Die Frage: Wie geht ihr jetzt hier weiter vor?
Wir haben es folgendermaßen gemacht. Ich habe einmal noch kurz mit meinem Partner gesprochen und dann bin ich folgendermaßen vorgegangen: ich gehe zur MV von NB und habe ihr gesagt, dass ihr TTO noch gar nicht genommen wurde und ich selber Time-out gepfiffen habe. Daher durfte sie die Platte gar nicht betreten. Für den Kommentar davor kriegt sie dann auch gelb und da das Betreten der Spielfläche ohne Erlaubnis unsportliches Verhalten ist, habe ich ihr erklärt, dass sie 2 Minuten kriegt. Hat sie auch so angenommen, mit dem Hinweis, dass die am Zeitnehmertisch etwas "konzentrierter" sein sollen. Hab ihr dann noch kurz gesagt das die halt auch neu sind und dann war das soweit geklärt. Endstand dann übrigens 39-12.
Da es ein Missverständnis und auch ein Fehler vom Kampfgericht war, hätte man es bei einer Verwarnung durchaus belassen können. Die 2 min. sind nicht falsch, zumal die Aussage "Könnt ihr denn gar nichts?" durchaus auch eine direkte Hinausstellung rechtfertigt.
Nummer 8 von JS kriegt ziemlich "flott" gelb, da sie von hinten am Trikot gezogen hat. Danach macht sie allerdings damit weiter, lässt teilweise gar nicht mehr los. Sie kriegt die Hinausstellung (Spoiler) erst in Minute 48 (das wird der MV von WH auch nochmal aufgreifen). Ich hätte vermutlich schneller 2 Minuten geben sollen. Teilweise griff sie dann auch in den Wurfarm...
Dann kommt es zu der Situation, dass JS Auszeit nimmt. Der Offizielle B von JS kommt zu mir und sagt "Fang mal bitte endlich an Schritte zu zählen. Ich komme teilweise auf 5-6!" Und er hatte auch Recht, teilweise war das viel zu viel. Ich habe mich dann kurz mit meinem Partner abgesprochen und wir wollten dann auch mehr drauf achten. Zu dem Zeitpunkt hat der MV von WH uns übrigens schon zwei Mal auf ein angebliches "Kreis-ab" aufmerksam gemacht, zu dem ich kurz angemerkt haben möchte, dass ich als Feldschiedsrichter sehen konnte, dass da jedes Mal noch mindestens 2 Füße zwischen gepasst haben. Seht ihr sowas häufiger, dass MV sowas lamentieren? Vielleicht in der Hoffnung, die SR würden dann auf Verdacht abpfeifen?
In einem Angriff von WH lasse ich dem Mittelmann (oder hier eher "Mittelfrau" xD) 4 Schritte sogar noch durchgehen, nur damit sie dann noch 3 Schritte macht und dann anfängt zu prellen. Pfeife ich ab und ihr Trainer erzählt an der Seitenlinie, dass das "niemals" Schritte wären, hinten dran sowas wie "Als SR sollte man sowas sehen können". Angesichts der angesprochenen lauten Halle muss er das wohl extra laut gesagt haben, weil ich sonst eigentlich kein Wort von irgendwem verstehen konnte (sogar die Spielerinnen haben sich "5 mit!!" angeschrien, weil sie sich kaum hören konnten). Soweit so gut, ich will ja auch nicht zu kleinlich sein, lasse ich ihm durchgehen.
Dann ist erstmal Halbzeit (18:16 für JS). In der Halbzeit wurde uns dann einmal von einer Zuschauerin gesagt, wir sollten einfach weiter machen, wir machen das größtenteils sehr gut und souverän und wir sollen uns nicht von Zurufen irritieren lassen.
Es ist gut, dass ihr euch traut, auch schnell ein Zeichen zu setzen. Es ist dann jedoch schwer, den Übergang zur Hinausstellung zu schaffen. In euren Augen war die Spielerin wsl. immer knapp unter der weiteren Strafbarkeit, aber auch die Menge macht das Gift. Man kann also dazwischen nochmal sagen, "hey, du hast dafür schon gelb bekommen, bisschen vorsichtiger" und dann beim nächsten oder übernächsten Mal die 2 min. geben und auch klar zeigen, dass es jetzt 2-4 mal.
Am Ende muss man das Pfeifen, was man sieht. Manche Trainer versuchen sich einen Vorteil zu verschaffen und so lange von außen zu beeinflussen, bis es gepfiffen wird oder sie ruhig gestellt werden, Manchmal reicht es beim vorbeigehen zu sagen, dass er nicht jede Entscheidung kommentieren soll und dass es unsportlich ist. Wenn es dann so weiter geht auch hier wieder, die Menge macht das Gift, dann mal die Verwarnung geben mit dem Hinweis, dass du ihn schon ermahnt hast.
Bei Schritte muss man für sich eine Linie finden. Meist ist es so, wenn es komisch aussieht und man innerlich zuckt, sind es Schritte. Aber das hier öfter mal ein vierter Schritt durchrutscht und laufen gelassen wird, lässt sich nicht vermeiden.
Das Kompliment der Zuschauerin zeigt ja, dass ihr auf dem richtigen Weg seid.
In der zweiten Halbzeit, als Torschiedsrichter pfeife ich ein Tor von Mannschaft WH zurück, weil die Spielerin vorher Schritte (5-6) gemacht hatte, die aber nur, weil sie vorher einen kleinen Schubser bekommen hat. Ihr Trainer an der Seitenlinie regt sich wieder auf und sagt dann ziemlich genau "Die Gesundheit meiner Spieler ist wohl egal". Ich achte dabei in aller Regel ziemlich genau darauf, ob jemand verletzt ist oder ob eben ein solch gesundheitsgefährdendes Foul stattfindet. Ich wollte dem MV für diesen Spruch allerdings nicht mal etwas geben, allerdings macht er dann gut 10 Sekunden noch so weiter, während seine Mannschaft schon weiterspielt. Dann, weil er eben nicht aufhört und nur sowas erzählt wie "Meine Spielerinnen werden hier nur verletzt" und "Die reißen nur" usw. halte ich das Spiel kurz an und gebe ihm die Verwarnung. Wortlos. Er wusste auch genau wieso. Er redet dann allerdings weiter "Du musst aber auch mal meine Spieler schützen" und "Pass doch mal ein bisschen auf". In solchen Situationen bin ich mir dann unsicher: reicht das für eine Hinausstellung? Oder sollte ich das einfach (wie ich es getan habe) wortlos hinnehmen?
In Minute 44 und 48 gibt es dann übrigens noch zwei Hinausstellungen gegen JS, einmal für Stoßen in der Luft und einmal für Trikotziehen (die Nr. 8). Dann kommt allerdings Minute 50 und es bricht noch einmal das Chaos der Welt aus. Ich pfeife Freiwurf für JS kurz bevor die Sirene losklingelt (Spielende). Der Trainer von WH fängt schonmal an sich zu beschweren "Das war echt unmöglich" und läuft einfach aufs Spielfeld. Obwohl noch ein Freiwurf ausgeführt werden muss. Tja, da gibt es dann halt nochmal die Hinausstellung (was allerdings an und für sich total unnötig war, weil in der D Jugend sowieso keine Unterzahl existiert). Der MV hat sich dann auch absolut geweigert das Spielfeld für den Freiwurf nochmal zu verlassen und meinte dann lieber mich weiter vollzutexten. Ich hatte die Hand dann schon an der roten Karte (Frage an Euch: berechtigt, ja/nein?) als mein Partner gesagt hat ich soll es lieber sein lassen bevor er austickt oder so. Ich meinte zwar, dass der MV sich dann sicher sein kann das hier was abgeht wenn er austickt aber er hat mich dann überredet es sein zu lassen. Freiwurf ging daneben (Ausführung mit dem MV von WH auf dem Feld (er wollte es ja nicht verlassen)). Endstand war dann 34-20 für JS.
Die Verwarnung gegen die Bank war gut. Man hat jetzt zwei Möglichkeiten, die Verwarnung geben und sich dann schnell abdrehen und zum Kampfgericht gehen und die VW eintragen lassen, oder stehen bleiben beim MV. Dann muss aber eine klare Ansage folgen: "Ruhe, jetzt ist Schluss!", wenn er dann nicht aufhört, ist die 2 min. spätestens beim 2. Satz notwendig. Genauso, wenn er euch zum KG folgt und weiter macht.
Das wichtigste ist eine Linie zu finden, auf die sich die Mannschaften einstellen können. Im Idealfall baut man die Progression mit Ermahnung und Verwarnung auf, außer es ist natürlich ein größeres Vergehen, was direkte Hinausstellung/Disqualifikation erfordert. Dann hat man manchmal auch den Effekt, dass die Spieler schon mit einer entschuldigenden Geste das Feld verlassen, wenn die TimeOut gibst. Aber gut, dass ihr dann zum Ende 44./48. dann aber euch getraut habt, die Hinausstellungen zu geben.
Das letzte Verhalten des Trainers geht gar nicht. Null Komma Null! Da hilft nur eine klare Ansage, dass noch ein Freiwurf ausgeführt werden und er das Spielfeld verlassen muss. Kommt er dieser Aufforderung nicht nach, dann ihn Fragen, ob er einen Spielabbruch provozieren möchte? Dann klare Ansage: "Runter! 3, 2, 1 ..." ist er dann nicht wieder runter vom Feld oder zumindest sehr flott auf dem Weg dahin, beendet ihr das Spiel und gibt die Disqualifikation mit Bericht. Das ist wie eine Aufforderung zum Spielabbruch zu werten, je nachdem wie er auf euch zukommt, kommt auch eine "Bedrohung" in Frage. Problem ist, so lange solche Kameraden damit durchkommen, machen sie immer weiter. Wenn sie mal die Grenzen aufgezeigt und eine entsprechende Strafe bekommen, kann sich was ändern.
Alles davor ist von den Schilderungen normales Trainer/Schiedsrichter-Geplänkel, was nervig uns anstrengend ist, da er halt besonders seine Grenzen austestet, aber mit dem man durchaus umgehen kann. Das am Ende ist aber ein absolutes No Go von ihm!
Aber Glückwunsch, dass ihr euer erstes schweres Spiel gemeistert habt. Diese Erfahrungen werden euch bei euren weiteren Schritten helfen. Ich drücke euch die Daumen und weiter viel Spaß beim Pfeifen. Und nicht von solchen Typen verunsichern lassen!