Beiträge von Zickenbändiger

    Nun auch im richtigen Thread:


    Auch wenn ich ein wenig spät dran bin. Im Final4 hat Alex Dujshebaev den ungewöhnlichen, weil langen, Wechsel von Rückraum Rechts zu Außen Links vollzogen. Zumindest wenn er bankfern im Angriff gespielt hat. Ich glaube, auch ein anderes Team hat diesen Wechsel gespielt.


    Ganz konkret im Fall Kielce: Warum nimmt man den zusätzlichen Laufweg in Kauf?

    Auch wenn ich ein wenig spät dran bin. Im Final4 hat Alex Dujshebaev den ungewöhnlichen, weil langen, Wechsel von Rückraum Rechts zu Außen Links vollzogen. Zumindest wenn er bankfern im Angriff gespielt hat. Ich glaube, auch ein anderes Team hat diesen Wechsel gespielt.


    Ganz konkret im Fall Kielce: Warum nimmt man den zusätzlichen Laufweg in Kauf?

    Plädoyer für das Solera Verfahren


    Mal was ganz Anderes. Nennen wir es Philosophie der Nachwuchsarbeit. In meinem ehemaligen Verein war ich zehn Jahre als Trainer aktiv. Habe mit einer Mini-Mannschaft in der E-Jugend angefangen. Habe die Mannschaft vier Jahre in der E-Jugend trainiert. Zwei Jahre in der D-Jugend. Zwei Jahre in der C-Jugend. Die beiden nachfolgenden Generationen parallel ebenfalls in E, D und C-Jugend. Ein Trainer, dieselben Mädchen, bis zu acht Jahre. Der Vorteil: Man kennt sich recht gut. Der Nachteil: Man kennt sich recht gut.


    Nun bin ich im zehnten Jahr in einer leistungsorientierten weiblichen Handballabteilung und bin seit ein paar Jahren D-Jugend Trainer. Gehe nicht mit einer Generation nach oben, sondern werde einerseits zum D-Jugend Experten, andererseits natürlich auch zum Fachidioten. Dieselbe Medaille. Im leistungsorientierten Bereich erscheint mir dieses System aber vorteilhafter zu sein. Ein kleiner Exkurs:


    Das Solera-System ist ein Verfahren zur Reifung von Sherry, Málaga, Brandy oder Gletscherwein. Seinen Namen hat das Verfahren von der Bezeichnung der untersten Fassreihe (spanisch solera ‚am Boden liegend‘), die darüber gestapelten Reihen nennt man criaderas (spanisch criadero ‚Zucht‘).


    Dabei werden Eichenfässer (span. bota) mit einem Fassungsvermögen von 520 Litern übereinander gestapelt. Aus der untersten Reihe Fässer wird etwa ein Drittel des fertig gereiften Sherry oder Brandy abgefüllt. Diese teilweise geleerten Fässer werden sodann mit jüngerem Wein aus der nächsthöheren Reihe befüllt. Diese Vorgehensweise wird wiederholt, bis die höchste Reihe leer ist und mit frischem Destillat nachgefüllt wird. Produkte die nach diesem System hergestellt werden, bezeichnet man allgemein auch als Soleras. (zitiert aus: http://www.wikipedia.de)


    Mein Thema ist eigentlich scotch malt whisky. Traditionell gereift in einem einzigen Bourbonfass. Mindestens drei Jahre, zumeist abgefüllt nach 10 oder 12 Jahren. Ich habe immer mal davon geträumt, mit ein paar Kumpels ein junges Fass zu kaufen, irgendwann abzufüllen und zu importieren. Handballecken-Whiskypapst einstein-husum hat mir die Augen geöffnet. Die Qualität der Fässer sei so unterschiedlich, dass nur rund ein Viertel aller Fässer für malt whisky tauge, der Rest wandere zum Blender und wird zu blended whisky verpanscht (Johnny Walker, Chivas Regal usw.). Die Chance, ein gutes Fass zu erwischen, 25%.


    Das Solera Verfahren...


    >>Was schreibt der Idiot denn da? Hier geht es um Handball.<<


    Der Altersklassenumbruch hat sich bei uns dieses Jahr maximal weit verzögert. Während alle anderen Altersklassen mit dem Spielbetrieb schon fertig waren (durch Corona schon mit erheblicher Verspätung), spielte die wB noch im Final4 und wollte natürlich im Training unter sich bleiben. Der 07er Jahrgang konnte nicht in die B wechseln, meine '09er nicht in die C. Dennoch habe ich die '11er schon mal aufgenommen, zusätzlich eine '13er Spielerin. Nun trainierten 09, 10, 11 plus ein Küken zusammen.


    Im Regelfall habe ich zwei D-Jugend Jahrgänge. Dazu die talentiertesten Mädchen aus dem älteren E-Jugend Jahrgang, in Ausnahmefällen auch eine Spielerin aus dem jüngeren E-Jugend Jahrgang. Nach zwei Jahren gebe ich die Mädchen wieder ab, die größten Talente habe ich folglich vier Jahre. Der älteste Jahrgang ist eine untere Fassreihe, gibt eine Menge an den neuen Sherry ab. Ich lerne jede Saison was dazu und kann auch jedes Jahr von Neuem mehr beibringen. Beispiel:


    Wir spielen Beachhandball mit einer Läuferin, einem Wechsel im Angriff, einem Wechsel in der Abwehr. Das läuft wie ein Uhrwerk, ist aber für die D schon recht komplex. Fange ich mit 10 Mädchen bei "null" an, brauche ich Wochen im Training, bis das sitzt. Kommt nun die neue Generation frisch dazu (oberste Fassreihe)... dieses Jahr klappt das nach einer einzigen Trainingseinheit und läuft reibungslos. Die Ältesten machen schon mal spinshots oder eingesprungene Blocks vor (meine ersten Beachhandballgenerationen haben weder noch gelernt, jede Saison setze ich Beachhandballerfahrung neu um).


    Wandere ich mit einer Generation mit in die C hoch, geht in der D das Solera Verfahren verloren, denn ich bin Teil der unteren Fassreihe. Das Eichenfass quasi, das jahrzehntelang Sherry im Holz eingelagert hat und als Aroma abgibt. Im "Einzelfassverfahren" ist die Erfolgschance bei 25%. Im Solera Verfahren scheint mir die Wahrscheinlichkeit, dass ich ganz unten, nach der A-Jugend, ein gutes Produkt bekomme, wesentlich größer.

    Fortsetzung Schnelle Mitte


    Vierergruppen, alle Spielerinnen an einem Ballkasten, in etwa 15m Entfernung (später 20m) zwei Turnmatten als Quadrat zusammengelegt. Passgeberin (vorzugsweise die Torhüterin, alle anderen können sich aber auch mal beteiligen) steht mit Ball neben dem Ballkasten, Spielerin vor ihr macht Hampelmänner bis sie von TW angetickt wird. Dann ein Sprint auf die Anwurfzone, Pass der Torhüterin nach zwei, drei schnellen Schritten, Anwerfende dreht sich um und bekommt im Idealfall den Ball in der Drehung.


    Korrekturen:


    - Der Ball landet überall, nur nicht bei der Anwerfenden

    Erst einmal vom Idealfall eines geraden, harten Passes abweichen und einen leichten Bogen erlauben, bis der sitzt. Dann allmählich härtere Pässe. Das kann seeehr frustrierend sein.


    - Probleme bei der Ballannahme wegen des Passes aus dem 180° Winkel

    Unmittelbar vor die Anwurfzone ein 2m breites Hütchentor setzen, durch das die Spielerinnen NICHT durchlaufen dürfen. Kleiner Bogen, dadurch eine seitliche Position bei Erreichen der Anwurfzone, der Winkel zum Pass ist deutlich besser.


    - Die Füße zeigen beim Fangen zur Torhüterin

    Das verhindert die Folgehandlung des schnellen Sprints nach dem Anwurf. Nach dem Schlenker kurz vor der Anwurfzone sollten der vordere Fuß nach vorne und der hintere Fuß zur Seite zeigen, ansonsten ist nur der Oberkörper Richtung Torhüterin gedreht.


    - Vorne Mitte muss auf den Pass vom Torwart warten

    Mit der Torhüterin einen Auslösepunkt erarbeiten, wann sie zum Pass losläuft. Wenn Linien vorhanden sind, eine Linie rauspicken, die bei Erreichen auf dem Weg zur Anwurfzone die Schnelle Mitte signalisiert. Im Idealfall fängt Vorne Mitte den Ball unmittelbar nach dem Umdrehen. Der Pass ist also längst unterwegs, wenn die Anwerfende noch läuft.


    - Vorne Mitte wird langsamer, um sich nach dem Ball umzuschauen

    Es gibt keinen Blickkontakt mit der Torhüterin/zum Ball vor Erreichen der Anwurfzone. Der Ball wird erst angeguckt, wenn er in den Händen landet.


    Das hier ist stumpfer Drill. Wie bei kaum einer anderen gruppentaktische Maßnahme müssen wir uns bei der Schnellen Mitte an Perfektion annähern, sonst funktioniert sie nicht.


    Die Ausführung der Schnellen Mitte trainiere ich losgelöst vom Auftaktpass. Wir werden mit der C ein langes Kreuzen spielen, das schon recht komplex für die Altersklasse ist. Elementar ist, dass in allen Phasen nach dem Anwurfpass die Torchance gesucht und nichts automatisiert geschieht. Im Idealfall produziert allein das lange Kreuz vier Abschlussmöglichkeiten des Rückraums, ohne dass auch nur Außen oder KM eingebunden sind. Alle vier Abschlussmöglichkeiten sollen ausgelotet werden. Dann kann ich immer noch einen Übergang/eine Sperre einbauen.


    In der D-Jugend habe ich bislang folgende Varianten (gegen extrem offensive Deckungsreihen) gesehen:


    - Mit dem Anpfiff geht eine schnelle Außen diagonal an den Kreis über. Sie überläuft ihre Manndeckerin und bietet sich am Kreis an. Der Anwurf erfolgt ohne feste Prinzipien, alle wissen aber, dass der Ball schnell zum Kreis muss.


    - RL oder RR (oder beide) überlaufen nach dem Pfiff ihre (sehr offensiven) Gegenspielerinnen. Der Anwurf wird maximal verzögert (3 Sekunden), bis sich eine Rückraumspielerin im Tiefenraum hinter der Deckung freigelaufen hat. Dann kommt der Anwurf direkt als Anspiel.


    Lässt sich Beides recht leicht verteidigen (1:1 ohne Ball / Sicherheitsabstand beim Anwurf), kann aber in der D mal eingestreut werden.


    Ich bin noch am überlegen, ob sich aus der Regel, dass ich drei Sekunden für den Anwurf Zeit habe und der Anwurf nicht ausgeführt ist, bevor nicht der Ball die Anwurfzone verlassen hat (also auch keine Abwehrspielerin in die Zone darf) Honig saugen lässt. Ein Ablenkungsmanöver innerhalb der Zone, drei Sekunden verzögern, Sprint durch die noch etwas verwirrte Abwehrreihen, dann der Pass aus der Zone. Wird die Schieris vor eine Aufgabe stellen.

    In der Mittellinie befindet sich ein Kreis mit einem Durchmesser von 4 Metern, der als Anwurfzone bezeichnet wird.


    Kleiner Satz, vielleicht große Wirkung ab dem 01. Juli 2022. Wer sich nicht anpasst, der ein oder andere Gegner wird es tun. Dank einer Trainerfortbildung habe ich jüngst die meisten Regelfragen zum Thema beantwortet bekommen:


    Anwurf kann angepfiffen werden, wenn die Spielerin


    - in ihrer Hälfte mit einem Fuß die Anwurfzone berührt, mit einem Fuß in der Anwurfzone steht, mit beiden Füßen in der Anwurfzone steht.

    - in der gegnerischen Hälfte mit einem oder beiden Füßen in der Zone steht

    - in der Zone steht, geht, läuft oder tanzt


    Anwurf kann nicht angepfiffen werden, wenn die Spielerin

    - teilweise mit einem Fuß/mit beiden Füßen in der gegnerischen Hälfte außerhalb der Zone steht

    - springt


    Mitspielerinnen dürfen in der Zone stehen oder sich bewegen, auch vor dem Anpfiff über die Mittellinie hinüber, solange es innerhalb der Zone ist.


    Es gibt keine Abstandsregel für den Gegner bei der Ausführung. Der Pass vom TW darf weiterhin aber nicht behindert werden. Der Gegner darf aber weder mit den Füßen in die Zone, noch darf er, wie beim Abwurf, in die Luftsäule oberhalb der Zone greifen oder darin blocken.


    Der Anwurf ist erst ausgeführt, wie schon der Abwurf, wenn der Ball die Luftsäule der Zone verlässt. Drei Sekunden lang hat die Ausführende Ruhe in ihrer Zone.



    Die Renaissance der Schnellen Mitte? Ich denke schon. Was hat es für Mühe gekostet, das Timing des Umdrehens, Fangen des Langpasses und das Setzen des Fußes auf die Mittellinie zu trainieren, gepaart mit der Körperdisziplin dabei den Fuß stehen zu lassen und nicht zu tanzen.


    In der C-Jugend werde ich konsequent die Schnelle Mitte mit System spielen. In der D werde ich die Mädels damit bereits vertraut machen.


    Fortsetzung zur praktischen Einführung folgt

    Liebes Handballtagebuch!


    Es ist gewagt. Im Mai erst wird der Altersklassenumbruch stattfinden. Ende Mai ist der Ulzburgcup, die alljährliche Initiation der neuen D-Jugend. Uuuund... angemeldet. ZeeBee verschickt über die E-Jugend Trainerinnen die Infos zum Turnier an teils gänzlich unbekannte Mädchen. Fordert Rückmeldungen an. In der Zwischenzeit sind die ersten Schnuppertrainingseinheiten mit der neuen D-Jugend. Ein Neuzugang, vier Mädchen aus der alten E-Jugend, vier angeworbene Spielerinnen aus der Nachbarschaft mit Gastspielrecht, vier alte Hasen. ZeeBee wirbt für das Turnier. Wartet. Will eine Woche vorher die Gruppentickets besorgen. Immerhin fünf Spielerinnen! Das wird eng.


    Tag vor der Abfahrt. Inzwischen elf Anmeldungen. Zugtickets sind besorgt.

    >>ZeeBees Last Minute Reisen. Wie kann ich Ihnen helfen? Ulzburgcup? 12. Teilnehmerin für morgen? Selbstverständlich ist das kein Problem, deswegen ja Last Minute Reisen. Anreise mit den Eltern? Sie übernachtet nicht mit der Mannschaft? Mit den Eltern im Hotel? Lässt sich ab und an zu den Spielen blicken? Selbstverständlich, der Kunde ist König.<<


    Notiz: Noch einen Elternabend ansetzen. Folterinstrumente als Exponate mitnehmen.


    In der Unterkunft verkündet ZeeBee die Hausregeln, die Spielregeln des Trainers und beantwortet die dringlichste Frage der Mädchen:


    >>Ich habe eine gute, eine schlechte und eine gute Nachricht. Wir haben die beste Torhüterin des Turniers. Die darf aber nicht ins Tor. Dafür dürfen alle anderen gerne mal ins Tor.<<


    Gastspielrechtstorhüterin Carlotta hatte vor einigen Wochen ein unglückliches Zusammentreffen von heißem Wasser mit ihrem Schoß und soll möglichst erst einmal nicht ins Tor.


    ZeeBee führt noch Einzelgespräche. Alle drei Haupttorschützinnen sind in die C hoch. ZeeBee schwört Lucie, Katharina und Emily (Roggisch 4.0) auf ihre neue Rolle ein. Dann Frida. Ein Jahr als E-Jugendliche in der D, Trainingsweltmeisterin, lässt im Training auch mal zwei Jahre ältere Spielerinnen wie Fahnenstangen stehen... spielt immer mit angezogener Handbremse. Das muss nun ein Ende haben als echte D-Jugendliche in der D-Jugend. Als letztes Nella. Es droht dasselbe Phänomen, zwei Jahre versetzt. Kommt frisch aus den Minis, von ZeeBee sofort in die D befördert. Handbremse tabu.


    Erstes Spiel um 8:30 gegen Gastgeber SV Henstedt Ulzburg. Erinnert um die Uhrzeit jedes Mal wieder an The Walking Dead. Beide Teams spielen auf Augenhöhe, leichte Vorteile für den TVB. ZeeBee ist die ersten drei Spiele allerdings überwiegend mit Flohzirkus beschäftigt:


    >>Mathildaaaaaa! AUSSENLINIE!<<

    >> Katharina, Carlotta, Emily aus dem schwarzen Kreis [Basketball 3 Punkte Zone] raus!<<

    >> Melena zwischen Tor und Gegenspielerin!<<


    Mit etwas defensiverer Wechselei wäre ein Sieg drin, ZeeBee wechselt aber munter durch. Auftaktspiel 11:13. Im nächsten Spiel gegen Hamburg Nord (späterer Turniersieger) sehen die Mädels keine Schnitte. Dann folgt mit dem Stralsunder HV eher eine fortgeschrittene Anfängermannschaft. Im Spiel gelingt Frida ein lupenreiner Hattrick. Knoten geplatzt?


    >>Und?! Hat es weg getan?<<


    Die Mädels führen 11:5, in der zweiten Hälfte wechselt Abwehrchefin Emily aus dem Deckungszentrum ins Tor. Gute Nachrichten für Stralsund und deren Rückraum Mitte, Roggisch 4.0 kennt nur Abwehr auf 100%. ZeeBee musste schon mal korrigierend einschreiten.


    >>Emily. Manchmal verteidigt man Stiere. Manchmal Schafe. Deine Gegnerin ist ein Schaf. Lass sie leben!<<


    Ohne Abwehrchefin hakt es im Deckungszentrum. 11:11. Schluss mit lustig, ZeeBee wechselt noch mal ein wenig durch. 12:11 gewonnen.


    Lugi Lund 3. Die Schweden haben entweder nur starke Mannschaften oder taktieren, denn Lugi spielt nicht wie eine Drittvertretung. Fasziniert beobachtet ZeeBee die Deckung in einem früheren Gruppenspiel. 3:2:1 ohne Libero in der D-Jugend. Ballfern stehen Außen und Halb der Gegner nahezu frei, denn das Abwehrbollwerk verschiebt wie ein eingeübter Formationstanz extrem zur Ballseite. Das sieht man auch nicht alle Tage. Spannende Variante. ZeeBee taktiert schon mal vor sich hin.


    >>Wir könnten... sind wir technisch nicht dazu in der Lage.<<

    >>Vielleicht... wird auch nicht klappen.<<

    >>Dann aber... nö.<<


    ZeeBee überlässt Co-Trainerin Amina zu Übungszwecken die Brücke und lehnt sich zurück. 9:14 ist noch ein beachtliches Ergebnis gegen den späteren Turnierzweiten. Parallel zur D-Jugend haben ZeeBees Ex-Mädels in der C-Jugend mit zwei Siegen zu einer Niederlage immerhin die Hauptrunde erreicht.


    Samstagmorgen ein niedersächsischer Neo-Klassiker. Peine - Badenstedt in der C-Jugend. Das neue Schwergewicht gegen den Platzhirschen. Nur eben nicht Lutz vs. ZeeBee sondern ZeeBees ehemalige C-Jugendliche Pia. Warum soll es Pia besser ergehen als ZeeBee siebzehn Jahre lang... Peine gewinnt 11:8. Das Privileg eines Sieges gegen Peine muss sich Pia noch ein paar Jahre erarbeiten.


    Die Mädels treffen auf EBT Berlin. Mit Trainer Bernd hatte ZeeBee schon C-Jugend Duelle beim Sauerlandcup und beim Kupper Cup. Es soll ein richtungsweisendes Spiel für die nächsten zwei Jahre werden. Berlin spielt... schmutzig. Klammern, nur Klammern. ZeeBee wird etwas ungehalten und konzentriert sich ausnahmsweise auch auf die Linie des Schiedsrichters. Die Mädels? Zeigen, aus welchem Holz sie geschnitzt sind, jammern nicht, kämpfen. Der Schieri? Pfeift einen Freiwurf nach dem Anderen, lässt irregulär entrissene Bälle durch und erkennt die Tore danach an. In der Halbzeit lobt ZeeBee die Einstellung des Teams.


    Die Berliner Mädels fühlen sich bestätigt. ZeeBee platzt allmählich der Kragen und erinnert den Schieri lautstark an sein Regelwerk. Der unterbricht sofort das Spiel, marschiert zur Bank und droht nicht mit Gelb, nicht mit Hinausstellung sondern kündigt gleich Rot an. Auch die Regel ist hier unbekannt. Dann dreht er wieder ab und schickt erstmals eine Berlinerin vom Feld. Die Mädels nutzen den Vorteil und schließen auf. Zwei Minuten vor Schluss liegt der TVB zwei Tore zurück. Die Berlinerinnen haben die plötzliche Änderung der Handballregeln mitten im Spiel nicht erkannt und finden sich in den letzten zwei Minuten in doppelter Unterzahl wieder. Anschlusstreffer, Ausgleich und mit dem Schlusspfiff der Siegtreffer... soll eine halbe Sekunde zu spät eingeschlagen sein. Unentschieden. 7m Werfen nach IHF Regel 2:2.


    Carlotta hatte vorab mit Mama telefoniert. Sie dürfe auch mal ins Tor, streift sich nun eine lange Hose über. Noch eine. Eine dritte. Eine passt noch. ZeeBee wählt fünf Werferinnen aus, die allesamt darüber nicht glücklich wirken. Carlotta stakst etwas steif Richtung Tor, stellt sich in den Kasten und... ZeeBee hat Carlotta noch nie im Wettkampf erlebt und maximal zweimal im Training im Tor. Sie kommt zwei Meter raus, nimmt ihre Gegenspielerin fest ins Visier und jeder Muskel Körpersprache sagt: "Du nicht, Baby!" Die Gegenspielerin versucht es mit einem anspruchsvollen Heber, den Carlotta weglächelt. Großer Jubel an der Mittellinie beim TVB. Berliner Torhüterin hält ebenfalls. Übertreter Berlin. Wir verballern. Mittlerweile sind die nachfolgenden Mannschaften eingetroffen. Ulzburgs Trainerlegende Eggi macht sich schon auf der Bank neben ZeeBee heimisch und grinst angesichts des 0:0 nach vier Würfen. Wir werfen vorbei. Nächster Übertreter Berlin. ZeeBee scherzt mit Eggi über die Auswahl seiner Werferinnen. Wir schmeißen die Kugel deutlich über das Tor. Carlotta hält im Hürdensitz! Frida tritt an. Will loslegen. Der Schieri jagt noch mal alle Zuschauer von der Spielfeldhälfte, während Frida angespannt am 7m Punkt steht. Hält die Konzentration? Links unten versenkt. Letzter Wurf Berlin. Rechts unten versenkt.


    >>Fünf neue Werferinnen.<<

    >>Fünf NEUE? Irgendwann habe ich keine mehr.<<


    IHF Regel 2:2: Für diese Fortsetzung benennt jede Mannschaft wiederum 5 Spieler. Hierbei dürfen dieselben Spieler wie beim ersten Durchgang benannt werden, auch ein Wechsel einzelner oder aller Spieler ist möglich.


    ZeeBee schickt fünf neue, nicht eben glückliche Mädchen ins Rennen und tröstet, nach dem ersten gewonnenen Duell müssen die späteren Mädchen gar nicht mehr ran. Den ersten Wurf nimmt sich Torhüterin Carlotta. Sie tunnelt ihre Kontrahentin und die hatte nicht wirklich breitbeining gestanden. Absicht? Die Mannschaft stürmt von der Mittelline los und wird wieder zurückgetrieben. Carlotta wechselt zurück ins Tor. Nun eine Linkshänderin. Kein Problem. Die Mädels stürmen von hinten, die C-Jugend stürmt von der Seite. Der Schieri hat andere Pläne, möchte das 7m Werfen nach dem erste Duell der Verlängerung fortsetzen.


    IHF Regel 2:2: Diese Regelung ist bis zur endgültigen Entscheidung anzuwenden. Ein Sieger steht jedoch bereits fest, wenn eine Mannschaft nach einem Wurfwechsel in Führung liegt.


    Der Schieri wird die Regeln schon kennen. Als nächstes Nella, die womöglich jüngste Spielerin des Turniers. Souverän. Die gegnerisch Torhüterin ist nun als Werferin dran. Pfiff. Holt aus. Nimm das rechte Bein weit nach oben, setzt es wieder ab, orientiert sich neu... Pfiff. Wurf. Es geht weiter. Berlins Torhüterin hält. Carlotta positioniert sich, lässt Körpersprache sprechen. Wieder eine Linkshänderin. Carlotta rauscht runter in den Hürdensitz. Gehalten! Der Schieri gibt das Signal, nach Hausregeln ist das 7m Werfen nun beendet. Die D stürmt nach vorn, die C von der Seite. Im Spiel um Platz 9 ein deutlicher Sieg gegen den Rellinger TV.


    Das wD-Jugend Finale am Sonntagmorgen schauen sich C und D Jugend noch an. Dann Fußmarsch zum Bahnhof. Die C-Jugend pünktlich, erreicht den Zug. Die D-Jugend stattet sich noch mit Kuchen und bunten Tüten aus, geht noch mal auf Toilette, sucht noch mal einen Ball... Die C-Jugend passiert Hamburg auch nicht rechtzeitig vor dem Weichendefekt, muss ebenfalls anderthalb Stunden auf offener Strecke ausharren... hat dafür aber keine bunten Tüten mehr.



    Dein

    Karsten

    In einigen Landesverbänden wird ja aktiv gegengesteuert. In Niedersachsen kann ich meinen Trainerschein nur verlängern, wenn ich eine "Selbstverpflichtung" unterschreibe und verspreche, dass ich ein guter Junge bin... Wenn das nicht hilft, weiß ich auch nicht. :pillepalle: Diese Verbrecher sind natürlich Rhetorikprofis. Es gibt Warnsignale, irgendwer hakt mal nach und bekommt dann völlig plausible Geschichten, warum die Jugendgruppe jetzt eine Wellnesswochenende brauchte und der Betreuer die Kinder massieren musste. Aber wenn sich die Warnsignale häufen oder da Verbrecherkarrieren von 15 Jahren laufen und niemand merkt etwas... will mir nicht in den Kopf.

    Liebes Handballtagebuch!


    Saison 21/22. Die Saison nach der Corona-Vollsperrung. Wie würden es die Handballvereine verkraftet haben? Sind die Spielerinnen alle aus der Pause zurückgekehrt? Gab es Neuzugänge? Haben sie alles verlernt? In der Region gibt es immerhin vierzig Mannschaftsmeldungen in der weiblichen D-Jugend. Nur fast niemand will in der höchsten Liga spielen. Nach einigem hin und her und einer seltsamen Vorrunde mit drei Regelaufsteigern und einem Gefälligkeitsaufsteiger beginnt nach den Herbstferien die "richtige" Saison mit sieben Mannschaften in der Regionsoberliga. Der Blick in den Stützpunkt der Regionsauswahl lässt jedoch schaudern. Zwei Vereine dominieren den älteren Jahrgang D-Jugend. Die übrigen Vereine bilden entweder Mini-Fraktionen oder haben lediglich einzelne Spielerinnen in der Auswahl. Selbst die ein oder andere vollkommen unsportliche Spielerin hat den "cut" geschafft, so sehr hat Corona den Sport beschnitten.


    Nach wenigen Wochen der Hauptrunde steht fest: Von vierzig Mannschaften (die ersten sind bereits vom Spielbetrieb abgemeldet) gibt es nur zwei konkurrenzfähige Teams im gesamten Verband. Spielten früher meist drei oder vier Teams oben mit, hatte Corona den Nachwuchssport nun schwer geschädigt. Immerhin ein hannoversches Derby um die Krone...


    Das Spitzenspiel. Hinspiel wird verlegt. Irgendwann wird auch das Rückspiel verlegt. Beide Spitzenspiele liegen nun eine Woche auseinander. Kurz vor dem ersehnten Hinspiel befällt den Hannoverschen SC der Übermut/die Furcht/der Wahn. Die Mädels von der Konkurrenz veranstalten Gerüchten nach eine Pyjamaparty. Ohne Masken. Das Hinspiel wird verlegt. Das Rückspiel wird verlegt.


    Ein Spiel wie jedes Andere? Eher nicht. Bis dahin ist die Saison geprägt von individueller Ausbildung. In Vorbereitung auf den Rödspätte Cup steht das Angriffskollektiv im Vordergrund. Nun werden Auslösehandlungen trainiert. Auslösehandlungen im Kinder- und Jugendhandball sind ein zweischneidiges Schwert. ZeeBee hat da reichlich Erfahrung gesammelt. Ansage von der Bank... Tor. Ansage... Tor. Ansage... Tor. "Harry Potter? I f***ed him!" Das Zweischneidige? Je erfolgreicher die angesagten Auslösehandlungen, desto Gehirn ausgeschaltet auf dem Feld. Irgendwann erfolgt der Ballvortrag und sechs ferngesteuerte Handballerinnen warten auf den Befehl zum Einlaufen, Sperren, Stellen... ZeeBee gibt den Zauberstab mittlerweile nur noch an seine Spielmacherinnen ab mit der Maßgabe, ihn weise und behutsam zu verwenden.


    Die Regie dagegen gibt ZeeBee diese Saison in der D komplett an seine Co-Trainerinnen Amina und Charlotte ab, die auch das Spitzenspiel Nr. 1 coachen. Für alle Fälle gibt es ja die Technik, Charlotte bekommt ein Headset mit auf die Bank, ZeeBee verzieht sich in den Turm des Hallensprechers. Es gibt nahezu keine Vorgaben vom Cheftrainer, die jungen Damen und noch jüngeren Spielerinnen sollen mal machen.


    Auf dem Spielfeld steht die komplette erste Sieben der Regionsauswahl. Torhüterin, Rückraum Links und Rechts beim HSC. Kreis, Mitte, beide Außen bei der Heimmannschaft. Und im Tor des TVB die Nr. 2 am Kreis in der Auswahl. Auswahltrainerhumor.


    Das unbedeutende Vorrundenspiel war furchtbar in die Hose gegangen, die Mädels ließen jeden Fokus vermissen. Ganz anders heute. Die Trainerbank lässt Halbfeldmanndeckung spielen. Angesichts einer bärenstarken Rückraum Linken und ihrem Pendant auf Rückraum Rechts eine mutige Entscheidung. Nach zehn Minuten werden die Gäste unruhig, ZeeBees Mädels führen mit 9:4. Die Deckung auf 15, 16 m arbeitet großartig, im Angriff haben schon sechs unterschiedliche Spielerinnen getroffen. Sollte es so einfach laufen? Der Abstand wird gehalten, zur Halbzeit steht es 14:9. Spielmacherin Marie setzt die Einläufer behutsam ein, die meisten Tore fallen aus dem Positionsspiel oder der ersten Welle heraus. Und wenn eingelaufen wird, gleicht der Rückraum schulbuchmäßig aus und überläuft die Abwehr Richtung außen. ZeeBee verlässt den Turm, hat nur zwei, drei Sätze für das Trainerteam und überlässt ihnen das Feld, bzw. die Halbzeitbesprechung.


    Keinerlei Bruch im Spiel nach dem Wiederanpfiff, nach 33 Minuten steht es bereits 22:16. Charlotte und Amina wechseln bunt durch. Noch geht das gut. Bei ZeeBee klingeln jedoch die Direkter-Vergleich-Alarmglocken, schaltet die Funkverbindung ein:


    >>Das hier ist wie ein Europapokalspiel. Hin- und Rückspiel! Ich brauche allmählich wieder die Startformation.<<


    Nach und nach wechselt die Bank die stärkstmögliche Formation wieder ein. Die sagt sich: "LAAANGWEILIG!" und beginnt Bälle wegzuschmeißen, in der Deckung ohne Not eine Spielerin ohne Ball zu doppeln und treibt reichlich irren Schabernack. Fünf Tore Vorsprung. Vier Tore. Drei Tore. Zwei Tore. ZeeBee bekommt Schnappatmung, beißt in die Tischkante, gibt immer wieder per Funk die Anweisung "RUHE!" In der letzten Minute pfeift der junge vom Heimverein angesetzte Schieri einen hochumstrittenen 7m. Captain Marie verballert ihn, ob aus Fairplay ist nicht übermittelt. Die Diskussion um die Entscheidung bringt aber eine wichtige halbe Minute von der Uhr, denn danach darf der Gast noch einmal treffen, bevor der Schlusspfiff zum 23:22 die Erlösung bringt.


    Montag vor dem Rückspiel. Die Schlüsselspielerinnen sind entweder verletzt oder beim Stützpunkttraining der Landesauswahl. Keine Vorbereitung auf das Spiel.


    Mittwoch vor dem Rückspiel. Nachholspiel auswärts, keine Vorbereitung auf das Spiel. Und kein Kistentor, somit keine Kiste Bionade für das große Spiel, weil sich die Damen Grütze zusammen spielen.


    Samstagmorgen 10:00. Immerhin sieben von zwölf Mädchen hat ZeeBee noch mal im Training. Einlaufen gegen die Ballrichtung. Einlaufen mit der Ballrichtung. Neu: Nachlaufen der Kreisläuferin der Einläuferin folgend. Neu: 2. Stufe Richtungswechsel der Einläuferin auf die Kreisposition von der Einläuferseite, gegenziehend zur Kreisläuferin. Neu: hohes Gegenziehen der Kreisläuferin gegen die Einläuferin. ZeeBee führt seine D-Jugend an ganz neue Grenzen. Die gesamte Saison über steht die individuelle Ausbildung im Vordergrund, nun einmal Spaßtraining mit Taktikschwerpunkt. Die Mädel ziehen ab zu einem weiteren Nachholspiel, das ZeeBee komplett abgibt, und eine Trainingseinheit mit der nächsten Generation abhält. Die D gewinnt auswärts nur mit drei Toren. Zwischen den beiden Topspielen zwei schwache Leistungen.


    Sonntag Rückspiel in ungewohnter Halle. Die Tribüne ist nicht ausgefahren, die Empore gegenüber ist verriegelt. ZeeBee muss das Spiel ebenerdig mitten im Publikum drei Schritte von der Seitenauslinie verfolgen. ZeeBee ist grantig.


    Die Mannschaften stehen bereit und warten auf den Schieri. Und warten. Und warten. Irgendwann kommt Charlotte vorbei. Der Spiel-PIN funktioniert nicht, das digitale Spielprotokoll kann nicht abgeschlossen werden. ZeeBee durchsucht sein Mailarchiv nach der Liste. Fehlanzeige. ZeeBee lässt sich als Phantom auf der Trainerbank eintragen, damit das Trainerpasswort genutzt werden kann. Das funktioniert nicht. Ach ja, kurzfristig geändert, weil der Trick vor einer Woche schon mal herhalten musste. Das geänderte Passwort funktioniert auch nicht. Die Mannschaften beginnen eigenständig wieder mit dem Warmlaufen. ZeeBee schreckt die Spielwartin zu Hause von der Couch hoch. Der tatsächliche Spiel-PIN hat keinerlei Ähnlichkeit mit dem, der in den Notizen steht. Mit einer Viertelstunde Verspätung kann es losgehen. ZeeBee muss schwören, dass das keine Psychospielchen sind.


    Ein unruhiges Spiel. Viele Ballverluste durch unpräzise Querpässe. Viele Ballverluste durch unpräzise Langpässe. Wenig bis gar keine Einläufer im Angriff. Nicht den Hauch der Neuerungen vom Vortag. Leichte Vorteile für den Hannoverschen SC. Nach einer Viertelstunde sind ZeeBees Mädels bei 10:9 noch dran. Dann folgen mehrere Totalausfälle, mit dem Halbzeitpfiff steht es 14:9. ZeeBee weist Charly ein. Die Spielanlage ist in Ordnung, es fehlen noch Einläufer, zwei Mädchen müssen ihre Nerven in der Deckung in den Griff bekommen. Dann klappt das.


    Erst einmal klappt gar nichts. 16:10. Dann einer dieser wundervollen Momente im Handball, den man nicht erklären kann. Man muss dabei gewesen sein. Die beiden Topmannschaften aus einem Verband mit einst vierzig Mannschaften, beide Teams erwiesenermaßen auf Augenhöhe...


    16:10

    16:11

    16:12

    16:13

    16:14

    16:15


    Der Captain ist zwischendurch nicht mal auf der Spielmacherposition, bekommt kurz Pause. Emmie spielt Mitte, die einzige Spielerin der Welt, die schneller als der Ball ist. Was nicht immer gut sein muss. Emmie bekommt den Pass, rennt einfach durch das Abwehrzentrum. Erinnert an eine ganz, ganz schnelle Comicfigur in rot aus dem Marveluniversum. Tor.


    19:19. 21:21. ZeeBee ordert per Funk noch mal einen Wechsel, die Abwehrchefin raus, eine 1:1 Maschine Jarla auf RL rein. Durch eine 2 Minuten Strafe gegen die Abwehrchefin darf der Wechsel sogar sofort und ohne Ballbesitz geschehen. 21:22, 21:23, 21:24. Der Zeitnehmer pfeift ab. Zu leise. Der Schieri bekommt es erst gar nicht mit, pfeift dann auch recht leise. Die Mädels gucken sich verwirrt um, bis die jubelnde Bank endlich auf das Spielfeld stürmt.


    In der Kabine erklärt ZeeBee noch mal das Prinzip "Direkter Vergleich", wenn der Gegner 4 Minuspunkte hat, wir null Minuspunkte, beide Spitzenspiele gewonnen sind, wir nur noch zwei ausstehende Spiele haben. Die Mädels gucken verdutzt in die Runde. "In den nächsten beiden Spielen können wir auch die E-Jugend losschicken."


    :schrei: "IHR SEID MEISTER!" :klatschen:


    Auf dem Parkplatz:


    ZeeBee: >>Wie viele von den gestern trainierten neuen Auslösehandlungen haben wir heute eigentlich gesehen?!<<

    Captain Marie: >>Ähh… Null.<< :angel:

    ZeeBee: >>Habt Ihr wieder zwei Stunden meines Lebens vergeudet!<<


    Dein Karsten

    ZeeBee traut seinen Augen nicht. Das Videostudium verrät, der schwedische Viertelfinalgegner BK Heid I spielt eine Variante der 1:5 Deckung. DAS wertet ZeeBee als Heimvorteil. Die Mädels kennen offensive Raumdeckungen, können die Schweden aber gegen eine Manndeckung? Minuten vor dem Spiel, ZeeBee versammelt die Mannschaft im Gang neben der Halle. Wen nehmen wir für die Ansprache zur Hilfe? Denzel Washington? Al Pacino? Gerard Butler? Wegen des vermeintlichen Heimvorteils zieht ZeeBee Eishockey und Russel Crowe heran ("THIS IS OUR POND!"). Die Mädels lauschen gebannt und irritiert. ZeeBee steigert sich in die Rede hinein.


    >>Could you please let me through to the toilet?<<

    >>This is not helping my pep talk.<<


    Nicht nur im Immobiliengeschäft gilt: Lage, Lage, Lage - der Gang vor der Toilette war wenig optimal gewählt. Und ist der Redefluss erst einmal unterbrochen...


    Da die Schwedinnen offensiv decken, entscheidet sich ZeeBee von dem Grundsatz in der Startaufstellung abzuweichen. Hier wird es mehr um 1-gegen-1 gehen, als darum, einen Abwehrriegel im Verbund zu knacken. Auf der Mitte bringt ZeeBee Tims Granate Lyn, die das Spiel lenken soll. Es läuft nicht. Die Abwehr ist stellenweise nicht bei der Sache, im Angriff kommen keine geforderten Einläufer. Und von der Bank kann ZeeBee kaum unterstützen, die Stimme hatte sich bereits am Vortag verabschiedet. Mitte der zweiten Halbzeit beginnt ZeeBee bunt zu wechseln und allen Spielanteile zu geben. 14:18 und das gegen eine offensive Raumdeckung. Damit war nicht zu rechnen.


    >>Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute Nachricht ist, ab jetzt haben wir viel Freizeit. Die schlechte Nachricht ist, ab jetzt seid Ihr die Cheerleader der C-Jugend.<<


    Parallel schmeißt die C-Jugend die Norwegerinnen von Sandnes HK souverän mit 20:6 aus dem Rennen. Die D-Jugend feuert ZeeBees ehemaligen Mädels dann im Viertelfinale gegen die Norwegerinnen aus Runar zum 14:12 an. Im Halbfinale geht die norwegische Serie weiter, es warten die Mädchen von Hundvaag. ZeeBee erlebt ein Handball... kuriosum. Das ganze Puzzle offenbart sich tatsächlich erst hinterher im Videostudium der Finalrunde. Der norwegische Trainer zieht - für nicht Eingeweihte nicht ersichtlich - seiner Spielmacherin ein Leibchen über und stellt sie ins Tor. Jeden Angriff läuft die junge Dame mit nach vorne auf die RM Position, wo sie brav die Bälle verteilt und diszipliniert nicht torgefährlich wird, sich also nicht in die Rückzugs-Falle locken lässt. Diego reagiert genau so, wie ZeeBee auch reagiert hätte. Gar nicht. Die 3:2:1 Deckung bleibt bestehen, Überzahl kann das System schließlich ab. Mit dem ein oder anderen abgefangenen Ball bestraft die C-Jugend den Mut der Norwegerinnen. Die haben aber einen Plan. Zu den zwei Kreisläuferinnen kommt wieder und wieder eine Einläuferin auf Ballseite. Die Zuordnung geht vor die Hunde, es fallen einfache und vor allem frustrierende Tore. Die Spielweise ist nicht neu, in der "handballtraining" auch schon vor Jahren mal beleuchtet worden als Kniff gegen die vorgeschriebene offensive Deckung im Kinderhandball, in der Handballecke daraufhin rege und emotional diskutiert und auch ZeeBee hat mit Jahrgang '94 und '96 schon erfolgreich mit fliegendem Torwart gespielt... bis es natürlich verboten wurde.


    Diego reagiert zwischendurch antiintuitiv und deckt noch einen Tick offensiver, letztlich scheint sich jedoch die Taktik der Norwegerinnen durchzusetzen. Als letzte Maßnahme zieht sich die C auf 6:0 zurück, Hundvaag bleibt im 7:6 Angriff und belohnt sich zum Finaleinzug mit 15:14. Finalist im Teilnehmerfeld von 50 internationalen Mannschaften mit einem Geniestreich im Halbfinale... Respekt! Die C-Mädels sind natürlich fassungslos.


    Montagmorgen in aller Frühe wird gepackt. Im weibliche D Finale stehen sich unser Auftaktgegner Elling vom Nachbardorf und die schwedischen Mädels von Lugi Lund gegenüber. Zwei defensive Abwehrreihen, es dominieren Glückstore, erzwungene Aktionen und... Langeweile. ZeeBee hat großen Respekt vor dem skandinavischen Handball und weiß, dass beispielsweise in Dänemark ab der weiblichen C ein Quantensprung stattfindet. Aber den Kindern den Bewegungsdrang zu verbieten, sie innerhalb den Neuner zu sperren und als Abwehrkonzeption "der Gegner wird schon vorbeiwerfen" auszugeben... das ist Schmarrn.


    Die C-Jugend macht sich für das kleine Finale warm, das C-Jugend Finale wird sich ZeeBee also nicht anschauen. Stattdessen versammelt sich die Cheerleadergang in der Nebenhalle der Arena Nord. Nur der chilenische Cheftrainer fehlt. Der sucht seinen Autoschlüssel, wird ihn nicht rechtzeitig zum Spiel finden, auch nicht rechtzeitig zur Abfahrt und auch überhaupt nicht wieder, so dass er später noch einmal nach Norddänemark reisen wird, um sein Auto abzuholen. Seine Passagiere werden auf Elternautos umverteilt und die Karawane wird el chileno zurücklassen.


    Erst einmal muss die C-Jugend ran. Das Ruder übernimmt ZeeBees ehemalige C-Jugend Spielmacherin Pia, designierte Nachfolgerin von Diego. Gegner sind die Schwedinnen von Skuru IK I. Obwohl zwei Mädchen vom Halbfinale angeschlagen aussetzen und der Kader allmählich recht ausgedünnt ist, spielt die C-Jugend das kleine Finale ganz souverän zum 19:11 Sieg herunter, lautstark begleitet von der D-Jugend.


    Hej hej, Danmark. Bis nächstes Jahr! Wobei... zwei Wochen später findet in Naestved das Final4 der weiblichen B um die dänische Meisterschaft statt. Mittendrin ZeeBees ehemalige D-Jugend Torhüterin Lina.



    Dein Karsten

    Und weil Handball vor dem Frühstück so schön ist, macht das Team genau das. Erst in die Halle, dann in den Essenssaal. Um 8:35 steht die Begegnung gegen die Norweger von Sandefjord II an. Laut Videostudium muss sich die Mannschaft im Wesentlichen auf eine schnelle und kräftige Rückraum Linke einstellen, die deutlich aus ihrem Team herausragt. Die trifft binnen der ersten fünf Minuten auch gleich zweimal und stellt die Abwehr vor Aufgaben. Doch die Handballgötter meinen es gut mit ZeeBee, die junge Dame schubst beim Gegenstoß Kreisläuferin Emma von hinten, die noch ausreichend Körperkontrolle behält und trifft. Die junge Schiedsrichterin greift jedoch beherzt zur roten Karte. ZeeBees Mädels drehen sich verdutzt um. "War das nicht die stärkste Spielerin?" "Jupp. Schön blöd, gell?"


    Ab da ist die Begegnung absehbar gelaufen. Allerdings scheint die Art und Weise der Verteidigung der ersten Welle bei den Norwegerinnen Methode zu haben. Wenige Augenblicke später schubst eine weitere Spielerin Gastspielerin Annika von hinten beim Gegenstoß, die nicht die Körperkontrolle behält, stürzt und eine Minute liegen bleibt. Die rote Karte hatte die Schiedsrichterin in der ersten Halbzeit bereits gelegt, so dass es dann nur zwei Minuten gibt. Oder war das die Regel mit der grünen Karte? Das norwegische Trainerteam nutzt die Pause und kommt auf ZeeBee zu, Erstaunen ins Gesicht geschrieben:


    "Do you ALWAYS defend like this?"

    "Always. Do YOU always defend like this?", Schubsbewegung vorführend, Zorn ins Gesicht geschrieben.


    Ohne weitere Zwischenfälle geht die Partie mit 16:8 an die Mannschaft, die von vorne und nicht von hinten verteidigt. Frühstück. Beim Turnier gibt es die charmante Tradition des lauten Applauses, wenn jemand einen Becher oder ein Tablett fallen lässt oder eine Sitzbank umstößt. Alle fünf Minuten brandet Applaus auf, die Mädels stimmen munter mit ein. ZeeBee nimmt sich vor, zum Abschluss des Turniers auch Applaus zu verdienen.


    Das nächste Spiel ist um 20:00, der ganze Tag liegt noch vor der Mannschaft. Die Nordsee recht nah, die Ostsee noch näher... wo treffen die sich eigentlich? Tim schlägt einen Abstecher zum Skagerak vor. Die Fahrt führt an der Trainerunterkunft vorbei, ZeeBee sammelt noch die Obstkiste und seine Messersammlung ein. Nach einer Strandwanderung können alle feststellen, dass links die Nord- und rechts die Ostsee ist. Rückmarsch.


    Den Nachmittag verbringt das Team in der Arena Nord. Auf sechs Spielfeldern läuft gleichzeitig Handball. ZeeBee weiß gar nicht, wo er zuschauen soll. Um acht steht das schwerste Turnierspiel an. Die Mädchen treten gegen die Anfängermannschaft der Gastgeber an. Mit über dreißig Jahren Erfahrung weiß ZeeBee, dass das eine "no win position" ist. Egal welche Maßnahmen ZeeBee ergreift, nichts wird die Gemüter besänftigen. Die Mädchen sind vorbereitet. Es wird womöglich gar nicht gewechselt. Alle Leistungsträgerinnen sind auf der Bank und bleiben auf der Bank.


    Die Mannschaft von FFI 3 ist nicht nur eine Anfängermannschaft, sie ist es natürlich auch nicht gewohnt, dass die gegnerische Abwehr auf Balljagd geht. Die heimischen Gegner stehen am Torkreis, bohren in der Nase und warten, bis irgendwann geworfen wird. ZeeBee sieht nach zwei Minuten die Katastrophe kommen, geht zur dänischen Trainerin und informiert, dass die stärkste Formation auf der Bank sitzt und dort bleibt. Der erste dänische Vater kommt zu ZeeBee und beschwert sich erbost über die unverschämte Spielweise. Der Schieri bittet um eine Mäßigung der (körperlosen) Abwehr. ZeeBee beordert die Mädels in eine Raumdeckung zurück. Der Mittelblock positioniert sich auf 11m, die Änderung bringt... nichts. Aus Erfahrung weiß ZeeBee, dass selbst ein Prellgegenstoßverbot keine Verbesserung nach sich ziehen wird. Das Publikum wird immer wütender, ZeeBee geht davon aus, dass vor der Unterkunft bereits brennende Kreuze errichtet werden. Der Schieri wird grantig, fordert ZeeBee auf, die Mädels auf 7m zurückzuschicken und beißt auf Granit. Er würde ja auch nicht der ersten Mannschaft des Gastgebers aufgeben, außerhalb des Neuners zu verteidigen, weil die deutschen Mannschaften es nicht anders kennen. Es folgt die erste Slapstickhinausstellung. Die Spielerin ist perplex und schaut ZeeBee fragend an. Sollte der Schieri nun seine Linie fortsetzen, überlegt ZeeBee mal richtig spielen zu lassen. Eine Anfängermannschaft auf einem großen internationalen Turnier... Schuld ist der Trainer aus Deutschland.


    In der Halbzeit ein Versuch der Deeskalation. ZeeBee weist nun auch den Schieri darauf hin, dass die stärkste Formation noch auf der Bank sitzt. Das vermag den jungen Schieri nicht zu beeindrucken. Der wiederum appelliert an den Ausbildungsauftrag, ZeeBee müsse die Mädels doch früher oder später ohnehin auf die 6:0 Deckung vorbereiten. Das ist der ganz falsche Knopf, ZeeBee schaltet reflexartig in den Hyperarroganzmodus um und erklärt, dass er wisse, was er tue. Der Unparteiische ist skeptisch: "So... you are one of the best?" Deeskalation misslungen. Augen zu und durch, die kleinste und jüngste Formation bleibt auf dem Spielfeld. Die Gegenstoßtore pfeift der Schieri resigniert leise, während der dänischen Angriffe animiert er das Publikum zum Klatschen. Inzwischen bejubelt ZeeBees Bank jede gelungene Aktion der kleinen Däninnen, insbesondere die beiden Tore. 23:2 und keine Leistungsträgerin hat auch nur auf dem Feld gestanden. Im Publikum wechseln die dänischen Schimpftiraden zu Englisch, damit ZeeBee das Gezeter auch ja versteht. Ducken, raus aus der Halle. Die C-Jugend gewinnt parallel ebenfalls deutlich und zieht auch in die A-Finalrunde ein.


    Das Spiel nagt noch stundenlang an ZeeBee. Gibt es keinen Ausweg aus der "no win position"? Alle denkbaren Maßnahmen fruchten entweder nicht oder werden dann als Arroganz ausgelegt. In dreißig Jahren hat ZeeBee alles erprobt, bis hin zu 3:6. Inzwischen bekommt das Team die Aufgabe, dass alle Feldspielerinnen in beiden Halbzeiten je einmal treffen müssen. Das funktioniert zu Hause. Nur wenn die Standarddeckung von den Dänen als Anti-Anfängermannschaftdeckung verstanden wird, hilft auch das nicht. Gibt es wirklich keine Lösung? Während des Spiels hatte ZeeBee finstere, schwarze Gedanken, dem Publikum mal die Alternative aufzutischen, nämlich die stärkstmögliche Formation. Oder eine 1:3 Deckung mit Wurffallen für Außen. ZeeBee dämmert, dass die Lösung komplett außerhalb seiner Denkweise liegen muss. Was würde wohl ein netter Trainer tun? Was würde Buddha tun? Geschenke machen Freunde, geklaute Bälle gibt man zurück. So absurd die Lösung scheint, kann es das Publikum als Arroganz auslegen, wenn die Anfängerinnen 30 Minuten lang jeden abgefangenen Ball zurückgeschenkt bekommen? ZeeBee ist zufrieden.


    Fortsetzung folgt

    Liebes Handballtagebuch!


    Der Rödspätte Cup... sicher nicht der heilige Gral unter den Turnieren, aber für ZeeBee schon recht nah dran. Seit einem Besuch als Gastbetreuer vor elf Jahren ist ZeeBee besessen von dem Turnier, das über Ostern stattfindet. Und das ist das Problem, eine vor- oder pubertäre Mannschaft für ein Event über die Feiertage zusammenzustellen. Vor zwei Jahren war es endlich soweit, durch Erpressung der Eltern stand eine Mannschaft bereit. Covid beendete den Traum.


    Die Zahlen in Dänemark fallen drastisch (klar, wenn niemand testet), die Rückreise könnte ohne Aufenthalt auf einer Aussätzigeninsel erfolgen und fast alle Mädchen sind mit an Bord. ZeeBee heuert noch Trainerkollegen Tim von der holländischen Grenze als Fahrer und Gastbetreuer an. Und da Tim auch eine D trainiert, soll er gleich drei seiner Mädchen mitnehmen. Zwei Trainingseinheiten vor Turnierstart taucht ein möglicher Neuzugang für die kommende Saison im Training auf... auch die wird verhaftet. Kader von 14 Mädchen, inklusive zweier mutiger E-Jugendlichen, die mit auf Reisen wollen. Der Captain kommt nicht mit, die wird über Ostern getauft. ZeeBee findet hierzu nichts in den Genfer Konventionen und muss das hinnehmen. Aber die C-Jugend, designierter Niedersachsenmeister, kommt auch mit. Die D wird in einem 20er Teilnehmerfeld starten, bei der C sind es gar 50 Teams.


    Traditionell spielt beim Cup fast ausschließlich Skandinavien und Deutschland. Das Problem des extrem klebrigen Balls gibt es in der D zum Glück noch nicht, dafür aber das Problem des Kulturkampfes. Bälleklau gegen Fleischmauer, große Räume gegen Abwehrwand. Wer sich besser einstellen kann, gewinnt. ZeeBee ist sich sicher, einen Trumpf zu haben. Werden sich die Skandinavier eigens für das Turnier auf deutsche Mannschaften vorbereiten? Kaum. Sieben Wochen erlernen die Mädels B-Jugend Basics im Training. Sonderschichten samstags. Positionsspiel auf 10m, tiefes Stoßen in den Neuner, Würfe aus der Fernwurfzone, Expresspässe, Tempowechsel, Wechselsperren der Kreisläuferin. Und die Abwehr jedes Mal auf 7m zurückversetzen, um den Ernstfall zu simulieren. Würde die Kinderhandballrichtlinienpolizei in der Halle aufkreuzen, ZeeBee wäre längst verhaftet. Allmählich nimmt der Angriff Form an und Videostudium von dänischen Turnierfinals zeigt, in der D-Jugend kochen sie dort auch nur mit Wasser (allerdings ab der C nicht mehr).


    Tim bringt einen Sprinter mit Überlänge mit, Strauraumsorgen verfliegen im nu. Treffpunkt morgens auf dem Parkplatz. Der Vereinsbus steht auf dem Vereinsgelände. Der Parkplatz ist voll mit Spielerinnen, Eltern, Betreuern. Das Tor zum Vereinsgelände ist abgeschlossen. Das zweite Tor ebenfalls. ZeeBee wird nervös, telefoniert morgens um kurz nach sieben rum. "Quatsch, das Tor klemmt nur!" ZeeBee tritt beherzt gegen beide Tore, die ja nur klemmen und nie abgeschlossen werden. Ein seltsames Klemmen. ZeeBee telefoniert weiter rum. Die C-Jugend verliert die Geduld und fährt los. C-Jugend Trainer Diego ist als Kriecher auf der Autobahn berüchtigt und musste im Vorfeld reichlich dumme Sprüche über sich ergehen lassen, wie viel Vorsprung wohl nötig sei, damit beide Mannschaften zeitgleich in Frederikshavn einlaufen. ZeeBee beschleicht allmählich das Gefühl, dass dunkle Mächte im Spiel sein könnten. Mit einer Stunde Verspätung wird das Tor aufgeschlossen (ist niemals verschlossen und niemand anders hat einen Schlüssel... q.e.d.).


    Zum zweiten Stopp fahren die beiden Busse auf den Parkplatz des Scandiparks von Flensburg und passieren dabei den Laden von Angel Joe. ZeeBee flitzt aus dem Auto, sich noch mit Materialien für die eigentliche Reisebeschäftigung zu einzudecken. Die Mädels plündern derweil den Skandinavian Park und das Betreuerteam bunkert noch Getränke und Grillgut für den Abend. Die ein oder andere Pinkelpause später trifft die D-Jugend in Frederikshavn ein. Diego war schon zur Anmeldung beider Teams, die Mannschaft kann gleich zur Unterkunft in der Schule durchfahren. Schnecke Diego begrüßt die Nachzügler Dass er als erstes vor Ort war, muss sich ZeeBee nun den ganzen Abend anhören. Den ganzen Abend? Erst einmal sammelt ZeeBee die D-Jugend ein für einen Grillabend. Von den Profis hat sich ZeeBee letztes Mal abgeschaut, dass die Mannschaften und Betreuer in Klassenzimmern schlafen, die Trainer sich etwas komfortabler einquartieren. 16 km entfernt wird am Ferienhaus am Meer gegrillt. Zunächst sind die Mädels noch skeptisch, nach und nach können sie sich jedoch für Hotdogs mit röde pölser begeistern.


    Freitagmorgen 8:15 in der Halle. Eines der ersten Turnierspiele und die Mädels dürfen gleich um 9:00 zum Turnierstart antreten. Die Halle liegt in Elling ein wenig außerhalb von Frederikshavn. Der Gegner ist Lokalmatador Strandby/Elling IF I. Die obligatorische Frage: Können die was oder sind sie Quotenmannschaft, weil der Verein eine Halle zur Verfügung gestellt hat? ZeeBee ist sich beim ersten Eindruck des Warmmachens unschlüssig. Zwei größere Spielerinnen, der Rest doch recht klein. Jedenfalls keine Übermannschaft. Vorbesprechung in der Kabine. Wir sind Gäste in Dänemark, fair play, wir haben reichlich gegen defensive Abwehrreihen trainiert, Einsatzzeiten möglichst gemischt, je nach Gegner. Und noch ein wenig bittere Medizin: Als deutsche Mannschaft spielen wir gegen dänische Mannschaften in aller Regel in Dauerunterzahl. Den Schieri komplett ausblenden, einfach spielen.


    ZeeBees chronische Arroganz holt ihn ein. Auch das Einwerfen der Heimmannschaft beeindruckt nicht. Sieben Wochen lang hat ZeeBee die Mädels auf das Spiel gegen eine Fleischmauer vorbereitet... nur eben die vier Gastspielerinnen nicht. Zwei von ihnen stellt ZeeBee entgegen aller Vorsätze in die Startaufstellung auf die Schlüsselpositionen Rückraum Links und Rechts, individuell sicher nun eine starke erste Sieben. Nur steht nicht das Kollektiv auf dem Platz, das eingespielt ist. Halbfeldmanndeckung gegen Fleischmauer... beide Teams haben zunächst ihre Probleme. Die dänische Mannschaft schafft es aber mehrfach, sich durch die Abwehr zu wühlen, während der eigene Angriff nicht so überzeugend vor der Abwehrwand agiert. Und es kommt recht früh ein weiteres Handicap hinzu. ZeeBees Mädchen haben keine dänische Staatsbürgerschaft. Es häufen sich seltsame Regelauslegungen. Gegen eine wirklich nicht überragende Mannschaft wursteln sich die Mädels zu einer 11:14 Auftaktniederlage (gegen den späteren Turniersieger). In der Kabine: "DAS hätten wir ja wohl gewinnen können... mit einem schlaueren Trainer." Danach startet ZeeBee in der Regel mit den Gästen auf der Bank und dem eingespielten Team in der Startaufstellung. Lektion gelernt und es sind ja noch drei Vorrundenspiele.


    Die Mannschaft schaut sich danach die beiden Gegner des Folgetags an. Ein norwegisches Team gegen die dritte Mannschaft des Gastgebers FFI. Eine durchschnittliche Mannschaft gegen eine absolute Anfängermannschaft. Hoffnung für die A-Finalrunde, zumindest scheint es keine Todesgruppe zu sein. Mittags geht es gegen das schwedische Team von Habo Handboll. Für die Schwedinnen das erste Spiel, ZeeBee konnte weder in der Halle noch im Livestream irgendwelche Daten sammeln. Alle vier Gäste auf der Bank, in der Startaufstellung nur die Hannoveraner Mädels. Auch die schwedische Mannschaft mit einer eher passiven, defensiven Deckung. Genau darauf sind die Mädels vorbereitet und zeigen sich nun auch in der Deckung von ihrer besten Seite. Recht bald kann ZeeBee bunt durchwechseln, denn Habo fällt gegen eine so offensive Deckung wenig ein. 21:8. Parallel gewinnt die C am Freitag sowohl gegen Finnland als auch gegen Norwegen souverän. Ein guter erster Turniertag. Oder doch nicht. In der Unterkunft testen die Co-Trainerinnen beide Mannschaften durch, ZeeBees schnellste Spielerin muss zum mitgereisten Papa in Isolation.


    Fortsetzung folgt

    Ich schließe mich dem mal an. Corona scheint schlimmere Folgen für lebenswichtige Organe zu haben, als bislang angenommen:


    Mit der letzten Änderung des bislang unübersichtlichen § 55 [Festspielen] wurde die Anwendung fast kinderleicht. Keine Ausnahmen mehr zu Saisonbeginn, keine Ausnahmen mehr am Saisonende.


    Festgespielt ist, wer zwei aufeinanderfolgende Spiele der oberen Mannschaft bestreitet (Spiel Nr. 1 und 2). Frei wird, wer entweder zwei aufeinanderfolgende Spiele aussetzt (Spiel Nr. 3 und 4) oder 6 Wochen lang nicht in der Ersten spielt (Coronapause von 9 Wochen zwischen Spiel Nr. 7 und 8).


    Der Wortlaut von Absatz I: Für Vereine mit mehreren Mannschaften in derselben Altersklasse wird das Spielrecht der Spieler in Meisterschaftsspielen des Vereins in der Weise eingeschränkt, dass ein Spieler nach der Teilnahme an zwei aufeinanderfolgenden Spielen der höheren Mannschaft/en für die niedrigere Mannschaft erst wieder teilnahmeberechtigt wird, wenn zwei weitere aufeinanderfolgende Meisterschaftsspiele der höheren Mannschaft/en ohne ihn ausgetragen worden sind bzw. nach der letzten Teilnahme an einem Meisterschaftsspiel der höheren Mannschaft ein Zeitraum von sechs Wochen verstrichen ist.


    Mit der Änderung von vier auf sechs Wochen Pause wurde diese Variante des Freiwerdens nahezu unbedeutend, denn meist waren vorher schon zwei Meisterschaftsspiele der Ersten gelaufen. Und dann kam Corona.


    Jetzt gibt es die lustigen Fälle unterhalb der 3. Liga, dass ALLE Spieler mindestens sechs Wochen Pause hatten und niemand mehr festgespielt ist. Also wie zu Saisonbeginn. Genau wie zu Saisonbeginn. Das überfordert bundesweit die Staffelleiter:


    Spielerin A spielt Spiele Nr. 1 - 7 in der ersten Mannschaft, es kommt die Coronapause von 9 Wochen, spielt Spiel Nr. 8, ein Spiel in der Zweiten und dann Spiel Nr. 9.


    Die Lösung ist ganz einfach: Ab Spiel Nr. 2 bis Spiel Nr. 7 war sie festgespielt, nach sechs Wochen Pause innerhalb der Coronapause wurde sie frei, Spiel Nr. 8 war wieder das "erste" Spiel in der Ersten (wie bei Saisonbeginn), sie durfte dann in der Zweiten mitwirken und spielt sich in Spiel Nr. 9 wieder fest.


    Ganz einfach? Überforderte Staffelleiter streichen die Punkte des Spiels der zweiten Mannschaft und verhängen eine Geldstrafe. Sie habe ja in Spiel Nr. 7 und 8 an zwei aufeinanderfolgenden Spielen teilgenommen.


    Ist natürlich Unfug, in Spiel Nr. 7 war sie schon festgespielt. Dann wird sie durch die Pause frei. Dann geht es bei "null" los und erst nach Spiel 8 UND 9 ist sie wieder festgespielt. Unfug? Mein Kollege Helge fragt beim DHB nach. Die Staffelleiterin habe Recht! Ich versuche das mal zu entschlüsseln:


    Spiel Nr. 7: Spielerin ist festgespielt

    Spiel Nr. 8: Spielerin spielt sich erneut fest (?!)


    Durch die sechs Wochen Pause zwischendurch war sie wohl nur ein bisschen festgespielt, hätte zwischen Spiel 7 und 8 in der Zweiten spielen dürfen, aber definitiv nicht mehr nach Spiel 8.


    Jeder Spieler kann also den Status haben:


    - nicht festgespielt

    - festgespielt

    - a bisserl festgespielt


    Ich gebe beide Urkunden zu den juristischen Staatsexamen zurück.

    Mal was ganz anderes.


    Zweifach- und Gastspielrecht (§ 19 a, b SpO DHB)


    Vor allem das Zweifachspielrecht kommt in Niedersachsen immer mehr zum Zuge, für das Gastspielrecht kenne ich aktuell nur ein Beispiel. Was hat es damit auf sich?


    1. Zweifachspielrecht

    Von C bis A-Jugend können Talente ein zweites Spielrecht beantragen und für einen weiteren Verein spielen. So bluten die Breitensportvereine nicht so schnell Talente aus, nebenbei können talentierte Jugendliche aber noch Trainings- und vor allem Spielpraxis in einer höherklassigen Mannschaft sammeln.


    Möglichkeit 1

    Das Talent spielt im Erstverein in seiner Altersklasse (ggf. noch eine Altersklasse höher) und im Zweitverein in seiner Altersklasse, aber mindestens eine Liga höher als zu Hause.


    Möglichkeit 2

    Das Talent spielt im Zweitverein in der nächsthöheren Altersklasse, allerdings darf der Einsatz nur in einer Liga erfolgen, die mindestens eine Liga höher ist als im Heimverein. Dort kann weiterhin gespielt werden.


    In beiden Varianten hat der Heimverein das Sagen bei Terminkollisionen. Es ist zwar nicht ausdrücklich geregelt, ich nehme aber an, wenn gegen den Willen des Erstvereins bei zeitlich parallelen Spielen dann im Zweitverein gespielt wird, hierfür keine Spielberechtigung besteht. Es droht die Wertung des Spiels. Sollte der DHB ggf. noch mal konkretisieren.


    Jeder Verein kann pro Altersklasse A bis C je drei Talente aufnehmen und drei Talente "verleihen" (aktuelle Saison ausnahmsweise 5). Die Option eigener Verein D-Jugend und Zweitverein C-Jugend gibt es nicht. Die Meldefrist läuft vom 01.07. bis 30.11. (aktuelle Saison ausnahmsweise 31.12.).


    Fallstricke:

    - alle Beteiligten müssen die 48-Stunden-Regelung für Jugendliche im Auge behalten, die Punkte des 3. Spiels in dem Zeitraum sind dann weg

    - der Zweitverein darf das Talent ausschließlich in einer Altersklasse einsetzen

    - Vorsicht bei Einsätzen in der Reserve im Zweitverein: Auch die Mannschaft muss zum Erstverein höherklassig sein und Festspielen ist natürlich auch hier im Zweitverein möglich, aber nur im Verhältnis zur dortigen zweiten Mannschaft.


    In der Praxis

    Wir haben eine wC in der Oberliga und meine wC II in der Landesliga eine Liga tiefer. In der Oberligamannschaft spielen aktuell 3 Mädchen mit Zweifachspielrecht aus zwei unterschiedlichen Vereinen, die wiederum spielen mit ihren Heimvereinen gegen meine C II, dürfen also nicht bei mir spielen. Ich wiederum habe eine Spielerin aus der untersten von vier Ligen bei mir, die auch Einsätze in der Oberliga bekommt, wo sie sich natürlich nicht festspielen darf.


    Andersherum verfolge ich die Entwicklung von Mädchen, die aus der Landesliga an andere Vereine in die Oberliga verliehen werden. Da findet eine starke Entwicklung statt, die sich sowohl im Heimverein als auch im Zweitverein bemerkbar macht. Extrembeispiel siehe Handballtagebuch, eine Landesauswahlspielerin ist zu Hause in der LL C-Jugend völlig unterfordert und spielt parallel noch Oberliga B-Jugend im Zweitverein. Eines der größten Talente im HVN derzeit, die sicher den richtigen Schritt gemacht hat.


    2. Gastspielrecht

    Aufgrund der Voraussetzungen naturgemäß wesentlich seltener. In allen Jugendaltersklassen kann ein Gastspielrecht für einen Zweitverein beantragt werden, wenn die eigene (und ggf. auch die nächsthöhere) Altersklasse zu Hause nicht besetzt ist. Das Gastspielrecht gilt für die eigene Altersklasse, im genannten Ausnahmefall auch für die darüber. Ich gehe davon aus, dass das auch für Mädchen gilt, wenn der Heimverein in der E oder D nur eine Jungsmannschaft hat, in der das Kind mitspielen dürfte.


    Die Fristen wie oben (eine Besonderheit zum Gastspielrecht für Quali-Spiele vor der Saison ist in § 19 b Abs. III SpO geregelt). Es gibt keine zahlenmäßige Beschränkung.

    3. Das Kreuz

    Im Idealfall haben wir

    - die Abwehrspielerin aus ihrem Sektor/"Streifen" an den Rand des Sektors gezogen,

    - immer noch Körperkontakt Abwehrspielerin/Ballführerin

    - der Ball ist in der taktisch richtigen Hand, von der Abwehr abgewandt

    - reinkreuzende Spielerin im Sprint

    - die drei Spielerinnen im Moment des Passes auf einer schrägen Linie

    - einen Pass über anderthalb, zwei Meter


    DANN sind die Chancen auf Überlaufen der Abwehrspielerin gut. Das Wettrennen um die aufgezogene Lücke kann klappen.


    Korrekturen:


    - Die Abwehrspielerin ist nicht am Rande des Sektors: Dann bleibt die Mitspielerin auf ihrer Position und geht parallel! Es wird nicht gekreuzt oder aber aus dem Kreuz gleich die Folgehandlung vorbereitet, wenn man die Abwehrspielerin schon mal in Bewegung hat. Für mich geht (jedenfalls bei der Einführung, wo ich sehr penibel bin) "parallel" immer vor kreuzen, wenn der Auftakt nicht den kleinen Stellungsvorteil für die reinkreuzende Spielerin bringt.


    - Kein Körperkontakt: Wenn die Abwehrspielerin dafür immer noch volle Konzentration auf die Ballführerin hat, passt das schon. Ansonsten soll die Ballführerin aktiv den Körperkontakt suchen und die Abwehrspielerin mitziehen.


    - Kreuz in Höchstgeschwindigkeit: Antraben reicht nicht, es muss der Wettlaufcharakter rausgestrichen werden. Neue Ballführerin gegen die sich wieder schließende Lücke.


    - Keine "Linie" der drei Spielerinnen:

    a) Reinkreuzende Spielerin ist im Moment des Passes noch weit weg, es kommt der 3m und mehr Pass. Die Abwehrspielerin hat reichlich Zeit zum Richtungswechsel und schließt die Lücke.

    b) Der optimale Moment ist verpasst, die reinkreuzende Spielerin ist am taktisch richtigen Arm vorbei. Die Ballführerin muss nun entweder überdrehen und den Ball hinterherschubsen oder die Hand wechseln, um den Ball loszuwerden. Kostet alles zu viel Zeit.


    Hier muss am Timing gefeilt werden. Hilfreich als Vorübung immer wieder ein Passkontinuum. Zwei Reihen auf benachbarten Positionen, ein Ball und dann Dauerkreuzen. Der "Kreuzpunkt" immer im Wechsel leicht rechts und links von der gedachten Mitte zwischen den beiden Positionen. Schwerpunkt weniger der torgefährliche Auftakt, als viel mehr das Timing und das Raumgefühl. Für Anfänger einfach mal den Ball übergeben statt passen lassen. Das Timing stimmt, wenn die Ballführerin keine Kaffeepause einlegen muss, während sie den Ball nach hinten anbietet.


    - Die Distanz ist zu groß: Der Abstand beim Pass muss möglichst klein sein, um der Abwehrspielerin einen möglichst späten Start in den Richtungswechsel zu geben. Geht der 3m Pass erst einmal zur Seite oder nach hinten, reicht der Zeitraum, um die Lücke wieder zu schließen. Hier ist aber auf die Gefahr bei 50 cm Pässen zu achten, die der Partnerin schnell mal an den Kopf geworfen werden. Bei ganz enger Übergabe den Ball nur leicht schubsen.


    - Im Training gehen 2/3 aller Auftakthandlungen nach rechts: Statistisch üben im Regelfall zwei Rechtshänderinnen nebeneinander. Die Ballführerin wählt immer den einfachen Weg zur Hand, die reinkreuzende Spielerin bekommt den undankbaren Weg gegen die Hand. Gegensteuern, damit wir halbe/halbe in beide Richtungen die Kreuzung trainieren.


    - Die verlockende Abkürzung: Anfängerinnen biegen gerne mit dem Pass sofort ab und gehen auf die angegriffene Lücke der Auftakthandlung. Besonders verlockend, wenn wir noch im 1:1 plus 2 sind, also eine Lücke zwischen Abwehrspielerin und Hütchen haben. Hier muss klar werden:


    große Lücke = gut

    kleine Lücke = doof


    Wie bei der Einführung ins Positionsspiel und Stoßen muss der Schwerpunkt darauf liegen, die große Lücke auszugucken und anzugreifen, nicht die nähere Lücke. Aus dem Feldmann'schen Angriffsprinzip Nr. 2 "Vorfahrt für den Ballführer!" folgt fast denknotwendig: "Nicht dieselbe Lücke wie die Nachbarin angreifen!" Zumindest nicht, solange wir die Grundlagen schulen.


    - Die Abwehrspielerin schiebt ohne Mühe die reinkreuzende Spielerin weiter: Bei uns die erste Auffälligkeit, als ich den Ball übergeben statt passen ließ. Der Winkel des Laufwegs war nun parallel zum Neuner, mit wenig Kraft kann die Abwehrspielerin ihre übernommene Gegenspielerin quer schieben. Auch beim kurzen Pass droht die Gefahr. Wir brauchen noch eine kleine Kurve/ein kleines Hakenschlagen, um mit spitzerem Winkel in die Lücke zu gehen.


    - In der Ausgangsübung folgt nun das Endloskreuz: Vor jeder einzelnen Entscheidung, ob Kreuzen oder Parallel, muss wieder die Beobachtung erfolgen, ob die Abwehrspielerin a) am Rande des Sektors ist und b) noch auf den Zweikampf fokussiert. Wenn absehbar ist, dass ich in die Arme der Abwehr laufe, dann parallel gehen (oder einen tollen Plan haben). Hier werden die entscheidenden Weichen gestellt: Bekomme ich Spielerinnen, die Handball verstehen oder Spielerinnen, die auf Laufwege dressiert sind! Beobachten... richtig entscheiden!


    - Im Training spekuliert die Abwehrspielerin auf das Kreuz und löst sich früh, öffnet den Weg zum Tor, die Ballführerin ist aber auf das Kreuz fixiert: Als wir den Ball übergeben ließen, konnte die reinkreuzende Spielerin das Kreuz ausschlagen und das Signal setzen, selbst zu gehen. Mit Wiedereinführung des Passes gab es kein Ausschlagen des Kreuzes mehr. Kommando: "GEH!" vor dem Pass kann das Problem lösen

    An anderer Stelle schon erwähnt:


    wC Landesliga TV B - TUS B 39:40


    Zwei der bislang überzeugendsten Abwehrreihen, meine halbe C/halbe D gegen eine der körperlich stärksten Mannschaften. 79 Tore in 50 Minunten... und ich war hinterher auf meinen Angriff sauer, wo nichts der letzten beiden Trainingseinheiten umgesetzt wurde.

    Nachholspiel gegen den ungeschlagenen Tabellenführer in der C-Jugend. Wir mit halber D-Jugend, der Gegner mit den Leistungsträgerinnen fast ausschließlich aus dem älteren Jahrgang C-Jugend und körperlich deutlich überlegen. Nach dem Spiel (39:40 - bislang zwei der statistisch stärksten Abwehrreihen, man mag es kaum glauben) rege ich mich eigentlich nur über die Angriffsleistung auf, weil die zwei Trainingseinheiten zuvor vollkommen für die Katz waren und die Mädels nichts von den vier Auslösehandlungen mit Varianten umgesetzt haben (vielleicht ist das auch schon des Rätsels Lösung). In der Abwehr lief natürlich auch nicht alles rund, es wird eine elementare Baustelle aufgedeckt. Der Gegner düpiert uns dreimal mit einem dressierten Dreierkreuz in der Variante, wie ich sie auch Zirkustieren beibringen könnte. Übergeben/Übernehmen haben wir im D-Jugend Training mal in der Theorie angeschnitten und in Grundspielen touchiert. Setzt aber natürlich voraus, dass Kreuzen an sich schon mal auf dem Lehrplan stand. Hätten wir also eine sinnvolle Beschäftigung.


    Einführung Kreuzen

    Das große Mysterium. Jeder kennt es, die Meisten wenden es an, fast niemand versteht es. Von Peter Feddern gab es vor Urzeiten in der "handballtraining" mal den Artikel "Kreuzen oder Parallel". Lesenswert! Notfalls mal in der Unibibliothek mit Sportwissenschaften raussuchen! Ich tippe auf Anfang der Neunziger.


    Erste Einheit Einführung Kreuzen. Einfacher Aufbau. Abgesteckter Sektor im Zentrum als Durchbruchraum, von Vorne Mitte bewacht. Der Rückraum ist vollständig besetzt (bei uns in der D-Jugend Version, also RL/RR eher eng und nicht auf der Seitenauslinie). RM soll entweder a) den Zweikampf gegen VM gewinnen oder b) VM an den Rand ihres Sektors ziehen und das Kreuz mit der Nachbarin einleiten.


    Ich habe zwei E-Jugendliche, drei C-Jugendliche und fünf D-Jugendliche (Stützpunkttraining, Impfung, Aua, Bauchweh beim Rest). In der Abwehr parke ich ausschließlich abwehrstarke Mädels, die ihren Zweikampf auch gewinnen können und nicht ständig überlaufen werden. Verlorener Zweikampf gegen RM, dann Sonderaufgabe für VM. Die Übung ist so gedacht und ausgerichtet, dass die Aufgabe in der Regel besser im 2:1 gelöst werden kann. RL/RM sind zunächst mitstoßende Anspielstationen, die erst über die Kreuzung aktiv in das Geschehen eingreifen dürfen.


    1. Der Ausgangszweikampf

    RM soll nicht nur Torgefahr ausstrahlen, sondern auch den Abschluss suchen. Sonst gehen die Alibi-Kreuzungen los. Wenn keine Torchance rausspringt, soll im Regelfall der Zweikampf dazu führen, dass RM von VM bis zum linken oder rechten Rand des Sektors begleitet wird (die Abwehrspielerin aus ihrer Position ziehen). Im Idealfall haben wir nicht nur Körperkontakt, sondern die Abwehrspielerin hat ihre Hauer in den Hals der RM geschlagen und lässt erst los, wenn der Torpfiff nach dem Kreuz kommt. Der Körperkontakt darf ausdrücklich gesucht werden, der Passarm samt Ball muss allerdings geschützt nach hinten abgewandt bleiben. Der Ball befindet sich in der taktisch richtigen Hand, auf der Passempfängerin zugewandten Seite.


    Korrektur: Die Abwehrspielerin antizipiert das Kreuzen (Kreuzen ist ja Trainingsinhalt und kommt nicht ganz überraschend) und lässt kurz vor dem Pass ab, um (eigentlich zu) früh übernehmen zu können. Hatten wir gestern reichlich. Jetzt KANN der automatisierte Pass zur Nachbarin kommen, die dann in die Arme der VM läuft. ODER RM behält einfach den Ball und tippt, wenn sich die Abwehrspielerin löst... UND SCHMEISST DIE KUGEL INS TOR.


    2. Die reinkreuzende Spielerin

    … geht zunächst immer erst einmal parallel mit! Wenn der einleitende Pass 3 Meter nach hinten gespielt wird, verpufft der Ausgangsvorteil der großen aufgerissenen Lücke, die Abwehrspielerin kann rechtzeitig die Richtung wechseln. Bei diesem Übungsaufbau hält RL/RR die Position bis VM tatsächlich den Rand des Sektors (bei uns Hütchen/Pylonen) erreicht hat. Notfalls verbleibt sie auf Halb und RM geht durch oder bricht ab, wenn VM sich nicht ziehen lässt. Im richtigen Leben (2:2) muss RL/RR natürlich auch noch die eigene Gegenspielerin beobachten, ob sie sich Richtung Ball locken lässt oder nicht. Das kommt als Beobachtungsaufgabe hinzu zur Entscheidung "Kreuzen oder Parallel".


    Erreicht VM den Rand des Sektors, wird in Höchstgeschwindigkeit die Kreuzung aufgenommen (sonst verpufft wieder der Vorteil) und so dicht hinter der Ballführerin langgelaufen, dass der Ball fast übergeben werden kann (s.o., deswegen vorher immer auch der Parallelstoß).


    Korrektur: Ich überlege ernsthaft, ob ich morgen die Übung so abändere, dass der Ball übergeben werden MUSS. Erstens haben mich die Mädels gestern wahnsinnig gemacht, weil 2 m Pässe auf 1,5 m bereits verhungert sind. Zweitens möchte ich die Entscheidung einbauen, dass das Kreuzen aus taktischen Gründen ABGELEHNT werden kann. Die Ballführerin bekommt in dem Eifer des Gefechts gar nicht mit, dass sich die Abwehrspielerin bereits in der Gegenbewegung befindet. Vielfach entging gestern RM eine klare Torchance, weil sie auf die Kreuzung programmiert war, obwohl VM längst weg war, der Nachbarin den Ball zuschmisst, die auf VM aufläuft. Wenn ich übergeben lasse, kann RL/RR ggf. verweigern/den Ball anticken oder wegwischen und so das Signal setzen für den eigenen Durchbruch. Die Variante erst einmal zur Einführung, den nächsten Schritt überlege ich mir noch.


    Fortsetzung folgt

    1-gg-1 Korrekturen in der Manndeckung


    Nach langer Pause wieder ein Punktspiel in der C-Jugend. Zweithöchste Liga, halbe/halbe C- (Jungjahrgang) und D-Jugend (Altjahrgang) auf unserer Seite. Erste Halbzeit spielen wir Halbfeldmanndeckung, zweite Hälfte erstmals diese Saison eine Raumdeckung. Die Prinzipien der Raumdeckung haben wir viel trainiert, nur hatte ich im Spiel bislang noch nie umgestellt. Die Heimmannschaft ist punktlos auf dem letzten Platz. Zwei torgefährliche Spielerinnen mit einem Schnitt von rund je 6 Toren pro Spiel. Linkshänderin auf RA/RR und die große RL. Es ist das Rückspiel, wir kennen den Gegner.


    "Mismatch" auf Halbrechts. Meine D-Jugendliche Jarla ist zwei Jahre jünger als RL und mindestens einen halben Kopf kleiner. Kampfgewicht sicherlich zwei Klassen Unterschied. 1:0, 2:0, 3:0 - lupenreiner Hattrick von Rückraum Links. Jarla wird dreimal einfach überlaufen, RL hat dann freie Bahn zum Tor.


    Nach dem 2:0 beginne ich mit der Korrektur: "Lass sie prellen! Zurücksinken! Erst beim Prellen Körperkontakt aufnehmen!"


    Jarla ist gedanklich noch etwas in der Einführung 1-gegen-1 Raumdeckung gefangen: Nachbargegenspielerin passt den Ball, im Moment des Passes aus der Abwehrkette raustreten/rauslaufen, Körperkontakt Schulter/Schulter bzw. Wurfarmschulter/Hüfte Gegenseite.


    Problem: Wir verteidigen gerade auf 13 bis 15 m tendenziell eher ohne Kooperation, die Gegenspielerin ist zwei Jahre älter und fast einen Kopf größer. Und hat halt die längeren Beine. Vor dem 3:0 kommt meine Korrektur noch nicht ganz an. Jarla sinkt noch nicht konsequent zurück, Gegenspielerin beginnt erst hinter ihr zu prellen. Ich hole sie mir an die Seitenlinie.


    Wir haben das Prinzip, dass die Mädels in der Deckung untereinander tauschen sollen, wenn sie mit ihrer Gegenspielerin nicht klar kommen (zu groß, zu schwer, zu klein, zu schnell, zu wendig). Das muss nicht immer meine Aufgabe sein. In lichten Momenten tauscht auch mal die stärkere Abwehrspielerin in Eigeninitiative. Meist ist es aber anders herum, die überforderte Abwehrspielerin bittet um den Tausch. Oder auch nicht (zu stolz, zu eigensinnig, zu abgelenkt, zu angefressen, Prinzip vergessen).


    Hier sehe ich zwar das "mismatch", nicht aber die Überforderung. Klein gegen groß weit vor dem Tor, Rückraumspielerin ist keine Überspielerin.


    "Lass sie erst prellen, vor der Prellhand schräg zur Mitte zurücksinken, erst beim Prellen Körperkontakt aufnehmen, linke Hand zur Prellschulter, rechte Hand greift den Ball an!" (In Wirklichkeit etwas kürzer, das wäre die Langfassung unter weniger Zeitdruck.) Jarla setzt die Korrektur aber genau so um.


    Der Spuk ist vorbei, Rückraum Links (im Schnitt 6 Tore/Spiel, also auch gegen stärkere Gegner) macht im gesamten Spiel noch ein einziges Tor (insgesamt 4) gegen eine körperlich kleinere Deckung (erste Halbzeit Halbfeldmanndeckung, zweite Halbzeit 1:5 fast genauso offensiv).


    Ganz ähnlich hatte mal meine ehemalige Kreisläuferin gegen eine deutlich größere RL zu kämpfen, die sich auf den Überzieher spezialisiert hatte. Zwei, drei Durchbrüche in Folge und eine Abwehrspielerin mit Tränen in den Augen. Auch dort war das Zurücksinken das Geheimnis, danach waren die technischen Möglichkeiten der Rückraumspielerin schon erschöpft. Der eine Trick verpufft vor der Abwehr, nun müsste sie mit Handballspielen anfangen... schade.


    Häufige Korrektur von mir: "Wir verteidigen nach vorne, nicht zur Seite!", wenn die Abwehrspielerin zögert, nur reagiert und Lücken anbietet, statt die Angreiferin anzugreifen. In manchen Fällen verteidigen wir aber erfolgreicher erst einmal nach hinten!


    Noch mal pointiert:


    1:1 Manndeckung

    Wenn deutlich in der Fernwurfzone oder weiter vom Tor weg, vor der Ballführerin zurücksinken. Wenn sie vor mir prellt... gut, wenn sie hinter mir prellt... böse. Abwehrspielerin sinkt vor dem Prellarm zurück (muss ja gar nicht der Wurfarm sein, gibt es manchmal), bzw. sinkt Richtung Tormitte zurück. Nach ein, zweimal prellen dann die spiegelverkehrte Hand zur Prellschulter, die freie Hand greift den Ball an.


    1:1 "normale" Raumdeckung

    Hier möchte ich - in der Regel - Körperkontakt bei der Ballannahme und keine Erst-Aktion der Ballführerin vor der Abwehrkette. Schrägstellung, Orientierung an der Wurfamschulter, die Wurfarmseite kontrollieren. Weit vor dem Neuner reicht mir ein "Stellen" der Gegenspielerin, Schrittstellung, schräg auf Wurfhandseite. Der Weg zum Tor kann auf der Gegenhandseite sogar offen sein, die Wurfarmseite wird verstellt und bleibt zu. Rechtshänderin auf RR eher die Mitte zustellen als die Wurfhand. Kommt dann aber auch auf die Gegenspielerin an, wie stark sie zur Hand ist.

    Beispiel 1: Olympiade 2008. Freiwurf für Dänemark auf RL in letzter Sekunde bei 24:24. Die russische Mauer formiert sich. Wie immer: Wie die Orgelpfeifen die Großen in die Mitte, ganz links und rechts die lütten Außen. Mikkel Hansen wemmst den Ball auf Wurfhandseite über den - hier niedrigen - Block ins lange Eck.


    Beispiel 2: Eulencup Tarp, Jugendspiel, Unentschieden, Freiwurf nach Schlusspfiff auf etwa 15 m. Ich sitze auf der Tribüne und murmele: "Die Mauer muss weg! Die Mauer muss weg!" Mein Nachbar schaut mich entgeistert an. Anpfiff, Wurf durch die Mauer, der Ball wird halb geblockt und abgefälscht, landet im Tor. Mein Nachbar schaut mich entgeistert an.


    Beispiel 3: Irgendein Spiel meiner Mädels. B oder C Jugend. Freiwurf in letzter Sekunde. Das Spiel ist längst entschieden. Wie IMMER in so einer Situation beordere ich alle Mädchen weg. Schieri zeigt mir Gelb wegen Unsportlichkeit.


    Die Abwehr beim direkten Freiwurf

    Mal ehrlich... hat schon mal wer einen direkten Freiwurf gesehen, bei dem der Schütze mittig über den Block geworfen hat, also dahin, wo der Torwart hinter der Mauer steht? Wir sind uns zwar alle einig, dass wir keinen quer liegenden Spieler unmittelbar hinter der Mauer brauchen. (Witzigerweise haben die Fußballer nach über hundert Jahren gemerkt, dass das nützlich sein kann...) Aber warum zum Teufel werden ÜBERALL die Zwerge vor die Wurfhand gestellt?! Bis hin zur russischen Nationalmannschaft! Wer eben noch über die Fußballer geschmunzelt hat...


    Ich habe es selbst erlebt. Wir liegen sieben Tore zurück. Stellen auf Manndeckung um. Ich coache mit zu dem Zeitpunkt noch nicht erkannter Lungenentzündung. Zum Freiwurfpfiff in letzter Sekunde führen wir mit einem Tor. Ich bin krankenhausreif und habe nicht mehr die Kraft und Konzentration, die Mauer irgendwie zu stellen. Der Freiwurf ist auf 14, 15 m, die Mädels sortieren sich vollkommen chaotisch in Paaren zwischen 6 und 11 m. Bevor ich einschreiten kann, folgt der Pfiff, Wurf, einer der drei Mini-Mauern fälscht den Ball ab, der bekommt mächtig Spin, landet bei meiner Torhüterin vor den Füßen... und springt wie ein Dreher um sie rum. Zumindest im Mädchenhandball nehme ich den Block weg, wenn der Freiwurf deutlich außerhalb des Neuners geworfen werden muss.


    Und warum ich damals eine Verwarnung bekommen habe, weil ich bei einem vollkommen unbedeutenden Freiwurf von 9m die Mauer weggenommen habe, weil ich keinen Kopftreffer mehr riskieren wollte, weiß ich bis heute nicht. In der Situation stelle ich NIE eine Mauer. Warum auch? Weil der verkalkte Schieri es so noch nie erlebt hat? "Die Mauer muss steh'n! Die Mauer muss steh'n!"

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