Beiträge von MiniMe

    Schnelle Mitte gab es, man hat aber praktisch immer abgebrochen. 7vs6 ist trainingsintensiv, das hätte man vorbereiten müssen und kann auch stark nach hinten losgehen wenn man nicht trifft.

    Das Riesenproblem war die "Umstellung" von einem funktionierenden System in Halbzeit 1 zu "was auch immer" in Halbzeit 2. Die haben im Rückraum ja plötzlich quasi im Stand gespielt, ohne Knorr. Ich weiß nicht was Gislason vorgegeben hat, aber es war grotesker Unsinn. Nichts war konzeptionell erkennbarer Handball der 2020er, nichts was Deutschland vorher gespielt hat, und es war völlig unwirksam.

    Eigentlich hätte man von den Spielern erwarten sollen, dass die einfach selbst entscheiden wieder so zu spielen wie in der 1. Halbzeit, schnell, beweglich, viel Lauf- und Passspiel im Rückraum um die Deckung in Bewegung zu bringen und dem letztendlichen Schützen in der Beweung nur einen Abwehrspieler vor sich zu stellen. Scheinbar hatten die nicht die mentale Stärke, Alfred zu ignorieren. Selbst einwechseln kann sich Juri natürlich nicht, aber so statisch spielen müssen sie auch mit der Formation Schluroff-Köster-Uscins nicht.

    Vor allem ist sein Fehler, ein Spielmacher für modernen Handball zu sein - und nicht für Alfreds präferierte Steineschmeißerei aus den 90ern. Eins gegen eins ist offensichtlich komplett unerwünscht.

    Die "Steineschmeißerei" hat ja in der 1. Halbzeit auch geklappt, genauso wie bei der gewonnenen EM 2016. Man kann nicht Dänemark mit einem Gidsel und Pytlick kopieren, man müsste dafür auch die Spieler haben die 1vs1 gehen können. "Wir" werfen auch nicht nur Steine, das Tore werfen aus dem Rückraum eröffnet sowohl am Kreis als auch auf den Außen Räume, die gegen Österreich zumindest phasenweise gut genutzt wurden.

    Was nicht geht ist, dass man nach einer Licht-und-Schatten-Halbzeit, in der man mit 4 Toren vorne liegt und gerade mal 13 Tore kassiert hat, plötzlich alles umwirft und ganz anders spielen will. Köster als Reinkarnationsmischung von Talant Dushebajev und Ivano Balic im Körper von Karabatic, Knorr als Handtuchhalter. Schnell von links nach rechts und wieder zurück spielen bis die Chance da ist, nix da, Köster geht in der Mitte 1vs1 stur geradeaus rein mit erhobenem Arm bis Blut kommt, der Rest findet nicht statt oder darf sich einer gegen drei gegen den stehenden wartenden Mittelblock versuchen. Und das nicht etwa 10 Minuten und dann wird korrigiert, nein. Das wird durchgezogen bis die letzte Sirene für ein desaströses Ergebnis ertönt.

    Dieser Kader kann das, was für eine 17-13-Halbzeitführung gereicht hat, TROTZ Fehlwürfen gegen einen starken Torhüter. Er kann aber nicht das, was sich Alfred in den Kopf setzt, nur weil er es sich in den Kopf setzt. Er hat keinen Jicha und der kommt auch nicht mehr.

    Die deutschen Außenspieler stehen aber meist auch nur als Eckfahnen herum. In der Schlussphase deckten die Serben mit einer 4:2- oder gar 3:3-Abwehr teilweise auf 9 bis 10 Metern und keiner der Außen kommt auf den Gedanken in den Freiraum am Kreis einzulaufen. Da kannst Du auch direkt eine Außenposition unbesetzt lassen und mit zwei Kreisläufern agieren. Auf dieser Position ist auf jeden Fall genug Qualität im Kader vorhanden.

    Ernsthaft? Wie oft siehst du in höheren Ligen die Außen an den Kreis rennen, wenn die Abwehr nahe 9m steht (da steht sie quasi immer)? Das macht man 2 mal im Spiel, oder wenn es angesagt ist als Option. Der Bodenpass spielt sich praktisch von alleine wenn der Deckungsaußen so weit einrückt, hoch geht auch wenn der Halbe zwischen 1 und 2 reingeht und der Außen hilft. Die Außen stehen genau richtig da.

    Alleine, dass der amtierende Torschützenkönig der stärksten Liga der Welt, und aktuell bester Deutsche Nationalspieler in der HBL Torjägertabelle, so gar keine Rolle spielt, sagt alles.

    Julian Köster stand da übrigens auf Platz 59, hinter Grgic, Uscins, Freihöfer, Steinhauser, Schluroff, Tissier, Witzke, Mappes, Fischer, Schiller, Sauter, Suton, Häfner, Semper, Binder, Fischer, Bissel, Knorr, Weber, Kohlbacher, Kastening, Klein, Zerbe, Wolf und Musche. Gut, sind nur ein Fünftel davon Rückraumspieler auf seiner Position, aber er war gestern nicht mal der beste Rückraum-Rechtshänder im Kader. Trotzdem lässt Alfred ihn gefühlt 189 Minuten spielen, als wäre er prime Karabatic.

    Mal Alfred außen vor, seh ich aber auch die Riesenqualität im Kader nicht.

    Das 17:13 Halbzeitergebnis trotz bereits vieler vergebener Chancen, bei guter Verteilung der Tore, zeigt eigentlich die Qualität des Kaders. Das einzige was fehlt ist die Fähigkeit, mal die Außen freizuspielen, was JEDER anderen Mannschaft gelingt.


    Dass man dann völlig den Faden verliert, war von außen betrachtet einzig und allein der Sturheit von Gislason zu verdanken, der ein paar Spieler ohne jeden Grund ins Doghouse verbannt und mit "seiner Stammformation" 30 Minuten durchspielen will. Hat der das in Kiel auch schon gemacht? Dann noch Köster zum Jicha stilisiert und mal machen lassen, obwohl er sichtlich völlig überfordert war als "Spielmacher".