Guess who's back, guess who's back
Guess who's back, guess who's back
Auch mit Ü50 versuche ich noch was dazuzulernen. Im Folgenden ist aber weniger der technische Ansatz spannend, viel mehr der Erkenntnisweg. Vor ein, zwei Jahren habe ich von einem befreundeten Trainer folgende - mir neue - Weisheit mitbekommen, vereinfacht ausgedrückt:
"Angreiferin kommt mit Hüpfer in den parallelen Stand auf Dich zu >> Stopfoul!"
Jedes 1:1, was dem Nullschritt nahe kommt (und in "gefährlicher" Distanz zur Abwehrspielerin geschieht), wird sofort unterbunden. Warum? Es geht nun (im schlimmsten Fall) mit der Kraft von zwei Beinen weiter. Statt nur mit der halben Kraft, die gut zu verteidigen ist. Kramt in Eurer Erinnerung mal nach Szenen mit dem einst "falschen" Nullschritt (ab dieser Saison "echt") aus den eigenen Anprellen heraus. Im Kinder- und Jugendbereich erhöht das die Quote von gewonnenen Zweikämpfen ungemein. Die geschickte Ballführerin kann sich nun mit zwei Beinen abdrücken und hat einen erheblichen (Schnellkraft-) Vorteil gegenüber der Abwehrspielerin. Die muss das mit bloßem Körperkontakt erst mal unterbinden. Und ich bin sehr gut damit gefahren, meinen Abwehrspielerinnen diese Weisheit weiterzugeben (auch wenn jüngere Trainer*innen das Stopfoul als Frucht des verbotenen Baums begreifen, aber das legt sich mit den Jahren).
Diese Erkenntnis für die ABWEHR hat mich mal wieder ein großes Stück nach vorn gebracht in meiner Entwicklung. Vor allem, wenn man die Hauptwaffe einer torgefährlichen Gegenspielerin neutralisieren kann. Nun auch noch die Regeländerung mit dem Nullschritt aus dem Anprellen heraus. Da muss doch irgendwie Honig herauszusaugen sein! Also baue ich seit Wochen den Nullschritt ohne vorangegangenen Pass sondern nach Anprellen ins 1:1 Training ein. Ins Angriffstraining. Der Groschen ist aber nur halb gefallen. Ja, da gibt es für die Angreiferin einen Vorteil im 1:1, den sie sich selbst erarbeiten kann (also auch nach beschissenem Pass). Gerade in D oder C-Jugend sollte diese Regeländerung unbedingt genutzt werden, sie gibt der Ballführerin eine spannende neue Waffe, schenkt ihr einen zusätzlichen Schritt.
Neulich schaue ich mal bei einem Training besagten Freundes vorbei. Er macht Abwehrbasics 3:2:1 mit wC in einer Hallenhälfte, meine inzwischen ehemaligen D-Mädels machen Wurftraining in der anderen Hälfte. Das Training eines ehemaligen Bundesligatrainers sicher lehrreicher, ich setze mich aber als D-Jugend Trainer in die Hälfte des Techniktrainings. Von der sechzehnjährigen/meiner ehemaligen Betreuerin werde ich weniger lernen, aber vom Zuschauen der Techniken vielleicht schon.
Die Haupttorschützin der Liga vom anderen Verein trainiert mit. Ich habe sie nicht angelockt, das fällt in die Zeit meiner Nachfolgerin. Der jungen Dame schaue ich auf die Wurfhand, mehr noch auf die Füße. Auftakt ist der Sprung von einem Turnkasten in den Nullschritt/die parallele Fußstellung, dann ein 1:1 (wohl nach Wahl) gegen einen Airbody und Abschluss per Sprungwurf vom Neuner. Irgendetwas stört mich.
Das Abdrücken mit zwei Füßen als Vorteil im Zweikampf schön und gut. Die junge Dame landet, verweilt kurz... geht dann erst ins 1:1. Und scheint dabei selbst gegen einen Airbody keinen großen Vorteil zu haben. Es fehlt mir die Dynamik. Mein Physikunterricht fällt mir ein. Da war was mit Kraft/Energie.
- Spielerin steht vor dem Kasten: Nennen wir es mal "keine Energie".
- Spielerin steht auf dem Kasten: "potenzielle Energie", denn runter kommen sie alle.
- Spielerin hüpft vom Kasten: "kinetische Energie" - und jetzt müsste es doch eigentlich spannend werden!
- Spielerin pausiert... die Energie wird vom Boden aufgefangen, vom Körper abgedämpft und macht sich in einem Geräusch bemerkbar. Je lauter, desto schlechter abgefedert.
Wo ist der Vorteil des Nullschritts hin? Die oben genannte Abwehrweisheit geht von der Prämisse aus, dass die Folgehandlung des Nullschritts dynamisch erfolgt, die kinetische Engerie sofort beim Abdrücken weitergenutzt wird:
- sofortiger Hüpfer zur Seite im rechten Winkel
- sofortiger Durchbruch schräg nach vorn zur Hand/gegen die Hand mit einem Schrittsprung (kraft zweier Beine)
und nicht die Landung im Boden "verpufft". Und nun fällt der Groschen endlich. Ich habe eine Abwehrweisheit mitbekommen, die mich zufrieden stellt. Ich transferiere diese Erkenntnis aber nicht (dialektisch) auf den Angriff und nutze nur die halbe Erkenntnis. Warum ist der Nullschritt plus Folgehandlung eine Waffe? Ich habe diesese Wissen nur für die Abwehr genutzt, nicht aber ins Angriffstraining umgekehrt. Der Groschen ist nun ganz gefallen.
Zukünftig: Bei allen Aktionen mit Nullschritt auf die dynamische Fortsetzung mit minimalem, explosiven Bodenkontakt achten, damit der Schnellkraftvorteil tatsächlich genutzt wird. Ich denke z.B. als Auftakt zur (erneuten) Einführung an Hüpfer vom (flacheren) Kastenoberteil auf (höheren) Turnkasten bei maximaler Dynamik bei minimaler Kontaktzeit. Danach erst tatsächlich in die 1:1 Situation mit Gegenspielerin.