Eric war doch auch ständig angeschlagen. Außerdem musste er immer werfen, wenn Dule und Reinkind mit ihm den Rückraum gebildet haben, weil die konsequent verweigert haben. Jicha hat das diverse Male zugelassen, sodass er sich oftmals über 10 Würfe genommen hat bzw. nehmen musste, dabei aber nur zu 2 bis 3 Treffern kam.
Johansson hat den Punkt, wo er werfen will, schon lange hinter sich. Er will passen und das wissen mittlerweile auch alle. Er steigt hoch, mehr oder weniger mit einem Schritt und hofft, dass jemand darauf beißt, dass er werfen will. Wenn ja, gibt es potentiell Platz für einen Pass. Beim EL-Final 4 war das sehr heftig, wie ihn die Abwehr von Montpellier und Melsungen dominiert hat. Die sind meist nicht einfach nur defensiv geblieben, sondern haben angetäuscht, dass sie raustreten und sind gleich wieder zurückgegangen. Das hat ihn völlig verunsichert und er hat dann in der Regel fast schon hilflos aus dem reinem Armzug geworfen mit den entsprechenden Quoten.
In der Abwehr verweigert er in der Regel komplett. Im Alles oder Nichts Spiel gegen Melsungen hat er in den Momenten, wo er auf halb verteidigen musste, Krištopāns einfach durchlaufen lassen. Der war fast erschrocken, weil Landin wirklich alles, was er an Kraft hatte, eingesetzt hat, um ihn zu halten und er nun quasi ohne Körperkontakt einfach durchgehen konnte. Da musste er erstmal das Timing finden. Hier muss Johansson zwingend einen anderen Zugang finden. Da kann er keine Dika-Mem-Alibi-Verteidigung machen. Man kann nur hoffen, dass es körperliche Gründe gab, weshalb er Kontakt mehr oder weniger aus dem Weg gegangen ist und er hier mit voller Energie auch defensiv sich reinwerfen kann, um wieder ein kompletter Spieler zu sein.
Grundsätzlich haben die Halb-Positionen mit Makuc natürlich sehr große Chancen in eine viel bessere Lage zu kommen. Wenn es Makuc gelingt ähnlich wie in Barcelona die Halben zu holen, sodass die in eine Position kommen, wo sie eine klare Wurfchance haben und nicht ohne Vorbereitung am Mann hochsteigen, dann ist da viel möglich. Auch gerade mit Johansson, wenn er dann wirklich auch mit Überzeugung in den Wurf geht. Sollte die Abwehr dann wirklich auf ihn raustreten, dann hat er so eine exzellente Übersicht, dass er gerade den Kreis sehr gut bedienen kann. Aber dazu muss man natürlich seinen Wurf respektieren.
Die Halben bei Barcelona haben das vorgemacht, was mit Makuc möglich ist. Nur nur, dass sie in gute Wurfgelegenheiten kommen, sie haben auch in der Regel die meisten Vorlagen, weil sie sehr spielintelligent agiert haben mit einer guter Mischung aus Wurf und Pass, wenn die Abwehr raustritt. Dazu kann Makuc das super lesen, wenn die Abwehr zu sehr auf das Holen der Halben geht und er dann selber gehen kann.
Nicht nur, weil er aus Barcelona kam, aber aus meiner Sicht würde es Sinn machen, dass sie Kiel eher an Barcelona orientiert als am SCM, d.h. klassisches Spiel als Durchbruch. Man hat zum einen Halbe, die aus dem Holen werfen können. Wenn er halbwegs fit ist, auch Reinkind. Wenn man von ihm nicht verlangt, dass er sich im 1:1 gegen die Abwehr durchsetz oder irgendwie drüber wirft, dann kann sein Wurf weiter eine Waffe sein, wenn er aus der Bewegung abdrücken kann. Zum anderen auch, weil man Kreisläufer hat, die es gewohnt sind, sich in anspielbare Positionen zu laufen, wie Frade in Barcelona.
Setzt man auf Durchbruch, dass ist die Aufgabe vom Kreis primär das Stellen von Sperren. Außer Stuttgart mit ihren vier Rückraumspielern hat letzte Saison kein Team weniger Tore vom Kreis gemacht als der SCM. Das war auch die Vorjahre so, dass es meist so Platz 15 in der Liga war. Letzte Saison war die Quote nicht beste, da war es nur Platz 17, mit normaler Quote wäre es Platz 16. Und das liegt nun nicht daran, dass Saugstrup und Bergendahl schlechte Spieler sind. Kiel hat mit Pekeler und Laube aktuell zwei Kreisläufer, die es gewohnt sind, angespielt zu werden und sich in Position zu bringen und nächste Saison mit Fischer einen weiteren Kreisläufer in diese Richtung. Will man auf Durchbruch gehen, dann ist vielmehr der Kreis die entscheidende Position, noch mehr als die 1:1 Fähigkeit der Rückraumspieler.
Schon letzte Saison hat man beim THW gesehen, dass es das 7:6 braucht, um Lücken für Durchbrüche zu stellen. Erst durch den zweiten Kreisläufer hatte Skipagøtu Platz. Ohne den hatte er extrem viele Auffahrunfälle und wie vermutlich 95% aller Spieler scheint er körperlich nicht in der Lage diese Belastung auszuhalten. Insofern weiß ich gar nicht, ob das so gut ist, wenn Kiel auf Durchbruch spielen will. Da bin wirklich mal gespannt, wie das praktisch funktioniert. Beim SCM gibt es nicht umsonst eine Zeit vor und mit Saugstrup. Ohne die Verpflichtung von Saugstrup kommt Magdeburg vlt. nie da nach ganz oben mit dem Durchbruch-Spiel.