Ich versuche mal ein bisschen Offtopic zu schreiben und den Bezug zum THW zu finden.
Der Grundstein für die spätere Entwicklung des FC Bayern war nicht 2011, sondern schon 2009 die Verpflichtung von van Gaal als Trainer. Mit diesem hat Bayern angefangen taktisch, in der Trainingsarbeit und auch in der Kaderplanung konzeptionell zu arbeiten, d.h. man hat angefangen den Verein auf bestimmte Spielprinzipien auszulegen, auch in der Jugend. Dazu hatte er jede Menge EDV und Technik mitgebracht, um die Trainingsarbeit zu optimieren. Im Training hat er die Spieler bestimmte Pass- und Spielformen endlos üben lassen, was auch eine Weile gebraucht hat, bis das in Fleisch und Blut übergegangen ist. Er war ein richtiger Fußballlehrer, der vielen Spielern Dinge beigebracht hat, die im deutschen Fußball vorher gar nicht (so) präsent waren in der Trainingsarbeit. Von den Spielern der Bayern wurden die (fast) zwei Van-Gaal-Jahre oft als Basis für die späteren Erfolge hervorgehoben.
Das Problem für van Gaal persönlich war dessen Besessenheit für die Ausbildung der (Jugend-)Spieler und dass er unbedingt zeigen wollte, dass Thomas Kraft als damaliges Talent im Tor (fast) genauso gut ist wie Manuel Neuer, den die Bayern verpflichten wollten. Darüber hat er sich dann mit den Vereinsbossen verstritten, denn er stellte Kraft (zu) früh ins Tor und dessen Fehler kosteten die Bayern auch Punkte. Später hat er zu Protokoll gegeben, dass es ihm nie darum ging, den Wechsel von Neuer zu verhindern, sondern er nicht wollte, dass ein Spieler automatisch gesetzt ist, weil er mit viel Trara geholt wird und deshalb zeigen wollte, dass auch Kraft die Nummer 1 sein kann, wenn er Leistung bringt.
Parallel zu van Gaal hat es in Dortmund mit Klopp eine vergleichbare Entwicklung gegeben, d.h. eine sehr klares taktisches Konzept, Kaderentwicklung dahin und einen Trainer, der es schafft seine Vorstellung auch zu vermitteln, d.h. die Spieler davon zu überzeugen und sie auch menschlich mitzunehmen.
Für einen Trainer ist das kein einfaches Anforderungsprofil und für den Verein auch nicht so einfach immer die passenden Spieler zu holen, aber ich sehe das auch für den THW als unabdingbar an. Es nicht ausgeschlossen, dass es auch anders geht, aber ich glaube nicht, dass man den Erfolg der Vergangenheit haben wird, wenn der Fokus auf der Einzelqualität der Spieler ist und nicht der Spielidee der Mannschaft.
Wenn man sich Sport allgemein so die letzten 20 Jahre ansieht, dann hat es eigentlich überall einen gewissen Kampf gegeben zwischen der eher gefühlsmäßigen Betrachtung und einer datengetriebenen Ausrichtung. In der Mehrheit hat sich die Ausrichtung auf Daten durchgesetzt. Was Handball angeht, ist hier natürlich Bennet Wiegert zu nennen, als jemand der alles über Statistik sieht. So von Außen habe ich das Gefühl, dass der THW hier nicht so stark unterwegs ist. Man hört zumindest von den Verantwortlichen in der Regel nichts bei der Betrachtung der Spiele, was darauf schließen lässt, dass man (sehr) analytisch unterwegs ist.
Was die immer wieder gerne geforderte Kompetenz in Dingen wie Aufsichtsrat, usw. angeht, finde ich das immer bisschen schwierig zu generalisieren. Normalerweise drehen sich die Uhren im Sport recht schnell und das, was einen vor 20 Jahren erfolgreich gemacht hat, ist nicht zwingend das, was einen aktuell erfolgreich macht. Man braucht als nicht einfach nur Leute, die im Sport zuhause sind, weil sie z.B. mal gespielt haben, sondern die auch die aktuellen Entwicklungen nachvollziehen und verstehen.
Im Basketball z.B. habe ich ehemalige Spieler erlebt, die vor 20 Jahren Nationalspieler waren, die aber komplett die Entwicklung verpasst haben, warum und wieso z.B. aus bestimmten Bereichen des Spielfelds nicht mehr geworfen wird, was zu deren Zeit völlig normal war. Sagen eben die Daten, dass es statistisch keine gute Entscheidung ist, von da zu werfen, also haben die Teams ihre Spielweise angepasst. Dann sagt eben der ehemalige Spieler, dass ist doch totaler BS, während die Daten was anderes sagen. Hört man jetzt auf die Fachkompetenz des ehemaligen Spielers kann man schnell auf dem Holzweg sein.