Der Zoff um die ursprünglich auflagenfreie Lizenzvergabe an Zweitligist HSG Nordhorn-Lingen beherrscht aktuell die Szenerie im deutschen Spitzen-Handball. Kommenden Mittwoch wird im Dortmunder Landgericht verhandelt, ob sich Absteiger HSG Krefeld Niederrhein per einstweiliger Verfügung erfolgreich in die 2. Liga zurückklagt.
Der juristische Streit überlagert die laufende Saisonvorbereitung der Zweitliga-Klubs, am 21. August erfolgt mit der ersten Pokalrunde der Pflichtspielstart, die 2. Liga taktet am 28. August auf. Jetzt hat die Handball-Bundesliga (HBL) die Geschäftsführer der Zweitligisten via Whatsapp mit interner Post kontaktiert, sie liegt SPORT BILD vor.
Handball-Lizenzskandal: Liga schickt Beruhigungs-Nachricht via WhatsApp
Gleich im ersten Absatz entschuldigt sich der Verfasser Oliver Lücke (Geschäftsleitung Kommunikation & Medien, Anm. der Redaktion) im Namen der HBL für die entstandene Situation und wirbt um Verständnis.
Er schreibt: „Da wir uns mit öffentlichen Aussagen bewusst zurückhalten, melde ich mich heute mit einigen Infos zur HBL-Kommunikation bei euch. Soviel vorab: Wir bedauern die aktuelle Situation und die damit verbundene Unruhe.“
Die Hoffnung der HBL: „Unser oberstes Ziel bleibt es, das Notwendige zu tun, um eine tragfähige Lösung im Sinne einer starken und fairen 2. HBL zu erreichen.“
In der Mail wird explizit darauf hingewiesen, dass die Liga in dem Fall vorerst weiter öffentlich schweigen wird. „Bitte habt Verständnis dafür, dass die HBL aufgrund des laufenden Verfahrens aus rechtlichen Gründen zu Verschwiegenheit und Zurückhaltung verpflichtet ist. Wir folgen sehr wohl konsequent den formal vorgegebenen Schritten, die unserer aller Regelwerk, insbesondere die Ordnung zur Lizenzierung nebst Anlagen, verlangt.“
Aus der erst auflagenfreien Lizenzerteilung an Nordhorn im April wurde Ende Juli eine mit drei harten Auflagen und Androhung von sechs Punkten Abzug. Die HBL schreibt: „Die Lizenzierungskommission wird sich schnellstmöglich zur weiteren Verfahrensweise im Hinblick auf die Sanktionierung der HSG Nordhorn Lingen äußern, im Übrigen verweisen wir auf die zwei Stellungnahmen der HBL, die wir euch im laufenden Verfahren zugeschickt hatten.“
Die klagende und die Öffentlichkeit dabei stets transparent informierende HSG Krefeld Niederrhein wird in der Mail für ihr Vorgehen deutlich kritisiert: „Der von der HSG Krefeld Niederrhein gewählten ‚offensiven Kommunikation’ werden wir uns ausdrücklich nicht anschließen. Eine öffentliche Debatte in dieser Schärfe dient nicht der gemeinsamen Sache.“
Die HBL blickt voraus: „Wie ihr wisst, hat die HSG Krefeld Niederrhein Zivilklage beim Landgericht Dortmund eingereicht. Am kommenden Mittwoch wird der Fall verhandelt. Wir vertrauen auf die rechtlichen Prozesse und Rechtsmittel und rechnen mit einer richterlichen Entscheidung in unserem Sinne.“
Lückes Schlussworte: „Sobald es verlässliche neue Ergebnisse gibt, informieren wir euch. Sollte es Rückfragen geben, bitte wendet euch an mich. Vielen Dank für eure Geduld.
Beste Grüße und alles Gute bei eurer weiteren Saisonvorbereitung. Oliver“
Die HSG Krefeld Niederrhein hatte in ihrer letzten Stellungnahme einen schweren Vorwurf formuliert: „Nach Einschätzung der von der HSG Krefeld Niederrhein beauftragten Experten liegen schwerwiegende Indizien vor, die auf eine Täuschung der HSG Nordhorn-Lingen zum Zweck der Lizenzerteilung hindeuten.“