Als gnadenloser.Optimist gehe ich davon aus, dass dieses eine Spiel aus 100 Spielen am Sonntag sein kann.
Vielleicht ist es ja ein großer Vorteil, dass Jacobsen seiner ersten Garde so sehr vertraut und diese jetzt überspielt ist. Wie viele Minuten haben die schon gesammelt im Vergleich zu unseren Vielspielern?
Das Wechselverhalten von Jacobsen erklärt für mich auch mit, warum er bei einer EM noch nicht erfolgreich war. Durch das höhere Grundniveau der Gegner bei einer EM sind seine Stars am Ende der Turniere dann immer müde und angreifbar gewesen.
Vielleicht ist es am Ende genau unser Vorteil, dass bei uns gerade in der Vor- und Hauptrunde immer nur ein Rückraumspieler seine Topleistung brachte und der Bundestrainer quasi durchprobieren musste, wer es im nächsten Spiel sein würde, der Deutschland zum Sieg wirft. Dadurch wurde sich die Spielzeit stets aufgeteilt. Hätte Alfreds bevorzugter Rückraum mit Kösters und Uscins von Spiel eins an gezündet, hätten diese gestern bereits so gnadenlos viel Spielzeit gehabt, dass es gegen Kroatien vielleicht auch gar nicht mehr gereicht hätte.
Man merkt übrigens, dass das Grundniveau der EM in diesem Jahr nicht so hoch ist. Also wir haben tolle Leistungen von einzelnen Spielern oder super Aktionen in Abwehr wie Angriff gesehen. Aber zum Beispiel steht Deutschland im Finale und hat, wenn man von den Ergebnissen wegschaut und genu auf die Einzelspielerleistungen, aber auch das Zusammenspiel und die taktische Ausrichtung blickt, bisher ein eher durchwachsenes Turnier gezeigt.
Wir sind dennoch zurecht im Finale, weil die anderen Teams (außer Serbien an dem Tag) noch schwächer waren. Auch wenn man die anderen Spiele der Hauptrunde betrachtet, dann stellt sich bei mir diese Betrachtung ein. Die Hauptrundengruppe 2 war so unkonstant (selbst bei Kroatien stimmten nur die Ergebnisse und nicht die Einzelleistungen), so dass da auch Portugal oder Frankreich sich durchgesetzt hätten und wahrscheinlich hätte auch Norwegen um das Halbfinale gespielt.
Wenn die EHF wirklich das Niveau verbessern wollen, dann sollten sie eine EM auf vier Wochen strecken. Zwei Spiele in einer Woche (z.B. Mittwoch-Sonntag) würden auch eine ganz andere taktische Vorbereitung ermöglichen und die Mannschaften würden häufiger ihre besten Spieler aufs Feld bringen können, weil diese regenerieren konnten. So wie es jetzt läuft, braucht man ja nicht zwingend den besten Handball, sondern die beste Belastungssteuerung und die besten Physios. Das Grundniveau am Finalwochenende, wenn dann die besten Teams nochmal abschließend zusammen kommen, ist bei Weiten nicht mehr das, was die einzelnen Teams an ihrem Peak spielen könnten.
Natürlich weiß ich, dass der Zeitrahmen des Welthandballs und Vermarktungsgründe dagegen sprechen und dies absolut nicht umgesetzt wird. Aber als Handballpurist, welcher die sportlichen Leistungen liebt und der von der zusätzlichen Show in der Halle mit Matktschreiern als Hallensprecher, sowie Hupfdohlen in der Auszeit oder Dauerbeschallung über gerade aufkommende Sprechchören von Fans (Damit ja auch die gesamte Halle das gleiche Lied singt und gar nicht erst eine Rivalität zwischen den Fans aufkommt. (Sweet Caroline Oh Oh Oh)) eher abgeschreckt ist, wollte ich mal meine ideale Welt skizzieren. Wegen mir können sie auch sechs Tage Pause machen, wie bei der Fußball-WM in der Vorrunde. Ich würde es mir anschauen. Wahrscheinlich sogar noch lieber, weil es auch etwas für das taktische Auge zu sehen gibt.