Vorstand der Frauen-Bundesliga-Vereinigung verweigert dem Altmeister die Zweitliga-Zulassung
Keine Lizenz für den TV Lützellinden
04.06.2005
(vs/red). Der TV Lützellinden ist erneut von seiner Vergangenheit eingeholt worden. Wie der Vorstand der Handball-Bundesliga-Vereinigung Frauen (HBVF) gestern um kurz nach 15 Uhr in einer Pressemitteilung offiziell bekanntgab, erhält der siebenfache Deutsche Meister trotz der Regionalliga-Meisterschaft und dem damit verbundenen Aufstieg keine Lizenz für die kommende Saison in der Zweiten Bundesliga Süd.
Im Wortlaut heißt es: "Keine Lizenz für die Zweite Bundesliga erhielt Aufsteiger TV Lützellinden, dafür rückt die Zweitplatzierte TGS Walldorf nach. Erstmals prüfte die HBVF in diesem Jahr auch die Bescheide der Berufsgenossenschaften des vergangenen Jahres, um, zum Schutz der Spielerinnen, die korrekte Anmeldung der Spielerinnen sicherzustellen. Zuletzt stand die Überprüfung der Aufsteiger an, die eine spätere Frist zur Einreichung ihrer Unterlagen hatten."
"Der als wirtschaftlichen Träger den Antrag auf Lizenz stellende "InMind Trading GmbH iG" musste die Lizenz aber auch im Beschwerdeverfahren versagt werden", meinte der HBVF-Vorsitzende Berndt Dugall. Grund für die Verweigerung der Lizenz seien schwere Verstöße gegen Auflagen, die der an der "InMind Trading GmbH iG" mehrheitlich beteiligte TV Lützellinden von der HBVF für die Saison 2003/2004 erhalten hatte. Bei der Prüfung des Lizenzantrages stellte die Verbandsseite zudem bei der Beantragung von Spielberechtigungen durch den TV Lützellinden erhebliche Verstöße gegen die Spielordnung des DHB, die im vollen Umfang auch für den Spielbetrieb der HBVF gilt, fest. Dem TV Lützellinden war im Mai 2004 die Lizenz für die Saison 2004/2005 bereits versagt worden, wonach der Altmeister als Absteiger in die Regionalliga musste. Vorläufig ist der Abschluss deshalb, weil nach den geltenden Lizenzrichtlinien jeder durch die Entscheidung des Vorstands beschwerte Antragsteller noch die Möglichkeit hat, innerhalb einer Woche nach Zugang der Entscheidung das zuständige Lizenzschiedsgericht anzurufen.
Die Einspruchsfrist beträgt eine Woche
Günter Ruppel, Geschäftsführer der die finanzielle Geschäfte des TVL abwickelnden Marketingagentur "InMind", wirkte nach der HBVF-Entscheidung gestern gegenüber dieser Zeitung ziemlich nachdenklich und angefressen. "Wir haben jetzt wieder eine Woche Zeit, um uns zu überlegen, ob wir Einspruch beim Schiedsgericht einlegen. Ich persönlich aber glaube inzwischen, dass dies keine juristische Auseinandersetzung mehr ist und dass es sich gar nicht vordergründig um die Lizenz dreht. Das sind alte Geschichten, die uns in der offiziellen Begründung vorgeworfen werden."
Es gehe laut Ruppel nach wie vor nur um die Altlasten, die sich nach der Saison 2003/2004 auf geschätzte 250 000 Euro beliefen. "In diesem Zusammenhang wird uns vorgeworfen, die Gründung einer GmbH nur fingiert zu haben. Oder dass der Verein TV Lützellinden 51 Prozent der GmbH hält, was vom Verband sogar vorgeschrieben ist. Das wird langsam unfair. Wir machen hier professionelles Marketing. Ich habe keine Lust, im Sandkasten zu spielen", meinte Ruppel, der einzig und allein "Ruhe im Karton" will. "Denn es dreht sich in erster Linie doch um die Spielerinnen."
Auch Trainer und Macher Dr. Jürgen Gerlach habe sich laut Ruppel in den vergangenen Wochen und Monaten an die Spielregeln gehalten und die finanziellen Dinge seiner Agentur überlassen. In Fragen nach Neuzugängen sei der "Doc" natürlich aktiv gewesen. "Wenn es jetzt weitere Wochen mit der Lizenzentscheidung dauert, dann sind die Spielerinnen irgendwann natürlich wieder weg", kündigte Ruppel schon einmal vorab an, dass "InMind" eine Unterlassungserklärung an die HBVF richten werde.
Gerlach wusste gestern schon, dass "wir noch eine Chance vor dem Schiedsgericht haben. Und um die werden wir kämpfen." Angesprochen darauf, dass möglicherweise persönliche Eitelkeiten zwischen der HBVF und seiner Person für die Lizenzverweigerung verantwortlich seien, ließ der TVL-Coach unkommentiert. "Nur soviel: Ich weiß viel mehr, als so mancher denkt. Wenn ich etwas sage, dann zerstört man damit den kompletten Frauenhandball in Deutschland. Und das kann ja nicht Sinn der Sache sein."
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