Ja, die waren zu alt für den Zeitpunkt, wo NLZs verpflichtend geworden sind. Die erste Generation waren die 2009er U21-Europameister mit Neuer, Hummels, Höwedes, Boateng, Khedira, Özil, die dann 2014 auch Weltmeister geworden sind. Thomas Müller gehört auch in die Generation, der aber trotz Jugend beim FC Bayern immer etwas unter dem Radar lief, weil er mehr Instinktspieler war, während man in den NLZs damals schon anfing stark auf die technische Komponente zu schauen.
Die Entscheidung die NLZs einzuführen kam eben daher, dass zu dem Zeitpunkt um 2002 die deutsche Nationalmannschaft hauptsächlich über den Kampf kam mit Spielern wie Ramelow oder Jeremies und spielerisch im Grunde nur Bernd Schneider ein gewisses Niveau hatte. Die Hoffnung im deutschen Fußball hieß damals Sebastian Deissler, weil er der einzige war, dem man von der individuellen Qualität Weltklasseniveau zugetraut hatte.
Das wurde dann mit den NLZs deutlich besser, was die Geschwindigkeit der Spieler betraf als auch die technische Qualität. Trotzdem sind wiederum andere Dinge auf der Strecke geblieben, sodass man mittlerweile in Deutschland sehr viele Spieler hat, die Dinge mit dem Ball können, die früher in Deutschland kaum jemand konnte, aber dafür sind viele der klassischen "deutschen Tugenden" auf der Strecke geblieben. Die NLZs haben den deutschen Fußball dahingehend verändert, dass Deutschland früher erfolgreich war, weil man über Mentalität und Willen die Spiele gewonnen hat, während andere viel besser Fußball spielen konnten, aber nicht effektiv waren. Heute ist umgedreht. Eine gewisse Zeit hatte man eine gute Mischung aus beiden, aber mittlerweile kommen extrem viele Schönspieler aus den NLZs, denen es nicht gelingt den notwendigen Willen zu zeigen, wenn es drauf ankommt.
Ein Aspekt, der dabei auch immer genannt wurde, ist dass die Spieler sehr früh sehr satt sind. Aufgrund der hohen Qualität der Spieler aus der Jugend heraus, schaffen sehr viele schon in sehr jungen Jahren den Durchbruch im Profi-Bereich und verdienen sehr schnell viel Geld. Genau dann braucht es aber diese intrinistische Motivation weiter dran zu bleiben und nicht mit 20 schon anzufangen zu glauben, dass man alles erreicht hat. Das scheint vielen schon sehr schwer zu fallen. Und dann kann man sich gerade im Fußball natürlich fragen, was bringt einem mehr?
Im Grunde hatte man damals bei der Einführung die Situation, dass die WM 98 nur über die Ü30 noch gerettet wurde, dann 2000 bei der EM war in der Vorrunde schluss, die WM 2002 war vom Fußball her eine Katastrophe, aber erfolgreich dank Oliver Kahn und 2004 war bei der EM war man in der Vorrunde wieder raus. Nun ist man wieder da angekommen mit Vorrundenaus bei der WM 2018 und WM 2022. Die EM dazwischen war auch eher nichts. Hatte man damals das Problem, dass die Spieler wirklich nur kämpfen konnten und wirklich wenig Fußball spielen, hat man jetzt das Gegenteil.