Weiter weibliche D gegen 6:0.
Die Abkehr von (Teil-)Schwerpunkt Passen/Passstaffetten/tiefes Stoßen war möglicherweise ein Schritt in die richtige Richtung. Wir schmieden unsere Waffen für die skandinavischen Deckungsreihen:
- Schlagwurf/über das falsche Bein/auch mit seitlichem Ausfallschritt des falschen Beins (Vorbild Stine Oftedal gegen die Skandinavier verwenden*)
- Schlagwurf gegen die Hand/Turboschlagwurf ohne Verwringung des Oberkörpers und ohne Ausholbewegung des Oberarms hinter dem Körper
- Schlagwurf an Sperre vorbei
Auf engem Raum kooperieren die Mädels schon recht gut mit KM. Meine Kreisläuferinnen stehen in den Lücken stets mit Rückensperre/Brust zum Ball. Passiert der Ball KM/wird der Ball an KM vorbeigeprellt > sofortige Wechselsperre. Das automatisieren wir gerade.
Allmählich begreifen die Rückraumspielerinnen, was ich mit "Lücke aufziehen" meine, wenn sie vor der KM-Lücke stehen. Entweder stoßen wir schon breit an der Lücke vorbei (dann Wechselsperre) oder die Mädels legen den Rückwärtsgang ein (den Handballerinnen ansonsten nur ganz schwer finden) und wechseln rückwärts-seitwärts-vorwärts mit einem Tipper Richtung nächste Lücke an KM vorbei (wiederum Wechselsperre). Da wir auf RM und KM sehr ordentlich besetzt sind, haben wir schon mal ein paar sehr scharfe Waffen.
Das große Manko in den letzten drei Jahren war immer noch das Erkennen und Nutzen vor Wurfchancen/Schlagwurf vor der Abwehrwand. Auch da sind wir deutlich weiter, mehrere Rückraumspielerinnen nutzen ihr Wurfrepertoire aus. Erste Rufe nach Sprungwürfen werden laut. Die Baustelle (Sprungwurf hoch statt weit, genügend Druck hinter den Ball ohne den Schwung bekommen) überlasse ich aber den C oder B-Jugend Trainern.
Zwei Mädchen zeigen einen ordenlichen Wurf aus Eckenaußen kommend und wir leihen uns für das Turnier eine Linkspfote aus. Am Wochenende proben wir mal ein wenig das Abräumen, damit auch die Außen was an die Hand bekommen.
Und weil wir in Vorbereitung auf Skandinavien so intensiv an den Basics Schlagwurf arbeiten, ist das Magazin "handballtraining" auf uns aufmerksam geworden, für das ich lange nicht geschrieben haben. Eine Demoeinheit wird dies Jahr dort womöglich erscheinen, wobei ich mir auch vorstellen kann, unsere intensive Arbeit am Kreis auch noch zu veröffentlichen.
*Ich habe sehr früh damit begonnen, mit Kindern erst einmal nicht von "falschem" Bein zu sprechen. "Linkes Bein nach vorne, ist deutlich einfacher." Schlagwurf aus dem Lauf über beide Beine gehört seit Jahren zum Repertoire. Aber erst der Blick in den Spitzenhandball, eben auf die göttliche Stine Oftedal, ließ bei mir die Frage aufkommen: "Warum sollen D-Jugendliche das nicht erlernen können? Warum soll das nur dem Spitzenbereich vorbehalten sein?" Wir machen jedes Jahr ein wenig Einführung Absprung über das falsche Bein, also eine recht fortgeschrittene Technik. Beim Torwarteinwerfen gehört das fest zum Programm, Gäste und Neulinge schauen sich das ab und probieren aus. Ich korrigiere stichprobenartig. Im Spiel setzen einige Talente den Sprungwurf über das falsche Bein taktisch richtig ein, auch am Kreis. Dann ist der Stemmschritt über das falsche Bein in der D auch kein Hexenwerk.
Wir nähern uns dem Saisonende. Die C II ist in einem Übergangsjahr mal nur in der dritthöchsten Liga gemeldet und wurde gerade Regionsmeister mit halbe/halbe D und C (immerhin noch ein Feld aus 38 Mannschaften). Die D I ist auf dem Weg ungeschlagen Regionsmeister zu werden (53 Mannschaften in der Region). Wir kommen im Training nahezu komplett ohne Taktik aus. Gegen Ende der Saison forciere ich durch RM angesagte Auslösehandlungen, weil wir unsere Hausaufgaben schließlich gemacht haben. Während wir spielerisch zu Toren kommen, bemühen viele Mannschaften vor allem in der C-Jugend angesagte Positionswechsel, Doppelpositionswechsel (ich nenne die Zirkusnummern bewusst nicht "Kreuzen", hohes Einlaufen Außen hinter dem Rückraum, etc. Das sieht meist recht unbeholfen aus, kommt gegen manche Gegner auch mehrfach zum Erfolg, ist aber leicht zu verteidigen. Wir erfreuen uns dagegen an herausgespielten Toren aus Aktionen, die so nie im Training stattgefunden haben. Auch eine C-Jugend würde ich - bis auf Einführung/Schulung 3:2:1 - selbst in der höchsten Liga nahezu ohne Taktik trainieren, bzw. mich auf einfachste Gruppentaktik beschränken und weiterhin an individueller Technik feilen.