Hier ist die nächste Ausgabe:
Kreis Ab – Episode 439
Zu Gast in der aktuellen Ausgabe:
- Marco Kehrenberg (Sport IQ)
Themen (u.a.):
- Seiferts Aussagen heizen nötige Debatte an
- Chancen und Potenziale für die Vereine
- Blick auf die Arbeit und Ideen im Ausland
Habe erst heute hören können und sage erst mal danke, dass Sie sich dieses Themas ausführlich angenommen haben!! Vielem stimme ich zu, was dort gesagt wurde, nicht allem!!
Es ist ein Dauerthema für mich: Bei allen Fragen und Prognosen, die sich um einen vermeintlichen gewaltigen Handball-Boom ranken, der ja immer wieder gerne für alle Ligen und Geschlechter ausgerufen wird, wenn deutsche Nationalmannschaften international sehr gut abschneiden, ist der Blick für mich aber anhaltend viel zu sehr auf die Bundesliga und auf Like- und Follower-Zahlen in den sog. Sozialen Medien gerichtet. Handball wird dadurch immer mehr zum Show-und-Event-Sport, der Leute anzieht, die Spannung und Spektakel aller Art wollen, egal wie und wo das generiert wird. So in Richtung Dart gehend...
Oder solche, die sich - ja, ja - der ästhetischen Optimierungsstrategie der SoMe folgend, einfach nur an hübschen Menschen erfreuen, die es im Handball beiderlei Geschlechtes bekanntlich zuhauf gibt. Die 16 jährige Tochter eines Freundes hat mit Handball nun gar nix zu tun und wird es auch nie haben, aber sie liegt ihrem Vater gewaltig in den Ohren, irgendein TV-Handball-Abo abzuschließen, weil da z.B. mit den Herren Köster und Schludroff zwei hübsche Jungs unterwegs sind, die sie sich gerne anschauen möchte. OK!
Kann man alles machen und noch einiges mehr, ist alles zeitgeistig und legitim und nicht zu kritisieren. Nur es darf aus meiner Sicht nicht alles sein. Die Gleichung "Geht es der Bundesliga gut, geht es dem gesamten Handball gut" gilt nicht mehr in Gänze, im Gegensatz zu "Geht es der Bundesliga schlecht, geht es dem gesamten Handball schlecht". Also muss man sich irgendwo in der Mitte einpendeln und versuchen, vieles vom Ruhm da oben über viele Kanäle, nicht nur über die der Sozialen Medien, nach unten in Richtung Basis zu transportieren. Zum Beispiel über Landes-, Bezirks- und Kreisverbände. Das passiert weiterhin viel zu wenig.
Ich bin ja fast nur noch als Zuschauer und Leser und über verwandtschaftliche Beziehungen im Amateurbereich unterwegs, meistens im Ruhrgebiet und dessen Grenzbereich. So zwischen Kreis- bis Regionalliga M/F/MJ/WJ. Wie immer man Boom definiert, wann immer man eine Kampagne wie "Hands up for more" als erfolgreich ansieht, mein Gefühl ist, das da unten so gut wie nix ankommt. Im Gegenteil, es bröckelt nach meiner Wahrnehmung unverdrossen an vielen Stellen. Es mangelt an SpielerInnen, TrainerInnen und Ehrenamtlichen. In meinem kleinen Blickfeld haben kürzlich die Männer der ETG Recklinghausen und die Frauen von TuRa Bergkamen ihren Rückzug aus Verbands- bzw. Oberliga erklärt. Meine Enkelin spielt ihre letzte A-Jugendsaison in der Oberliga. In der nächsten Saison wird es in dem Klub nach ca. 12 Jahren überhaupt keine WA-Jugend mehr geben. Und mein Schwiegersohn trainiert eine Bezirksliga-Mannschaft, der in der kommenden Saison aller Voraussicht nach der Kreisklassen-Unterbau abhanden kommen wird. Dort und auch anderswo, wenn man sich mal auf der Tribühne mit Handball-Menschen unterhält, spürt man durchaus eine gewisse Resignation.
Es mögen Einzelfälle sein und für derartige Entwicklungen mag auch der allgemeine gesellschaftliche Trend mit sorgen, selbst der Fußball hat ja gewisse Sorgen. Aber darauf sollte sich der Handball nicht zurückziehen. Sondern endlich den Rückenwind von Olympia, WMs und EMs professionell bis in die tiefen Niederungen der Sportart weiterleiten. Tolle Klickzahlen bei Bundesligavereinen helfen z.B. im tiefen Landesliga-Ruhrgebiet in Sachen Mitglieder-, Zuschauer- und Sponsoren-Gewinnung nicht weiter. Da bedarf es anderer Maßnahmen. Darüber zu reden, welche das sein könnten, das wäre sicherlich mal wenigstens einen Teil einer "Kreis ab"-Sendung wert.