Der eine Spieler muss verletzt-blutend vom Feld, der andere steht direkt wieder auf. Letzteres wird härter sanktioniert.
Die Schiedsrichter haben das Gefährdungspotenzial der Aktion zu bewerten, nicht die Auswirkungen. Und das aus gutem Grund. Blut ist ein Indikator, dass da was passiert ist. Aber es taugt eben nicht als Bewertungskriterium. Dir kann auch völlig ohne Gegnereinwirkung in der Nase eine Ader platzen und du siffst damit das halbe Spielfeld voll (schon selbst gesehen). Schiedsrichter sind auch keine Notärzte, die noch dazu ohne jegliche Untersuchung auf dem Spielfeld ad hoc eine verwertbare Diagnose stellen können. Ich habe selbst schon Schiedsrichter mit der Logik: "Die Spielerin musste behandelt werden, ergo muss die Gegnerin bestraft werden." erlebt. Das öffnet (noch mehr) Schauspielerei alle Türen. Will man wirklich die Auswirkungen bestrafen, müsste man jeden Spieler erstmal in die Notaufnahme schicken und das Ergebnis der Untersuchung abwarten.
Der eine bekommt bei einer Abwehraktion den Arm direkt ins Gesicht, der andere bekommt den Arm eines ballführenden Spieler bei einer Drehung unabsichtlich ab. Auch letzteres wird härter sanktioniert.
Dass man langsam auch anfängt, Angreifer öfter zu bestrafen, ist der richtige Weg. Gerade das Durchziehen des Wurfarm nach dem Wurf, um damit dem Gegner noch eins auszuwischen, sieht man leider immer mal und wird selten bestraft. Ich weiß nicht, ob es die Regelklarstellung des DHB, die hier (welche entscheidung ist richtig?) mal diskutiert wurde, noch gibt. Aber das Szenario ist zumindest in den unteren Klassen häufiger zu sehen.
Das Platzschaffen mit dem Ellenbogen ist so ein weiteres Ding, was nicht mit den Regeln vereinbar ist. Wer mit dem Ellenbogen auf Kopfhöhe des Gegners agiert, nimmt Verletzungen in kauf. Das gilt für Angriff und Abwehr gleichermaßen.
Unbestritten ist jedoch, dass es keine klare Linie bei den Entscheidungen gibt. Der Videobeweis hilft dann zwar, solche Verstöße zu erkennen, die Zeitlupe scheint mir aber den Impact oft zu verfälschen. Meiner Meinung nach sollte die Situation anhand der echten Geschwindigkeit bewertet werden.
Auf der anderen Seite ist es halt eine Entscheidung wie jede andere. Einmal sieht man den Schrittfehler, einmal nicht. Einmal sieht man, dass der Werfer beim Wurf schon den Kreis berührt, das andere mal nicht. Trikotziehen ist auch so ein Ding, was nicht einheitlich bewertet wird. Klar wäre es wünschenswert, bei schweren Verstößen eine einheitlichere Linie zu haben, aber wie soll das klappen, wenn nicht einmal die Basics der Handballregeln auf Einhaltung kontrolliert werden? Solange ein Mensch die Spielleitung innehat, wird sich das nicht grundlegend ändern.