Ich will hier auch mal meinen Senf dazugeben. Ich finde es grundsätzlich schön, wenn hier im Forum was los ist. Bezüglich der momentanen Situation in Melsungen kann man (wie man sieht) geteilter Meinung sein.
Man hatte Ende des Jahres wahnsinniges Pech, was Verletzungen angeht - wie auch oft richtig hervorgehoben. Auch wenn das anderen Mannschaften ebenso passieren kann (siehe z.B. Berlin): Das wird den Saisonverlauf trüben, weil man einen Kühn oder Pavlović schlicht nicht adäquat ersetzen kann. Das ginge Kiel ohne Duvnjak oder die RNL ohne Schmid ähnlich. Meine Sicht auf die Dinge stellt diese Feststellung voran, aber mir geht es um das Große und Ganze:
Melsungen muss aus meiner Sicht eine Trainerdebatte führen. Die Leistungen stimmen seit 2 1/2 (!) nur eingeschränkt und phasenweise, strukturelle Probleme aus M. Roths Zeit sind immer noch erkenntlich. Man hinkt den eigenen Ansprüchen hinterher, hat mehrmals fragwürdige Weichenstellungen (Stichwort Vertragsverlängerungen) gelegt und einen alters- und spieltechnischen Umbruch frühzeitig verpasst. Trotz namhafter Neuzugänge ist von Aufbruch nicht die Spur gewesen - zumindest kam es bei mir nicht so herüber. Auch die Zuschauerresonanz spiegelt das leider wider.
Nun muss man sich fragen, welche Rolle Heiko Grimm dabei spielt. Für mich ist er definitiv nicht der Ausgangspunkt der Probleme, die Lösung selbiger auf lange Sicht aber auch nicht unbedingt. Er verwaltet das Schauspiel mit vielen Ideen und ist ein sympathischer und selbstkritischer Typ, aber diese Aufgabe scheint für ihn zu früh zu kommen. Auch ein Gislason hat nicht in Kiel angefangen; sich sukzessive größere Aufgaben zu suchen ist ein ganz normaler Vorgang. Um ein absoluter Durchstarter zu sein, fehlt es ihm m.E. noch ein wenig an Charisma und an Ecken und Kanten (anders als einem Wiegert), um so ein Team mit einer gewissen Selbstverständlichkeit zu führen. Seine Zeit wird aber kommen, er bringt Vieles bereits mit.
Sollte man nach Jahren der Stagnation tatsächlich den nächsten Schritt machen und den eigenen Zielen Rechnung tragen wollen, dann muss man sich auch auf der Bank mit einem anderen Trainerkaliber beschäftigen. In der Ligaspitze ist die Luft dünn, sodass man jemanden braucht, der mit einer klaren Spielidee das Optimum herauskitzeln kann. Vranjes wäre meiner Meinung nach ein Traum und es ist Quatsch, ihm seine Meriten abzuerkennen, aber was sollte ihn an der MT reizen? Der Kader für 2019/20 steht komplett und gutes Geld lässt sich woanders auch verdienen. Vielleicht/Hoffentlich liege ich hier auch falsch.
Ich schätze die Strukturen in der Schaltzentrale aber für zu träge und "familiär" ein, als dass sich tatsächlich etwas tun sollte. Es wird weitergewurschtelt und am Ende feiert man Jahr für Jahr Platz 6-7. Problem dabei: Dann sind Kühn, Simic, Pavlović usw. bald weg...und wer kann es ihnen im besten Alter verübeln?