Hallo TLpz, vielen Dank für deine Reaktion, endlich mal wieder ein Beitrag zur Sache…
Wir sind mit unseren Standpunkten nach meiner Wahrnehmung gar nicht so weit voneinander entfernt. Bei „nicht ungestört“ bin ich komplett bei dir. Der Unterschied liegt eigentlich nur in den ersten drei Punkten („…“), die du zwischen die Zitatauszüge setzt und die somit symbolisch für den marginalen, aber entscheidenden Zeitraum zwischen dem Foulspiel und dem Wurf stehen. Meiner Meinung nach hat die Angreiferin nach dem am Trikot ziehen die Kontrolle über ihren Körper weitestgehend wiedererlangt, zumal von diesem Zeitpunkt bis zu dem Moment, wo der Ball die Wurfhand verlässt, einige Sekundenbruchteile vergehen. In Echtzeit sind das vielleicht ein oder zwei Zehntel, aber in den verschiedenen Zeitlupen erkennt man in der Zusammenschau ganz gut folgenden Ablauf:
Die Abwehrspielerin zieht von hinten am Trikot, die Angreiferin verliert das Gleichgewicht und kippt nach hinten über
Die Abwehrspielerin löst die Hand vom Trikot (zwischen den Schulterblättern) und legt sie in dem Augenblick, wo die Körper beider Spielerinnen unmittelbar Kontakt bekommen, an die rechte Hüfte der Angreiferin
Die Angreiferin kommt in dem Augenblick, wo die Körper sich treffen, mit beiden Füßen auf dem Boden auf, gleichzeitig löst die Abwehrspielerin die offene Hand von der Hüfte der Angreiferin
Nach einem weiteren Step, bei dem die Angreiferin bereits aktiv (!) die Körperdrehung zum Tor hin einleitet, kommt sie wiederum mit beiden Füßen auf dem Boden auf
Aus dieser Bewegung heraus kommt dann der Absprung zum Tor hin (Die Abwehrspielerin wirft die Angreiferin ja nicht aktiv in den Kreis Richtung Tor!) und erst dann beginnt die Ausholbewegung zum Torwurf…
Ich bin überzeugt, dass die Angreiferin durchaus eine gewisse Kontrolle über den Wurf hatte, wobei ich ihr hinsichtlich des Kopftreffers natürlich keinerlei Absicht unterstelle!
Mir geht es vielmehr um Folgendes:
Aus meiner Erfahrung heraus (und da geht es um eine fünfstellige Zahl von Würfen unter Wettkampfbedingungen) entscheidet der Spieler beim Torwurf in 90 Prozent der Fälle erst im letzten Augenblick (da spreche ich von 100stel Sekunden!) über die Art und die Härte des Wurfes. Man sollte in diesem Zusammenhang die Leistungsfähigkeit unseres Gehirnes nicht unterschätzen, gerade hinsichtlich der Steuerung von trainierten Bewegungsabläufen. Und genau an dieser Stelle sehe ich Handlungsbedarf. Wenn es grundsätzlich nicht regelkonform ist, bei einem harten Wurf vom Kreis den Ball in Kopfhöhe (genauer von 30 cm unterhalb bis 50 cm oberhalb) zu platzieren, wird zumindest in dem Bereich, wo Handball mehr oder weniger professionell gespielt wird (und wo in der Regel auch die Wurfhärte am höchsten ist), die Zahl der schweren Kopftreffer mit Sicherheit deutlich reduziert, weil das Wurfbild „haarscharf an den Ohren vorbei“ von vornherein nicht mehr zu den Erfolg versprechenden Lösungen zählt.
Nicht mehr und nicht weniger ist meine Intention…