Emotionalität in die Mannschaft bekommen - männliche B Jugend

  • Hallo Zusammen,

    ich habe ein kleines "Problem" (großes Wort) mit der Emotionalität meiner Mannschaft und dachte ich frage mal in die Runde, ob Jmd. eine Idee hat, wie ich das als Trainerin angehen kann.

    Es geht um Folgendes: ich trainiere eine männliche B Jugend (Jungjahrgang) mit der wir auch vor einer Woche Quali gespielt haben. In der Halle wurde ich von einzelnen Leuten wieder auf etwas angesprochen, was mir auch im Kontrast mit den anderen Mannschaften bei dem Turnier nochmal besonders aufgefallen ist. "Die sehen alle aus als hätten sie keinen Bock." Und leider stimmt das. Die Körpersprache der Jungs lässt häufiger zu wünschen übrig (besonders wenn die Gegner Selbstbewusst wirken) und emotionale Freuden über geworfene Tore oder gelungene Angriffsaktionen bleiben schlicht aus. Zwar wird sich kurz abgeklatscht und auch von der Bank kommt ein müdes Klatschen, aber wenn ich mir anschaue, wie sehr andere Teams sich da pushen, gerade in engen Spielen, fehlt mir bei uns etwas die Emotionalität. Wir als Trainer leben das anders vor und pushen viel, vor allem positiv, von der Seitenlinie, aber sie lassen sich einfach nicht mitreißen.

    Das Ganze hat sich schon gebessert seit letztem Jahr (da habe ich das Klatschen in der Kabine vor dem Spiel angestimmt und noch buchstäblich ins Leere geklatscht) und bei einzelnen kommen so langsam auch die Emotionen durch, aber der Funke will so gut wie nie überspringen. Und jetzt könnte man natürlich meinen, dass das Team wirklich "keinen Bock" hat, aber ich weiß, dass es anders ist. Ich weiß, dass sie alle leidenschaftlich gerne und mit viel Spaß Handball spielen, unsere Trainingsbeteiligung ist fast bei 100 Prozent und die Stimmung in der Mannschaft ist auch echt gut, sodass das im Training auch alles kein Problem ist. Aber sobald wir in die Spielsituation kommen, werden sie zurückhaltender. Immerhin hatten wir letzte Saison zwei Ekstasen bei einem Unentschieden in der letzten Sekunde und einem Sieg gegen den Tabellenführer. Sie sind also durchaus in der Lage in diesen Modus zu kommen. Ich wüsste nur gerne, wie ich sie dazu bewegt komme öfter so sehr bei der Sache zu sein und sich selbst mal zu feiern, wenn sie gut spielen.

    Wir haben schon viel versucht und zB die Spieltagsroutine auch so umgestellt, dass es zu spürbar mehr Fokus geführt hat, aber dieses Emotionale bleibt aus. Wir achten immer sehr darauf, mit Fehlern positiv umzugehen und zB Testspiele und sowas so zu legen, dass Challenge und Aufbau des Selbstbewusstseins aufeinander folgen. Aber obwohl wir wirklich eine gute Mannschaft haben, lassen die Jungs sich einschüchtern, sobald die Gegner selbstbewusster und einfach präsenter sind auf dem Feld.

    Manchmal hab ich das Gefühl sie kommen sich zu cool für sowas wie Abklatschen oÄ vor oder es ist ihnen unangenehm diese "ungezügelten" Emotionen zu zeigen. Die meisten im Team sind aber auch ziemliche Kopfmenschen, was sie glaube ich auch hemmt in der Richtung.
    Ich will die Jungs ja nicht von Grund auf ändern, aber ich möchte knappe Spiele nicht mehr verlieren, nur weil die Gegner sich mit jedem Tor mehr in diese Mentalität gepusht bekommen und wir mental nicht dagegen halten können. Ich möchte, dass sie auch mehr an sich glauben, indem sie solche Spiele dann auch mal gewinnen.

    Hat Jemand eine Idee, was ich noch machen könnte, um den Funken mal etwas mehr zu entfachen? Teambuilding, Andere Ansprachen, neue Rituale probieren? Oder muss ich ihnen einfach die Zeit lassen sich als Mannschaft dahin zu entwickeln? Mir wurde schon gesagt, ich bräuchte einen Spieler, der es schafft, die anderen mitzureißen. Ja. Aber den kann ich mir ja auch nicht schnitzen... Ich brauche da jetzt mal eine Meinung von außen, mit der zeit wird man ja auch Betriebslind.

    Ich freue mich über jeden Denkanstoß!

    Dankeschön :)

  • Hallo Jana25,

    da ist wohl schon was dran, dass positive Emotionen helfen können, in einen Flow zu kommen, der sich dann positiv auf das eigene Spiel und somit auf das Mannschaftsergebnis auswirkt.

    Dein Problem ist, dass deine Jungs in einem Alter sind, in dem nichts über die eigene Peergroup geht und sie extrem darauf achten, sich gruppenkonform zu verhalten. Ich befürchte, da stößt du an Grenzen und ein zu viel kann am Ende kontraproduktiv sein, wenn es aus Sicht deiner Jungs aufgesetzt oder lächerlich wirkt. Dann sagen sie sich "oh Gott, und ich soll mich auf so aufführen? Was würden die Jungs denken?".

    Ich glaube, der Hinweis mit dem Leader war schon nicht so verkehrt. Die Veränderung muss von innen kommen, nicht von außen. Und du bist als Trainerin zumindest halb außen.

    Es muss aber auch zu deinen Jungs passen. Was macht dich denn so sicher, dass sie mit mehr Emotionalität deutlich erfolgreicher wären? In wieweit ist es einfach nur deine persönliche Idealvorstellung und eine durch eigene Erfahrungen geprägte Erwartungshaltung, dass "es sich als Sportler gehört, sich so und so zu verhalten"?

    Könnte es unterm Strich für deine Mannschaft einen höheren Outcome haben, wenn du die Energie, die du in dieses Thema lenkst, für andere Dinge verwendest, Trainingspläne entwickeln, o.ä.?

    Ich kann das natürlich aus der Ferne nicht beurteilen, ich finde es auch klasse, dass du dir soviel Gedanken um deine Jungs machst. Ich möchte nur einen kleinen Denkanstoß geben, deine eigene Motivation zu hinterfragen und mal versuchen, das Thema aus der Sicht der Jungs zu sehen. Und wenn das alles schon erfolgt ist und du hier von anderen Usern nicht noch DIE Idee bekommst, dann gibt es auch einen Punkt an dem man die Dinge auch akzeptieren darf. Manches braucht auch Zeit, in 1-2 Jahren kann das vielleicht schon etwas anders aussehen bei euch. Deinem Team wünsche ich viel Erfolg!