International dürfte das aber eher Kontraprodutiv sein
wenn die anderen Nationen im Jugendbereich weiterhin mit schneller Mitte spielen, würde sie die deutschen Juniorinnen und Grund und Boden rennen, weil sie damit überhaupt nicht vertraut wären
Gleiches gilt für mich dann auch für 'ne A-Nationalmannschaft, die diese Mittel nicht gelernt hat
spannend auch wenn Spielerinnen Bundesliga und A-Jugend spielen und dann zwischen verschiedenen Regelsystemen wechseln sollen
Ich habe ja nicht gesagt, dass das einfach zu realisieren wäre, diese Konflikte sind mir durchaus bewusst. Fakt ist aber, dass die enorme Beschleunigung des Spielflusses auch erhebliche Probleme mit sich gebracht hat:
- Das dominierende Anforderungsprofil für Spitzenspieler hat sich um eine wesentliche Eigenschaft erweitert. Wer jetzt nicht als Dauerläufer mit Pferdelunge und zusätzlichen Reserven für permanente Zwischensprints daherkommt, hat nicht die besten Karten.
- Diese Fähigkeiten sind aber auch in anderen Mannschaftssportarten (allen voran im viel besser bezahlten Fußball) sehr gefragt, die Konkurrenzsituation spricht hier nicht unbedingt für den Handball
- Die Gefahr schwerer Verletzungen ist insbesondere für größere und/oder schwerere Spieler enorm gewachsen. Dabei spielen sowohl die grundsätzlich höhere Tempointensität als auch die daraus erwachsende höhere Dauerbelastung speziell des Bewegungsapperates eine entscheidende Rolle.
Auch auf die Strategie und Taktik hat es einen eher unheilvollen Einfluss: Spielintelligenz hat längst nicht mehr den überragenden Stellenwert. Höher im Kurs stehen jetzt vergleichsweise monotone Ansätze wie "Schnelle Mitte", "Zweite Welle" und "Durchbruch" als finale Abschlusshandlung. Positionsspiel mit Einbeziehung von Kreis und Außen wird gerade in Deutschland da schon fast als leider unvermeidbares Übel angesehen. Würfe aus dem Rückraum werden oft als Einzelaktion ausgeführt und deshalb meist als Notlösung etikettiert. Bestenfalls gibt es als Unterstützung ein paar eingeübte Spielzüge ("Kreuzungen"), deren Grundstruktur jeder gute Trainer in kürzester Zeit gelesen hat und entsprechend unterbinden kann.
Im Ergebnis trainieren wir schon im Nachwuchsbereich vorrangig die o.g. Spielroutinen und bestimmte Spieler, deren Potentiale eher bei Sprung- und Wurfkraft und weniger bei Schnelligkeit und Ausdauer liegen, verlieren mangels Spaß und Erfolgserlebnis die Lust oder heuern gleich bei der Konkurrenz (bsp.-weise Volleyball oder Basketball) an, wo sie mit ihren Stärken weitaus besser zum Tragen kommen. Vor 40 Jahren wäre das kein großes Problem gewesen, die Freizeitangebote für die Kids waren nach heutigen Maßstäben überschaubar und Sport hatte einen herausragenden Stellenwert. Selbst in kleineren Städten waren die einzelnen Alterklassen oft mit zwei Mannschaften besetzt, schon in mittelgroßen Städten gab es oft mehrere Vereine...
Heute sieht das ganz anders aus. Um überhaupt noch wenigstens in einzelnen Altersklassen einen Spielbetrieb realisieren zu können, bilden sich zunehmend Spielgemeinschaften, oft genug sogar über Landkreisgrenzen hinweg. Da ist jedes verlorengegangene oder gar nicht erst entdeckte Talent ein höchst schmerzlicher Verlust!
Ich könnte hier noch seitenweise so weiter schreiben, aber es scheint vergebliche Liebesmüh (das meine ich wörtlich!) zu sein. Alle Argumente habe ich den letzten Jahren schon vorgetragen und ausführlich erläutert. Die Mehrzahl der Meinungsführer hier im Forum geht offenbar immer noch davon aus, dass die Spitzenvereine auf ein unerschöpfliches Reservoir an Nachwuchstalenten zugreifen können, notfalls werden eben Spielerinnen aus dem Ausland verpflichtet. Im Einzelfall mag das sogar seine Berechtigung haben, aber die aktuelle Schwemme bis hinein in die Regionalligen ist nach meiner Überzeugung genauso kontraproduktiv wie die vollkommen überzogenen Regeländerungen zur scheinbar seligmachenden Dynamisierung des Handballspiels. Und sie ist ein klares Indiz für die Tatsache, dass Handball für die Kinder in unserem Land immer mehr an Attraktivität verliert. Wenn wir diese Entwicklung nicht schnellstmöglich umkehren, wird Handball in Deutschland schon bald nicht mehr das sein, was es mal war. Eine Volkssportart ...
PS.
Nur der Vollständigkeit halber:
Spielzeiten, Torgrößen, Spielfelder kann man sicherlich diskutieren, ist aber im Fussball auch durchaus dem Umstand geschuldet, dass es immer schwieriger wird, überhaupt genug Spieler für eine Mannschaft zusammen zu bekommen
Diese veränderten Grundregeln für den Nachwuchs gibt es im Fußball aber schon sehr lange. Ich habe so manchen Ball in die sogenannten "Knabentore" gedroschen und das entsprechende Spielfeld war quer auf dem "großen" Spielfeld angeordnet. Daran kann ich mich noch gut erinnern, auch wenn das schon deutlich über 50 Jahre zurückliegt ...