Ich zitiere mich nochmal aus einem Post des letztjährigen Saison-Threads selbst:
Zitat
Und warum hat dieser Ball funktioniert? Weil die raumschaffenden Bewegungen und das Zurechtlegen der Gegenspieler-Positionen aus den langen Kreuzbewegungen und mit den schnellen Verlagerungen immer wieder auf den Zentimeter genau, ja wirklich makellos dahingespielt waren. Das war und ist Kevics Handschrift. Er ist wie der Fußballer Thomas Müller eine Art "Raumdeuter" und kann das Spiel in den Raum lenken, „der sich gleich öffnen wird“. Unser zusammenhängendes Spiel im ersten Saisondrittel war in manchen Phasen dadurch beinah ästhetisch. Das meine ich ganz ernst. Es war eine Art choreographiertes Rückraum-Ballett, in dem den drei Spielern auf der höheren Linie nur die konditorische Aufgabe der finalen Dekoration zukam, sei es via Sperre oder Abschluss.
Diese Fähigkeit geht uns heute komplett ab. Wir kriegen kaum Räume geöffnet, wir kriegen kaum vorteilhafte Kleingruppe in Position gebracht, wir kriegen auch so gut wie gar nicht mehr einen unserer besten Spieler in den Wurf, Josip Eres. Aktuell sind es vielleicht 4-5 gute Entscheidungssituationen, in die unsere Rückraumspieler in einem ganzen Spiel kommen. Fast alle restlichen Tore fallen durch körperlich hochanstrengendes Aufreiben; durch Geacker und Verbissenheit. Genau so sieht es auch aus: Wir spielen Handball mit dem Körper, nicht mit dem Kopf. Weil uns ein klarer Kopf fehlt. Daraus resultieren dann entsprechend auch die vielen Fehler, die Ungenauigkeiten und die schwache Abschlussquote. Fast alles was wir tun ist nur "mit der Brechstange", weil uns ein Regisseur fehlt. Dieser Modus nagt aber ungemein an der Konzentration und an der Klarheit. Die Masse an Fehlern, die du hier beschreibst (Im übrigen: Willkommen!)
Trotzdem bleibt realistisch festzuhalten, dass unfassbar viele unnötige Fehler gemacht werden.
liegen meiner Ansicht nach an diesem Faktor: Wir verlieren durch unser notwendigerweise extrem körperbetontes Spiel exponentiell mehr und schneller mentale Körner als die meisten Gegner. Was wir brauchen sind klare Abläufe: Auslösehandlung - Raumöffnung - Kleingruppe - Abschluss. Dass diese Abläufe trainiert werden, dass unsere Spieler eigentlich wissen was zu tun ist, sieht man klar. Der handballerische Ansatz ist im Prinzip gar nicht so unterschiedlich zum ersten Saisondrittel der letzten Spielzeit, als Kevic das rot-weiße Ballett auf die Platte brachte. Aber sie wissen nicht mehr was zu tun ist, wenn der Gegner es kaputt macht. Wer Zeit hat, kann ja mal die Szenen von gestern zusammenzählen, in denen wir nach verpufften Kreuzungen, Einläufern etc. wieder neu aufbauen mussten und dabei jedes Mal 4-5 Sekunden für die Reorganisation verlieren. Es fehlt nach wie vor jemand, der das Spiel lesen kann; der die Abwehr dauerhaft mit Lösungen konfrontiert; der genau erkennt welcher Abwehrspieler heute immer wieder eine falsche Hüftstellung hat oder 10cm zu weit innen steht, was es im 1v1 gegen die Hand auszubeuten gilt, wenn man dort durch Verlagerung ein isoliertes 1v1 schafft und es danach abräumt. So in etwa, ganz plakativ gesagt, müsste es aussehen. Aber dieser Regisseur - der fehlt uns.
Immerhin ist die Mannschaft nach wie vor intakt, das sieht man a) an der brachialen Deckungsqualität und b) daran, dass wir eben nach wie vor versuchen, diesen extrem kraftraubenden Körper-Handball zu spielen. Das kann man nur, wenn man wirklich will.