Beiträge von brodie79

    Den jetzigen Kader hat die aktuelle sportliche Führung maßgeblich zusammengestellt.
    Reinkind, Dahmke, Pekeler und Dule wurden noch übernommen und auch da geht es überwiegend dem Ende entgegen. Alle anderen Spieler wurden unter Szilagyi/Jicha verpflichtet.
    Das Problem liegt also ziemlich genau dort verortet, wenngleich man darüber hinaus man natürlich auch Strukturen im AR etc. hinterfragen kann.

    Die Verpflichtung von Reinkind wurde vier Monate nach dem Amtsantritt von Szilágyi zumindest veröffentlicht. Pekeler, der auch 2018 von den RNL gekommen ist, schon davor. Zumindest optisch sieht es so aus, dass Reinkind nicht übernommen wurde, sondern schon eine Verpflichtung von Szilágyi ist.

    Am Ende wurde Szilágyi doch auch nur installiert, weil sein Vorgänger genauso wenig Treffer gelandet hat. Da wurde auf Linksaußen halt auch Raul Santos oder Emil Frend Öfors geholt und Christian Dissinger quasi ein Fünf-Jahres-Vertrag gegeben, der einen ähnlich geringen sportlichen Gegenwert hatte, wie der von Wallinius. Die Hoffnung, dass Nilsson und Bilyk mal in Bereiche von Jicha, Karabatic & Co. kommen hat sich auch nie erfüllt. Ansonsten holte man neben Weinhold und Vujin, die auch schon 30 und älter waren, auch den 35-jährigen Zeitz zurück mit einem Zweijahresvertrag, der dann auch noch für gut "Spaß" in den Folgejahren sorgte.

    Das Problem für den THW heute ist also nicht nur Szilágyi/Jicha, sondern, dass auch schon vom Duo Storm/Gislason so gut wie keine Treffer dabei waren in der Kaderplanung und man so von Spielern lebte, die 2014 (Duvnjak, Weinhold) und 2012 (Wiencek, Ekberg) geholt worden, als Storm noch bei den RNL war. Insofern muss man sich doch beim THW schon fragen, warum zwei Managements so häufig daneben lagen und was man vlt. grundsätzlich anders machen sollte.

    Zum Thema Kristjánsson und der THW: Das war doch auch schon arg grenzwertig, was Gíslason gerade ganz am Anfang mit ihm gemacht hat in Kiel. Wenn er mal spielen durfte, wechselte er ihn paar Minuten vorm Ende ein, gerne auch wenn sonst nicht viel ging. Kristjánsson rannte dann wie eine One-Man-Wrecking-Crew auf die Abwehr los, ohne jede Vorbereitung für ein Durchbruchspiel und prallte Versuch für Versuch logischerweise ab. Man konnte sehen, dass ihm die Mittel und Erfahrung damals fehlten, aber er seine Chance eben auch unbedingt nutzen wollte. Ich kann mich noch erinnern, dass ich dem überhaupt nichts abgewinnen konnte und man froh sein konnte, wenn er sich nicht verletzt hatte.

    Mannschaftssport funktioniert doch nicht so, dass man Individualleistungen addieren und subtrahieren kann. Wenn man eine KI fragt, was passiert, wenn man bei Magdeburg Saugstrup rausnimmt, dann wird sie vermutlich seine bekannten Statistiken rausrechnen und zum Ergebnis kommen, dass das gar nicht so viel passiert. Was die KI aber nicht weiß, ist, wie abhängig z.B. die Statistiken der Durchbruch-Spieler von der Arbeit von Saugstrup sind. Wie soll man das fakturieren?

    Ich bin ja nun primär im Basketball zuhause. Da gibt es immer wieder Teams, die glauben, wenn sie Spieler A und Spieler B ins Team holen, dann bekommen sie eine Addition deren Werte. Problem ist aber, dass beides Spieler sind, die den Ball den Großteil des Spiels in der Hand brauchen, um ihr Spiel zu spielen. Gibt aber nur einen. Also muss einer der Spieler auch so funktionieren, wenn er den Ball nicht ständig hat. Und das klappt selten. Und dann gucken sich alle hinterher an, weil sie nicht verstanden haben, was die Statistiken möglich gemacht.

    Auch direkt vor der WM 2014 waren Neuer, Lahm, Schweinsteiger und Khedira (lange) verletzt bzw. kamen aus langen Verletzungen und man baute darauf, dass sie im Laufe des Turniers wieder voll einsatzfähig sind.

    Schweinsteiger und Khedira rechtfertigen Löws Risiko
    Sie begannen in Brasilien als Teilzeitarbeiter und plagten sich immer wieder mit Verletzungen rum. Pünktlich zum WM-Finale sind Sami Khedira und Bastian…
    www.abendblatt.de
    Zitat

    Der Münchner (Schweinsteiger) und Khedira rechtfertigen in der alles entscheidenden Phase des Turniers das große Vertrauen des Bundestrainers. Löw war im Endeffekt bei beiden von seinem Grundprinzip abgerückt, nur topfitte Spieler mit zur WM zu nehmen. Der Bundestrainer hat hoch gepokert und auf die Karten Khedira und Schweinsteiger gesetzt. Am Sonntag können sie nun gemeinsam alles gewinnen.

    Für mich kam die letzte Wende zur Saison 18/19 nach drei schwachen Jahren vor allem, weil man mit Pekeler einen Weltklasse-Verteidiger in seiner Prime bekommen hat, der unbedingt seine erste Zeit beim THW gerade rücken wollte und weil Top-Abwehrspieler wie Duvnjak, Wiencek und Weinhold ihre Verletzungsprobleme aus den Vorjahren komplett oder viel besser in den Griff bekommen haben. Dadurch hatte Kiel wieder seine Identität als Mannschaft, die hinten so wenig zulässt, dass sie vorne keine geölte Maschine brauchen, um Erfolg zu haben.

    Diese Identität hat man mittlerweile fast vollständig verloren. Man merkt den Gegnern an, dass sie wissen, dass es nicht so schwer ist, gegen Kiel Tore zu erzielen. Das Ganze wird nur hier und da mal etwas gelindert, wenn die Torhüter richtig liefern, wie Landin/Mrkva oder Wolff/Mrkva letzte Saison.

    Wenn man auf einen Trainer wie Jicha setzt, der jetzt nicht für ausgefeilte Offensivkonzepte bekannt ist, muss man vom Kader her eigentlich zusehen, dass man erstmal hinten die Bude dicht bekommt und dann erst nach vorne guckt. An diesem Bedarf hat man aber komplett vorbeiverpflichtet und auch vom Coaching her ist nicht viel passiert. Selbst wenn man Jicha eine ganze Reihe von sehr guten Offensivspielern gibt, sehe ich nicht, dass er daraus eine so effektive Offensive hinbekommt, dass man hinten keine absolute Top-Abwehr braucht.

    Wenn man sich mal die Entwicklung zur letzten Meisterschaft ansieht, dann erzielt der THW mittlerweile vorne 1,6 Tore pro Spiel weniger und bekommt dafür 2,6 Tore pro Spiel mehr eingeschenkt.

    Die Verpflichtung von Köster ist ein guter Schritt und hoffentlich auch Büchner. Beim Final 4 war wieder sehr alarmierend, wie viele Gegentore man bekommen hat, weil die linke Seite, vor allem Landin so langsam waren. Da war für den Rechtsaußen der Gegner immer der Weg komplett auf, wenn Tempo gespielt wurde, auch weil Johansson irgendwie gar kein Hilfe ist. Štěrba von Minden hatte jetzt auch seinen Spaß.

    Für Dahmke bräuchte es einen weiteren Linksaußen, der vor allem in der Lage ist, das Tempo-Spiel mitzugehen. Ansonsten braucht es für Reinkind und Laube mindestens komplette Spieler, vlt. sogar primär abwehrstarke Spieler, damit der Kader wenigstens eine gewisse Balance bekommt.

    Den Wechsel hat Figo ja nicht hinbekommen! 🤪

    Gidsel zu seinen mentalen Probleme nach der WM 21:

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    und warum es deshalb Berlin geworden ist:
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    Eigentlich muss doch mehr der THW lernen für Ankermann zu spielen als Ankermann für den THW. Soll nicht heißen, dass er keinen Raum für Verbesserungen hat, aber das Ziel muss doch sein, die Stärken eines Ankermanns oder vergleichbarer Durchbruch-Spieler möglichst effektiv zu nutzen. Ansonsten erwartet man doch, dass er im Selbstversuch herausfindet, wie man stabil durch eine Wand laufen kann, was er aktuell tun müsste, wenn die "richtigen" Abwehrreihen kommen.

    Als der THW mit Storm nicht mehr glücklich war, haben sie auch Szilágyi als sportlichen Leiter eingestellt und Storm die Verantwortung über den Sport weggenommen, aber er blieb noch 1 1/2 Jahre Geschäftsführer und ging dann offiziell erst als dieser Vertrag endete. Da finden sich schon Möglichkeiten, wenn man will.

    Wie in vielen Unternehmen, herrscht beim THW offenbar ein Geist, bei dem es in erster Linie darum geht, keine Angriffsfläche zu bieten. Gründe, warum dies, das und jenes vom Ergebnis nicht gut lief, gibt es immer in der Regel immer genug. Wenn man es aber vom eigenen Denken her zulässt, dass die Gründe wirklich primär externe Faktoren sind, für die man nichts kann, dann kann man schnell in ein Mindset abrutschen, was jegliches verbessern schwierig macht. Auch wenn man vlt. anfängt, dass erstmal nur öffentlich zu sagen. Man sieht das häufig, dass Leute an Dinge glauben, weil sie sie nur oft genug wiederholt haben.

    Grundsätzlich ist es natürlich so, dass in der normalen (Arbeits-)Welt ständig und überall versucht wird, die Dinge besser dastehen zu lassen, als sie sind. Es funktioniert normalerweise auch durchaus sehr gut, denn in der Regel lassen sich viele mit schönen Worten und irgendwie plausibel klingenden Gründen auch beschwichtigen. Das ist aber ein gefährlicher Weg, denn um wirklich weiterzukommen, gerade auf dem ganz oberen Level, muss man auch gegen sich eine Härte haben, die keine Alibis zulässt. Und wenn man die hat, neigt man in der Regel dazu, auch gegenüber anderen nicht so aufzutreten, dass man externe Faktoren vorschiebt.

    Wichtiger als Handball-Sachverstand im AR fände ich, wenn von hier aus eine Unternehmenskultur eingefordert und etabliert würde, welche keine Alibis zulässt, auch wenn sie durchaus berechtigt sind. Solche Pressemitteilungen wie dem THW würde ich kategorisch verbieten, weil sie einer Leistungs- und Verbesserungskultur nicht entsprechen.

    Dass Skipagøtu für dieses elementare Final 4 ausfallen könnte, ist doch nun kein unvorhersehbares Ereignis gewesen, was völlig aus der Kalten kam. Also muss ich mich doch viel mehr darauf vorbereiten, dass er nicht dabei ist. Dann kann ich natürlich sagen: Naja, ohne Skipagøtu hatten wir halt keine Chance, weil da hätten wir anders spielen können oder ich kann sagen: Die Vorbereitung auf diese Spiele ohne Skipagøtu war einfach nicht gut genug.

    Jetzt muss man sich nicht öffentlich über die Maßen selbst kasteien, aber das mindeste, was man erwarten muss, ist doch das Eingeständnis, dass man es nicht geschafft hat, spielerische Lösungen mit den Spielern zu finden, die da sind und es nicht auf Pech oder Verletzungen zu schieben. Da erwarte ich einfach von den sportlichen Verantwortlichen, dass sie in der Lage sind, einzugestehen, wenn ihnen Dinge nicht gelingen oder sie Fehler machen. Und mal ganz ehrlich: Wenn es so sein sollte, dass man sich wirklich primär auf ein WE mit Skipagøtu vorbereitet nach dessen Verletzungshistorie, dann ist das ein noch größerer Fehler.

    Und selbst wenn es Pech wäre, und wenn die Verletzungen natürlich schwierig sind, und wenn vlt. auch die Schiedsrichter nicht immer das gepfiffen haben, was man vlt. hätte pfeifen können. Aber: Solange man Situationen hat, wie nach der letzten Auszeit, wo es diesen einen Angriff braucht in 15, 20 Sekunden, um die Saison zu retten und man ist darum überhaupt nicht wirklich vorbereitet, solange hat man über Pech, Verletzungen oder die Schiedsrichter nicht zu reden.

    Natürlich ist es menschlich, Angst vor den Reaktionen zu haben, aber die kommen doch so oder so. Leute, die bei jeder Niederlage sofort alle rauswerfen fordern, wird es immer geben. Und mit Sicherheit werden auch Sponsoren reagieren. Aber ich glaube, dass die große Menge bereit ist, einen Prozess auch bei den sportlichen Verantwortlichen positiv zu begleiten, wenn man merkt, dass man sich nicht versteckt und bereit ist, die Fehler zu aller erst bei sich zu suchen und nachvollziehbar daran arbeitet, es besser zu machen.

    Und hier ist wieder der AR gefordert: Hier darf man es nicht zulassen, dass von der sportlichen Leitung über irgendetwas anderes geredet wird, als die eigenen Fehler. Wenn sie trotzdem die Alibi-Schiene reiten wollen, egal ob sie wirklich davon überzeugt sind, oder auch nicht, dann muss man sich trennen. Das sowas darf man als Kultur in der Organisation nicht zulassen.

    Melsungen hat spielerisch auch zu tun gehabt über das Spiel, aber sie schaffen es in beiden Halbzeiten am Ende einen offenen Wurf zu haben, als es darauf ankommt. Und beide Male über Linksaußen. Beim THW kommt nach der Auszeit eine halbe Wurfchance für Duvnjak, wo der Block noch gute Chancen hat, einzugreifen. Hinten steht beide Male Pérez de Vargas im Tor, dessen statistische Stärke Würfe aus dem Rückraum und vom Kreis sind, also wo der Ball möglichst zentral geworfen wird und er mit schnellen Reaktionen agieren kann. Die Schwäche sind Würfe von Außen. Und dann kommt der Gegner zwei mal von dort zum Abschluss, wo der Torhüter am schwächsten ist. Bei Simic ist es auch so, dass er aus dem Rückraum richtig stark hält, aber eher schwächere Werte gegen die Außen und vor allem vom Kreis hat. Und dann ist der Plan, dass man aus dem Rückraum wirft. Wenn man dann über Glück redet, hat man irgendwo nicht verstanden, worum es geht. Natürlich ist das Spiel mehr als die ein, zwei Situationen, aber sorry, das ist doch symbolisch für das, was auf beiden Seiten des Feldes nicht klappt.

    Freundschaft!

    Für mich genauso wenig nachvollziehbar, dass man einen 1,98 m großen Torhüter ständig überlupfen will. Der Kommenator von DAZN fand das völlig logisch.

    Zumal Wolff die hohen Abschlüsse, insbesondere die die Off-Speed sind, in der Wurfbewegung sehr gut liest und dann groß bleibt. Manchmal erwischt man ihn mit einem Leger trotzdem, aber da hat er bei anderen Abschlüssen mehr Probleme.

    Ankermann hat in der Jugend vermutlich sehr viel Mitte gespielt. Da ist ein gewonnener Zweikampf gegen die Hand natürlich was anderes als auf RL, gerade wenn es eine breitere Spielanlage ist. Sollte er viel da spielen, wird er sich sicher etwas umgewöhnen müssen.

    Das Problem bei verschiedenen Anlagen und Spielertypen ist nicht das individuelle, sondern die Abläufe als Mannschaft inkl. Zeit das zu trainieren. Die Steigerung der Effektivität geht einher mit einer kollektiven Durchführung der Spielidee. Wenn man rein über die individuelle Qualität gehen will, können verschiedene Typen wiederum gut sein. Ich glaube nur nicht, dass das zu der benötigten Effektivität führt.

    Für mich sind Quoten von anderen Teams hochgegangen, weil man von einer Gesamtphilosophie ausgehend angefangen hat, konsequent Spieler zu holen, die gar nicht alles können, durchaus auch klare Schwächen haben, aber genau das, was man für das System, für die Position braucht sehr gut können und dann vermutlich endlos das Feintuning trainiert hat.

    Beim THW wirkt es oft so, wie der Kaiser über seinen Sport sagte: Geht's raus und spielt's Fussball.

    Vlt. ist der THW dieses WE auch eine Turniermannschaft.

    Wenn man sich die erfolgreicheren Mannschaften der jüngsten Vergangenheit ansieht, dann spielen die oft gar nicht so facettenreich. Gab jetzt beim SCM nach dem Pokal bzw. der schwächeren Phase drumherum auch die Diskussion, dass es nur Plan A gibt. Bei Berlin ist es ähnlich. Beim CL-Finale z.B. konnte man schon so nach 10 Minuten sehen, dass die Berliner Spieler sehr unruhig wurden, weil ihnen der Plan A mit dem direkten Tempo aus der Mitte weggenommen wurde. Da hat man eine gewisse Ratlosigkeit gespürt. Trotz oft fehlenden Plan B, ist die konsequente Ausrichtung auf Plan A aber erfolgreicher gewesen als beim THW, wo man das für mich eher eine Mischung aus vielen Ideen ist.

    In Magdeburg gibt es nicht umsonst eine Zeit vor Saugstrup, wo Wiegert auch schon fast fünf Jahre im Amt war und eine Zeit mit ihm. Ohne die Arbeit am Kreis war das Durchbruchspiel "damals" noch nicht so effektiv, wie es dann mit entsprechender Kreisläufer-Arbeit ist. Dabei sind weder Saugstrup, noch Bergendahl, offensiv vom Wurf her ein großer Faktor. Man kann oder wird sicher versuchen bestimmte Erweiterungen zu machen und vlt. ist das auch ein Gedanke zu Briet beim SCM.

    Ich fand z.B. immer sehr aufschlussreich wie der isländische Rückraum in der Nationalmannschaft aussieht im Gegensatz zum SCM. Da hat man schon gesehen, wie essentiell der Kreis für eine hohe Effektivität der Spielweise ist.

    Bezogen auf den THW sehe ich aktuell nicht die Chance auf Wurfquoten von über 70% zu kommen, wie sie aktuell offensive Spitzenteams haben. Auch mit dem neuen Kader. Der Bestwert in jüngster Vergangenheit waren die 66,5% aus der Saison 20/21. Zu der Zeit war der Ligabestwert vom SCM aber auch nur 67,9%.

    Auch als zu Saisonbeginn Skipagøtu noch sehr viel präsent war, hatte er weder er persönlich noch Kiel als Mannschaft über Strecke eine solche Effektivität. In beiden Fällen waren es selten über 65%. Dafür braucht es aus meiner Sicht eine klare Kaderausrichtung auf eine Spielidee, welche auch immer das sein soll. Wenn man auf Durchbrüche setzen will, dann muss man konsequent Kreisläufer dafür holen, die auch nicht unbedingt herausragende Offensivspieler sein müssen.

    Dazu kommt eine hohes Maß an taktischer Disziplin. Mir brechen bei Kiel zu oft Spieler in unüberlegte Einzelaktionen aus, die oft auch gar nicht nötig gewesen wären. Ich muss sagen, ich liebe diese Trainer, die mit einem Tor unzufrieden sind, wenn es nicht so erzielt wurde, wie es der Plan vorsieht, weil sie wissen, dass es jetzt mal gut gegangen ist, aber eigentlich die Wurfposition nicht so war, dass das öfters gut gehen wird. Um da gleich gegenzusteuern wird selbst nach einem Tor nochmal erklärt, warum, wieso, weshalb nicht die Aktion war, die man eigentlich will.

    Auch Ankermann nimmt gerne den Platz gegen die Hand, wo er sich mit seiner Dynamik gut durchsetzen kann, aber kommt so in nicht so aussichtsreiche Wurfsituationen. Das sind dann die gefährlichen Tendenzen. Ja, er setzt sich natürlich gut durch, aber will man das als Team, dass man sich an der Stelle da so durchsetzen kann? Ist das wirklich die Wurfsituation, auf die man spielen will? Kann man so die Effektivität wirklich nach oben bringen? Nicht immer ist, das was (einfach) möglich ist, dass was man anstreben sollte.

    Zumal es sicher auch interessant wird, wie Briet beim SCM reinpassen wird von der Spielweise her. Eigentlich schien Jónsson eine ziemlich perfekte Verpflichtung für Magdeburg vor dieser Saison. Offenbar haben dort die Vorstellungen von Spieler und Verein nicht übereingestimmt und das relativ schnell so sehr, dass eine (schnelle) Trennung erfolgt.

    Kiel hat für mich auch davon gelebt, dass z.B. ein Spieler wie Bilyk, solange der Körper mitgemacht hat, in den Spielen gegen die Teams aus der unteren Ligahälfte mental voll da war, etliche Tore geworfen hat und sich auch nicht beklagt hat, wenn er in den "wichtigen" Spielen keine bis wenig Spielanteile bekommen hat.

    Ich fand beim THW z.B. die Jahre mit dem Torhüter-Duo Wolff/Landin auf der Position nicht so erfolgreich, weil die beiden gefühlt mehr damit beschäftigt waren, wer die Nummer 1 ist. Landin/Mrkva oder später Wolff/Mrkva mit einer klaren Nummer zwei fand ich besser. Bringt ja auch nichts Spieler zu holen, die dann super schnell unzufrieden ist und weg wollen, wie jetzt offenbar Jónsson beim SCM.

    Ich versuche mal ein bisschen Offtopic zu schreiben und den Bezug zum THW zu finden.

    Der Grundstein für die spätere Entwicklung des FC Bayern war nicht 2011, sondern schon 2009 die Verpflichtung von van Gaal als Trainer. Mit diesem hat Bayern angefangen taktisch, in der Trainingsarbeit und auch in der Kaderplanung konzeptionell zu arbeiten, d.h. man hat angefangen den Verein auf bestimmte Spielprinzipien auszulegen, auch in der Jugend. Dazu hatte er jede Menge EDV und Technik mitgebracht, um die Trainingsarbeit zu optimieren. Im Training hat er die Spieler bestimmte Pass- und Spielformen endlos üben lassen, was auch eine Weile gebraucht hat, bis das in Fleisch und Blut übergegangen ist. Er war ein richtiger Fußballlehrer, der vielen Spielern Dinge beigebracht hat, die im deutschen Fußball vorher gar nicht (so) präsent waren in der Trainingsarbeit. Von den Spielern der Bayern wurden die (fast) zwei Van-Gaal-Jahre oft als Basis für die späteren Erfolge hervorgehoben.

    Das Problem für van Gaal persönlich war dessen Besessenheit für die Ausbildung der (Jugend-)Spieler und dass er unbedingt zeigen wollte, dass Thomas Kraft als damaliges Talent im Tor (fast) genauso gut ist wie Manuel Neuer, den die Bayern verpflichten wollten. Darüber hat er sich dann mit den Vereinsbossen verstritten, denn er stellte Kraft (zu) früh ins Tor und dessen Fehler kosteten die Bayern auch Punkte. Später hat er zu Protokoll gegeben, dass es ihm nie darum ging, den Wechsel von Neuer zu verhindern, sondern er nicht wollte, dass ein Spieler automatisch gesetzt ist, weil er mit viel Trara geholt wird und deshalb zeigen wollte, dass auch Kraft die Nummer 1 sein kann, wenn er Leistung bringt.

    Parallel zu van Gaal hat es in Dortmund mit Klopp eine vergleichbare Entwicklung gegeben, d.h. eine sehr klares taktisches Konzept, Kaderentwicklung dahin und einen Trainer, der es schafft seine Vorstellung auch zu vermitteln, d.h. die Spieler davon zu überzeugen und sie auch menschlich mitzunehmen.

    Für einen Trainer ist das kein einfaches Anforderungsprofil und für den Verein auch nicht so einfach immer die passenden Spieler zu holen, aber ich sehe das auch für den THW als unabdingbar an. Es nicht ausgeschlossen, dass es auch anders geht, aber ich glaube nicht, dass man den Erfolg der Vergangenheit haben wird, wenn der Fokus auf der Einzelqualität der Spieler ist und nicht der Spielidee der Mannschaft.

    Wenn man sich Sport allgemein so die letzten 20 Jahre ansieht, dann hat es eigentlich überall einen gewissen Kampf gegeben zwischen der eher gefühlsmäßigen Betrachtung und einer datengetriebenen Ausrichtung. In der Mehrheit hat sich die Ausrichtung auf Daten durchgesetzt. Was Handball angeht, ist hier natürlich Bennet Wiegert zu nennen, als jemand der alles über Statistik sieht. So von Außen habe ich das Gefühl, dass der THW hier nicht so stark unterwegs ist. Man hört zumindest von den Verantwortlichen in der Regel nichts bei der Betrachtung der Spiele, was darauf schließen lässt, dass man (sehr) analytisch unterwegs ist.

    Was die immer wieder gerne geforderte Kompetenz in Dingen wie Aufsichtsrat, usw. angeht, finde ich das immer bisschen schwierig zu generalisieren. Normalerweise drehen sich die Uhren im Sport recht schnell und das, was einen vor 20 Jahren erfolgreich gemacht hat, ist nicht zwingend das, was einen aktuell erfolgreich macht. Man braucht als nicht einfach nur Leute, die im Sport zuhause sind, weil sie z.B. mal gespielt haben, sondern die auch die aktuellen Entwicklungen nachvollziehen und verstehen.

    Im Basketball z.B. habe ich ehemalige Spieler erlebt, die vor 20 Jahren Nationalspieler waren, die aber komplett die Entwicklung verpasst haben, warum und wieso z.B. aus bestimmten Bereichen des Spielfelds nicht mehr geworfen wird, was zu deren Zeit völlig normal war. Sagen eben die Daten, dass es statistisch keine gute Entscheidung ist, von da zu werfen, also haben die Teams ihre Spielweise angepasst. Dann sagt eben der ehemalige Spieler, dass ist doch totaler BS, während die Daten was anderes sagen. Hört man jetzt auf die Fachkompetenz des ehemaligen Spielers kann man schnell auf dem Holzweg sein.

    In seiner ersten Saison bei Bayern 23/24 hat Kane auch 36 Tore in 32 Bundesliga-Spielen gemacht, aber gereicht hat es nicht zum Titel. Leverkusen wäre vermutlich eh nicht schlagbar gewesen mit 90 Punkten, aber so landeten die Bayern auch noch hinter Stuttgart mit 72 Punkten. Immerhin ein Punkt mehr als im Jahr zuvor, als sie Lewandowski versucht haben im Kollektiv zu ersetzen und so nur 71 Punkte hatten, aber Dortmund die Meisterschaft am letzten Spieltag noch mit dem 2:2 gegen Mainz aus der Hand gegeben hat. Einfach "nur" Kane kaufen hat auf jeden Fall nicht gereicht.

    Adeyemi ist sportlich eine ähnliche Personalie wie Sane. Einzelne Highlight-Spiele und dann wieder viel Leerlauf dazwischen. Zudem hat Adeyemi diese Saison auch nur 39% der möglichen Minuten gespielt beim BVB und dieses Kalenderjahr noch weniger, auch weil er mal wieder eine kleinere Verletzung hatte. Führich hat nach der Saison 23/24, wo er so richtig durchgestartet ist, 1 1/2 schwierige Jahre in Stuttgart gehabt und sich jetzt zumindest in der Rückrunde wieder gefangen. Allerdings auch erst, als Stuttgart auf eine 3er-Kette umgestellt hatte, wo er dann die linke Schiene spielt, was es in der Nationalmannschaft so nicht gibt. Ähnliches versucht der BVB auch gerade mit Beier, der dann wohl den Vorzug erhalten hat.

    Problem für Deutschland könnte werden, dass man eigentlich gar keinen Stürmer dabei hat, der wirklich immer in der zentralen Position spielt. Woltemade lässt sich viel ins Mittelfeld fallen, will eher auflegen als abschließen. Ist so in der Regel als hängende Spitze am effektivsten. In der U21 hat Woltemade mit Tresoldi sehr gut harmoniert. Wie man lesen konnte, war auch Tresoldi durchaus eine Option für den Kader, was schon zeigt, wie schwierig die Position ist, weil auch Kleindienst die ganze Saison verletzt ausgefallen ist und auch Füllkrug nicht mehr in die Gänge kommt. Undav spielt meist rund um Demirovic in Stuttgart, auch wenn er zumindest auch immer mal vorn zentral spielt und eine gute Tor-Quote hat. Völlig unverständlich, warum ihn Nagelsmann so demontiert hat. Havertz macht das taktisch super als Stürmer, weil er sehr konsequent in die Tiefe geht und so anspielbar ist oder Räume öffnet. Hat aber überhaupt keinen Abschluss und braucht so extrem viele Chancen für ein Tor und ist so eigentlich auch wieder nicht für die Position geeignet. In der Vergangenheit hat Havertz vor allem für Musiala viele Raum eröffnet, aber auch er hatte in der Nationalmannschaft eine sehr schlechte Chancenverwertung.

    Ähnliche Probleme hatte Deutschland schon öfter, aber da gab es z.B. Müller, der aus dem offensiven Mittelfeld oft sehr abschlussstark war. Muss man vermutlich darauf bauen, dass Wirtz weiter treffsicher bleibt und auch Musiala nachziehen kann.

    Für mich vor allem ein Problem, weil ich denke, dass es einige Tore brauchen wird. Kimmich hinten rechts ist zwar gesetzt, auch aus Mangel an Alternativen, aber ich würde Kimmich nicht auf einer Position spielen lassen, wo es taktische Disziplin braucht. Dafür hat er zu viele Heldenanwandlungen und rennt überall auf dem Spielfeld herum. Entsprechende Lücken werden die Folge sein, weil auch Raum auf der anderen Seite normal viel Vorwärtsdrang hat. Würde mich überraschen, wenn man eine wirklich stabile Defensive gestellt bekommt.

    Haben die anderen Kiel den Rang abgelaufen, weil sie finanziell vorbeigezogen sind und sich damit sportlichen Erfolg kaufen konnten oder sind sie nicht vielmehr vorbei, weil sie mit weniger Mitteln als der THW mehr sportlichen Erfolg hatten, den sie dann auch nutzen konnten, um sich finanziell zu verbessern? Finanzielle Mittel braucht man doch vor allem, um Erfolg auch zu halten. Ich würde mal behaupten, dass 90% der Spieler, die für die Erfolge von Magdeburg oder Berlin verantwortlich sind, zum Zeitpunkt ihres Wechsel (zum Teil deutlich) weniger verdient haben, als jetzt.

    Sportlichen Erfolg kann man sich bis zu einem Punkt erkaufen, wenn man extrem viel mehr Geld hat. Dann könnte man z.B. einen Saugstrup so derart mit Geld zuwerfen, dass er zumindest auch ins Grübel käme und könnte potentiell zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Aber eine solche finanzielle Überlegenheit ist doch aktuell bei keinem Team in der HBL zu erwarten. Insofern ist der Schlüssel sinnvolle sportliche Entscheidungen zu treffen. Beam Kristjánsson zurück nach Kiel und lass ihn entweder unvorbereitete Rückraumwürfe machen oder gib ihm keinen Kreisläufer, der für ihn Sperren stellt und man wird recht schnell sehen, dass seine Effektivität in den Keller gehen wird.