Natürlich hat Kiel eine Spielphilosophie. Man setzt auf körperlich starke Spieler, vor allem für die Abwehr, auf dominante Kreisläufer, die gute Sperren stellen, auf große Schützen mit viel Power aus dem Rückraum, auf zwei Kreisläufer in der zweiten Welle, auf viel sieben gegen sechs mit Entscheidungen aus dem Sprung. Das ist alles ziemlich genau das Gegenteil von Magdeburg, aber das macht den Handball ja attraktiv. Eric Johansson passt perfekt da rein, bei Skipagotu wundert mich die Idee dahinter ein bisschen, gerade weil ich Zarabec immer einen leichten Fremdkörper fand. Aber der körperlich starke Phänotyp auf der Mitte, den Karabatic oder Duvnjak verkörpert haben, ist ja ohnehin zunehmend schwerer zu finden. Meine Prognose ist, dass man Johansson irgendwann auf die Mitte ziehen wird und Köster stattdessen auf RL einbaut. Ob es Wallinius packt, wird man sehen, ich halte nach wie vor sehr viel von ihm, aber vielleicht reicht es mental nicht.
Du bescheibst die Vergangenheit. Gegenwärtige Realität ist, dass sie mit ihren körperlich starken, aber dadurch auch langsameren Spielern, wenn sie denn nicht in Form sind (wie Sagosen, Reinkind, Bilyk) schon 7:6 spielen müssen, um überhaupt noch Druck auf die gegnerische Abwehr ausüben zu können. Und dann kassieren sie im Gegenzug gegen Mannschaften aus dem Mittelfeld der Tabelle per schneller Mitte sofort wieder ein Gegentor, weil die körperlich starken, aber vergleichsweise langsameren Spieler im Rückzugsverhalten nicht schnell genug sind.
Glaubst du wirklich, das insbesondere der Trainer, aber auch der Manager dieses Konzept für zukunftsfähig halten. Dann müssten sie eigentlich einen Spieler wie Julian Köster, an dem sie offensichtlich Interesse haben (neudeutsch: Wir beobachten ihn), auffordern, erst einmal 20 kg zuzulegen, wie vor 11 Jahren bei Piet.
Mit Weinhold hatten/haben sie übrigens auch einen, der dem Klischee nicht entsprach/entspricht, er ging/geht durch die Abwehrmauer und nahm dabei auch Verletzungen in Kauf. Sie werden daher in Zukunft ausscheidende Spieler durch unterschiedliche Spielertypen ersetzten, die Variabilität in ihr Spielsystem bringen und den Anforderungen des veränderten Regelwerks gewachsen sind.