Skandal, Machtkampf und Entlassung: Warum Krickau in Berlin gelandet ist
Am Donnerstagnachmittag beendeten die Füchse Berlin wochenlange Unruhen mit einem überraschenden Ergebnis. Der Verein bestätigte, dass Nicolej Krickau mit sofortiger Wirkung den Posten des Cheftrainers und Sportdirektors übernimmt.
Dass die Entscheidung jetzt und nicht erst wie geplant im Sommer 2026 fällt, liegt an den internen Machtkämpfen im Verein. Stefan Kretzschmar hat bereits seinen Rücktritt als Sportdirektor nach dieser Saison angekündigt, und auch die Zusammenarbeit mit Jaron Siewert sorgt für Unruhe. Lange wurde darüber spekuliert, warum keinem der beiden Erfolgsmenschen eine Vertragsverlängerung angeboten wurde.
Nun hat die Geschäftsführung um Direktor Bob Hanning die Konsequenzen gezogen. Mit Kretzschmars Abgang war auch für Siewert faktisch Schluss.
Dass Krickau nun vom ersten Tag an die Schlüssel zum Meisterteam erhält, zeugt von einer Geschäftsführung, die die Lage in den Griff bekommen und Ruhe schaffen will. Der dänische Trainer war nach seiner Entlassung in Flensburg frei auf dem Markt, und der Zeitpunkt hätte für Berlin nicht besser passen können.
Die Wahl Krickaus ist jedoch mehr als nur eine praktische Lösung. Er ist der Mann, der bei GOG seine Spuren hinterlassen hat, wo er Mathias Gidsel vom Talent zum Weltstar entwickelte. Der Vergleich zwischen GOG und den Füchsen ist eindeutig: Beide Vereine haben in den letzten Jahren ihr eigenes Profil kultiviert und ihre Mannschaften Schritt für Schritt aufgebaut, anstatt sich einfach in den Erfolg einzukaufen.
Auch der Spielstil ist ähnlich – schnell, temporeich, talentorientiert – und Berlin hat nicht vergessen, wie Gidsel unter Krickau aufblühte. Dass der dänische Star-Verbinder des Vereins die Wahl legitimiert, ist kaum zu übersehen.
Dennoch besteht kein Zweifel daran, dass die Aufgabe enorm ist. Krickau übernimmt das Traineramt des Titelverteidigers in der stärksten Liga der Welt, eines Teams, das in der vergangenen Saison auch das Finale der Champions League erreichte. Die Anforderungen sind ganz anders als bisher, und nach einer turbulenten Zeit in Flensburg muss er nun beweisen, dass er in der obersten Liga durchhalten kann.
Für den dänischen Handball ist die Ernennung historisch. Nie zuvor wurde einem dänischen Trainer in Deutschland eine so große Aufgabe übertragen. Für die Füchse ist sie inmitten der Turbulenzen eine Notwendigkeit.
Am Samstag wartet Magdeburg auf der anderen Seite – ein hochkarätiges Event, bei dem Nicolej Krickau bereits zeigen muss, ob er die Unruhe in Ergebnisse umsetzen kann.