Der Punkt ist nicht, dass sie verloren haben. Selbst wenn man in voller Kapelle spielt, kann man Spiele verlieren in der HBL. Wenn es nicht möglich wäre, dass ein Team, was unten in der Tabelle steht, auch eins von deutlich weiter oben schlagen kann, dann wäre Sport doch null interessant. Das ist mir persönlich dann immer zu viel von peinlich oder so zu reden. Finde ich nicht gut und das wird Wetzlar auch nicht gerecht. Die haben sich getraut in dem Spiel und sind belohnt worden.
Ich kann mich noch an die erste Saison erinnern, die ich vom THW vollständig verfolgt habe. Das war 17/18. Da hat der THW zuhause gegen Wetzlar verloren. Hat sie jetzt auch nicht davon abgehalten in der Folgesaison wieder in die Spur zu kommen. In der letzten Saison, wo sie Meister geworden sind, haben sie zuhause gegen Leipzig verloren. Man muss da immer bisschen vorsichtig sein was die Schnelllebigkeit von Sport betrifft.
Was mich persönlich aber stört, ist, dass man einen Spieler wie Ankermann fast schon verheizt. Es geht nicht darum, dass er nicht spielt, sondern, dass man ihm so wenig hilft. Er muss sich viel zu häufig ohne jede Teamarbeit durchsetzen. Wenn er jetzt mit 18 anfängt, das komplette Spiel Angriff für Angriff durch die Wand zu laufen, dann ist doch die Frage, wie lange seine Gesundheit das mitmacht und wie lange seine Karriere dauern wird. Beim ersten Tor vom THW stellt Načinović eine Sperre, er läuft drumherum und hat freien Abschluss. War natürlich in Überzahl, aber genau das machen Teams, die auf Durchbrüche gehen, das ganze Spiel. Dann wird das halt bei der Personalsituation das bis zum Ende gespielt. Und wenn es nicht reicht, dann reicht es eben nicht.
Der THW hat vier erfahrene Kreisläufer im Kader und fünf Rückraumsspieler, wovon Rowher seine ersten Bundesliga-Minuten sieht und Abdelhak bisher auch gar keine Rolle gespielt hat. Das sollen sie halt 60 Minuten 7:6 mit zwei Kreisläufern spielen und gucken, dass sie darüber die Lücken blocken, die es entweder Ankermann einfacher machen oder es Lücken für Würfe aus dem Rückraum gibt. Oder auch 6:6 mit zwei Kreisläufern. Wie hilft Reinkind denn Ankermann? Umgedreht natürlich auch.
Man spielt aber 7:6 mit den beiden Jungs aus der A-Jugend in der Mitte und Duvnjak und Reinkind als sehr breit Halbe. Welche Abwehr hat denn Angst vor Reinkind, und im Grunde auch Duvnjak, mit Platz gegen die Hand, sodass sie sich aus der Mitte ziehen lassen? Ich nehme mal, dass Ankermann und Rohwer diese Variante vom 7:6 in der A-Jungend so spielen. Ich hoffe es zumindest. Also versuchen sich die beiden Jungen in der Mitte gegen eine massive Abwehr durchzuwuseln, wo es schwierig ist keine Ballverluste zu haben. Heißt, Duvnjak und Reinkind haben nun den Job den Gegenstoß zu stoppen und schnell zurückzulaufen. Das ist doch mit Ansage, dass die beiden dann dumm aussehen.
Die Alternative ist, dass man zu Ankermann und Rowher vor dem Spiel geht und sagt: Passt auf Jungs: Ich weiß ihr habt Bock, ihr wollt, aber wir sind sind hier dezimiert, wir haben Dienstag ein super wichtiges Spiel. Wir spielen hier vorne Handball, wo wir auf gar, gar keinen Fall den Ball verlieren, wir gehen kein Risiko und wir spielen so, dass zur Not Duvnjak und Reinkind am Ende drauflöten und wir gucken, dass wir in der Abwehr gut stehen, d.h. ihr lauft vor allem zurück, wenn die beiden werfen. Egal, wie das Spiel ausgeht, aber wir sehen zu, dass hier die Spieler, die da sind, so fit für Dienstag sind, wie es nur geht.
Das man dieses Spiel mit 8 verliert und sich dafür der Hoffnungsträger Ankermann, der noch zur A-Jugend fahren soll, sich vollkommen verausgabt hat, ist so ziemlich das schlechteste Ergebnis, was es gibt.