Danke TuSsie für das Eröffnen des Saisonthreads. Eine kleine Korrektur zu deinem Übersichtspost: Josip Eres spielt Rechts- und nicht Linksaußen, in deiner Auflistung ist er mit Viana verwechselt.
Zum Auftakt in die neue Saison nächste Woche ein paar ausführlichere Gedanken:
Dann beginnt es also wieder. Ich muss ehrlich sagen: Auch eine komplette Saison nach dem Abstieg habe ich mich noch nicht vollends an die dritte Liga gewöhnt; sagt mir mein Gefühl immernoch, dass nach den vier Jahren zuvor eigentlich Gegner wie Coburg, Schwartau und Nordhorn bei uns in der Stählerwiese vorstellig werden müssten und nicht Wetzlar 2 und Aldekerk - bei allem Respekt vor letztgenannten! Aber dennoch freue ich mich auf die neue Saison, da trägt sicherlich der "frische Wind" mit dem Trainerwechsel und den interessanten und sportlich sinnmachenden Neuverpflichtungen seinen Teil zu bei. Einzig Halb Rechts sehe ich am ehesten als kleine "Problemzone" des Kaders, da waren letzte Saison Mundus und Hecker einfach zu unkonstant und sind teilweise sogar Qualität schuldig geblieben.
Aber insgesamt passt der Abstieg und auch der Nicht-Wiederaufstieg zur Lage des TuS Ferndorf. Von ihrer Professionalisierung, dem Organisationsgrad im Verwaltungsbereich und der allgemeinen Infrastruktur wie Öffentlichkeitsarbeit, Kundenbindung etc. her sind es am Ende mittlerweile nicht mehr die genannten Zweitligisten oder auch Dessau, Hüttenberg und - so schmerzlich es ist - Hagen, mit denen wir uns messen können und müssen. Es macht ein wenig den Anschein, als hätten sich beinah alle diese Vereine, mit denen man vor vier Jahren noch "competed" hat, in genau diesen Disziplinen weiterentwickelt, digitalisiert und professionalisiert - und der TuS eben nicht so richtig. Deswegen ist der Status Quo auch voll okay. Zwei verschlissene Geschäftsführer in unter 2 Jahren stehen da ein bisschen sinnbildlich für fehlenden Fortschritt und Konstanz. Und dann sind es mittlerweile eben folgerichtig Vereine wie Gelnhausen und Opladen, die die ernstzunehmenden "Wettbewerber" des TuS Ferndorf darstellen. Ob man das sehen möchte, oder nicht.
Opladen beispielsweise hat kürzlich für die Handballabteilung einen hauptamtlichen Mitarbeiter verkündet. Nach den beiden diesbezüglichen Missgriffen besteht in Ferndorf dagegen die gesamte Managementebene in GmbH und Hauptverein wieder aus Ehrenamt - und es liegt alles in den Händen derer, die es seit Jahren machen. Da hat man die Benchmarks des eigentlich nötigen Fortschritts ganz klar vorgegeben.
Und was, wenn Stenger oder Sijaric irgendwann mal aufhören? Das wäre ein enorm harter Bruch. Hieß es nicht eh vor einem Jahr noch, dass es für beide eigentlich beruflich gar nicht mehr möglich sei, das Amt zu bekleiden? Da fehlt mir einfach so ein bisschen die mittelfristige Perspektive für das Wachstum des gesamten Handballsports in Kreuztal, insbesondere jenseits des Sportlichen. In Puncto Professionalisierung der Mitarbeiterstruktur ist man nach Schöneseiffens Abgang sogar nicht mal mehr im Siegerland Spitzenreiter: Der lokale Breitensportverein VTV Freier Grund leistet sich seit kurzem den ersten Hauptamtler seiner Geschichte. Für meine Begriffe sollte im Nordsiegerland ein dringender Fokus darauf liegen, jeweils für GmbH (einen Geschäftsführer) und Gesamtverein (einen sportlichen Leiter der Handballabteilung) eine reguläre Mitarbeiterstelle zu besetzen, beides ist sicher zunächst auch in Teilzeit möglich.
Dafür hätte ich persönlich auch gerne auf 15-20% der geschehenen Aufrüstung des Kaders verzichten können. Aber wer weiß, vielleicht kriegen wir ja bald mal irgendwie ein Kommunique darüber, wie es nun nach dem Schönseiffen-Aus mittelfristig weitergehen soll. Ansonsten wächst trotz - oder gerade wegen all ihrer Kompetenz in der Ausführung - nur die Abhängigkeit von Stenger und Sijaric weiter. Immerhin ist die Qualifikation der A-Jugend für die Oberliga ein guter kleiner Schritt nach längerer Zeit der Stagnation. Da kann auch ruhig weiter der mediale Fokus von Vereinsseite drauf gerichtet werden, wie es mit dem Aufstiegsartikel einen Anfang genommen hat.
Aber wir müssen uns wohl nach einem Jahrzehnt des wilden Auf und Abs im direkten Stärkeverhältnis wohl vorerst damit abfinden, dass sich der Erzrivale der Eintracht aus Hagen mittlerweile eindeutig vor uns etabliert hat. Was die Professionalisierung des Vereins auf allen Ebenen angeht (Vergleicht mal die Internet-Fanshops beider Teams... Sowas bringt übrigens auch Einnahmen...), was die Qualität der Jugenarbeit angeht und letztlich natürlich auch was den Kapitalisierungsgrad angeht.
Es wird spannend sein zu sehen, ob und wie der TuS Ferndorf in den nächsten Jahren weiterwächst. Oder ob auch Vereine wie Opladen, Gelnhausen und Hanau in ihrem Entwicklungsprozess die Ferndorfer in ein paar Jahren hinter sich gelassen haben?
Vielleicht muss man sich was die Professionalisierung angeht ein wenig vom Dorfverein wegbewegen. Denn dem fehlt da manchmal so ein bisschen das kühle Berechnen der Großstadt. Was nicht heißen soll, dass man verwerfen muss, zu sein was man ist. Denn der hessische Fußball-Nachbar vom TSV Steinbach ist auch ein Dorfverein gewesen und geblieben, obwohl man sich dort über Jahre hinweg konstant weiter professionalisiert hat und mittlerweile ein formidables Sportunternehmen darstellt.
Die kommende Saison wird eine erste Idee davon geben, wohin der Weg des TuS Ferndorf geht. Und es ist allen klar: Er kann auch trotz des Zustands, in dem man sich gerade befindet, urplötzlich wieder gen 2. Bundesliga zeigen. Das ist das Verrückte, schon immer der Adrenalinkick, der ewige Rodeoritt des TuS Ferndorf und die Underdog-Magie des Hexenkessel Stählerwiese. Man ist klein, anders, teilweise amateurisch - und irgendwie doch oben dabei. Es bleibt wild und es bleibt spannend. Das Siegerland ist speziell.