ZeeBee chauffiert die Mädels als Fanclub zum Spiel der C-Jugend in einen Nachbarort. Plötzliche Aufregung auf der Rückbank. Ein Handy fehlt. Aufgeregtes Suchen und Wühlen. Nichts. ZeeBee ruft Papa an, gibt das Handy nach hinten. Mama soll von zu Hause aus das fehlende Smartphone orten. ZeeBee rollt auf den Parkplatz vor der Halle. Mama hat einen Standort gefunden, das teure Gerät ist - wenig überraschend - im Grundtvigsvej in Elling.
"Das ist hier."
Große Verwunderung.
"Wer hat das Handy denn vor uns hier zur Halle gefahren?!"
ZeeBee fängt bitterlich an zu weinen.
Während des Turniers hat ZeeBee nicht viel Zeit für sich. Ein schöner Ort zum Abschalten ist das Rund der Arena Nord auf der Tribüne, zwei Spielfelder im Blick mit der Auswahl, eines der Spiele anzuschauen.
"Frohe Ostern!"
Trainerlegende und mehrfacher Turnersieger Olaf schlendert über die Tribüne. Spricht ZeeBee auf einen zwölf Jahre alten Tagebucheintrag zum Turnier an. ZeeBee kann sich vage erinnern. Gibt es also doch Tagebuchleser in der Handballecke.
Im Viertelfinale wartet Redbergslid 2. Die fiebern sicher einem Halbfinale gegen ihre erste Mannschaft entgegen, die im selben Turnierbaum spielt. Die Schwedinnen waren ein Gruppenvierter, hatten in vier Begegnungen nicht viel weniger Tore als der TVB geworfen und verfügten über ein nur knapp negatives Torverhältnis. Soweit die warnende Statistik, ZeeBee hatte es verweigert im B-Pokal Videostudium zu betreiben. Redbergslid verfügt über eine körperlich sehr starke Rückraumspielerin, die zwischen links und rechts hin und her wechselt. Die Mädels bekommen sie zunehmend besser in den Griff und spielen souverän eine drei Tore Führung heraus. Obwohl ZeeBee nicht den Fehler macht nun bunt durchzuwechseln, entgleitet plötzlich das Spiel, fünf Minuten vor Schluss liegt der TVB mit einem Tor zurück. Die kräftige Rückraum Linke setzt zum Durchbruch an, pflügt mit fünf Schritten zum Torkreis, legt auf die Mitte ab, 13:15 und noch viereinhalb Minuten zu spielen. Die Passgeberin läuft zurück in die Deckung, gratuliert ihrer Nachbarin... und übersieht dabei, dass ihre Gegenspielerin Neele, die geheimste aller Geheimwaffen, den Ball bekommt. Gerade als Redbergslid Neele als "ungefährlich" abgestempelt hat, nutzt diese die Unaufmerksamkeit ihrer körperlich übermächtigen Gegenspielerin und verwandelt per Sprungwurf. Der schwedische Trainer tobt. Ein Tor Rückstand. Rückraum Links setzt wieder zum Durchbruch an, Halbrechts Josie nimmt sie beherzt an und bekommt den nach vor gerichteten Ellenbogen ab - Offensivfoul. Im Gegenzug nimmt Josie einen Abpraller auf und erzielt den Ausgleich.
Dann folgt das Kuriosum des Turniers. Unmittelbar nach dem Anwurf schmeißen die Gegner den Ball ins Seitenaus. Es gibt Einwurf für den TVB. Handballpapa Ingo nimmt außerhalb des Feldes den Ball auf, ist der fachlichen Zeichensprache des Sports noch nicht ganz mächtig und will Gutes tun, wirft den Ball ins Feld, führt quasi den Einwurf aus. Der landet im gegenüberliegenden Seitenaus. Einwurf in die andere Richtung. Ingo protestiert lautstark, die Schiedsrichterin lässt die Zeit anhalten... und lässt Ingos Einwurf gelten. 15:15, 3 1/2 Minuten zu spielen, erstaunlicher Ballbesitz Redbergslid. Memo an mich selbst: Ingo instruieren, den nächsten Wurf in das Tor zu setzen....
Tor Schweden, im Gegenzug 7m Tor TVB. 16:16. Zwei Minuten zu spielen, Carlotta hält, Ballbesitz. Kurzpass, Kurzpass, 20m Pass Neele auf Josie... 17:16! Immer wieder agiert die sehr offensive 1:5 Deckung im Innenblock ähnlich der nie trainierten sinkenden Manndeckung, sinkt zu dritt mit dem Ball zurück und verdichtet das Zentrum, schwärmt dann aber bei nächster Gelegenheit wieder aus. Carlotta hält zweimal spektakulär und sichert den Vorsprung. In der letzten Minute schraubt sich Katharina noch mal durch die Deckung, erzielt den zwei Tore Vorsprung, den Anschlusstreffer Sekunden vor Schluss nehmen die Mädels lächelnd hin. Halbfinale.
ZeeBee verlässt die Sportstätte, vor der Halle unterhalten sich zwei schwedische Mütter.
"Very good game, congratulations!"
"Takk skal du ha! Hvor er dere fra?"
Die Damen aus Göteborg verjagen sich, wundern sich, dass der deutsche Trainer Schwedisch spreche. Memo an mich selbst: Mein Norwegisch unbedingt aufpolieren...
Die C I scheitert im Viertelfinale deutlich am späteren finnischen Finalisten Pargas, die im Finale wiederum von Norwegerinnen deutlich die Grenzen aufgezeigt bekommen. Die zweite C-Jugend schafft es immerhin ins Halbfinale des B-Pokals, muss dort aber die Segel streichen.
Rückkehr zur Bangsbrohalle.
"Vorhin hatten wir Redbergslid 2. Nun spielen wir gegen deren erste Mannschaft."
Große Augen, Skepsis. Allerdings erweckt beim Warmwerfen der erste Eindruck keine Furcht. Die Torhüterin ist in der falschen Sportart unterwegs, sollte vielleicht mehr was Richtung Tanz unternehmen. Der erste Schlagwurf trifft bereits das Tor, zumindest Frida hat in den letzten sechs Trainingswochen Vorbereitung auf das Turnier die Marschroute verinnerlicht. Über 8:3 und Halbzeitstand 12:6 ist das Finale schon fast erreicht, ZeeBee kann munter durchwechseln. Durch den bunten Personaltausch kommen die Schwedinnen noch mal auf vier Tore heran, ZeeBee rotiert wieder etwas zurück und die Mädels erreichen im tosenden Lärm der beiden C-Jugend Teams das Finale. Gegen den Wunschgegner Norderstedt.
Ostermontag 8:00. Anpfiff des B-Pokalfinals. Josies linke Wurfarmschulter ist grün und blau vom Viertelfinale, hat das Halbfinale ausgesetzt.
"Ich kann meinen Arm nicht heben und nicht werfen."
ZeeBee hat die starke Rückraum Linke von Norderstedt im Hinterkopf. Und die völlig neuen Optionen der IHF Regeln anstelle des deutschen Regelkorsetts.
"Kannst Du Abwehr spielen?"
Erstaunte Blicke.
"Ich kann nicht werfen!"
"Ob Du Abwehr spielen kannst?"
Also Spezialistenwechsel auf Halb Rechts. ZeeBee schlürft seinen Kaffee am Spielfeldrand. Alsbald zeigen die Videoaufnahmen den "Alfred-stance", verschränkte Arme, etwas breitbeinig, die Schultern leicht nach hinten gezogen, grimmiges Gesicht, über Haakjöringsköd und Rosenzucht sinnierend. Das erste Gegentor fällt deutlich zu leicht, Pass-Rückpass und Josie schaut nur hinterher. Linh gleicht mit unnachahmlich dynamischem Antritt aus. Die starke Rückraum Linke wackelt Josie aus, geht gegen die Hand vorbei, Treffer zählt aber nicht. ZeeBee nutzt den Spezialistenwechsel zur Korrektur. Ab dann sieht die Schlüsselspielerin Norderstedts auf Rückraum Links keine Schnitte mehr, Angriff für Angriff wird sie von der angeschlagenen Josie abgekocht. Als ZeeBees Linkspfote in der ersten Halbzeit dann schmerzbedingt aufgibt, ist das Spiel in den Köpfen längst entschieden. Halbzeitstand 10:3, durch wilde Wechselei endet die Partie moderat 17:12. Die beiden C-Jugend Mannschaften verwandeln das Spielfeld in ein Tollhaus und verjagen erst einmal die nachfolgenenden männliche D Finalisten. ZeeBee bekommt einen Pokal in die Hand gedrückt, Martin vierzehn Sporttaschen... das muss die Siegerehrung gewesen sein. In guter Tradition geht der Pokal an die mvp. Und da Torhüterin und Geburtstagskind am frühen Morgen schon beschenkt worden ist, bekommt Links Außen Kanone Linh das gute Stück.
Daheim in Hannover auf dem Parkplatz:
"Glückwunsch!"
"Herzlichen Glückwunsch!"
"Glückwunsch!"
"War nur der B-Pokal..."
Am nächsten Morgen an der Tankstelle.
Haare. Überall Haare. Noch mehr Haare...
Dein
Karsten