Das Problem beim THC heißt nichts Csikos sondern Aizawa. Wenn sie ihre Kreisanspiele nicht hinbekommt, dann hat der THC ein Problem. Die richtige Lösung wäre auswechseln gewesen und nicht 7 gegen 6.
Die eigentlichen Ursachen liegen noch deutlich tiefer. Dem aktuellen Reglement folgend kann/will der THC seit Jahr und Tag nur zwei Varianten spielen. Rennball normal und Rennball 7 gegen 6. Bei Müller kommt hinzu, dass er, wenn es eng wird, ausschließlich auf die Führungsspielerinnen setzt. Bestes Beispiel war das Finale im letzten Final4 des EHF-Cup's, als eine spieltechnisch indisponierte und physisch auf den Felgen fahrende Reichert viel zu lange auf dem Feld blieb und ein Vorsprung, der eigentlich für drei Spiele reicht, noch verspielt wurde.
Das zugrunde liegende Spielsystem ist leicht ausrechenbar und die Gegner stellen sich im Laufe eines Spiels und noch mehr im Laufe einer Saison immer besser darauf ein.
Um nicht missverstanden zu werden:
Das Müller-Duo ist für mich nach wie vor nicht nur das erfolgreichste, sondern auch das mit Abstand beste Trainerteam im deutschen Frauenhandball. Aber die regeltechnischen Rahmenbedingungen limitierten das Spiel immer mehr. Erfolgreich ist nur, wer zu permanenten Kurzsprints in der Lage ist und sich dabei physisch nicht zu sehr verschleißt. Das ist nicht nur im (semi-) professionellen Bereich ein Problem und führt dazu, dass sich der Kreis von über längere Zeit erfolgreichen Spitzenspielerinnen nahezu ausnahmslos auf ein bestimmtes Profil konzentriert und immer weiter reduziert.
Denn:
Aber ich gebe zu, diese Tendenz ist europaweit zu beobachten.
Bei Frauenhandball ist die Anzahl TF oft atemberaubend hoch. 18 und 20 TF und das von 2 der besten Mannschaften Deutschlands.
Da fragt man sich wirklich, woran das liegt. Frauen betonen doch immer ,dass sie denselben Trainingsaufeand haben wie die Männer etc und das von klein auf.
Bitte jetzt nicht alles darauf schieben, dass man nebenher noch arbeiten muss. Die technischen Grundlagen werden eher gelegt.
Richtig! Es ist kein spezifisch deutsches Problem. Das ganze Dilemma hat strukturelle Ursachen ...
Wenn sich Erfolg letztendlich nur einstellt, wenn man willens und in der Lage ist, bei jedem Angriff zweimal im Höchsttempo über das gesamte Feld zu sprinten, schreckt das gerade bei Kindern und Jugendlichen einen erheblichen Teil möglicher Aspiranten von vornherein oder spätestens beim Streben nach höheren Weihen davon ab, sich mit Laib und Seele dem Handball zu verschreiben. Mit der dramatischen Folge, dass sich der Spielbetrieb und damit natürlich auch die Zahl der im Training befindlichen jungen Menschen immer weiter reduziert. Damit sinkt auch das Anspruchsniveau, denn natürlich muss man dann bei den Leistungsanforderungen Kompromisse machen, um überhaupt spielfähige Mannschaften auf das Parkett zu bekommen. Und das eine weniger breite Basis auch weniger Ausnahmespielerinnen generiert, wird niemand ernsthaft bestreiten. Also geht man zwangsläufig auch in diesem Bereich Kompromisse ein. Das fatale Ergebnis bildet sich schon jetzt in den oberen Ligen des Frauenhandballs ab, diese Entwicklung wird sich noch verstärken.
Auf dieses hausgemachte Problem weise ich hier schon seit Jahren hin. Es zerreißt mir das Herz wenn ich sehe, wie die Verantwortlichen in den hohen Gremien des Handballs sehenden Auges in die Katastrophe steuern ...