ZeeBee hat die Kaderplanung fleißig vorangetrieben. Schon sehr früh. Ein internes Gespräch im Januar in ZeeBees altem Verein:
"Laatzen hat doch noch ein großes Talente."
"Trainiert schon bei Karsten mit."
"Und die Spielerin aus Großburgwedel?"
"Trainiert auch bei Karsten mit."
"Was ist mit der aus Bothfeld?"
"Trainiert ab nächster Woche bei Karsten mit."
Das Puzzle fügt sich allmählich zusammen. Im alten Verein hat ZeeBee eine starke Mannschaft hinterlassen, die gewinnt Ostern souverän den Rödspätte Cup. Allerdings sind schon erste Erschütterungen der Macht zu spüren...
Traditionell meidet ZeeBee bei Turnieren die Betreuerunterkünfte, sucht sich beim Ulzburgcup Schlafplätze wie Heizungskeller, Treppenhäuser oder Flure. Die Mädchen sind in erster Etage in einem kleinen Zwei-Klassenzimmer-Trakt untergebracht. Der kleine Flur zwischen den Klassenzimmern muss dann mal als Schlafplatz herhalten. Die erste Nacht ist es ruhig, in der zweiten Nacht hat irgendwer etwas in den Kakao der Nachbarmannschaft getan. Die C-Jugend von... ach... St. Tönis. Bis weit nach 23:00 schreien die Mädchen in ihrem Klassenraum rum, die Abgelegenheit des Trakts macht es möglich, die Security hört wohl nicht so weit. ZeeBee macht es sich soweit möglich bequem. Dann verlassen drei der Grazien ihr Zimmer, setzen sich genau neben ZeeBee und krakeelen auf dem Flur herum. ZeeBee richtet sich auf, ob der Lärm denn wirklich Not täte? Die Damen scheinen den besetzten Schlafsack auf dem Boden gar nicht wahrgenommen zu haben, die mutmaßlichen Chemikalien aus dem Kakao leisten ganze Arbeit.
"Äh... oh... äh... dann gehen wir wohl mal ins Zimmer zurück."
Hält ZeeBee für einen ausgezeichneten Plan. Die Luder gehen nicht ins Zimmer zurück, marschieren zur Security:
"Da liegt ein Mann bei uns auf dem Flur. Wir fühlen uns da nicht wohl."
Die nächtlichen Ruhestörerinnen werden von der Security zum Klassenzimmer geleitet, ZeeBee muss umziehen. Nennt man wohl Täter-Opfer-Umkehr. ZeeBee hat nun definitiv einen neuen Lieblingsverein.
Die obere Hälfte des Turnierbaums darf in Henstedt-Ulzburg bleiben, der Rest muss raus auf's Dorf. Dort wird nun um Platz 13 bis 22 gespielt. Das Gefälle ist gewaltig, Platz 3 und 4 der Todesgruppe plus Berliner TSC II dominieren das hiesige Feld. Im ersten Spiel haben es die Mädchen mit einer Anfängermannschaft zu tun. Todesfelde/Leezen - Ihr müsst noch etwas üben, bis es für Eure Damen reicht. Im zweiten Spiel die Zweitvertretung des Gastgebers, die auch deutlich überfordert ist. Rückraum Mitte von Henstedt/Ulzburg hat nach dem Spiel etwas an ZeeBees Coaching auszusetzen, klatscht brav mit den Mädels ab, klatscht ZeeBee demonstrativ verächtlich nur mit dem Zeigefinger ab. Entzückend.
Es wird der Gegner im Spiel um Platz 13 ermittelt. Aus der Todesgruppe Nord Harrislee gegen die Zweitvertretung vom Berliner TSC. Ein packendes Spiel zweier gleichstarker Mannschaften. Berlin nur mit dem jüngeren Jahrgang bestückt, im Tor, auf Rückraum Mitte und Rückraum Links aber bärenstark besetzt. Unentschieden. Dank der stärkeren Torhüterin gewinnt Berlin und ist der letzte Gegner.
Pep talk in der Kabine. Das wird alles andere als leicht, mit einem Sieg aus dem Turnier zu gehen:
"Ihr habt Berlin gesehen. Auf drei Positionen wahnsinnig stark besetzt. Die haben gerade im 7m Werfen gewonnen, haben den Kopf in den Wolken, kommen mit breiter Brust in das Spiel, sind fast nicht zu schlagen."
ZeeBee wendet sich zur Ausgangstür, ergreift die Türklinke. Talina ist unzufrieden:
"Na das ist ja eine tolle Motivation."
ZeeBee grinst, greift auf Alan Shore/James Spader zurück, wendet sich wieder der Mannschaft zu.
"ES SEI DENN..."
Jüngst hat ZeeBee eine brutal offensive Halbfeldmanndeckung beobachtet, die bei Ballannahme den Rückraum mit kurzen harten stakkatoartigen Kontakten bei Ballannahme gestört und mächtig beeindruckt hat. Die drei Turniergegner waren jeweils konsterniert und die Deckung hat keinerlei Anlass für Progression gegeben. Voraussetzung ist natürlich eine unfassbare Laufbereitschaft. ZeeBee erklärt, was er von der Abwehr fordert - und dass der Moment im Turnier angekommen ist, in dem nicht mehr bunt durchgewechselt wird.
Die Mädels setzen die geforderte Deckung 1:1 um. ZeeBee hat sich weit aus dem Fenster gelehnt, auf Halb Links sein Abwehrsorgenkind aufgeboten und selbst sie arbeitet wie ein Abwehrdämon mit. Die Berliner Talente sind vollkommen überfordert, obwohl sie aus dem Berliner Landrecht eine extrem offensive Deckung kennen und der TSC in den vergangenen Jahren auch immer fleißig selbst eine Halbzeit weit jenseits der Mittellinie die Bälle abgeholt hat. Binnen Augenblicken liegen die Mädels mit fünf Toren vorne und bauen den Vorsprung fleißig aus, verteidigen brutal effektiv und haben die Körpersprache der Berlinerinnen schon binnen der ersten Hälfte auf einem Tiefstand. ZeeBee staunt Bauklötze. Die Mädels beginnen das Turnier mit einem hart erkämpften Spiel gegen einen gleichstarken Gegner und beenden das Turnier mit einem 21:8 gegen einen mindestens gleichstarken Gegner. Und das ist nicht mal Bestbesetzung gewesen. Die neuen Aufgaben können kommen.
Dein
Karsten