Hat für mich nichts mit Handball zu tun und ist ein Armutszeugnis, wenn einem Trainer nichts anderes einfällt, als eine Frau vorne mehr reinzustellen und das vor allem noch die kompletten 60 Minuten.
Und dann spricht der Herr noch von Werbung für den Handball. Der Antihandball 7 gegen 6 ist sicherlich keine Werbung für den Handball.
Da geht die Kritik eindeutig in die falsche Richtung. Wenn ein Trainer ein taktisches Mittel, dass neu eingeführte Regeln ausdrücklich ermöglichen, erfolgreich einsetzt, kann man dem Trainer keinen Vorwurf machen. Das Problem liegt dann vielmehr unbedingt bei den regelgebenden Gremien! Also bitte sich bei den Verbänden beschweren und nicht über den in der HBF1 erfolgreichsten Trainer der letzten 20 Jahre ...
Und beim Beschweren auf jeden Fall nicht vergessen, dass das 7 gegen 6 keine losgelöste, in sich geschlossene Regel ist. Sie ist vielmehr zusammen mit der schnellen Mitte und vielen anderen Maßnahmen wie z.B. auch die ganzen seltsamen Regelabweichungen in den letzten Spielsekunden Bestandteil eines ganzen Pakets an Regeln, dass mit dem Ziel verabschiedet wurde, den ohnehin schon schnellen Handball weiter zu dynamisieren. Ich habe diesen ganzen Unfug von Anfang an gerade auch hier im Forum als "Rennball" heftig kritisiert und auf die in vielfältiger Hinsicht problematischen Folgen hingewiesen. Die Mehrzahl der "Experten" hier im Forum hat sich regelmäßig gegen meine Kritik gestellt.
Jetzt ist das Kind in den Brunnen gefallen. Alle meine mehrfach ausführlich erklärten und begründeten Prognosen (z.B. erhöhte Verletzungsanfälligkeit, Privilegierung der Kampfschweine mit Pferdelunge, die "feine spieltechnische Klinge" geht beim Rennball dramatisch den Bach hinunter, erhebliche Probleme bei der regeltechnischen Bewertung extrem dynamischer Zweikampfsituationen, mangelnde Kompatibilität für den Breiten- und Nachwuchssport, wodurch der Handball in der Fläche dramatisch an Präsenz verliert ...) sind eingetreten und plötzlich ist die Aufregung groß.
Zusammen mit dem unsäglichen Meisterschaftsmodus in der HBF1 (da helfen auch die scheinbar oder tatsächlich verordneten Ansagen der Co-Kommentatorin bei DF1 nicht!) und dem immer stärker ausgeprägtem Söldnertum gibt der Frauenhandball mittlerweile ein trauriges Bild ab. Und in Verbindung mit der hier gerade wieder geführten Diskussion, welche deutschen Spitzenteams überhaupt Willens und in der Lage sind, in der kommenden Saison auch international zu spielen, fallen mir positiv ausgerichtete Prognosen für die Zukunft des Frauenhandballs in Deutschland ausgesprochen schwer. Zu groß ist zur Zeit die Diskrepanz zwischen Anspruch (Professionalität) und Wirklichkeit (Trauerspiel auf allen Ebenen, die Präsenz, die Verfügbarkeit und die Wiedergabequalität in den Medien ausdrücklich eingeschlossen!).
Was noch hinzukommt:
Offenbar hat kaum jemand aus dem Fall Ludwigsburg(s) gelernt. Dabei wäre es bitter nötig. Denn für die so sehnsüchtig angestrebte weitere Professionalisierung bräuchten die Vereine und selbstredend auch die Verbände (man schaue nur auf das traurige Kapitel Schiedsrichterarbeit!) Geld, sehr viel Geld. Glaubt jemand ernsthaft, dass gerade in Deutschland angesichts des derzeitigen gewaltigen Aderlasses in nahezu allen Bereichen der Wirtschaft in den kommenden Jahren immer größere Summen an Sponsorengeldern in den Handball fließen? Da ist wohl eher das Gegenteil zu erwarten. Alle Beteiligten wären nach meiner Meinung gut beraten, sich auf ein entsprechendes Szenario einzustellen ...