Beiträge von BlKW168

    Wo ist Euer konkretes Problem?Im internationalen Vergleich liegt Deutschland, was die Sportbeteiligung anbelangt hinter den Skandinaviern und den Niederlanden schon noch im vorderen Bereich.

    Sei es drum, da wir eh schon tief im offTopic stecken, gehe ich auch darauf ein und schweife mal richtig weit ab...

    Wo ist dein Problem, dass du hier Daten und Zahlen präsentierst, die mit unserem Kernthema Handball wenig bis gar nichts zu tun haben? Und dann im Folgenden auch noch weitere Daten lieferst, die deiner diesbezüglichen Aussage ("Deutschland steht doch eigentlich ganz gut da") ziemlich klar entgegenstehen?

    Zitate alter Sack:

    (die Zitierfunktion hat bei mir auf dem Handy seit gestern erhebliche Macken!)

    "Eurostat‑Daten zeigen zudem, dass der Anteil derjenigen, die die empfohlene Aktivität erreichen, in Deutschland über 25 % liegt, während zahlreiche EU‑Länder deutlich darunter bleiben.europa+1"

    "Je nach Definition liegt der Anteil der Erwachsenen, die mindestens die WHO‑Empfehlungen erreichen, in Studien zwischen grob 40 % und 70 %, was im europäischen Vergleich einem Platz im oberen Mittelfeld entspricht.europa+2"

    Egal welche Quelle man jetzt zugrunde legt, offenbar bewegt sich hier deine Sichtweise im Bereich des Sprichwortes "Unter den Blinden ist der Einäugige König". Sei dir natürlich gegönnt.

    Mein Anspruch ist auch da ein anderer ...

    Bin voll bei dir, kurze Verstädnissfrage, welche Regeln meinst du hier genau.

    Im Grundsatz alles, was Handball zum Rennball gemacht hat. Ich nenne hier mal an erster Stelle schnelle Mitte und 7 gegen 6. Natürlich ist das Thema Regelwerk und seine Umsetzung sehr komplex. Und in diesem Zusammenhang muss man auch die Schiedsrichter und ihre Entscheidungen sehen, die sich teilweise doch weit vom Text des Regelwerks entfernen. Dabei meine ich weniger den Einzelfall, sondern eher die vorgegebene Linie. Stichworte sind hier Schritte, Kreis, Stürmerfoul, Griff in den Wurfarm, Stoß in den Körper beim Sprungwurf, Halten/Ziehen am Trikot etc. pp. Klar, Handball ist kein Basketball und soll es auch gar nicht sein. Aber wenn das Spiel zum harten Infight mit Schlagen und Stoßen ausartet, sollten auch hinsichtlich der Verletzungsgefahr klare Grenzen gesetzt und auch eingehalten werden. Interpretationsspielräume sind schön und gut, aber bitte in einem klaren Rahmen.

    Beide Aspekte (überzogene Dynamisierung und übermäßige Härte) tun dem Handball nicht wirklich gut. Vielleicht noch (in Grenzen) dem Spitzensport mit dem ganzen dazugehörigen Spektakel heischenden Tross, aber nicht beim Breitensport und schon gar nicht im Nachwuchsbereich.

    Der Fall Ludwigsburg(s) belegt nach meiner Wahrnehmung einen Prozess, der (zunächst bevorzugt im Frauenhandball) grundlegende, wenig erbauliche Veränderungen einleitet. Der Weg hin zu immer stärkerer Professionalisierung ist krachend gescheitert, er trägt sich einfach kommerziell nicht. Selbst in Deutschland schaffen es nur wenige Vereine, Saison für Saison eine wenigstens in Ansätzen ausreichene finanzielle Basis zu schaffen, die zumindest für die 10 - 12 unverzichtbaren Spielerinnen akzeptable Rahmenbedingungen bietet.

    Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass der Erfolg der Nationalmannschaft bei der WM daran substanziell etwas ändert. Zu problematisch sind die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, ein großer Teil der Unternehmen, egal ob groß oder klein, weiß nicht, wo die Reise in den kommenden Jahren hingeht. Da ist Sportsponsoring das Letzte, worauf die verantwortlichen Akteure den Fokus legen...

    Andere Optionen, ausreichend Geld zu beschaffen? Sehe ich nicht. Die Anlehnung an große Vereine funktioniert überhaupt nicht, auch dort hat man längst erkannt, dass man das Geld zusammenhalten muss. Oder warum spielen die Damen vom BVB immer noch in Wellinghofen?

    Große Einzelsponsoren wie ehemals in Bietigheim/Ludwigsburg kann es natürlich auch jetzt und zukünftig immer mal geben. Aber das wird niemals für eine ganze Liga reichen, in der dann über die ganze Saison ein wertiger Spielbetrieb für alle (!) beteiligten Vereine regelmäßig sportliche Herausforderungen bietet, die dann auch zwangsläufig in einem permanenten Prozess kontinuierliche Leistungssteigerungen generieren. Die Existenz einer oder weniger Übermannschaft(en) führt eher zum Gegenteil, wie wir gerade im Frauenhandball in den letzten Jahren schmerzhaft erfahren mussten.

    Welche Alternativen und Perspektiven gibt es? Schauen wir uns um in der Welt des Frauenhandballs. Wo ist man erfolgreich, wo hat man einen großen Stellenwert und großen Rückhalt in der Gesellschaft?

    Da sehe ich zuerst Skandinavien und den Balkan. Und zwar mit zwei recht unterschiedlichen Modellen. Auf dem Balkan ist Handball Volkssport, über Generationen gewachsen und in den meisten Ländern dem Fußball durchaus ebenbürtig. Für uns eine unerreichbare Illusion. In Skandinavien ist das Bild differenzierter. Während in Dänemark die Situation durchaus mit dem Balkan zu vergleichen ist (wenn auch nicht 1 zu 1), gibt es in Schweden und Norwegen eine klare Dominanz des nordischen Skisports. Und trotzdem wird dort gerne und viel und vor allen Dingen erfolgreich Handball gespielt. Unterstützt und gefördert von vielen Institutionen, das fängt in den Schulen an und hört in den Kommunen noch lange nicht auf, z.B. wenn es um die Nutzung der Hallen geht. Das "Zwickauer Modell", hier bei einigen Protagonisten heftig in der Kritik stehend, ist dort selbstverständlich ...

    Es ist eben ein Unterschied, ob man mit einer Sportart auf Teufel komm 'raus Geld verdienen will oder ob man Sport in erster Linie als gesamtgesellschaftliche Aufgabe versteht...

    Was bedeutet das für uns, was wird bzw. muss passieren? Zuerst müssen die Verantwortlichen in den Verbänden die Zeichen der Zeit erkennen und sich den Realitäten stellen. Nur mit einer Professionalisierung ganz anderer Art werden wir eine Chance haben, unserem geliebten Handballsport auch bei den Frauen eine halbwegs gesicherte Perspektive zu geben. Der Weg dorthin führt nicht über das große Geld, sondern über persönliches Engagement im ehrenamtlichen Bereich, nicht nur in den Vereinen, sondern auch in den Verbänden. Das beinhaltet nicht nur die Fokussierung auf den Nachwuchs- und Breitensport, sondern auch die Rücknahme von Regeländerungen, die nur einige wenige Hochleistungssportler privilegieren und die breite Masse aus verschiedensten Gründen eher abschrecken und verprellen. Denn nur auf diesem Weg wird es möglich sein, eine ausreichende Zahl von Vereinen in der Fläche und so auch eine Verankerung in den Regionen zu erhalten bzw. dort, wo sie schon verloren gegangen ist, wiederzubeleben. Und nur mit dieser Verflechtung werden genügend Kinder noch Interesse und Freude am Handball entwickeln. Und ja, auch für den Männerhandball wird das existenziell wichtig sein, auch wenn sich in diesem Bereich eine in erster Linie monetär basierte Professionalität noch trägt. Aber die Fallgruben sind schon abzusehen ...

    Wir haben nur eine Chance, wenn wir die Realitäten anerkennen. Hirngespinste in Wolkenkuckucksheim lösen die Probleme nicht. Der Weg wird so oder so sehr steinig werden. Aber Handball hat nach wie vor das Potential, die Menschen zu faszinieren und zu begeistern. Aber nicht (nur) als elitäre Veranstaltung einer Handvoll Ausnahmekönner, sondern in erster Linie als Volkssport! Denn darin steckt die Kernkompetenz einer Mannschaftssportart nach wie vor ...

    Seemüller ist Westfale.

    Und er hat recht

    Mal überspitzt formuliert:

    Wenn das so zutreffen würde, müsste man die üblichen Vorbereitungsroutinen auf die Saisonhöhepunkte komplett neu denken...


    Der ganze sogenannte Transformationsprozess ist eine selbstzerstörerische Disruption, übrigens nicht nur im Handball.

    Eine sehr gute Leistung unserer Mädels, zweifelsohne. Und es war noch mehr möglich. Vergeben wurde diese Chance im Wesentlichen in der ersten Halbzeit, wo wir das bessere Team waren und Norwegen mehr als einmal in Verlegenheit bringen konnten. Zwei der vielen klaren, leider vergebenen Chancen genutzt und in den letzten 20 Sekunden in Unterzahl (!!!) bei eigenem Angriff die Torhüterin dort lassen, wo sie hingehört, das hätte die Norwegerinnen in der Halbzeit noch viel mehr in's Grübeln gebracht.

    Dann steht es in der zweiten Halbzeit nach den ersten 10 starken Minuten der Norwegerinnen schlimmstenfalls Unentschieden und dann kam nochmal eine starke Phase unseres Teams ...

    Unter Druck machen auch die Norwegerinnen ungewohnt viele Fehler, diese Erkenntnis zog sich durch das ganze Spiel. Das wir das nicht konsequent nutzen konnten, ist schade, aber letztendlich überwiegt trotzdem die Freude über eine überdurchschnittliche Leistung in diesem Turnier. Das wichtigste Ziel wurde erreicht, die Weltspitze ist wieder in Reichweite.

    Was ist noch bemerkenswert:

    Lunde ist ein Phänomen, sie liest nahezu alle Spielerinnen und bewegt sich schon in die anvisierte Ecke, bevor der Ball die Wurfhand verlässt. Wann beginnen eigentlich die Spielerinnen und die Torwurftrainer, die Torhüterinnen zu lesen?

    Unter normalen Umständen hätte ich die Schiedsrichterleistung als durchschnittlich bewertet. Angesichts so vieler negativer Erfahrungen in den letzten Jahren stufe ich sie für dieses Spiel auf "gut" hoch, weil sie unter dem Strich kein Team wirklich benachteiligt haben. Trotzdem bleiben sie die Erklärung schuldig, warum die Norwegerinnen beim deutschen Freiwurf nie mehr als 1 bis 2 Meter Abstand einhalten mussten, in entscheidenden Situationen die deutsche Abwehr aber mehrfach penibel genau auf die 6m-Linie dirigiert wurde... Und Entscheidungen, wo z.B. eine norwegische Abwehrspielerin mit beiden Füßen deutlich im Torraum steht (gefühlt mit den Fußspitzen 20 cm von der 6m-Linie entfernt!), und dann ihre Abwehraktion gegen unsere Spielerin, die direkt zum Tor zieht, mit einem Freiwurf "belohnt" werden, werde ich nie verstehen!

    Norwegen hat verdient gewonnen, keine Frage. Die Kategorien Routine, Abgeklärtheit und Cleverness haben sie deutlich für sich entschieden. In Bezug auf Unbekümmertheit und Mut haben wir gewonnen und eine ganze Menge an Sympathie und Hoffnung für die Zukunft dazu!

    So etwas entwertet natürlich schon sportliche Erfolge, jedenfalls für diejenigen, welche Frauenhandball kontinuierlich verfolgen. Erfolge allein bringen wenig, dazu ist das alles zu schnelllebig - so etwas wie die unsterblichen WM78er ist kaum mehr möglich.

    Das Turnier war schlichtweg geprägt durch Langeweile (auch, weil es nicht um die Olympiaquali ging),

    Diese Sichtweise halte ich für überzogen. Eine WM so grundsätzlich zu entwerten und den sportlichen Wert weitestgehend auf die Funktion einer Trittstufe für Olympia zu reduzieren, wird dem Stellenwert einer solchen Veranstaltung nicht gerecht. Eine solche Haltung erinnert mich an das Märchen vom Fischer und seiner Fru, egal ob der Fischer nun Horst heißt oder nicht. Denn wenn man solchen Argumentationslinien 》

    Ein Nachwuchsleistungszentrum ist nur etwas Wert, wenn ein Großteil der Spielerinnen schnellstmöglich (am besten schon mit 17) in der ersten Bundesliga spielt

    Ein Bundesligateam ist nur gut, wenn es jedes Jahr, möglichst ohne Ausländerinnen, CL spielt

    Eine Spielerin ist nur dann Weltklasse, wenn sie bei einer Mannschaft spielt, die regelmäßig die CL gewinnt

    Die Nationalmannschaft ist nur gut, wenn sie regelmäßig, insbesondere bei großen Turnieren, gegen die 3 in der Nationenwertung führenden Teams gewinnt

    Eine EM oder WM ist nur dann von Bedeutung, wenn die Platzierungen mit der Qualifikation für höhere Weihen verbunden sind

    Das olympische Handballturnier ist nur gut, wenn alle Mannschaften so ausgeglichen sind, dass alle KO- und Platzierungsspiele in die Verlängerung und in das 7m-Werfen gehen

    》folgt, stellt sich nicht nur für den Durchschnittshandballer ganz schnell die Frage, was mache ich hier eigentlich...

    Der Handball, insbesondere der Frauenhandball, steht ganz offensichtlich an einem Scheideweg. Wer wissen möchte, wo man landet, wenn die derzeitige Linie beibehalten wird, braucht nur das oben erwähnte Märchen zu Ende zu lesen. Oder den (bzw. die) Fischer fragen. Sie sind schon so weit abgehoben, dass sie von ihrer gegenwärtigen Position aus das Ziel ihrer eigenen Reise mit Sicherheit schon sehen können. Ob sie es auch erkennen, ist eine andere Frage ...

    Ich sehe es auch so, dass im Turnier und auch im Abschneiden der DHB-Auswahl die tiefe Krise des Frauenhandballs manifest wird.

    Das Niveau ist deutlich gefallen und weltweit sieht es nicht gut aus.

    Diese Aussagen unterschreibe ich sofort. Über die Ursachen zu referieren erspare ich mir und den Lesern an dieser Stelle, ich habe das Thema "Rennball" und seine unheilvollen Auswirkungen bis in den Bereich der handballerischen Basis im Freizeit- und Nachwuchsbereich hinein hier in den letzten Jahren in ausführlichster Form dargelegt.

    Zu den wenig erbaulichen Auswirkungen dieser fatalen Entwicklung in den kommenden Jahren auch und gerade hier in Deutschland schreibe ich nach der WM noch ein paar Sätze. Es wäre heute vor dem Finale mehr als daneben, hier Missstimmung zu forcieren und Trübsal zu blasen. Denn natürlich freue ich mich auch über den Erfolg unseres Teams und drücke den Mädels fest die Daumen!

    Gefreut hat mich, dass der Doppelwechsel so gut funktioniert hat. Teilt ihr diesen Eindruck?

    Durchaus, die beteiligten Spielerinnen waren hellwach und haben aus der jeweiligen Situation heraus nahezu immer die richtige Entscheidung getroffen: Wechsel unmittelbar oder erstmal in Formation gehen (vorrangig natürlich in der Abwehr, aber durchaus auch gelegentlich im Angriff) und dann einen geeigneten Moment nutzen.

    Was mir noch aufgefallen ist:

    Die schnelle Mitte nahm im Spielgeschehen nicht so eine dominante Rolle ein. Das hat ein gewisses Maß an Harmonie in das Spielgeschehen getragen und war sehr angenehm anzuschauen ...

    Glückwunsch Mädels,

    ihr habt den (nicht nur) von mir erhofften Sahnetag Realität werden lassen! Es wurde deutlich, wie wichtig Vor- und Hauptrundenspiele für die Stabilität sind. Die Mannschaft findet sich, entwickelt Selbstvertrauen, testet Varianten. Das Viertelfinale als erster wirklicher Test souverän durchgezogen und plötzlich funktioniert, was in den letzten großen Turnieren schmerzlich vermisst wurde: Der Glaube an die eigene Leistungsfähigkeit, die Nervenstärke, starke Momente des Gegners und eigene Schwächephasen zu parieren und das Vermögen, jederzeit die eigenen individuelle Stärken progressiv in den Dienst der Mannschaft zu stellen.

    Knackpunkte:

    Die Abwehrleistung mit einem Sonderlob für Filter und von Perreira (vielleicht schafft es ja der Weltverband, wenn man sich schon nicht traut, eine Abwehrspielerin als beste Spielerin eines Spiels auszuzeichnen, im Falle eines deutschen Finalsieges ihr den MVP des Turniers zuzugestehen - fairerweise mit Xenia Smits zusammen !?!)

    Eine entfesselte Viola Leuchter, die unbekümmert einen Kracher nach dem anderen Richtung Tor gejagt hat. Nicht nur die Tore, auch die beiden gewaltigen Lattentreffer haben ganz viele Fragezeichen in die französische Abwehr getragen, auf die sie zu keinem Zeitpunkt eine Antwort gefunden hat. Es sei ihr verziehen, in den letzten 10 Minuten eins zwei Würfe zuviel genommen zu haben...

    Antje Döll: Nicht nur die (oft frechen!) 7-Meter waren wichtig. Auch die frühen Tore von außen hatten entscheidenden Einfluss, weil die Französinnen ihre Abwehr nicht so kompakt stellen konnten, wie sie es mit Sicherheit eigentlich wollten...

    Die Mannschaft: Es gab keinen Ausfall. Die Breite des Kaders (Respekt an alle, die das genau so prophezeit hatten!!) und die konsequente Linie des Trainerteams waren ein wichtiger Schlüssel des Erfolgs. Unser Gegner hat unsere Schwachstellen gesucht und keine gefunden ...

    Na wenn selbst Experten wie Du nicht wissen, wer das Heft des Handelns in die Hand nimmt, umso besser. Dann ist die Mannschaft auch für den Gegner schwerer ausrechenbar.

    Das sehe ich genauso.

    In der Nationalmannschaft spielen die Besten der Besten (zumindest sollte es in der Mehrzahl so sein, auch wenn das in den letzten 20 Jahren längst nicht immer so war!). Also tummeln sich in einer Auswahl (!) auf dem Spielfeld immer mehrere Alphatiere, die in ihren Heimatvereinen in der Regel eine Führungsrolle spielen und bereit und in der Lage sind, Verantwortung zu übernehmen. Da kann es eln nicht zu unterschätzender Vorteil sein, wenn in einem Auswahlteam eine straffe Hierarchie vermieden wird. Wenn der Trainer hier das richtige Fingerspitzengefühl entwickelt und strategisch intelligent umsetzt, kann das erhebliche zusätzliche Potentiale freisetzen. Wenn Gaugisch das schafft, hat Deutschland auch gegen Frankreich eine realistische Chance, den Gegner zu verunsichern und möglicherweise sogar zu gewinnen.

    Ein schweres Spiel wird es angesicht der individuellen Stärke der Französinnen allemal. Ich drücke den Mädels und dem Team dahinter die Daumen, mögen sie einen Sahnetag erwischen und die richtigen Entscheidungen treffen!

    Kurze Nachfragen: Wer sind denn die „Protagonisten des Bezahlfernsehens“?

    Also, ich bin jetzt schon voller Vorfreude auf das VF am Dienstag und auf das Live-Dabei-Sein zu können, habe aber auch volles Verständnis dafür, dass man auf die Trainingsspiele im ÖR in der Vor- und Hauptrunde verzichtet hat.

    Die WM geht doch jetzt erst so richtig los…

    In Bezug auf die o.g. Protagonisten habe ich bewusst keine Namen genannt. Jeder, der hier regelmäßig liest, weiß, wer gemeint ist. Da muss ich nicht unnötig eskalieren....

    Was die Übertragung im ÖR erst ab dem Viertelfinale betrifft, sollte die Außenwirkung außerhalb der Handballgemeinde nicht unterschätzt werden. Dort wird in bewegten Bildern ein Sieg und eine Niederlage zu sehen sein und wenn es blöd läuft nur eine Niederlage mit großem Katzenjammer. Die sechs erfolgreichen Spiele in Vor- und Hauptrunde hätten, wenn sie übertragen worden wären, im Vorfeld (weitgehend unabhängig vom sportlichen Wert) beim interessierten Publikum eine positive Grundstimmung erzeugt, die gerade angehende Handballer in ihren Ambitionen enorm bestärken kann.

    Eine positive Wirkung der medialen Schützenhilfe für unseren Sport ist jetzt mit Blick auf die kommenden Spiele wesentlich weniger sicher und kann sich sogar in's Gegenteil verkehren. Natürlich ist nicht ausgeschlossen, dass bei einer Fortsetzung der Siegesserie der deutschen Mannschaft diese ganze Diskussion plötzlich sehr theoretisch wirkt. Aber wer will dafür die Hände in's Feuer legen?

    Ich bleibe dabei:

    Gerade angesichts des (warum auch immer) sehr gastgeberfreundlichen Turnierbaums hätte eine Übertragung in den ÖR vom ersten Spiel an insbesondere dem Frauenhandball sehr gut getan. Hier wurde eine große Chance vertan.

    Nachfolgend ein Zitat aus einem aktuellen Artikel von Focus online:

    "Die deutschen Handballerinnen begeistern aktuell bei der Heim-WM, doch niemand sieht es. Das ist besonders für Kinder- und Jugendsport fatal.
    ...
    Wenn wir über Nachwuchsförderung und die Stärkung von Frauen-Sportarten reden, ist Sichtbarkeit das mit Abstand wichtigste Kapital. Kinder brauchen Identifikationsfiguren. Sie brauchen Vorbilder, zu denen sie aufschauen können, die sie inspirieren, selbst einen Ball in die Hand zu nehmen und im nächsten Verein anzufangen.
    Das sind in der Regel die Spielerinnen und Spieler der Nationalmannschaft. Also Spielerinnen und Spieler aus dem Fernsehen. Wie aber soll eine junge Sportlerin eine tiefe Bindung, eine echte Faszination für die deutschen Handball-Frauen aufbauen, wenn das wichtigstes Turnier – die Heim-WM – nicht frei zugänglich ist? Die Realität ist: Kinder und Jugendliche, die nicht bereits im Verein spielen, kommen meist zufällig mit einem Sport in Kontakt. Der Fernseher im Wohnzimmer, das gemeinsame Schauen mit den Eltern – das sind klassische Momente, die den entscheidenden Impuls geben. Eine Free-TV-Übertragung hat das Potenzial, Millionen von jungen Menschen zu erreichen, die nie für die Paywall (15,99 Euro für das Turnier oder sechs Euro pro Spiel) bezahlen würden.
    Wenn eine Heim-WM jedoch hinter einer Bezahlschranke verschwindet, wird die Chance auf diese Breitenwirkung drastisch reduziert. Die deutschen Handball-Frauen begeistern auf dem Feld und stehen dank starker Leistungen im WM-Viertelfinale. Aber Vorbilder können sie kaum werden, wenn ihnen niemand dabei zuschauen kann."

    Genau diese Argumente habe ich hier in den letzten Jahren nahezu wörtlich vorgetragen, zumindest in der Kausalität der ganzen Katastrophe der medialen Nonpräsenz. Die selbsternannten "Eggsp(l)ärrten" hier im Forum haben das genauso geflissentlich ignoriert wie die mit diesem Sachverhalt verbundenen Nachteile und Gefahren für den Frauenhandball insgesamt. Mir geht diese Verweigerungshaltung am Allerwertesten vorbei, ich bin da überhaupt nicht eitel. Aber im Interesse des Handballsports insgesamt sollten die Protagonisten des Bezahlfernsehens ihre Haltung schon erklären ...

    Ich weiß nicht ob es der richtige Thread ist und auch nicht, ob es überhaupt von Interesse ist (wenn nicht, gerne einfach löschen), aber Dortmund spielt mit den Gedanken eine Basketballabteilung zu gründen. Ich befürchte, dass das, trotz der Aussagen von Herrn Watzke, nicht unbedingt positive für den Frauen Handball in Dortmund wäre, ...

    Dieser Trend ist nicht nur für Dortmund problematisch und bezeichnend zugleich!

    Jahrzehntelang war Frauenhandball (zumindest in unseren Breiten) das Nonplusultra bei den Frauen-Mannschaftssportarten. Das ist lange vorbei und das hat Gründe.

    Diese jetzt in der momentanen Stärke der Konkurrenz (Fußball, Basketball, Volleyball etc.) zu suchen und zu finden ist zwar bequem, greift aber zu kurz. Unsere zunehmend zum reinen Rennball (ja ich weiß, das nervt, aber das ist Absicht!) verkommene, einst (gerade in den taktischen Optionen) so vielseitige Sportart hat insbesondere für Frauen viel von seiner Attraktivität verloren. Mittlerweile im Jahresrhythmus durchgepeitschte Regeländerungen, die wenn überhaupt hauptsächlich den professionellen Handball bedienen, entziehen dem Breiten- und und Nachwuchssport das wichtigste Kapital, nämlich interessierte und begeisterte Spieler. Denn das permanente Regelchaos irritiert in der Umsetzung nicht nur gleichermaßen Spieler und Schiedsrichter, sondern natürlich auch Zuschauer, egal ob Eltern, Freunde oder ganz einfach nur Handballinteressierte. Die seit Jahren zunehmende Häufung schwerer Verletzungen möchte ich an dieser Stelle nur beiläufig erwähnen ...

    Das Ergebnis dieser katastrophalen Entwicklung ist erschütternd und dramatisch zugleich, denn die Auswirkungen greifen letztendlich bis in die Nationalmannschaft:

    Wenn heute die aktuelle Ikone des Dortmunder Frauenhandballs als langjährige Kapitänin unserer Frauennationalmannschaft vor laufender Kamera im MoMa nach maximal erfolgreicher Vorrunde verkünden muss, dass für das heutige (!) erste Hauptrundenspiel in der traditionsreichen Dortmunder Westfalenhalle zahlreiche Eintrittskarten noch nicht verkauft werden konnten, spricht das Bände ...

    Vor dem Hintergrund, dass dieses Spiel im Mutterland des Handballs nicht im frei zugänglichen Fernsehen gezeigt wird, gewinnt diese traurige Situation noch mehr an Brisanz und Aussagekraft!

    Die Leistungsstärke einer Mannschaft bemisst sich nicht nur nach der Summe der Leistungsstärke der Einzelspielerinnen. Auf dieser Tatsache beruht ein erheblicher Teil der Attraktivität unserer geliebten Sportart.

    Nach wie vor.

    Gottseidank.