Ein bißchen inhaltsreicher als die meisten (PR-) Interviews hier (a la: "Ich werde kämpfen bis zum Umfallen"; oder in X-Variationen: 'In Kiel ist alles wunderbar'), das Gespräch zum Saisonauftakt zwischen Jügen Knicker und Richard Ratka:
ZitatAlles anzeigen"Gibt es eine Verletzung, dann wird es eng"
Trainer Richard Ratka im MT-Interview über Chancen und Probleme des Handball-Bundesligisten GWD Minden
Minden (mt). "Es wird eine der schwersten Serien überhaupt für uns. Gibt es auch nur eine einzige Verletzung, dann wird es richtig eng." Richard Ratka steht als Trainer des Handball-Bundesligisten GWD Minden vor einem Himmelfahrtskommando. Alle Experten wie der Kultstar Stefan Kretzschmar zählen GWD zu den beiden wahrscheinlichsten Absteigern. Zwei Tage vor dem ersten Punktspiel gegen den Wilhelmshavener HV gab Ratka dem MT-Redakteur Jürgen Knicker folgendes Interview.
Von Jürgen KnickerWie fühlt man sich, wenn man von Stefan Kretzschmar als Abstiegskandidat Nummer eins bezeichnet wird?
Das ist ja nichts Neues für uns. Wir werden seit Jahren zu den möglichen Absteigern gerechnet. Wenn diese Experten sehen, dass von unseren vier Neuverpflichtungen drei aus der eigenen Jugend kommen, dann kann man verstehen, dass sie solche Prognosen abgeben.
Was muss passieren, dass der Verein diese undankbare Rolle los wird?
Wir müssen einfach noch ein, zwei Spieler holen, um langfristig klarzukommen. Neun unserer insgesamt 14 Spieler kommen aus dem eigenen Nachwuchs. Das ist wirklich einmalig in der Bundesliga. Aber es macht die Sache nicht einfacher. Aber unsere finanziellen Probleme sind bekannt. Man kann nicht immer so wie man möchte.Was wäre der Super-Gau?
Wenn Stefan Just oder Arne Niemeyer ausfallen würden. Diese Leute sind in keiner Form zu ersetzen.Wo liegen die Problemzonen der GWD-Mannschaft?
Wenn es nötig wird, dem einen oder anderen Spieler eine Pause zu geben. Oder wenn einer der Leistungsträger eine schwache Tagesform hat. Dann beginnt für mich eine Art Kinderpuzzle. Man muss Spieler auf andere Positionen verschieben, aber man hat zu wenige Steinchen, die zudem nicht überall passen. Die Wechselmöglichkeiten sind arg begrenzt.Wo sieht man das am deutlichsten?
An den Linkshändern. Wir haben nur dri. Und Jan Fiete Buschmann ist unsere Alternative zu Stephan Just auf der Mittelposition. In diesem Fall fiele er als Ersatz für Moritz Schäpsmeier aus. Erreicht Moritz nicht das erforderliche Niveau, müsste Fiete dort spielen und fiele als möglicher Mittelmann aus.
Wie kann GWD Minden denn überhaupt noch Spiele gewinnen?
Alle müssen gleich vom Serienbeginn in jedem Spiel voll zur Sache gehen. Wir beginnen nicht gegen nahezu unschlagbare Teams wie Kiel, Flensburg oder Hamburg, wie in den letzten Jahren, sondern gegen direkte Konkurrenten. Wir müssen unsere wenigen Leute so fit bekommen, dass wir problemlos 60 Minuten mit den tragenden Kräften unser höchstes Niveau durchhalten können. Wenn uns das gelingt, dann bin ich sicher, dass wir unser Ziel erreichen können.Ist Kapitän Arne Niemeyer nach seiner Fußverletzung, wegen der er im Vorjahr fast eine Halbserie aussetzen musste, wieder ganz der Alte?
Arne ist körperlich wieder da, wo er vor seiner Verletzung war. Zwischenzeitlich hatte er wegen eines Krafttrainings zu viel Muskulatur aufgebaut und einige seiner Qualitäten eingebüßt. Doch jetzt hat er sein altes Gewicht wieder, Sprungkraft und Sicherheit sind auch wieder da.
Wie lange wird es dauern, bis der neue Kreisläufer Anders Henriksson seinen Vorgänger Dimitri Kusilew ersetzen kann?
Um einen neuen Kreisläufer einzuspielen braucht man viel Geduld. Pass- und Laufwege müssen verinnerlicht werden. In der Deckung ist Anders im Vergleich zu Dima schon jetzt eine Verstärkung für uns. Vorne muss er es noch werden. Aber er ist ein guter Fang für den Verein.