»Wir haben eine Zukunft in Tübingen«
METZINGENS MANAGER FERENC ROTT SIEHT DEN CLUB NACH DEM UMZUG NACH TÜBINGEN AUF DEM RICHTIGEN WEG.FOTO: SCHMIDT/EIBNER
Handball – Vor dem Umzug gab es im Umfeld der Metzingerinnen viel Skepsis. Ein Jahr später zieht Rott positive Bilanz
VON FRANK PLEYER
METZINGEN. Die Skepsis war bei Teilen der Fans, Helfer und Sponsoren groß. Vor dem dauerhaften Umzug der Metzinger Bundesliga-Handballerinnen in die Tübinger Paul-Horn-Arena, wo seit dieser Saison alle TuS-Heimspiele ausgetragen werden, gingen sie an die Öffentlichkeit und brachten ihre Besorgnis zum Ausdruck. Der Wegzug des Vereins aus Metzingen wurde befürchtet, auch die Existenz des Clubs sah man durch die von der Frauen-Bundesliga (HBF) und Deutschem Handball-Bund (DHB) festgelegten Anforderungen in Sachen Hallen-Größe und -Ausstattung in Gefahr.
Jetzt, ein knappes Jahr später, sind diese kritischen Stimmen verstummt. »Jeder hat eine andere Wahrnehmung. Aber nun kann jeder, der skeptisch war, sehen, dass es nicht ganz schlecht gelaufen ist«, beschreibt Geschäftsführer Ferenc Rott die Situation. In Metzingen sei ihnen nicht ermöglicht worden, eine größere Halle zu bekommen. Also habe man den Umzug nach Tübingen realisieren müssen. Und er legt Zahlen vor, die wohl die Wenigsten vor einem Jahr erwartet hätten. Demnach haben im Schnitt rund 500 Zuschauer mehr als noch in der Metzinger Öschhalle, der früheren Spielstätte der »TusSies«, die Spiele in Tübingen gesehen. Das bedeutet eine Steigerung um stolze 50 Prozent.
Neue Kreise erschlossen
Der Besucherschnitt in der laufenden Spielzeit in Tübingen liegt bei 1.440 Personen pro Partie. Damit rangiert die TuS an vierter Stelle aller elf Erstliga-Clubs. Rott: »Eine starke Resonanz, auch wenn wir sportlich, ehrlich gesagt, keine Highlight-Saison hatten.« Die Öschhalle fasst gegenüber der Tübinger Arena nur 1.050 Zuschauer. Sie war bei TuS-Begegnungen bis vor einem Jahr meist ausverkauft. Angesichts des nun deutlich höheren Besucherschnitts bedeutet das, dass sich die »TusSies« in Tübingen über ihr Stamm-Publikum hinaus neue Kreise erschlossen haben. Und das in einer Sportart, die in Tübingen keine große Tradition auf Top-Niveau hat.
Metzingen hatte vor dem Umzug pro Spielzeit zwar Begegnungen in der Neckarstadt bestritten, aber nur sporadisch. Zuletzt waren in der Paul-Horn-Arena im Männer-Bereich mit dem TV Neuhausen in der Saison 2012/13 regelmäßig Handball-Bundesliga-Spiele geboten gewesen. Nach Rotts Aussage kommen inzwischen sehr viele Besucher aus Mössingen, dem Gäu oder Rottenburg: »Wir haben das ganze Umland ein bisschen bewegen können, zu uns zu kommen. Das war auch unser Ziel.« Es sei eine Bestätigung nach der großen Skepsis, die ihnen anfangs nach der Ankündigung des Umzugs entgegengeschlagen sei.
Auch Spielerinnen gefällt Arena
»Das macht Hoffnung. Wir haben eine Zukunft in Tübingen. Hier haben wir die Voraussetzungen, um wachsen zu können, größer zu werden, auch im Etat, und uns damit auch sportlich steigern zu können«, sagt der Manager. Die Größe der Arena mit einem Fassungsvermögen von 2.500 Plätzen und dem großzügigen VIP-Bereich bietet zudem in der Außendarstellung ganz andere Möglichkeiten als die Öschhalle. Die neue Heimspielstätte kommt auch bei den Spielerinnen sehr gut an. »Das ist eine schöne offene Halle, die super professionell wirkt«, sagt Mannschaftsführerin Svenja Hübner.
Einziger Nachteil aus Sicht von Rott: Die Halle weist lediglich 1.400 Sitzplätze auf inklusive VIP-Bereich, dafür aber 1.100 Stehplätze. Weil aber unter den TuS-Fans oft Familien sind, die beieinander sitzen wollen und ungern auf Stehplätze zurückgreifen, sieht er in Sachen Zuschauer Grenzen des Wachstums. »Im Schnitt 1.600 oder 1.700 Zuschauer wäre das Maximum, das realistisch ist«, glaubt Rott. Das Top-Ereignis in Sachen Auslastung war das Ein-Euro-Ticket-Spiel, als 2.400 Besucher, die sich von dieser Aktion anlocken ließen, in die Paul-Horn-Arena kamen. Rott: » Da hat man gesehen, dass auch in Tübingen was gehen kann. So ein Umzug erfordert Kreativität. Es ist die Gelegenheit, neue Wege zu gehen und die Sichtbarkeit zu erhöhen.«
Aus diesem Grund wurden zu den Heimspielen auch eine unterschiedliche Anzahl von Freikarten bei Handball-Camps, in Schulen und Vereinen ausgegeben. Konkrete Zahlen nannte Rott nicht. Das sei schwierig zu benennen. So hätten zum Beispiel auf Messen die Gewinner des Torwandwerfens ein Souvenir oder eine Freikarte erhalten. Oberstes Ziel ist es, zunächst einmal die Leute in die Halle bekommen. Wenn sie dann erstmal vor Ort sind, waren bisher die Reaktionen fast durchgängig positiv. Er habe bei den Zuschauern von kaum jemandem gehört, dass ihm Frauen-Handball nicht gefallen habe, schildert Rott seine Erfahrung. Wichtig sei, etwas zu bieten – »mit einem guten Event, einer guten Show und einer guten sportlichen Leistung«. Das gilt nicht nur für Fans, sondern auch für Sponsoren, die unter anderem die Ein-Euro-Ticket-Aktion erst möglich gemacht hatten. Ein paar neue Geldgeber hat man nach seiner Aussage bekommen. Aber er sei auch »dankbar, dass uns über 90 Prozent der Sponsoren treu bleiben«, so Rott weiter.
Weitere Erfolge im Zusammenhang mit Metzinger Bundesliga-Partien waren die pinkfarbene T-Shirt-Aktion im Spiel gegen Zwickau sowie die gut besuchten Weihnachtsspiele. Man werde noch härter arbeiten, um die Spiele in der neuen Heimspiel-Stätte zu einem dauerhaften Erfolg zu machen. Rotts Fazit: »Wir brauchen noch ein, zwei Jahre bis wir in Tübingen richig angekommen sind, richtig angenommen werden. Es gab keinen anderen Weg, als in die Paul-Horn-Arena umzuziehen. Jeder hat gesehen, dass es der richtige Weg ist.« (GEA)