Also erstmal vielen Dank für die Aufklärung! Beurteilen will und kann ich das natürlich nicht, ohne es gesehen zu haben. Normalerweise wäre ich auch da gewesen, Karten hatte ich (bzw. habe ich immer noch). Nur leider (oder im Nachhinein zum Glück) haben mich private Dinge auf die Fahrt verzichten lassen.
Zwei Dinge möchte ich trotzdem noch loslassen dazu. Einerseits finde ich es fantastisch, dass sich beide Lager trotz dieser verzwickten "Beziehung" zueinander im Angesicht dieser Geschehnisse so geschlossen und einträchtig präsentieren. Das zeigt, dass der Sport trotz aller Rivalität verbindet, weil irgendwie jeder auf das "Mensch sein" reduziert wird - ungeachtet der unterstützten Farben oder umgelegten Schals. Andererseits ist es erschreckend, dass es immer wieder Schicksalsschläge im Umfeld dazu braucht, um das zu Tage zu bringen. Womit ich die Rivalität als solche auch nicht missen möchte, weil sie einen Teil des Reizes am Sport ausmacht. Ein Spiel ohne Emotionen auf und neben dem Spielfeld käme einer Partie Halma in der Gartenlaube gleich. Aber alles sollte sein Ende haben, die Grenzen der Achtung voreinander nicht überschreiten. Ich finde das Verhalten beider Lager nach diesem schlimmen Zwischenfall fast beispielhaft, wenn man die Zeit davor bedenkt und die Schärfe, mit der die Auseinandersetzungen verbal zum Teil geführt wurden.
Was mir ebenfalls noch auf der Seele liegt nach den Schilderungen zur Disqualifikation mit Bericht:
Es ist in gewisser Weise wieder einmal eine regeltechnische Sache, die sich kontraproduktiv zur eigentlichen Ursache der Einführung zeigt. Es war beabsichtigt, diese früher üblichen "taktischen Fouls" zum Ende einer Partie durch Verschärfung des Strafenkatalogs zu unterbinden. Was aber (zu) oft zu ungleicher Regelauslegung der Schiedsrichter führte. Denn viele Gespanne bezogen diese "letzte Minute" jeweils auf die gespielte Halbzeit. Deshalb gab es mal gar nichts (um größeren Schwierigkeiten durch die Heim-Fans aus dem Weg zu gehen), mal "nur" eine Bankstrafe, mal eine Rote Karte, mal eine DQ mit Bericht. Niemand konnte sich wirklich richtig auf diese Regeländerung einstellen. Am wenigsten scheinbar die Schiedsrichter. Gerade erst im Januar 2011 gab es vom Handball-Verband Berlin eine explizite Klarstellung (hier zu lesen), dass sich die entsprechende Regel nur und ausschließlich auf die letzte Spielminute, also die 60. bezieht. Das allein zeigt, mit welcher Unsicherheit auch Schiedsrichter an diese Neuerung herangegangen sind. Lese ich dann noch einvernehmlich aus beiden Lagern, dass die Schiris ohnehin scheinbar völlig überfordert waren, dann bekommt die Situation mit dem Klammern von Rompf gegen Schöngarth für mich eine ganz eigene Dynamik.
Und da muss sich (wieder einmal) die HBL gründlich Gedanken machen, wie Regeländerungen ein- und durchgeführt werden. Denn rein gefühlsmäßig haben all die "richtig" gehandelt, die entsprechende Vergehen auch in der 30. Minute hart bestraft haben. Sicher sind dann immer noch 30 zu spielen, kann ein eventuell verhinderter Treffer wieder aufgeholt werden. Trotzdem bleibt es ein "gestohlenes" vermeintliches Tor, was bei der Knappheit vieler Begegnungen nicht weniger wichtig wäre wie eines aus der 60. Minute. Insofern könnte man sogar mit einer doppelten Roten Karte leben: für Rompf wegen der vereitelten Chance Sekunden vor dem Halbzeitpfiff (ich gebe zu bedenken, dass zuerst eine Wertung des Halbzeitstandes im Raume stand, und es damit dann zudem tatsächlich die letzte Minute des Spiels gewesen wäre!), für Schöngarth wegen der "Tätlichkeit" (mit aller Vorsicht als solche bezeichnet). Dass dann aber eine Rote zurückgenommen wird (regeltechnisch wie oben beschrieben sogar korrekt!), dafür die andere auf "mit Bericht" ausgeweitet wurde (eventuell vor dem emotionalen Hintergrund des Minuten vorher eingetretenen Unglücksfalles und der sicher reichlich aufgeheizten Atmosphäre?), scheint mir mehr als zweifelhaft. Und unterstützt eindrucksvoll die Auffassung, dass sich die Herren Schiedsrichter vielleicht vor allem mental etwas besser auf diese Begegnung hätten einstellen sollen - INCLUSIVE der intensiveren Auseinandersetzung mit regeltechnischen Fragen.