Unabhängig vom Spielstil war die erste große Änderung von Jicha, dass er, im Gegenteil zu Alfred, die volle Breite des Kaders eingesetzt hat. Plötzlich spielte z.B. ein Ole Rahmel, der vorher nur mal so paar Minuten am Ende ran durfte, von Beginn an mit einem gesunden Ekberg auf der Bank. Man hatte schon den Eindruck, dass ihm wichtig war, dass er auch den Spielern am Ende vom Kader zeigt, dass sie ein wichtiger Teil des Teams sind, indem z.B. erwähnter Rahmel dann in der CL von Anfang an spielte. Gefühlt hat diese Einbeziehung von wirklich allen Spielern (bis auf Nilsson) der gesamten Mannschaft sehr gut getan.
Das andere war die erwähnte Weiterentwicklung des Spilstils im Rahmen dessen, was möglich war. Die Mannschaft ist nun über Jahre für das sehr statische Spiel zusammengestellt worden. Hauptsache groß und wurfstark. Jicha wollte aber von Anfang an, dass sie viel mehr Tempo gehen, insbesondere die zweite Welle sehr konsequent spielen. So ganz drin ist das aber auch nicht immer. Der THW ist auch in dieser Saison einige Mal wieder in das alte Muster von Einzelaktionen zurückgefallen. Ich denke, dass es auch kein Zufall ist, dass mittlerweile Zarabec die präferierte Wahl auf der Mitte ist und Dule oft nur Abwehr und zweite Welle spielt.
Tatsächlich (um mal das Lieblingswort von Jicha zu benutzen) schafft es der THW weiterhin kaum einmal konsequent Tempo in das gebundenden Spiel zu bringen, um z.B. bis zu den Außen durchzuspielen. Weinhold ist sehr oft der einzige Spieler, der es schafft ein Loch zu reißen, wobei er im Normalfall dann immer selber wirft. Wenn der Kreis aber funktioniert und die entsprechenden Lücken durch Sperren schafft, sind Sagosen und Reinkind schwer zu stoppen. Funktioniert das nicht, werfen die beiden aber auch sehr schnell sehr schwache Quoten.
Der große Unterschied jetzt im Final 4 war allerdings, dass man es geschafft hat, sehr wenige Fehler zu machen. Normalerweise bekommt der THW massive Probleme, wenn er gezwungen ist, im Rückraum mit Druck vom Gegner zusammenzuspielen. Oft wird dann versucht sehr riskant an Kreis zu spielen, was so gut wie nie funktioniert. Da hat man manchmal den Eindruck, dass die Mannschaft noch nie zusammengespielt hat. Das ist dem THW zuletzt viel besser gelungen, da die Ruhe zu behalten und einen vernünftigen Abschluss zu bekommen, der dann auch das Umschalten nach hinten deutlich vereinfacht.
In dieser Saison war aber die Abwehr bisher das große Manko. Man brauchte schon einen bärenstarken Landin, der viele freie Bälle hält, damit es nicht ständig klingelt. Insbesondere die offensiven Halben, die Jicha eingeführt hat, hatten gar nicht mehr funktioniert. Da ist man auch wieder so ein bisschen von abgekommen und versucht wieder kompakter zu stehen. Das hat im Final 4 wieder deutlich, deutlich besser ausgesehen und war sicher auch ein großer Baustein vom Erfolg.