Rasmus Boysen hat mit seiner Kritik auf Twitter absolut Recht: Kolstad hat als Retortenverein noch nie etwas national oder international gerissen und ist zudem in der abgelaufenen Saison in der Europa League in Qualirunde 2(!) rausgeflogen. Sollen sie mit ihren ganzen Stars erstmal den unterklassigen internationalen Titel gewinnen, wird gegen die deutschen Mannschaften schon schwer genug. Da könnten sie in Berlin oder Flensburg auch im Vorbeigehen lernen, was echte, "authentisch gewachsene" Handball-Atmosphäre ist. Aber klar, da oben bei den Neureichen wird gerade Umsatz gemacht und wo Umsatz ist, ist die EHF stante pede mit dem nächsten Nachtzug zur Stelle. Sollte Kolstad wider Erwarten den Titel im ersten Anlauf holen - es bliebe ein äußerst fader Beigeschmack.
Man kann also etwas zynisch das folgende Rezept erstellen: Hole einer nur groß genuge Zahl an Topstars zu einer Skihütte aus Irrelevanz und Marketing-Bachelor-Absolventen - die EHF kommt artig angedackelt und schenkt dir die Champions League. Das ist natürlich auch eine hervorragende Botschaft an alle Saudis, Kataris und sonstige Menschen- und Frauenrechtsfreunde, die zukünftig, ähnlich wie bei PSG, den Handball als weitere Sportswashing-Plattform für sich entdecken könnten.
Bukarest dagegen, als Traditionsverein mit internationalen Titeln und 6 CL-Teilnahmen aus den letzten 7 Saisons, darf nicht teilnehmen obwohl dort der Handball im Gegensatz zu dem biederen Fummel in Norwegen noch mit Herz und Seele gelebt wird (Ist natürlich kein Argument, ich weiß).
Wurde hier bestimmt schon an anderer Stelle oftmals betont, aber: Das Wildcard-System ist eine Farce vor dem Herrgott. Fast die Hälfte der Plätze wird nach einem völlig intransparenten Vergabeprinzip verteilt statt nach sportlichem Erfolg?! Da heißt es im Fußball schon immer, die UEFA macht was sie will und führt Systeme ein, die die eh-schon-Großen bevorzugt. Darüber kann man bezüglich der EHF ja nur müde lachen.
Ein ganz klasse Verband ist das.