Puh, war ja wieder klar. Du würdest also, bei blutender Wunde sagen, „nö, das muss man sich nicht nochmal angucken“? Blago wurde 15 Min in der Kabine behandelt und kam auch generell nicht mehr ins Spiel zurück.
Ich wiederhole hier mal, was ich bereits mehrfach schrieb: Wenn ein Schiedsrichter aufgrund einer vermeintlichen Verletzung eine Entscheidung trifft, hat er seinen Job verfehlt und sollte Pfeife und Ausweis abgeben. Ich habe selbst schon erlebt, wie eine Spielerin mit der Begründung "Aber die Gegnerin musste doch behandelt werden" von den Schiedsrichtern vom Platz gestellt wurde. Dabei waren es die Schiedsrichter, die die Betreuer aufs Feld gerufen haben. Mit solchen Aktionen überschreiten die Unparteiischen ihre Kompetenzen. In den allermeisten Fällen dürften das keine ausgebildeten Notärzte sein und selbst wenn, dann finden fundierte medizinische Diagnosen in der Notfallambulanz statt und nicht auf dem Spielfeld.
Die Handballregeln geben diese Argumentation einfach nicht her. Die Schiedsrichter haben Entscheidungen aufgrund einer Aktion und deren Gefährdungspotenzial zu treffen, nicht aufgrund des Resultats. Ein Kopftreffer wird nicht zur Lappalie, nur weil der Getroffene nicht in Neymar-Manier auf dem Feld zum Sterbenden mutiert, sodass man gewillt ist, den Leichenwagen zu rufen. Die Schiedsrichter haben einzig zu berücksichtigen, wie dieser Treffer zustande kam, und nicht, welche Auswirkungen er scheinbar hatte oder auch nicht hatte.
Im Übrigen gilt im Handball das Verursacher-Prinzip. Kommt es zum Zusammenstoß, ist nicht automatisch derjenige zu bestrafen, der nicht blutet oder nicht am Boden liegen bleibt. Es ist der zu bestrafen, der regelwidrig gehandelt hat. Wenn ein Abwehrspieler aktiv in den Angreifer hineingeht, dann geht die Aktion von ihm aus. Muss ein Angreifer hier im Vorfeld schon alle Eventualitäten berücksichtigen? Nein. Würfe/Abspiele finden nunmal auf Kopf-/Oberkörperhöhe statt und sind elementarer Bestandteil des Handballspiels. Wenn der Abwehrspieler meint, da aktiv in einen Wurf gehen zu müssen, nimmt er bewusst das Risiko in Kauf, getroffen zu werden.
Anders zu bewerten wäre es nur, wenn sich der Abwehrspieler regelkonform verhält und der Angreifer zum Beispiel den Wurfarm durchzieht und dem Abwehrspieler dabei noch eine mitgibt. In dem Fall wäre tatsächlich der Angreifer zu bestrafen.