So, mit einem Tag Abstand möchte ich mal kurz etwas zum Spiel in Hamburg schreiben. Es hat vor dem Hintergrund quasi aller Leistungen im Jahr 2024 aber etwas so Sinnbildliches, dass es eher hier in den MT-Thread gehört als nur in den Spieltagsthread.
Ich war vor Ort und bin immer noch geschockt. Warum? Weil die MT gegen eine qualitativ schwächer besetzte Mannschaft den Kampf merklich nie angenommen hatte. Zu keinem Zeitpunkt gab es da einen Ruck oder erkennbar die Einstellung, die man im Profisport als gegeben ansehen sollte.
Die Außen verpulvern schon zu Beginn reihenweise beste Chancen, sodass man seit Beginn einem Rückstand hinterherläuft. Da frage ich mich: Wie oft sieht man so schwache Quoten von Außen bei den Topvereinen? Wie oft werfen ein Lindberg oder ein Ekberg drei Hundertprozentige in den Sand? Hier fehlt es qualitativ, auch wenn ich den Jugendkurs der MT (mit Ignatow und Drosten) ja durchaus sympathisch finde. Kastening ist seit Monaten (!) im Leistungstief, Mandic ist im Angriff und vom Wurfrepertoire schlicht kein Topspieler. Das ist nicht böse gemeint und relativiert seine sehr gute Abwehr nicht, aber mittlerweile darf das gesagt werden.
Im weiteren Spielverlauf sieht man dann, wie beschränkt die Variabilität des Kaders ist bzw. wie beschränkt sie der Trainer eben nur zu nutzen weiß. Hier wurde bereits genug im anderen Thread geschrieben:
- Warum lässt man Aho auf Außen versauern und zieht Martinovic dafür auf RM? Kristopans, der ständig am Pumpen ist und sowieso kaum noch glaubhaft aufs Tor wirft, spielt dagegen gefühlt auf RR durch. Mit wenig Durchschlagskraft natürlich.
- Das Rückraumspiel ist ohne Balenciaga ohne sinnvolle Auslösehandlungen völlig auf Einzelaktionen angewiesen. Sinnbildlich, dass ohne ihn auch Jönsson nur schwer ins Rollen kam.
- Die Kreisläufer und die Torhüter trifft keine große Schuld an der Niederlage. Sie wurden von einer leidenschaftslosen Mannschaft wenig unterstützt. Das sei hier der Vollständigkeit noch gesagt. Arnasson war sogar ein aktiv belebender Farbpunkt inmitten eines grauen Nachmittags.
- Parrondos "taktische Kniffe" wirken von außen manchmal völlig planlos: Bei einem 7:6 im HZ 2 sieht man förmlich, wie der Kader dafür nicht ausgelegt ist. Durchgezogen wird es trotzdem. Mit überschaubarem Erfolg, versteht sich.
Ich könnte hier noch mehr Punkte vermerken, die einem auch ohne tiefergehenden Sachverstand sofort aufgefallen wären. Als MT-Fan im Trikot wurde ich hinter und vor mir auch öfters (tatsächlich ohne boshafte Absicht) darauf angesprochen, dass man die Qualität der MT-Spieler ja sieht, eine Einheit aber scheinbar nicht existiert.
Ich weiß nicht, warum die Aussicht aufs Final 4 und die Chance aufs internationale Geschäft scheinbar nicht genug sind, damit man sich wieder besinnt. Aber nach mittlerweile wochenlang schwerster Kost wäre es mal angebracht die Anhängerschaft zumindest mit Spielen zu belohnen, in denen man Herz zeigt. Ob es dann am Ende reicht, steht auf einem anderen Blatt. Ich finds ernüchternd sagen zu müssen, dass es mir bei meinem Ticket gestern schade ums Geld ist. Naja, immerhin habe ich eine Mannschaft gesehen, die in Normalform performt hat.