erklärt, das Projekt zu unterstützen und dem Handball-Bundesligisten für weitere drei Jahre die Stange zu halten - noch dazu zu verbesserten Konditionen. Diese frohe Kunde wurde inzwischen auch den 20 Gesellschaftern des Vereins überbracht, allerdings verbunden mit der Aufforderung, nun eine entsprechende Vereinbarung mit der Stadt Stuttgart/Messe in trockene Tücher zu bringen.
Normalerweise sollte es damit keine Probleme mehr geben, denn bereits im Herbst des vergangenen Jahres haben die Vereinsverantwortlichen, nicht zuletzt auf sanften Druck des Hauptsponsors, dafür grünes Licht gegeben; am Donnerstag nun sollen auf einer weiteren Sitzung die letzten Modalitäten geklärt werden. Wobei die Aussage des langjährigen VfL-Geschäftsführers Alfred Mayer unwiderruflich im Raum steht: "Bundesliga-Handball ist nur in Stuttgart möglich."
Und zwar in der neuen Arena mit ihren geplanten 6500 Sitzplätzen sowie adäquaten Räumlichkeiten für Sponsoren und Vips, auch die entsprechende Kalkulation steht schon. Mit rund zwei Millionen Euro soll in die Stuttgarter Premierensaison 2006/07 (es wäre dann die fünfte in der Bundesliga) gestartet werden. Das entspricht in etwa dem Etat des Ligakonkurrenten Frisch Auf Göppingen und sollte für einen gesicherten Mittelfeldplatz allemal reichen. Bei den Zuschauern rechnet der Verein vorsichtig mit einer Auslastung von rund 50 Prozent, also gut 3000 Zuschauern. Wenn man davon ausgeht, dass die Spitzenspiele gegen Kiel und Magdeburg sowie das Derby gegen Göppingen ausverkauft sind, würde in den restlichen 14 Partien schon ein Schnitt von etwa zweieinhalbtausend Besuchern zur Etatdeckung reichen - eine durchaus realistische Größe.
Und auch von Sponsorenseite aus sollten die Kontakte der Stadt und Messe dazu genutzt werden können, den einen oder anderen Werbepartner für die neue Spielstätte zu generieren. Wobei die mehr als 12 000 Zuschauer bei den zwei Heimspielen in der Schleyerhalle zwischen Weihnachten und dem neuen Jahr gegen Magdeburg und Wetzlar bei den Verantwortlichen um den neuen Veranstaltungschef Andreas Kroll durchaus Eindruck hinterlassen haben.
"Auf Dauer müssen wir in Stuttgart natürlich sportlich erfolgreich sein", hat Alfred Mayer erkannt und als Ziel zunächst einen einstelligen Tabellenplatz ausgegangen. Davon ist die Mannschaft derzeit noch weit entfernt. Rang 15, das würde am Saisonende gerade noch zum Klassenverbleib reichen. Doch der gewisse Optimismus aus der Winterpause erhielt mit der Niederlage (24:36) im Testspiel am Samstag gegen den Schweizer Spitzenklub Bern einen Dämpfer: "Mit so einer Leistung darf man an den Klassenerhalt nicht einmal denken, so schlecht habe ich die Mannschaft noch nie gesehen", sagte der Trainer Eckard Nothdurft. Ob jetzt nochmals personell nachgebessert wird? Nothdurft: "Finanziell haben wir nicht die Möglichkeiten." Zumal der Hauptsponsor, der sich das bisherige Engagement einen niederen sechsstelligen Betrag im Jahr kosten lässt, erst nächste Saison verstärkt einsteigt.
Falls es da nicht zu spät ist. Denn eines ist auch klar: Die Planung zwischen dem Dreigestirn Stadt, Verein und Sponsor - in die auch eine Kooperation mit dem TV Kornwestheim gehört - gilt nur für die erste Liga. Bei einem Abstieg wären sämtliche Gedankenspiele Makulatur. Auch ob der Verein dann künftig VfL Pfullingen-Stuttgart oder doch lieber VfL Stuttgart-Pfullingen heißt.