Was mir auch aufgefallen ist, dass der THW im Tempospiel über das gesamte Spiel bezogen, auch relativ mau aussieht. Bei Spielbeginn ging diese Saison zu Spielbeginn (bis zu den ca. Ersten 15 Min) die Post ab, war dann auch oft (gut) vorne, dann aber ging das verloren und Gegner kamen näher ran. Habe ich da die falschen Spiele gesehen oder teilen das auch die "Allesschauer"? Auch das passt schlicht nicht zu einer Spitzenmannschaft, könnte die fehlende Breite im Kader sein?!
Wenn Tempo ein Ziel wäre, sehe ich beim THW auch ein gewisses Mentalitätsproblem bzw. man könnte es auch Old School Verhalten nennen. Wenn man z.B. ausgespielt wird, was logischerweise allen immer wieder passiert, dann sind viele Spieler noch eine Weile mit der Abwehraktion beschäftigt. Manche gucken sich um, nach dem Motto: Wer hat denn da nicht aufgepasst? Andere hadern, entweder mit sich oder mit anderen aus der Mannschaft oder sind mit der Gesamtsituation unzufrieden. Eigentlich müsste man sofort im Kopf umschalten auf die nächste Aktion. Hier wurde auch schon mal Wolff erwähnt, dass er so langsam den Ball aus dem Tor holt. Das sieht man bei einigen Spielern, dass sie auch bei eigenen Toren immer bisschen länger brauchen, bis sie zur nächsten Aktion im Kopf bereit sind. Da laufen viele oft gedankenverloren zurück und rechnen gar nicht damit, dass das Spiel schon Vollgas weiter geht. Ich habe keine Ahnung von Training, aber vermutlich ist das eine Sache, die man durch extensives Training als Automatismus reinbringen müsste?
Die Frage ist natürlich immer, wo man vom Spielstil her hin will. Wenn man sich z.B. Magdeburg ansieht, dann haben die vor drei Jahren angefangen Tempo herauszunehmen. Von den Spitzenteams wirft niemand so wenig aufs Tor wie der SCM. Inklusive 7m. Gerade die bringen für den Rest der Mannschaft auch immer eine Pause. Bei einer kleinen Rotation, die Wiegert bevorzugt, macht das auch Sinn. Dieses Jahr ist der SCM auf Platz 8 bei der Anzahl der Würfe, letzte Saison war es Platz 10. Aber eben verbunden mit einer hohem Effizienz. Ohne zu viel beim SCM drin zu sein, würde ich vermuten, dass man sich dort vor einiger Zeit Gedanken gemacht hat, wie man den Erfolg langfristig konservieren kann und ist dann zum Schluss gekommen, dass das mit Dauertempo schwieriger ist.
Da kommt oft in Ruhe Kristjánsson von der Bank als primärer Ballhandler, dann wird erstmal aufgebaut und dann geht es los. Berlin hingegen lässt Gidsel als zentralen Umschaltspieler Abwehr spielen, oft mit der Mission diese bewusst offensiv zu interpretieren, um sofort für den Gegenangriff bereit zu sein. Das sind eben ganz verschiedene Konzepte und Philosophien, die funktionieren können. Die Franzosen haben die EM vor zwei Jahren auch mit einem Rückraumspiel gewonnen, aber das sind natürlich auch Athleten. Sagosen am Anfang seiner Zeit beim THW, als er athletisch noch richtig gut drauf war, konnte es auch sehr gut, sich einen offenen Wurf durch Timing und Athletik zu erspringen.
Für mich war die größte Schwäche beim THW in den letzten Jahren das defensive Umschalten. Das fiel in der CL schon eher auf als in der HBL, wo gerade Teams wie Berlin oder Flensburg, die sofort Tempo machen, gegen Kiel häufig leichteres Spiel und eine höhere Wurfquote als ihr Saisonschnitt hatten. Zumindest Flensburg hatte man dieses Jahr besser im Griff, vlt. gelingt gegen Berlin in der Liga noch was. Der SCM hat das die letzten Jahren eigentlich so gut wie nie angegriffen, weil sie anders spielen, was wiederum gut für den THW war. So hatte Kiel immer Zeit, in die Verteidigung zu kommen und sich zu finden. Wenn dann noch richtig Feuer drin ist, dann geht gegen jeden was. Hier kommt dem THW wiederum zu Gute, dass Wiegert konsequent an Plan A festhält, egal wie es läuft. Auch wenn man dadurch seit einiger Zeit gegen Kiel nicht gewonnen hat.