Beiträge von brodie79

    Die Frage beim THW ist nicht die individuelle Qualität der Spieler. Sie passen von der Kaderzusammenstellung einfach überhaupt nicht zusammen und es gibt keinen Trainer, der sichtbar daran arbeitet, dass sich das verbessert. Dazu kommt, dass Stück für Stück die defensivstarken Spieler entweder gar nicht mehr dabei sind oder so in die Jahre gekommen sind, dass ihre Prime lange vorbei ist. Das heißt, der THW hat auch kein Fundament mehr, wo die offensiven Defizite nicht so durchgeschlagen haben.

    Ein Trainer, der zumindest erkennbar daran arbeiten würde, die Einzelteile in ein Gefüge zu bekommen, würde mit Sicherheit aus der Gruppe der letzten Jahre auch keinen Meister machen, aber Mannschaft, die bessere Chancen hätte in den Kampf um die CL-Plätze einzugreifen.

    Darum ging auch der CL-Sieg 2020 flöten.

    Halbfinale: Landin: 13 Paraden, Quenstedt 1, Quoten finde ich nicht
    Finale: Landin 14/41 (34,2%), Quenstedt 0/1

    Da wurde schlicht kein zweiter Torhüter großartig gebraucht. Einfach mal die Folgejahre ansehen. Landin hat z.B. 20/21 beim Viertelfinal-Aus in Paris 7/35 (20%) gehalten, oder im Halbfinale 21/22 gegen Barcelona 6/35 (17%) . Da kam Quenstedt für drei Angriffe rein, hat keinen gehalten und dann wieder raus. Diese Mini-Einsätze ohne große Bewährungschance hatte Quenstedt dann am Ende sehr viele, weil Jicha ihn in wichtigen Spielen nur noch als kurze Pause für Landin angesehen hat. Er hat eigentlich gar keine Chance mehr bekommen, weil man offenbar das Vertrauen in ihn verloren hatte.

    Es gibt genügend Torhüter, die sich erst mit laufender Spielzeit in ein Spiel arbeiten. Wenn man aber die Nummer zwei hinter jemanden wie Landin ist, muss man es können in ein Spiel zu kommen, wo man dringend Torhüter-Leistung braucht und diese sofort liefern. Das konnte Mrkva insgesamt sehr gut. Auch nicht immer, aber häufig genug, dass er auch einen entscheidenden Beitrag leisten konnte.

    Man hat aber schon beim THW gemerkt, wo er quasi die Nummer 1 wurde 23/24, nach dem Ausfall von Gerard, dass seine Leistung nicht stabil genug waren in dieser Rolle. Nicht jeder, der als Backup Leistung bringt, kann diese dann auch konstant bringen, wenn er eine größere Rolle bekommt.

    Mrkva hat als Nummer 2 hervorragend funktioniert und war ein ganz wichtiger Teil, dass der THW 22/23 nochmal Meister geworden ist. Ich erinnere z.B. an das Spiel in Hannover, wo es zu der Zeit auch immer mal Mannschaften erwischt hat, wo er bei -5 mitten in der zweiten Hälfte ins Tor kommt, 5/8 hält und so dem THW nochmal ein Comeback ermöglicht und schlussendlich den Sieg. Mrkva ist vlt. keine Nummer eins für ein Spitzenteam, aber in Kombination mit Landin und Wolff war er für den THW ein sehr starker Rückhalt, weil er es sehr häufig verstanden hat, eine entscheidende Aktion zu setzen von der Bank kommend. Das konnte z.B. vor ihm Quenstedt gar nicht. Er brauchte meist die volle Länge des Spiel um reinzukommen, wenn er z.B. mal ein unwichtiges Spiel in der CL bekommen hat.

    Die Kombination Landin/Mrkva oder Wolff/Mrkva hat beim THW z.B. besser funktioniert als die Jahre mit Landin/Wolff, als beide unbedingt die Nummer eins sein wollten. Es ist eben nicht immer sinnvoll einfach die besten Spieler zu holen, sondern die bestmöglichen Kombination aus Spielern, die sportlich und menschlich zusammenpassen.

    Dass man Quenstedt, der als Nummer zwei so wenig funktioniert hat, über drei gebunden auch behalten hat, war hingegen eine sportliche Entscheidung, die Kiel hier und da die Möglichkeit auf mehr Titel genommen hat, weil Landin auch nicht jedes Spiel gehalten hat, gerade in der CL in seinen letzten beiden Jahren. Da bliebt dann Landin sogar im Tor, wenn keine 10% gehalten hat, weil man wusste, dass Quenstedt von der Bank nicht funktionierte.

    Barcelona hat jetzt auch nicht die Kadertiefe in der Offensive, um über ein ganzes Spiel hinweg dort das Level aufrecht zu erhalten. Man wusste schon, wenn Petar Cikuša zur Entlastung drauf war, dass hier eine Chance besteht, auch mal Stops durch schlechte Würfe zu bekommen. Da fiel das Level schon merklich. Für Barcelona war für mich ein Schlüssel, dass Janc, der sonst gerne mal als reine Defensiv-Variante unterwegs war, auch offensiv so viel Output hatte. Da mussten sie sich nicht entscheiden, ob sie auf Offensive mit Mem setzen oder Defensive mit Janc oder wenn mit den beiden dann mussten sie sonst den Speed mit Aleix opfern, um Mem defensiv zu parken.

    Mem hat bei den letzten Final 4s schon mehr gespielt trotz Richardson im Kader. Da ist er aber auch hier und da mal mit Muskelproblemen raus. Ich hatte aber nicht das Gefühl, dass es darum ging Mem zu schonen, sondern es lief mit Janc so gut lief, dass es gar keinen Grund gab, auf Mem zu setzen. Im Finale hatte sich Janc bei einer Aktion verletzt, wo er dann hinter die Bank ist. Er war aber super schnell wieder drin, als es wieder ging. Da hätte man auch wieder auf Mem wechseln können, aber hat sich doch für Janc entschieden.

    Ich sehe Barca nicht so häufig außerhalb von Köln, aber in den letzten Jahren hat Janc oft "nur" auf Halb verteidigt, weil sie offensiv noch Melvyn Richardson hatten und er hat dann RA offensiv gespielt. Dieses Jahr hat Aleix mehr gespielt und immer schön Nielsen angemotzt, wenn dessen Abwurf nicht genau bei ihm landete zur schnellen Mitte.

    Ist vielleicht jetzt hier abweichen von der Trainer / GF Diskussion, aber nachdem ich gestern wieder Makuc gesehen habe, ist mir doch deutlich weniger Bange! Mit Köster, Makuc und wieder gesundem Madsen dazu noch wieder erstarktem Skippy, das hört sich doch erstmal nach einer richtig guten Truppe an. das sollten die ersten Plätze wieder angreifbar sein. Also ganz so schwarz wie einige hier sehe ich es nächste Saison für den THW nicht!

    Barcelona ist eine Mannschaft mit vielen sehr defensivstarken Spielern, die dafür sorgen, dass man vorne nicht brillieren muss. Gewissermaßen so wie Kiel in den erfolgreichen Jahren. Auf diesem Fundament kann man einen Offensivkünstler wie Makuc dann gut einsetzen, der am Ende wirklich Old School mäßig die Halben immer wieder holt. Und weil das bei Barcelona mit den Halben funktioniert, muss die gegnerische Abwehr das auch ernst nehmen. Makuc ist clever und sieht, wenn die Abwehr versucht zu cheaten und nur auf die Ablage von ihm wartet, dass er dann auch selber geht. Bekommt es Kiel hin, dass die Halben neben Makuc in den richtigen Momenten an die richtigen Stellen laufen, um seine Vorarbeit zu verwerten, kann das was werden offensiv. Problem ist nur, dass Spielzüge, die auf Timing basieren bisher nicht die Stärke vom THW waren.

    Ist egal ob das für dich zusammenpasst, aber mir scheint, dass Ankermann etwas zu schnell zu hochgejubelt wird und irgendwie synchron der Stern von Elias etwas am sinken ist. Das ist nur mein Eindruck, mehr nicht.

    Ich glaube in Magdeburg wird es keiner bereuen, dass mal man vor geraumer Zeit auf einen 20-jährigen vom THW Kiel gesetzt hat, der dort in 36 Einsätzen 13 Tore geworfen hat. Man hat so sehr an ihn geglaubt, dass er auch sofort wieder spielen durfte, nachdem er sich im ersten Spiel für den SCM wieder die Schulter verletzt hatte und den Rest der Saison ausfiel. Ein atemloser Däne durfte das oft genug nicht.

    Szilágyi ist mitten in der Saison 17/18 gekommen, die mit 49:19 Punkten auf Platz 5 beendet wurde. Die Folgesaison, als Jicha als Co-Trainer eingestiegen ist, wurde es Platz 2 mit 62:6 Punkten. Neuzugänge zwischen den Saisons: Pekeler, Reinkind, M. Landin. Dazu z.B. Duvnjak wieder voll dabei nach OP an der Patellasehne, wo er acht Monate bis Dezember 2017 ausgefallen ist. Kann gut sein, dass man darauf verweist und glaubt, dass das wiederholbar ist, wenn die Verletzten zurück sind und die Neuzugänge einschlagen. Ich mach es nicht, aber vielleicht glaubt es der Aufsichtsrat.

    Ich hatte es glaube schon mal verlinkt: https://www.handball-world.news/artikel/noch-n…shebaev-1208203

    Zitat

    Bögel Dichter sagt über Dujshebaev: "Ich bin beeindruckt von seinem taktischen Wissen, das ist etwas Unglaubliches. Die Taktik für das Spiel ist sehr ausgefeilt und bis ins kleinste Detail durchdacht. Soweit ich das beobachtet habe, legt er großen Wert auf die richtige Bewegung auf dem Spielfeld, ständige Bewegung, Positionswechsel im Bruchteil einer Sekunde und das Befolgen seines Plans."

    Er stellte einen Unterschied heraus: "In Deutschland achtet man darauf, den besten Spieler in eine Eins-gegen-Eins-Situation zu bringen. In Kielce ist das Spiel hingegen flüssiger, es erinnert an Basketball."

    Ich finde, man betrachtet das immer zu sehr über das individuelle. Als Kristjánsson mit 19 beim THW aufschlug hatte er auch so gut wie keine Mittel, um sich individuell durchzusetzen. Das sah vor seiner ersten größeren Verletzung nicht vielversprechend aus, wie er sich immer und wieder recht hilflos festgerannt hat. Ich bin mir sicher, dass Leute, die Ahnung von Handball haben, schon sehen konnte, was möglich ist, wenn er richtig eingesetzt wird. Aber für so einen Laien wie mich, der sich damals auch nicht lange mit Handball beschäftigt hatte, sah das nicht aus, als sehe man den zukünftigen MVP der Liga.

    Hätte man ihn in Kiel einfach weiterlaufen lassen, hätte er möglicherweise nie das Level erreicht, auf das er dann in Magdeburg gekommen ist. Schon alleine, weil er dort eben in ein System gekommen ist, wo er seine Stärken voll einbringen kann und vermutlich bessere Handball-Lehrer hatte. In Kiel hätte er sicherlich nicht zu diese Unterstützung gehabt. Wenn man es mal nüchtern betrachtet, hat Ankermann im selben Alter wie Kristjánsson beim THW bisher besser ausgesehen. Für die Zukunft ist das aber ziemlich bedeutungslos, denn wie gut ein Ankermann mal sein wird, hängt neben seinen Hausaufgaben mindestens genauso stark davon ab, was um ihn herum passiert. Wenn nicht sogar mehr.

    Daher mein Einwand vor paar Tagen, dass der THW eigentlich lernen müsste, für ihn zu spielen. Nicht, weil er das Talent aller Talente ist, sondern gerade weil man das nicht erwarten darf, dass er für sich Mittel auf Gidsel-Level entwickelt, um sich rein individuell durchzusetzen.

    Ganz viele dominante Spieler in den unterschiedlichen Sportarten sind oft gar nicht breit talentiert in allen Facetten des Sports. Und wenn es "nur" ein erster, schneller Schritt ist, der nicht zu verteidigen ist, dann kann man den eben so "ausschlachten", dass der Spieler quasi nicht zu stoppen ist, obwohl er gar nicht in allen Lagen Wege finden würde. Und als Team gedacht, geht es doch auch um nichts anderes, als zu schauen, wie man das beste aus dem Talent der Spieler macht und nicht um die Frage, wer ist der beste Spieler, der alles kann. Wen interessiert, ob Kristjánsson ein effektiver Schütze von 9m wäre?

    Dann müsste der Aufsichtsrat über den Kopf oder gegen den Willen vom Geschäftsführer Jicha freistellen, was vermutlich erst mal technisch schwierig ist. Das wird vermutlich der Geschäftsführer mit absegnen müssen. Ist natürlich die Frage wie er reagieren würde, wenn das an ihn herangetragen würde. Mehr Loyalität zum THW oder Jicha? Dass Szilágyi von sich aus Jicha freistellt glaube ich nicht.

    Dadurch, dass sich Szilágyi so eng verbunden mit Jicha zeigt, ist der THW vermutlich in der Position, dass entweder beide gehen oder keiner. Dass ein Geschäftsführer eine andere Distanz zum Trainer zeigen und leben sollte, ist auch einer der Punkte, die aus meiner Sicht aus dem Aufsichtsrat klar vorgegeben werden müsste. Gerade, wenn sich der Aufsichtsrat aus dem sportlichen Tagesgeschäft raushalten will, sollte er sicher sein, dass der leitende Angestellte einen kritischen Blick von außen auf das Gesamtbild hat. So wie Szilágyi agiert, ist das doch im Grunde ausgeschlossen, weil er viel zu sehr mittendrin erscheint.

    Mein Punkt ist ja gerade: Das war eben nicht das übliche Gelaber im Sinne von "Wir werden analysieren und dann mal schauen."
    Er weiß ja auch, dass das nach dieser katastrophalen Saison auch nicht gehen wird. Ob die Maßnahmen umfangreich genug und sinnvoll sein werden, wird man sehen ...

    Von "es geht einfach weiter so", was hier gestern Leute rausgehört haben, haben die Worte jedenfalls faktisch nichts.

    Naja, er hat eigentlich nur gesagt, dass man im Verdauungsmodus ist und als Analyse für das Ergebnis, dass man den Widrigkeiten, gerade mit den Verletzungen, nicht trotzen konnte und man bereits die Weichen für die Zukunft gestellt hat und vlt. noch etwas tun wird. Die Neuzugänge, die man in der Form in den vergangenen Jahren nicht hatte, sollen es richten. Aus dem Interview zu erwarten, dass er wirklich größere Maßnahmen machen wird, kann ich nicht sehen. Ich habe eher jemand gesehen, der dran glaubt, dass die Rückkehr der Verletzten und die Neuzugänge ausreichen, dass es wieder bergauf geht.

    Das Problem vom THW ist doch, dass sie mannschaftlich, egal ob vorn oder hinten, jede Menge handwerkliche Fehler machen, die man nicht los wird, indem jeder einzelne nochmal 10% mehr Einsatz gibt. Dass die Spieler glauben, sie müssten jeder für sich mehr geben, ist sicherlich löblich, aber dieser Kader braucht zwingend einen Handball-Lehrer und keinen Motivator.

    Ich finde, bei Tuchel erkennt man ein Konzept und eben auch ein Leistungsprinzip, in der voraussichtlichen Startelf sind 7 Spieler dabei, die über 75% Spielzeit hatten in der abgelaufenen Saison und Stand heute auch alle fit sind.

    Nichtsdestotrotz ist alles auf Kane zugeschnitten, in der Quali dann 22-0 Tore, wenn ich mich richtig erinnere. Bei den Tests im März fehlte Kane und promt gab es ein 1-1 und sogar ein 0-1 gegen Japan.

    So insgesamt hat er ziemlich gut durchgetestet. Bei seinen 13 Spielen in gut 15 Monaten mit England hat er 48 Spieler eingesetzt, wovon nur fünf Feldspieler mehr als die Hälfte der verfügbaren Minuten gespielt hat. Insgesamt zehn Spieler haben ihr erstes Länderspiel in diesen Spielen gemacht, wovon sechs im Kader der WM stehen. Größte Überraschungen sicher die Nominierung von Ivan Toney, der in Saudi Arabien spielt und John Stones, der bei Man City kaum noch eingesetzt wurde, obwohl er nicht mehr verletzt war.

    Von außen, d.h Medien und Fans wird immer diskutiert werden. Egal wo. Was Nagelsmann aktuell speziell macht ist, dass er auf einer Mission ist, sich selbst möglichst ausführlich und detailliert erklären zu wollen. Und sich dabei permanent in Widersprüche und Falschaussagen verstrickt. Die meisten Trainer haben darauf keinen Bock und antworten da eher mit Allgemeinplätzen. Sie haben dann eben Vertrauen in die Gruppe und all das.

    Tuchel versucht in England gerade das, was im Grunde auch Nagelsmann in Deutschland angekündigt hat mit einer Kaderzusammenstellung nach Rollen und Profilen. Solche Dinge, wie: Kann ein Spieler damit umgehen, wenn er nur Ergänzungsspieler ist? Hilft er da der Mannschaft oder macht er dann Stunk? Dabei hat er eine ganze Menge großer Namen rasiert und das ist für Medien und Fans natürlich ein gefundenes Gesprächsthema. In Deutschland diskutiert man über El Mala von Köln, in England über Foden oder Alexander-Arnold, d.h. Spieler, die schon als Leistungsträger in ihrer Vereinen Champions League Titel in ihrer Vita haben, aber offenbar nicht in die Pläne von Tuchel passen.

    Schon sehr komisch die Nagelsmann Entscheidung bzw. die Erklärung dazu. Einerseits nominiert man einen Spieler nicht, weil er 13 Tage nicht gespielt hat (was für eine Ewigkeit!:wall:), andererseits vertraut man einem sichtlich angeschlagenen und verletzungsanfälligen Torwart!

    Zweierlei Maß, würde ich sagen!

    Nagelsmann sagt immer wieder Dinge, die einfach fachlich nicht stimmen, weil er sich irgendwelche Begründungen für seine persönliche Vorlieben ausdenkt. Das ist meist gar nicht so schwer selbst nachzugucken, dass er nicht recht hat. Da sagt er dann eben, dass der Spieler so viele Kopfballtore macht, wie kein anderer. Guckt man schnell nach: Nee, trifft auch auf den oder den zu. Im Grunde ticken fast alle Trainer so, aber es gibt wenige, die sich beim Versuch das nicht einfach ehrlich zuzugeben so ungeschickt anstellen, um es einmal freundlich zu sagen.