Beiträge von Gondor

    Auch als MT-Anhänger muss ich einräumen, dass die SGF hier Favorit ist. Im Endeffekt haben beide Mannschaften in Kassel nicht auf dem Niveau performt, das sie abrufen können - mehr Steigerungspotential sehe ich dennoch bei den Flensburgern. Auf der anderen Seite wird Melsungen mit Balenciaga wieder variabler spielen können und wenn die Außen wieder besser funktionieren, ist bei entsprechender Torhüterleistung was drin.

    Wird drauf ankommen, wer das Torhüterduell für sich entscheiden kann. Ich tippe trotzdem auf +3 für Flensburg.

    ...wieder dieselbe Diskussion über Personalentscheidungen, die sowieso Vergangenheit sind. Mikkelsen mochte ich auch, aber wichtig ist doch der Kader, der momentan da ist und da sein wird.

    Zu Timo Kastening: Ihm fehlt gerade das Selbstvertrauen, weil er ne echte Durststrecke hinter sich hat. Das ist aber manchmal so im Sport. In den Timeouts nimmt er sein Amt als Kapitän trotzdem wahr, auch sportlich wird er sich zurückkämpfen. Die Klasse hat er doch ohne jede Frage. Nicht immer nur draufhauen, das hilft in so einer Situation ja auch nicht.

    Na das war ja mal ein echtes Lebenszeichen gestern. Hat endlich wieder Spaß gemacht zu schauen - nicht, weil alles toll war, aber die Leidenschaft und Körpersprache waren da. Wenn man sich so in Köln präsentiert und die Partie möglichst lange offen hält, wäre das schon super. Mit Balenciaga hat die MT dann hoffentlich wieder eine Alternative mehr im Rückraum.

    Die Stellschrauben, an denen für Samstag aus meiner Sicht gedreht werden muss:

    1. Kaltschnäuzigkeit von Außen verbessern!

    2. Kristopans vermitteln, dass er nicht immer zur Mitte ziehen muss, um das Spiel breiter anlegen zu können. Er hatte gestern aber auch viele gute Aktionen.

    3. Gerade bei Pytlick muss man noch einen Schritt früher raus. Sehr unkonventioneller Spieler mit großem Wurfrepertoire.

    Vielleicht wird es ja was, wer weiß. Verstecken muss man sich nicht und ohne Favoritenrolle kann man befreit aufspielen.

    Der Kader ist müde ? Was soll Berlin sagen ? Da spielen Anderson und Gidsel durch und das aktuell alle 2 tage. MT spielt nur in der Bundesliga. Die meisten Rückraumspieler sind auch keine Natio.spieler und haben dort auch keine Belastung

    Das dachte ich mir auch. Klar sind viele ab und an auch mit Nationalmannschaften unterwegs, aber dieses "Problem" haben so gut wie alle Teams.

    Auch in Hamburg konnte man mit Jónsson, Aho, Kristopans, Martinovic und Kühn immerhin fünf gestandene Profis im Rückraum aufbieten. Mir fehlt da die Variabilität. Ist ja nicht so, als hätte man mit drei gesunden Kreisläufern im Kader nicht auch taktische Optionen gehabt, um z.B. im 7 gegen 6 mit einem durchdachten Konzept zu bestehen. Auf der Tribüne habe ich aber eher das Spielsystem "Wir versuchen es über Einzelaktionen" gesehen und dann -wie so oft- zu Gegenstößen eingeladen.

    Ja, das war tatsächlich ein großes Missverständnis. Schau dir aber an, wie er mit Fredericia gerade in der dänischen Liga performt (und zwar ohne große Stars). Irgendwie muss es ja auch an der MT als Club liegen, dass selbst so renommierte Trainer nichts reißen können.

    Zu Parrondo bin ich momentan ein bisschen zwiegespalten. Auf der einen Seite wird seine fachliche Expertise oft gelobt. Er erscheint auch von der Art eher ruhig und sachlich, als besonders schwieriger Mensch erscheint er nun wirklich nicht. Ich würde auch durchaus sagen, dass er zu Beginn der Saison eine Spielidee entwickelt hatte, die funktionierte. So weit, so gut.

    Leider finde ich es aber schon irgendwie ärgerlich, dass er weiterhin kaum Deutsch spricht, die Timeout-Ansagen auf Englisch doch eher limitiert sind (sein müssen) und dass er z.T. ziemlich stur an taktischen Konzepten festhält. Mir fällt das ewige 7 gegen 6 ein und die Tatsache, dass er die Kaderbreite wenig ausnutzt. Es mag sein, dass der Kader leistungstechnisch nicht homogen genug ist und in der Tiefe was fehlt, aber oft gibt er einem Kristopans oder Jönsson auch dann kaum Pausen, wenn Optionen auf der Bank bereitstünden. Seit Wochen ist das Team in alte Muster (dumpfes Anrennen mit Einzelaktionen) verfallen, aber immerhin gewinnt man manche Spiele noch knapp. Unbefriedigend ist die Entwicklung schon. Unterm Strich reicht das bisher nicht für eine Trainerdebatte, auch wenn die letzten Auftritte nachdenklich machen. Sollte das Team im April aber weiter so schwach performen und auch beim Final 4 mut- und herzlos spielen, dann ist schon angebracht dem Kommentar von Björn Mahr ein bisschen mehr auf den Grund zu gehen. Hoffen wir das Beste!

    Die HNA berichtet, dass weitere Spieler in 2025 an einem Wechsel interessiert sind, sollte die MT mit Trainer Parrondo verlängern. Aus den in der Vergangenheit gemachten Erfahrungen befürchte ich, dass nun mit Parrondo verlängert wird mit der Begründung, dass die MT erst am Anfang des Neuaufbaus steht und man Kontinuität benötigt. Mir würde die Kontinuität bei den Spielern völlig ausreichen....

    Hast du einen Link dafür? Ich konnte auf der HNA-Webseite nichts finden.

    Ich sehe einen potentiellen Abgang von Jónsson als ziemlich gravierend an. Einen ebenso kompletten Spieler auf dem Niveau wird man kaum finden können. Irgendwie beschleicht mich das Gefühl, dass die Anfangseuphorie der Saison nun vollständig wieder dem alten Muster gewichen ist.

    Als MT-Fan würde man dem SCM nur beglückwünschen können, falls da etwas dran ist. Jónsson ist ein kompletter Spieler: Robust, abwehrstark, spielt auf RM und RL mit viel Spielintelligenz und kann es sowohl mit Wucht als auch mit Technik. Für die MT ginge da aus meiner Sicht der wichtigste Spieler. Wäre so kaum zu ersetzen.

    So, mit einem Tag Abstand möchte ich mal kurz etwas zum Spiel in Hamburg schreiben. Es hat vor dem Hintergrund quasi aller Leistungen im Jahr 2024 aber etwas so Sinnbildliches, dass es eher hier in den MT-Thread gehört als nur in den Spieltagsthread.

    Ich war vor Ort und bin immer noch geschockt. Warum? Weil die MT gegen eine qualitativ schwächer besetzte Mannschaft den Kampf merklich nie angenommen hatte. Zu keinem Zeitpunkt gab es da einen Ruck oder erkennbar die Einstellung, die man im Profisport als gegeben ansehen sollte.

    Die Außen verpulvern schon zu Beginn reihenweise beste Chancen, sodass man seit Beginn einem Rückstand hinterherläuft. Da frage ich mich: Wie oft sieht man so schwache Quoten von Außen bei den Topvereinen? Wie oft werfen ein Lindberg oder ein Ekberg drei Hundertprozentige in den Sand? Hier fehlt es qualitativ, auch wenn ich den Jugendkurs der MT (mit Ignatow und Drosten) ja durchaus sympathisch finde. Kastening ist seit Monaten (!) im Leistungstief, Mandic ist im Angriff und vom Wurfrepertoire schlicht kein Topspieler. Das ist nicht böse gemeint und relativiert seine sehr gute Abwehr nicht, aber mittlerweile darf das gesagt werden.

    Im weiteren Spielverlauf sieht man dann, wie beschränkt die Variabilität des Kaders ist bzw. wie beschränkt sie der Trainer eben nur zu nutzen weiß. Hier wurde bereits genug im anderen Thread geschrieben:

    - Warum lässt man Aho auf Außen versauern und zieht Martinovic dafür auf RM? Kristopans, der ständig am Pumpen ist und sowieso kaum noch glaubhaft aufs Tor wirft, spielt dagegen gefühlt auf RR durch. Mit wenig Durchschlagskraft natürlich.

    - Das Rückraumspiel ist ohne Balenciaga ohne sinnvolle Auslösehandlungen völlig auf Einzelaktionen angewiesen. Sinnbildlich, dass ohne ihn auch Jönsson nur schwer ins Rollen kam.

    - Die Kreisläufer und die Torhüter trifft keine große Schuld an der Niederlage. Sie wurden von einer leidenschaftslosen Mannschaft wenig unterstützt. Das sei hier der Vollständigkeit noch gesagt. Arnasson war sogar ein aktiv belebender Farbpunkt inmitten eines grauen Nachmittags.

    - Parrondos "taktische Kniffe" wirken von außen manchmal völlig planlos: Bei einem 7:6 im HZ 2 sieht man förmlich, wie der Kader dafür nicht ausgelegt ist. Durchgezogen wird es trotzdem. Mit überschaubarem Erfolg, versteht sich.

    Ich könnte hier noch mehr Punkte vermerken, die einem auch ohne tiefergehenden Sachverstand sofort aufgefallen wären. Als MT-Fan im Trikot wurde ich hinter und vor mir auch öfters (tatsächlich ohne boshafte Absicht) darauf angesprochen, dass man die Qualität der MT-Spieler ja sieht, eine Einheit aber scheinbar nicht existiert.

    Ich weiß nicht, warum die Aussicht aufs Final 4 und die Chance aufs internationale Geschäft scheinbar nicht genug sind, damit man sich wieder besinnt. Aber nach mittlerweile wochenlang schwerster Kost wäre es mal angebracht die Anhängerschaft zumindest mit Spielen zu belohnen, in denen man Herz zeigt. Ob es dann am Ende reicht, steht auf einem anderen Blatt. Ich finds ernüchternd sagen zu müssen, dass es mir bei meinem Ticket gestern schade ums Geld ist. Naja, immerhin habe ich eine Mannschaft gesehen, die in Normalform performt hat.

    Jetzt fühl ich mich bemüßigt auch kurz meinen Senf dazuzugeben. Kiel hat die CL-Gruppe mit Teams wie PSG, Aalborg, Kielce usw. souverän als Erster abgeschlossen. An Platz 1! Nur weil man in der HBL einmal den Kürzeren in einer unheimlich starken Spitzengruppe zieht, ist ein Abgesang auf den THW absolut voreilig. Berlin, Magdeburg und Flensburg gehören (egal, ob European League oder nicht) zu den internationalen Topadressen. Das ist keine Laufkundschaft, mit der man sich hier misst. Seien wir doch froh, dass der Meisterschaftskampf im Unterschied zu anderen europäischen Ligen nicht von Vornherein schon entschieden ist.

    In jedem Fall setzt das die MT unter Druck. So wie es von außen herüberkommt, hat er den Kader nun fast komplett umbauen können. Ob seinen Wünschen auf jeder Position entsprochen wurde, weiß man natürlich nicht. Im Endeffekt wird ihm schon auch bewusst sein, dass eine CL-Teilnahme mit der MT zumindest mittelfristig unrealistisch ist. Der Abstand zu den Top 4 ist immer noch groß. Das bedeutet auch, dass man nicht immer alle "Premiumlösungen" auf dem Markt bekommen kann. Nicht zuletzt bietet Katar sicher eine Menge Gehalt. Schlechte Neuigkeiten für den Club.

    Lassen wir uns doch überraschen, wohin es Julius Kühn verschlägt. Er hat für die MT über Jahre viel geleistet, es ist ihm alles Gute zu wünschen. Genug Geld sollte er verdient haben, sodass der nächste Schritt mit seinen finanziellen Einbußen bestimmt auch verkraftbar ist. So ist das im Profisport nunmal.

    Aus meiner Sicht ist Kühns Problem vor allem, dass sich der Handball in den letzten Jahren ein wenig geändert hat. Die klassischen Shooter, die vor allem über die Würfe aus 9-10m kommen, sind für die Spielweise heute oft zu eindimensional. Guckt man sich viele moderne Halbe an (sowohl RL als auch RR), ist mittlerweile mehr Spielintelligenz und das Erkennen von Lücken beim Durchstoßen gefragt als nur die schiere Wucht. Insofern liegt es an ihm, ob er dahingehend noch dazulernen kann.