Ich würde sagen, dass sich gerade zwei Krisen parallel entwickeln.
Zum einen die direkte finanzielle Schieflage der HSG. Zum anderen die von der BILD gepushte Lizenzierungsgeschichte, die sowohl die Verantwortlichen der HSG als auch die HBL ziemlich schlecht aussehen lässt.
Daher bin ich wirklich gespannt, was heute bei dem Termin rauskommt und ob die Öffentlichkeit überhaupt direkt etwas erfährt. Auch der HBL dürfte viel daran liegen, das Ganze irgendwie noch geschaukelt zu bekommen. Wenn der Laden wenige Wochen nach der Lizenzvergabe quasi abgeschlossen wird, stellt sich schon die Frage, wie die Lizenz ohne Auflagen bzw. überhaupt erteilt werden konnte. Fantasiezahlen der HSG hin oder her, alleine die Entwicklung des nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrags ist ja öffentlich einsehbar. Das allein beweist zwar keine Zahlungsunfähigkeit, hätte aber vielleicht Anlass sein können, die Planung seitens der HBL etwas kritischer zu hinterfragen.
Für die Zukunft der HSG sehe ich theoretisch vier Szenarien:
(1) Man findet unterm Euregium Öl, aka jemand öffnet kurzfristig die Geldschatulle.
-> Die Liquiditätslücke wird geschlossen und es geht irgendwie weiter, wahrscheinlich mit Sparmaßnahmen und HBL-Auflagen.
(2) Man meldet Insolvenz an, das Verfahren wird eröffnet und bis zum 10. April 2027 erfolgreich abgeschlossen.
-> Acht Punkte Abzug, aber eine Lizenz für die 2. HBL 2027/28 wäre bei Klassenerhalt grundsätzlich weiterhin möglich.
(3) Man meldet Insolvenz an, kann die Saison weiterspielen, schafft den Abschluss des Insolvenzverfahrens aber nicht bis zum 10. April 2027.
-> Zwangsabstieg, danach könnte man beim DHB die Lizenz für die 3. Liga beantragen.
(4) Die Lizenz wird entzogen oder selbst im Insolvenzverfahren kann der Spielbetrieb nicht mehr finanziert werden.
-> Ende des Profihandballs in Nordhorn und Lingen. Dieses Mal wahrscheinlich wirklich final, weil wer würde sich das Projekt danach nochmal antun?
Variante 1-3 sind mMn nur realistisch, wenn jemand bereit ist, die HSG als Herzensprojekt zu retten. Also rein aus emotionaler Verbundenheit. Ob das dann die besagte Gruppe aus neuer Führungsetage plus potenziellen Sponsoren (falls es diese Gruppe wirklich gibt, hab ich persönlich nichts von mitbekommen) oder der Geldgeber aus Lingen, der den Spielbetrieb dann augenscheinlich komplett ins Emsland verlagern will, oder jemand ganz anderes ist, keine Ahnung. Dafür braucht man aber nicht nur das nötige Geld. Man muss auch bereit sein, sehr schnell und unbürokratisch zu handeln. Und vor allem müssten Jonker und Terwedow mitspielen.
Jonker könnte der e.V. mittlerweile wohl selbst als Geschäftsführer abberufen. Um die Gesellschafterstruktur komplett neu zu ordnen und den potentiellen Rettern auch Kontrolle durch den Erwerb von (den ruhenden) Gesellschaftsanteilen zu ermöglichen, bräuchte man meines Verständnis nachs eine 75% Mehrheit und damit die Zustimmung von SMG/Terwedow.
Da stellt sich dann die Frage, ob die handelnden Personen bereit sind, die eigenen Fehler einzugestehen und unkompliziert das Feld zu räumen? Oder sind die Egos am Ende so groß, dass man den Laden lieber gegen die Wand fahren lässt, als Kontrolle abzugeben bzw. das eigene Versagen einzugestehen? Alles natürlich unter der Vorrausetzung, dass es überhaupt jemanden gibt der bereit wäre die HSG zu retten.
Daher rate ich jedem der es mit der HSG hält sich klar auf Variante 4 und das Ende des Handballsports in der Grafschaft und im Emsland einzustellen.