Freundschaft!
Wenn man sich die erfolgreicheren Mannschaften der jüngsten Vergangenheit ansieht, dann spielen die oft gar nicht so facettenreich. Gab jetzt beim SCM nach dem Pokal bzw. der schwächeren Phase drumherum auch die Diskussion, dass es nur Plan A gibt. Bei Berlin ist es ähnlich. Beim CL-Finale z.B. konnte man schon so nach 10 Minuten sehen, dass die Berliner Spieler sehr unruhig wurden, weil ihnen der Plan A mit dem direkten Tempo aus der Mitte weggenommen wurde. Da hat man eine gewisse Ratlosigkeit gespürt. Trotz oft fehlenden Plan B, ist die konsequente Ausrichtung auf Plan A aber erfolgreicher gewesen als beim THW, wo man das für mich eher eine Mischung aus vielen Ideen ist.
Wen man (zu) viele Ideen hat, hat man letztlich keine Idee - so könnte man sagen. Als Szilagyi vor der Saison ganz stolz gesagt hat, dass man mit Laube nun einen anderen Kreisläufertypen hätte, als die, die man schon hat, und deshalb einen Vorteil gegen die Konkurrenz hätte, da habe ich mich schon gefragt ob er sich da so sicher sei. Ich bin übrigens überzeugt, dass er sich da sehr sicher ist. Aber ich sehe es anders. Die Gegner spielen im Laufe der Saison sowieso gegen die unterschiedlichsten Settings. Eine Abwehr ist es also gewohnt, sich anzupassen. Man selbst hat aber mit zwei unterschiedlichen Spielertypen im Angriff aber nur jeweils halb so viel Zeit, die Automatismen zu trainieren. Ich bin relativ stark davon überzeugt, dass der eigene Nachteil für den Angriff dabei größer ist als der Vorteil gegenüber der gegnerischen Abwehr. Für mich ein exemplarisches Beispiel, dass es beim THW u.a. auch die analytischen Fähigkeiten hinter manch anderem Klub hinterher hinken.
Im übrigen kommt das beim SCM so alle 30 bis 50 Spiel vor, dass der fehlende Plan B moniert wird. Man fährt im Prinzip super mit dem starken Fokus auf die eigenen Spielidee. Es gibt aber sehr selten das ein oder andere Spiel, wo die Spielidee einfach nicht umgesetzt wird bzw. werden kann, in denen es schon sinnvoll wäre, mal etwas umzustellen. Aber welches diese Spiele sind, erkennt Wiegert nicht. Man kann es verschmerzen, wenn man die anderen Spiele alle gewinnt.
In Magdeburg gibt es nicht umsonst eine Zeit vor Saugstrup, wo Wiegert auch schon fast fünf Jahre im Amt war und eine Zeit mit ihm. Ohne die Arbeit am Kreis war das Durchbruchspiel "damals" noch nicht so effektiv, wie es dann mit entsprechender Kreisläufer-Arbeit ist. Dabei sind weder Saugstrup, noch Bergendahl, offensiv vom Wurf her ein großer Faktor. Man kann oder wird sicher versuchen bestimmte Erweiterungen zu machen und vlt. ist das auch ein Gedanke zu Briet beim SCM.
Ich fand z.B. immer sehr aufschlussreich wie der isländische Rückraum in der Nationalmannschaft aussieht im Gegensatz zum SCM. Da hat man schon gesehen, wie essentiell der Kreis für eine hohe Effektivität der Spielweise ist.
Hier stand kürzlich, dass Laube einen besseren HPI hätte als Saugstrup. Nur ist es so, dass die Arbeit des Kreisläufers zu 80 Prozent aus der für den Rückraum besteht und etwa nur zu 20 Prozent für den eigenen Torwurf. Und diese Arbeit wird im HPI natürlich gar nicht berücksichtigt. Wie auch? Es gibt keine Statistik dazu. Wahrscheinlich ist Saugstrup der beste Handballer der Welt. Es wird nur nicht so wahrgenommen. Es gucken halt mehr Leute auf Messi als auf Iniesta.
Bezogen auf den THW sehe ich aktuell nicht die Chance auf Wurfquoten von über 70% zu kommen, wie sie aktuell offensive Spitzenteams haben. Auch mit dem neuen Kader. Der Bestwert in jüngster Vergangenheit waren die 66,5% aus der Saison 20/21. Zu der Zeit war der Ligabestwert vom SCM aber auch nur 67,9%.
Auch als zu Saisonbeginn Skipagøtu noch sehr viel präsent war, hatte er weder er persönlich noch Kiel als Mannschaft über Strecke eine solche Effektivität. In beiden Fällen waren es selten über 65%. Dafür braucht es aus meiner Sicht eine klare Kaderausrichtung auf eine Spielidee, welche auch immer das sein soll. Wenn man auf Durchbrüche setzen will, dann muss man konsequent Kreisläufer dafür holen, die auch nicht unbedingt herausragende Offensivspieler sein müssen.
Sehe ich auch so.
Dazu kommt eine hohes Maß an taktischer Disziplin. Mir brechen bei Kiel zu oft Spieler in unüberlegte Einzelaktionen aus, die oft auch gar nicht nötig gewesen wären. Ich muss sagen, ich liebe diese Trainer, die mit einem Tor unzufrieden sind, wenn es nicht so erzielt wurde, wie es der Plan vorsieht, weil sie wissen, dass es jetzt mal gut gegangen ist, aber eigentlich die Wurfposition nicht so war, dass das öfters gut gehen wird. Um da gleich gegenzusteuern wird selbst nach einem Tor nochmal erklärt, warum, wieso, weshalb nicht die Aktion war, die man eigentlich will.
Auch Ankermann nimmt gerne den Platz gegen die Hand, wo er sich mit seiner Dynamik gut durchsetzen kann, aber kommt so in nicht so aussichtsreiche Wurfsituationen. Das sind dann die gefährlichen Tendenzen. Ja, er setzt sich natürlich gut durch, aber will man das als Team, dass man sich an der Stelle da so durchsetzen kann? Ist das wirklich die Wurfsituation, auf die man spielen will? Kann man so die Effektivität wirklich nach oben bringen? Nicht immer ist, das was (einfach) möglich ist, dass was man anstreben sollte.
Das ist eine interessante Beobachtung.