Gegner aufinternationalem Spitzenniveau, wo die DHB-Auswahl wieder hin will, waren ehrlich betrachtet nur Frankreich und Spanien. Gegen Frankreich haben sie wirklich begeisternd aufgespielt. Aber heute sind sie in der zweiten Halbzeit erneut unter dem Druck des Gewinnen müssens eingebrochen. Dasselbe Problem wie in den letzten EM- und WM-Turnieren.
Ich bleibe dabei: Die Gleichung "Viertelfinale war zu erwarten = alles wie gehabt" geht für mich nicht auf. Ich will drei Punkte herausgreifen, für die die deutsche Mannschaft in den letzten Monaten oder Jahren heftig kritisiert worden ist und wo es bei diesem Turnier eine klare Weiterentwicklung gab:
- Wir können nicht gegen offensive Deckungen spielen:
Da gab es taktisch sehr gute Lösungen mit schnellen Kreuzbewegungen und teilweise sehr kreativem Spiel über den Kreis bzw. über die Außen oder guten 1-1-Aktionen nach Spielverlagerung
- Wir haben keine Kreisläufer auf internationalem Niveau und demenstsprechend auch kein Kreisläuferspiel:
Wiencek und über weite Strecken auch Theuerkauf haben ihre Sache sehr ordentlich gemacht, das Kreisspiel war teilweise die stärkste Angriffswaffe
- Der deutsche Mittelblock ist zu statisch und unbeweglich, mit Roggisch als blindem Klopper und an der Linie festgewachsenen Nebenleuten:
Der Mittelblock hat sich von Spiel zu Spiel gesteigert, was Roggisch und Haaß oder auch Kneer dort gespielt haben, war in den letzten Spielen überragend
Nur nebenbei bemerkt: Dass Heuberger nichts als eine schlechte Kopie von Heiners Play-Book spielen lässt und dazu unfähig sei, eine Mannschaft taktisch richtig einzustellen, wird jetzt auch kaum mehr jemand behaupten wollen.
Dass diese ganzen Fortschritte auch keine individuelle Klasse zaubern können, ist klar. Aber ich habe auch bei den anderen Mannschaften im Viertelfinale (zu Russland und Slowenien kann ich allerdings nichts sagen) nicht den dominierenden Spielmacher gesehen, dessen Fehlen man beim deutschen Team oft beklagt hat. Wo einzelne Spieler einer Begegnung ihren Stempel aufdrückten, taten sie das meist durch individuelle Klasse, mit der sie ins 1-1 gingen oder schwierige Würfe versenkten. Spielerisch endete das immer damit, dass sie zwei oder mehr Gegner banden und damit Räume für die Nebenleute schufen.