Ich habe irgendwo mal das schöne Zitat gelesen, dass Sportreporter letztlich Fans sind, die es vor die Bande geschafft haben. Das trifft es wohl ganz gut. Der eine oder andere kann es halt nicht verbergen. Ist im Fussball ja schon richtig exzessiv, auch aus anderen kommerziellen Abhängigkeitsverhältnissen heraus.
Teil eins (Fans, die es an die Bande geschafft haben) kann ich z.T. bestätigen; Teil zwei (Nichtverbergenkönnen - Abhängigkeitsverhältnis) weniger.
Wichtig in diesem Zusammenhang ist mir, die Tatsache festzustellen, dass in den meisten Lokalsportredaktionen der einzelnen Zeitungen seit etwa 20 Jahren massiv der Etat für fähige Berichterstatter/gute Berichterstattung gestrichen worden ist, bzw. es als ausreichend empfunden wird, wenn die Reporter nicht mehr vor Ort, sondern im Stream oder gar Ticker das Spiel verfolgen und daraus dann einen 08/15-Bericht zusammenschustern, den am kommenden Montag eh kaum noch wer liest, weil die Fans das Spiel entweder im Stream/TV gesehen haben oder/und sich von der zeitnahen Berichterstattung der Vereine (inkl. Bewegtbildern) in den eigenen oder sozialen Medien hinreichend informiert fühlen.
Kritik kommt so wesentlch seltener auf, als noch vor 15 Jahren... Reflektierende, tiefer gehende, analytische und kritisierende Artikel, die aufwendige und zeitintensive Rechcherchen erfordern, findet man immer seltener in den Lokalzeitungen. So etwas gibt es nur noch im Zusammenhang mit dem nächsten Fußball-Bundesligisten.
Bei uns in Lübbecke hat die Berichterstattung über den TuS jahrzehntelang qualitativ und auch emotional davon gelebt, dass es im Stadtgebiet zwei, mit Umland drei unabhängige Zeitungen gab und jede die andere Zeitung ausstechen wollte, indem man z.B. potenzielle Neuzugänge recherchiert und vor der Konkurrenz darüber berichtet hatte ("Die LK berichtete bereits am Mittwoch.") - Folge: Der wahre Fan hatte beide Zeitungen im Abo, auch weil die Berichte durchaus verschiedene Blickwinkel aufwiesen.
Damals - das habe ich als mir mein Jura-Studium verdienender freier Jounalist noch mitgemacht - fuhren beide Redaktionen unabhängig voneinander zu jedem (!) Auswärtsspiel (inkl. Europapokal), machten eigene Fotos (die vor Erfindung der Digitalkameras noch in der Redaktion oder in mobilen Laboratorien unterwegs entwickelt werden mussten), schrieben eigene Texte, führten eigene Interviews mit unterschiedlichen Beteiligten.
Und wehe, es wurde nicht der Grund für eine Schlüsselszene oder einen Wendepunkt des Spiels (z.B. kleine Abwehrumstellung, wie Positionstausch im Innenblock) geliefert und der Konkurrent hatte das im Blatt...
Das Ganze bei Spielen unter der Woche oder freitags noch unter enormen Zeitdruck wegen des Andrucks (spätestens um 22.00 Uhr) mit verbindlicher Vorgabe der Anzahl der zu schreibenden Zeilen bzw. Zeichen, die peinlichst genau eingehalten werden musste.
Oftmals telefonisch oder handschriftlich per Fax durchgegeben, weil entweder der (gefühlt 150 Kilo wiegende) Klapprechner nicht funktionierte, der Akku schon nach der ersten Halbzeit leer war und es keinen Strom am Arbeitsplatz in der Halle gab, das Modem (kennt das noch jemand?) oder die Verbindung zu diesem streikte oder es keine Internetverbindung gab, bzw. der anze Kram noch nicht erfunden war.
Seit einigen Jahren "kooperieren" die beiden Lübbecker Zeitungen aus Kostengründen miteinander und die Artikel über den TuS (bzw. der gesamte Lokalsportteil) sind in beiden Blättern vollkommen identisch.
Arbeitsintensive Hintergrundartikel oder ausführliche Interviews, die über das übliche "Blabla" unmittelbar nach dem Spiel hinausgehen, gibt es nur noch, wenn Weihnachten und Ostern auf einen Tag fallen. Das gilt für alle lokalen Vereine bei uns, gleichgültig, in welcher Sportart sie unterwegs sind.
Ausführliche Vorberichte und analytische, fachlich fundierte , mitunter sehr kritische 'Nachdreher" sind kaum noch zu finden.
Folge: Beide Abos wurden gekündigt. Dafür Sky und sonstwas abonniert...
Eine Abwärtsspirale: Weniger Etat, schlechtere Berichterstattung, weniger Leser, weniger Etat, noch schlechtere Berichterstattung...
Da ist es gut, dass es Podcasts wie KreisAb gibt!