Was wäre denn in einem solchen Falle mit den beiden hier berechtigtermaßen hart kritisierten Hens und Kraus?
Wären die besser?
Nein, warum auch, ihr Marktwert (als halbwegs akzeptabler Deutscher) wäre vermutlich sogar höher.
Nö besser wären sie nicht. Aber die Konkurrenz wäre härter, weil alle Vereine gezwungen wären, auf deutsche Spieler auch im Rückraum und auch in der Stammsieben zurückzugreifen. Genaugenommen wäre ihr Marktwert sogar geringer, weil ihr Alleinstellungsmerkmal fehlen würde. Und die Vereine würden sich genau überlegen (müssen), ob sie den Kaderplatz einem ausl. Spieler verpassen weil der gerade billiger ist, oder ob man einen Verpflichtet, der tatsächlich Qualität in die Manschaft bringt. Der Raum der da entsteht, können deutsche Talente zum entwickeln nutzen. Das funktioniert natürlich nur, wenn man nicht davon ausgeht, das der deutsche Handball(nachwuchs)spieler nicht schon quasi genetisch nicht in der Lage ist, Handball auf hohem Niveau zu spielen.
Mag sein, dass das Niveau der Liga insgesamt etwas sinken würde. Das heißt, aber nicht, dass die Spiele weniger spannend wären. Und ein Spiel Spitz auf Knopf zwischen Lemgo und Göppingen mit +1 oder Unentschieden ist sicher spannender als ein +25 Sieg des THW gegen meinetwegen Dormagen. Aber gut, die Diskussion hatten wir schon zur Genüge und werden auch dieses mal kein allgemeine Lösung finden.
Freundschaft!
Borah
Dir ist schon klar, daß die Ausländerbeschränkung vor Bosman lediglich ein Pseudo-Argument ist? Man kann doch nicht die Situation von heute mit der von damals (im gleichen Land) vergleichen, sondern muß vergleichen, wie die Unterschiede zwischen den Ländern damals waren und heute sind. Und es ist nun einmal so, daß es die Ausländerbeschränkung früher überall gab und heute (de jure) überall nicht mehr gibt. Tatsächlich war es zu Zeiten der Zweit- und Drittklassigkeit so, daß die Topmannschaften damals überwiegend aus dem Ostblock kamen, in deren Ligen es gar keine Ausländer gab. Und die westlichen Mannschaften der erweiterten Weltspitze wie Island, Dänemark und Schweden auch nahezu keine Ausländer in ihren Ligen hatten. Lediglich in Spanien war es damals normal, daß die Mannschaften sogar zwei Ausländer hatten. In Deutschland war zu der Zeit einer erlaubt.Heute dürfen überall Ausländer spielen. Faktisch ist es aber so, daß in Spanien die Zahl der Ausländer per Selbstverpflichtung gedeckelt ist und es in den anderen Ligen de facto eine wirtschaftlich begründete Reglementierung von Ausländern gibt. Denn während es hier wirtschaftlich oftmals lohnend ist, einen Ausländer einem Deutschen vorzuziehen, ist es in anderen Ländern aus wirtschaftlichen Gründen oft gar nicht möglich, einen Ausländer als Spieler in Betracht zu ziehen. Dänemark ist neben Spanien und Deutschland die einzige Liga, in der sich die Vereine auf breiter Front die richtig guten Ausländer leisten können.
Und deshalb muß man feststellen, daß die Ausgangsituation heute für deutsche Talente nun einmal wesentlich ungünstiger ist, als für ihre gleichaltrigen Kollegen in anderen Ländern.
Danke!