Egal wer sich zu diesem Thema äußert, sei es Özil, Hoeneß, Politiker oder der DFB. Inhaltlich sagen eigentlich alle zumindest sehr viel nachvollziehbares, ob nun 100pro wahr oder im Einzelfalle zutreffend, berechtigt, überzogen, angemessen, verharmlosend, verschleiernd oder erhellend oder was auch immer, dürfte wohl keiner von uns genau einschätzen können. Da liegt wohl vieles im Gusto des jeweiligen Konsumenten.
Özils Rundumschlag spricht für mich vieles an, was ich mir durchaus auch so vorstellen könnte, dass es auf ihn so wirken muss. Was aber völlig fehlt ist eine Einsicht, dass er selber auch sehr viel dazu beigetragen hat, dass die Sache sich so entwickelt hat. Mir fehlt Selbstreflektion, kein bißchen Selbstkritik, nur Empörung und beleidigt sein. Kommt mir schon etwas selbstverliebt vor. Schuld sind offenbar nur andere.
Seine Ansicht zum Erdogan-Treffen kann man so sehen, (aus seiner Sicht wohlgemerkt) sich aber nicht über die möglichen Folgen im klaren gewesen sein zu wollen, ist naiv bis dämlich.
Das Ausmaß der entstandenen Unruhe und sein langes Schweigen können nur negativ in die Mannschaft ausgestrahlt haben. Das geht gar nicht anders.
Er ist natürlich nicht der alleinig Schuldige, aber er ist ein Teil des Problems. So wie er damit jetzt aber umgeht ist es für mich überhaupt nicht souverän.
Wenn Özil auf dem Rasen und hinter einem Mikro nur annähernd mal so auf die Pauke gehauen hätte wie bei Twitter hätte das für mich auch ein stimmigeres Bild ergeben.
Hoeneß` Einschätzung zu Özils sportlichem Wert seit 2014 teile ich umfassend. Özil wurde vieles angedichtet und bei ihm wurde oftmals verwechselt, was er so alles kann und was er davon auch tatsächlich zeigt. Ob Hoeneß die Kritik in dem Ton vortragen muss, sei mal dahingestellt. Das ist für zart besaitete Seelen natürlich ein no go, aber für einen, der rauhere Sprache eher als Klartext liest und nicht gleich in Entrüstung ausbricht, klingt es fast wohltuend gegenüber dem üblichen Eiapopeia z. B. von der Kanzlerin oder Fr. Barley.
Wenn man sich mit Inhalt nicht auseinandersetzen kann oder will, driftet man halt gerne ins formelle ab, auf die Beziehungsebene, den Ton halt.
Hoeneß` Steuervergehen hat damit überhaupt nix zu tun und auch nicht, ob man Hoeneß persönlich leiden kann oder nicht oder Bayern-Fan ist oder nicht. Das trifft für mich auch alles zu, bzw. nicht zu, aber natürlich hat Hoeneß Kompetenz in Sachen Fußball und genau das selbe Recht wie jeder andere auch dazu seinen Psalm abzugeben oder es auch ggfs. zu lassen.
Dem DFB offenen Rassismus vorzuwerfen ist für mich lächerlich. Allerdings kann man dem DFB vieles andere vorwerfen wie Doppelmoral, Entfremdung von der Basis, Kungeleien, schlechte ÖA und Kommunikation etc.
Insofern gibt der DFB auch nur das Bild eines typischen Verbandes ab, wo offensichtlich viele Spitzenfunktionäre einfach nicht die Klasse haben, die nötig wäre um Anspruch und Realität in Einklang zu bringen. Die besten Leute sitzen in den Vereinen, nicht beim DFB.
Beim DFB mag darüber vielleicht das gesamtgesellschaftliche Erstaunen größer sein als bei anderen, weil der DFB viel größer ist, aber die wursteln sich da genauso einen ab wie der DHB oder der Kanu-Schwimm-Radsportverband oder sonst wer.