Natürlich waren in der Phase ab 2015 auch viele schlechte Entscheidungen dabei, aber am Ende war es der Kader, den Gislason übergeben hat, der die Titel eingefahren hat. Das wurde unter neuer Führung wieder heruntergewirtschaftet mit stellenweise leider eklatantem Managementversagen und scheinbar auch wenig Sebstreflexion und fehlender Analyse der eigenen Fehler.
Die zentralen Spielern des Kaders, der übergeben wurde, wurden auch nicht maßgeblich von Storm als Vorgänger Szilágyi aufgebaut wurde, sondern bereits davor. Schon unter Storm wurde vergeblich versucht die nächste Generation aufzubauen. Als Jicha Chef wurde, waren Landin, Wiencek, Ekberg, Duvnjak und Weinhold bereits 30 und älter. Das war von den meisten Leistungsträgern überhaupt keine Mannschaft mit großer Zukunft. Dass man diesen Kern überhaupt noch weitere fünf Jahre so ausgepresst hat, war auch kein Selbstläufer, denn da hatten einige vor Jicha schon größere körperliche Baustellen.
Schon Storm und Gíslason sind daran gescheitert, als es galt jüngere Spieler, die noch einige Entwicklungsschritte gehen müssen, zu Leistungsträgern zu entwickeln. Entweder weil man das Potential falsch eingeschätzt hat oder weil es von der Trainingsarbeit nicht gepasst hat. Man hat jetzt zwei Mal in Folge beim THW dasselbe erlebt, nämlich den Versuch eines Kaderumbruchs mit jüngeren Spielern, der überhaupt nicht aufgegangen ist.
Gíslason in seiner letzten Saison und danach Szilágyi und Jicha hatten halt das Glück, dass sie auf ältere Spieler am Ende ihrer Karrieren bauen konnte, die in ihrer Prime zu den Weltbesten gehört haben und in Summe noch gut genug waren, dass über die Nutzung der Kaderbreite noch einiges rausgeholt wurde. Der kontinuierliche Abbau der Kaderqualität hat für mich aber bereits vor Szilágyi/Jicha begonnen und sie haben diesen nahtlos weitergeführt. Als Gíslason die Spieler, auf die auch Jicha dann bauen konnte, nicht zur Verfügung standen, hatte er auch keinen Erfolg und Kiel rutschte nach zwei dritten Plätzen bis auf Platz 5 ab.
Parallel dazu haben andere Mannschaften Spielweisen entwickelt, durch die sie mit Spielern, die exakt dafür verpflichtet wurden, auf ein Level gekommen sind, wo man mit der Individualspielweise vom THW nur mithalten könnte, wenn man den individuell (deutlich) besten Kader hätte. Dazu bräuchte man vermutlich finanzielle Mittel, die nicht nur über denen von anderen in der HBL liegen, sondern auch gegenüber anderen europäischen Mannschaften, die gerne mal mit guter Bezahlung bei weniger Belastung punkten können.
Insgesamt muss man sagen, dass der THW bereits seit über 10 Jahren, über verschiedene Personalien in der sportlichen Leitung hinweg, Probleme hat, konstant Spieler auf aller höchstem Niveau entweder zu verpflichten oder zu entwickeln. Da waren nur sehr punktuelle Treffer dabei und wenn man ehrlich ist, dann war es z.B. nicht unbedingt ein großer Verdienst einen Spieler wie Pekeler zu bekommen, der unbedingt wieder nach Kiel wollte. Ab dem Moment, wo man in Kiel in der sportlichen Führung hätte mehr leisten müssen als der Wettbewerb, um langfristig erfolgreichen zu sein, konnte man das nicht und hatte Glück, dass noch genügend Substanz aus anderen Zeiten da war.
Sollte man sich personell verändern in der sportlichen Führung, wogegen es nicht wirklich Gründe gibt, dann sollte man schauen, dass man nicht einfach mit den nächsten Verantwortlichen weitermacht, sondern sich strukturell überlegt, wie man sich überhaupt aufstellen will und welche Rahmenbedingungen man etabliert, die eine klare interne Bewertung der sportlichen Leitung zur Folge hat, die nicht lautet: Sie sind doch total engagiert, leben für den Verein und sind deshalb die richtigen.