Beiträge von brodie79

    Ankermann hat in der Jugend vermutlich sehr viel Mitte gespielt. Da ist ein gewonnener Zweikampf gegen die Hand natürlich was anderes als auf RL, gerade wenn es eine breitere Spielanlage ist. Sollte er viel da spielen, wird er sich sicher etwas umgewöhnen müssen.

    Das Problem bei verschiedenen Anlagen und Spielertypen ist nicht das individuelle, sondern die Abläufe als Mannschaft inkl. Zeit das zu trainieren. Die Steigerung der Effektivität geht einher mit einer kollektiven Durchführung der Spielidee. Wenn man rein über die individuelle Qualität gehen will, können verschiedene Typen wiederum gut sein. Ich glaube nur nicht, dass das zu der benötigten Effektivität führt.

    Für mich sind Quoten von anderen Teams hochgegangen, weil man von einer Gesamtphilosophie ausgehend angefangen hat, konsequent Spieler zu holen, die gar nicht alles können, durchaus auch klare Schwächen haben, aber genau das, was man für das System, für die Position braucht sehr gut können und dann vermutlich endlos das Feintuning trainiert hat.

    Beim THW wirkt es oft so, wie der Kaiser über seinen Sport sagte: Geht's raus und spielt's Fussball.

    Vlt. ist der THW dieses WE auch eine Turniermannschaft.

    Wenn man sich die erfolgreicheren Mannschaften der jüngsten Vergangenheit ansieht, dann spielen die oft gar nicht so facettenreich. Gab jetzt beim SCM nach dem Pokal bzw. der schwächeren Phase drumherum auch die Diskussion, dass es nur Plan A gibt. Bei Berlin ist es ähnlich. Beim CL-Finale z.B. konnte man schon so nach 10 Minuten sehen, dass die Berliner Spieler sehr unruhig wurden, weil ihnen der Plan A mit dem direkten Tempo aus der Mitte weggenommen wurde. Da hat man eine gewisse Ratlosigkeit gespürt. Trotz oft fehlenden Plan B, ist die konsequente Ausrichtung auf Plan A aber erfolgreicher gewesen als beim THW, wo man das für mich eher eine Mischung aus vielen Ideen ist.

    In Magdeburg gibt es nicht umsonst eine Zeit vor Saugstrup, wo Wiegert auch schon fast fünf Jahre im Amt war und eine Zeit mit ihm. Ohne die Arbeit am Kreis war das Durchbruchspiel "damals" noch nicht so effektiv, wie es dann mit entsprechender Kreisläufer-Arbeit ist. Dabei sind weder Saugstrup, noch Bergendahl, offensiv vom Wurf her ein großer Faktor. Man kann oder wird sicher versuchen bestimmte Erweiterungen zu machen und vlt. ist das auch ein Gedanke zu Briet beim SCM.

    Ich fand z.B. immer sehr aufschlussreich wie der isländische Rückraum in der Nationalmannschaft aussieht im Gegensatz zum SCM. Da hat man schon gesehen, wie essentiell der Kreis für eine hohe Effektivität der Spielweise ist.

    Bezogen auf den THW sehe ich aktuell nicht die Chance auf Wurfquoten von über 70% zu kommen, wie sie aktuell offensive Spitzenteams haben. Auch mit dem neuen Kader. Der Bestwert in jüngster Vergangenheit waren die 66,5% aus der Saison 20/21. Zu der Zeit war der Ligabestwert vom SCM aber auch nur 67,9%.

    Auch als zu Saisonbeginn Skipagøtu noch sehr viel präsent war, hatte er weder er persönlich noch Kiel als Mannschaft über Strecke eine solche Effektivität. In beiden Fällen waren es selten über 65%. Dafür braucht es aus meiner Sicht eine klare Kaderausrichtung auf eine Spielidee, welche auch immer das sein soll. Wenn man auf Durchbrüche setzen will, dann muss man konsequent Kreisläufer dafür holen, die auch nicht unbedingt herausragende Offensivspieler sein müssen.

    Dazu kommt eine hohes Maß an taktischer Disziplin. Mir brechen bei Kiel zu oft Spieler in unüberlegte Einzelaktionen aus, die oft auch gar nicht nötig gewesen wären. Ich muss sagen, ich liebe diese Trainer, die mit einem Tor unzufrieden sind, wenn es nicht so erzielt wurde, wie es der Plan vorsieht, weil sie wissen, dass es jetzt mal gut gegangen ist, aber eigentlich die Wurfposition nicht so war, dass das öfters gut gehen wird. Um da gleich gegenzusteuern wird selbst nach einem Tor nochmal erklärt, warum, wieso, weshalb nicht die Aktion war, die man eigentlich will.

    Auch Ankermann nimmt gerne den Platz gegen die Hand, wo er sich mit seiner Dynamik gut durchsetzen kann, aber kommt so in nicht so aussichtsreiche Wurfsituationen. Das sind dann die gefährlichen Tendenzen. Ja, er setzt sich natürlich gut durch, aber will man das als Team, dass man sich an der Stelle da so durchsetzen kann? Ist das wirklich die Wurfsituation, auf die man spielen will? Kann man so die Effektivität wirklich nach oben bringen? Nicht immer ist, das was (einfach) möglich ist, dass was man anstreben sollte.

    Zumal es sicher auch interessant wird, wie Briet beim SCM reinpassen wird von der Spielweise her. Eigentlich schien Jónsson eine ziemlich perfekte Verpflichtung für Magdeburg vor dieser Saison. Offenbar haben dort die Vorstellungen von Spieler und Verein nicht übereingestimmt und das relativ schnell so sehr, dass eine (schnelle) Trennung erfolgt.

    Kiel hat für mich auch davon gelebt, dass z.B. ein Spieler wie Bilyk, solange der Körper mitgemacht hat, in den Spielen gegen die Teams aus der unteren Ligahälfte mental voll da war, etliche Tore geworfen hat und sich auch nicht beklagt hat, wenn er in den "wichtigen" Spielen keine bis wenig Spielanteile bekommen hat.

    Ich fand beim THW z.B. die Jahre mit dem Torhüter-Duo Wolff/Landin auf der Position nicht so erfolgreich, weil die beiden gefühlt mehr damit beschäftigt waren, wer die Nummer 1 ist. Landin/Mrkva oder später Wolff/Mrkva mit einer klaren Nummer zwei fand ich besser. Bringt ja auch nichts Spieler zu holen, die dann super schnell unzufrieden ist und weg wollen, wie jetzt offenbar Jónsson beim SCM.

    Ich versuche mal ein bisschen Offtopic zu schreiben und den Bezug zum THW zu finden.

    Der Grundstein für die spätere Entwicklung des FC Bayern war nicht 2011, sondern schon 2009 die Verpflichtung von van Gaal als Trainer. Mit diesem hat Bayern angefangen taktisch, in der Trainingsarbeit und auch in der Kaderplanung konzeptionell zu arbeiten, d.h. man hat angefangen den Verein auf bestimmte Spielprinzipien auszulegen, auch in der Jugend. Dazu hatte er jede Menge EDV und Technik mitgebracht, um die Trainingsarbeit zu optimieren. Im Training hat er die Spieler bestimmte Pass- und Spielformen endlos üben lassen, was auch eine Weile gebraucht hat, bis das in Fleisch und Blut übergegangen ist. Er war ein richtiger Fußballlehrer, der vielen Spielern Dinge beigebracht hat, die im deutschen Fußball vorher gar nicht (so) präsent waren in der Trainingsarbeit. Von den Spielern der Bayern wurden die (fast) zwei Van-Gaal-Jahre oft als Basis für die späteren Erfolge hervorgehoben.

    Das Problem für van Gaal persönlich war dessen Besessenheit für die Ausbildung der (Jugend-)Spieler und dass er unbedingt zeigen wollte, dass Thomas Kraft als damaliges Talent im Tor (fast) genauso gut ist wie Manuel Neuer, den die Bayern verpflichten wollten. Darüber hat er sich dann mit den Vereinsbossen verstritten, denn er stellte Kraft (zu) früh ins Tor und dessen Fehler kosteten die Bayern auch Punkte. Später hat er zu Protokoll gegeben, dass es ihm nie darum ging, den Wechsel von Neuer zu verhindern, sondern er nicht wollte, dass ein Spieler automatisch gesetzt ist, weil er mit viel Trara geholt wird und deshalb zeigen wollte, dass auch Kraft die Nummer 1 sein kann, wenn er Leistung bringt.

    Parallel zu van Gaal hat es in Dortmund mit Klopp eine vergleichbare Entwicklung gegeben, d.h. eine sehr klares taktisches Konzept, Kaderentwicklung dahin und einen Trainer, der es schafft seine Vorstellung auch zu vermitteln, d.h. die Spieler davon zu überzeugen und sie auch menschlich mitzunehmen.

    Für einen Trainer ist das kein einfaches Anforderungsprofil und für den Verein auch nicht so einfach immer die passenden Spieler zu holen, aber ich sehe das auch für den THW als unabdingbar an. Es nicht ausgeschlossen, dass es auch anders geht, aber ich glaube nicht, dass man den Erfolg der Vergangenheit haben wird, wenn der Fokus auf der Einzelqualität der Spieler ist und nicht der Spielidee der Mannschaft.

    Wenn man sich Sport allgemein so die letzten 20 Jahre ansieht, dann hat es eigentlich überall einen gewissen Kampf gegeben zwischen der eher gefühlsmäßigen Betrachtung und einer datengetriebenen Ausrichtung. In der Mehrheit hat sich die Ausrichtung auf Daten durchgesetzt. Was Handball angeht, ist hier natürlich Bennet Wiegert zu nennen, als jemand der alles über Statistik sieht. So von Außen habe ich das Gefühl, dass der THW hier nicht so stark unterwegs ist. Man hört zumindest von den Verantwortlichen in der Regel nichts bei der Betrachtung der Spiele, was darauf schließen lässt, dass man (sehr) analytisch unterwegs ist.

    Was die immer wieder gerne geforderte Kompetenz in Dingen wie Aufsichtsrat, usw. angeht, finde ich das immer bisschen schwierig zu generalisieren. Normalerweise drehen sich die Uhren im Sport recht schnell und das, was einen vor 20 Jahren erfolgreich gemacht hat, ist nicht zwingend das, was einen aktuell erfolgreich macht. Man braucht als nicht einfach nur Leute, die im Sport zuhause sind, weil sie z.B. mal gespielt haben, sondern die auch die aktuellen Entwicklungen nachvollziehen und verstehen.

    Im Basketball z.B. habe ich ehemalige Spieler erlebt, die vor 20 Jahren Nationalspieler waren, die aber komplett die Entwicklung verpasst haben, warum und wieso z.B. aus bestimmten Bereichen des Spielfelds nicht mehr geworfen wird, was zu deren Zeit völlig normal war. Sagen eben die Daten, dass es statistisch keine gute Entscheidung ist, von da zu werfen, also haben die Teams ihre Spielweise angepasst. Dann sagt eben der ehemalige Spieler, dass ist doch totaler BS, während die Daten was anderes sagen. Hört man jetzt auf die Fachkompetenz des ehemaligen Spielers kann man schnell auf dem Holzweg sein.

    In seiner ersten Saison bei Bayern 23/24 hat Kane auch 36 Tore in 32 Bundesliga-Spielen gemacht, aber gereicht hat es nicht zum Titel. Leverkusen wäre vermutlich eh nicht schlagbar gewesen mit 90 Punkten, aber so landeten die Bayern auch noch hinter Stuttgart mit 72 Punkten. Immerhin ein Punkt mehr als im Jahr zuvor, als sie Lewandowski versucht haben im Kollektiv zu ersetzen und so nur 71 Punkte hatten, aber Dortmund die Meisterschaft am letzten Spieltag noch mit dem 2:2 gegen Mainz aus der Hand gegeben hat. Einfach "nur" Kane kaufen hat auf jeden Fall nicht gereicht.

    Adeyemi ist sportlich eine ähnliche Personalie wie Sane. Einzelne Highlight-Spiele und dann wieder viel Leerlauf dazwischen. Zudem hat Adeyemi diese Saison auch nur 39% der möglichen Minuten gespielt beim BVB und dieses Kalenderjahr noch weniger, auch weil er mal wieder eine kleinere Verletzung hatte. Führich hat nach der Saison 23/24, wo er so richtig durchgestartet ist, 1 1/2 schwierige Jahre in Stuttgart gehabt und sich jetzt zumindest in der Rückrunde wieder gefangen. Allerdings auch erst, als Stuttgart auf eine 3er-Kette umgestellt hatte, wo er dann die linke Schiene spielt, was es in der Nationalmannschaft so nicht gibt. Ähnliches versucht der BVB auch gerade mit Beier, der dann wohl den Vorzug erhalten hat.

    Problem für Deutschland könnte werden, dass man eigentlich gar keinen Stürmer dabei hat, der wirklich immer in der zentralen Position spielt. Woltemade lässt sich viel ins Mittelfeld fallen, will eher auflegen als abschließen. Ist so in der Regel als hängende Spitze am effektivsten. In der U21 hat Woltemade mit Tresoldi sehr gut harmoniert. Wie man lesen konnte, war auch Tresoldi durchaus eine Option für den Kader, was schon zeigt, wie schwierig die Position ist, weil auch Kleindienst die ganze Saison verletzt ausgefallen ist und auch Füllkrug nicht mehr in die Gänge kommt. Undav spielt meist rund um Demirovic in Stuttgart, auch wenn er zumindest auch immer mal vorn zentral spielt und eine gute Tor-Quote hat. Völlig unverständlich, warum ihn Nagelsmann so demontiert hat. Havertz macht das taktisch super als Stürmer, weil er sehr konsequent in die Tiefe geht und so anspielbar ist oder Räume öffnet. Hat aber überhaupt keinen Abschluss und braucht so extrem viele Chancen für ein Tor und ist so eigentlich auch wieder nicht für die Position geeignet. In der Vergangenheit hat Havertz vor allem für Musiala viele Raum eröffnet, aber auch er hatte in der Nationalmannschaft eine sehr schlechte Chancenverwertung.

    Ähnliche Probleme hatte Deutschland schon öfter, aber da gab es z.B. Müller, der aus dem offensiven Mittelfeld oft sehr abschlussstark war. Muss man vermutlich darauf bauen, dass Wirtz weiter treffsicher bleibt und auch Musiala nachziehen kann.

    Für mich vor allem ein Problem, weil ich denke, dass es einige Tore brauchen wird. Kimmich hinten rechts ist zwar gesetzt, auch aus Mangel an Alternativen, aber ich würde Kimmich nicht auf einer Position spielen lassen, wo es taktische Disziplin braucht. Dafür hat er zu viele Heldenanwandlungen und rennt überall auf dem Spielfeld herum. Entsprechende Lücken werden die Folge sein, weil auch Raum auf der anderen Seite normal viel Vorwärtsdrang hat. Würde mich überraschen, wenn man eine wirklich stabile Defensive gestellt bekommt.

    Haben die anderen Kiel den Rang abgelaufen, weil sie finanziell vorbeigezogen sind und sich damit sportlichen Erfolg kaufen konnten oder sind sie nicht vielmehr vorbei, weil sie mit weniger Mitteln als der THW mehr sportlichen Erfolg hatten, den sie dann auch nutzen konnten, um sich finanziell zu verbessern? Finanzielle Mittel braucht man doch vor allem, um Erfolg auch zu halten. Ich würde mal behaupten, dass 90% der Spieler, die für die Erfolge von Magdeburg oder Berlin verantwortlich sind, zum Zeitpunkt ihres Wechsel (zum Teil deutlich) weniger verdient haben, als jetzt.

    Sportlichen Erfolg kann man sich bis zu einem Punkt erkaufen, wenn man extrem viel mehr Geld hat. Dann könnte man z.B. einen Saugstrup so derart mit Geld zuwerfen, dass er zumindest auch ins Grübel käme und könnte potentiell zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Aber eine solche finanzielle Überlegenheit ist doch aktuell bei keinem Team in der HBL zu erwarten. Insofern ist der Schlüssel sinnvolle sportliche Entscheidungen zu treffen. Beam Kristjánsson zurück nach Kiel und lass ihn entweder unvorbereitete Rückraumwürfe machen oder gib ihm keinen Kreisläufer, der für ihn Sperren stellt und man wird recht schnell sehen, dass seine Effektivität in den Keller gehen wird.

    Verletzungshistorie: Manuel Neuer
    Alle Verletzungen von Manuel Neuer, Art, Statistiken, Anzahl der verpassten Spiele, Wettbewerbe...
    www.fussballtransfers.com

    Das waren die letzten drei Wadenverletzungen von Neuer.

    Zitat
    SaisonArt der VerletzungBeginnEndeAusfalltageverpasste Spiele
    2025/2026Wadenverletzung07/03/202605/04/2026224
    2025/2026Wadenverletzung15/02/202607/03/2026172
    2024/2025Wadenverletzung06/03/202504/05/2025509

    Zumal Deutschland unter Löw mit Flick als Co-Trainer auch extremen Harakiri-Fußball gespielt hat, mit dem Versuch, die Mannschaft immer höher und höher stehen zu lassen. Da war es schon Pflicht in jedem Spiel zwei Tore zu schießen, um zu gewinnen oder wenigstens nicht zu verlieren. Das hat man dann auch bei Bayern unter Flick gesehen und heute Barcelona. Für die Show super, für die Torhüter eher nicht so. Zum Glück für Deutschland war der Scouting-Report von Siegenthaler aus dem Confed 2013 so, dass Deutschland in diesem Turnier anders aufgestellt hat, Neuer in Über-Form war und man so auch mal in der Lage war, Spiele mit 1:0 zu gewinnen.

    Beim Basketball kann man, auch in der BBL, den Schiedsrichter auch zuhören beim Videobeweis. Einer der Sätze, den man viel hört: "Bitte nochmal in Realgeschwindigkeit". Ich habe den Eindruck, dass man dort besser verstanden hat, wie Spielszenen in Zeitlupe dramatischer wirken können. Wenn das in der HBL bei den Schiedsrichter nicht so ist, kann man schon nachvollziehen, warum aus Kontakten mehr gemacht wird.

    Vor allem ist doch bei Neuer das größere Thema, dass er alleine dieses Jahr drei Muskelverletzungen hatte, dazu noch andere Ausfälle und aktuell auch schon wieder die Woche nicht trainiert hatte wegen der nächsten Muskel-Probleme, wo unklar ist, ob er jetzt am WE im Pokalfinale spielen kann. Die Wahrscheinlichkeit, dass er ein Turnier auch durchsteht ist schon nicht gut. Bei den Bayern war es nun mittlerweile schon fast normal, dass Neuer während des Spiels ausgewechselt wird, weil es meist recht egal ist. Was ist denn, wenn bei ihm im zweiten Gruppenspiel in der 60. Minute wieder die Muskulatur nicht mehr mitmacht, wie jetzt beim letzten Saisonspiel. Geht er dann auch raus? Nach dem ganzen Theater?

    Eike Immel stand neben den genannten Schumacher und Illgner noch 1988 im Tor bei der EM zwischen den beiden. Da hatte er etwas davon profitiert, dass der Streit zwischen Schumacher und Uli Stein bei der WM 1986 in Richtung von Beckenbauer so eskalierte, dass Stein rausflog aus der Nationalmannschaft und Schumacher dann nach der WM 1986 ein Enthüllungs-Buch veröffentlichte über Doping und was so hinter den Kulissen bei der Nationalmannschaft passierte. Immel war dann aber recht schnell seinen Posten los an Illgner los und beendete aus Protest direkt seine Nationalmannschaftskarriere.

    Neben ter Stegen wäre nach dem Rücktritt von Neuer jetzt eigentlich Bernd Leno die sportlich naheliegendste Lösung, aber aber schon alleine, weil sich ter Stegen und Leno seit Jugendtagend bekriegen, ist Leno dann recht schnell auch aus dem Kreis der Nationalmannschaft rausgewesen und wollte zuletzt auch nur wiederkommen, wenn er die Zusage bekommt, dass er die Nummer 1 wird.

    Der entscheidende Faktor bei so einem Turnier ist, dass die Gruppe superschnell eine extrem verschworene Gemeinschaft wird. Aus diesem Grund ist das Hauptaugenmerk bei der Nominierung auch nicht der rein sportliche Aspekt, sondern da müssen mittlerweile 26 Leute über mehrere Wochen gemeinsam an einem Strang ziehen. Argentinien ist nicht das letzte Mal Weltmeister geworden, weil sie die besten Spieler hatten, sondern weil die sich füreinander den A... aufgerissen haben, bis zu dem Punkt, wo selbst Messi angefangen hat, nach hinten zu arbeiten. Bei Deutschland gab es dann die internen Konflikte, z.B. ob und wie man mit dem ganzen Thema Menschenrechte umgehen soll, wo dann es dann Grüppchenbildung gab und dann war es dann eben schnell vorbei. Im Fußball läuft nun mal extrem viel über die Geschlossenheit der Mannschaft und solche Aktionen wie jetzt mit Neuer sind dafür komplett kontraproduktiv. Vor allem, wenn man hört, dass sich wohl Spieler des FC Bayern dafür beim Bundestrainer sehr stark gemacht haben. Das kommt bestimmt beim Rest super an.

    Knorr, Uščins, Grgic, usw. neigen zu Heroball, wie man im Basketball sagt, d.h. sie nehmen sich eine ganze Menge Abschlüsse bei denen man nicht erwarten kann, dass sie diese konstant hochprozentig treffen. Oft genug müssen sie diese auch nehmen, weil es keine bessere Option gibt. Das ist entsprechend risikoreich und so schwankt die Mannschaft auch extrem. Viel hat beim letzten Turnier nicht gefehlt und es wäre in der Vorrunde Schluss gewesen oder man wäre mit 0 Punkten in der Hauptrunde gegangen und dann wäre diese vielleicht auch nicht so erfolgreich gelaufen.

    Mit Lichtlein hat man die Möglichkeit einen Spieler zu integrieren, der nochmal ein ganz anderes Element ins Spiel bringen kann, was im Idealfall die Außen besser ins Spiel bringt und auch den Shootern zu besseren Möglichkeiten verhilft, weil Deutschland weniger berechenbar ist und die Abwehr des Gegners nochmal anders beschäftigt. Klar, kann man sich mit dem aktuellen Stand zufrieden geben und sagen, dass man nicht mehr kann, aber was genau hat man denn zu verlieren? Darauf zurückzukommen, dass drei Leute im Rückraum wilde Würfe nehmen, kann man doch immer.

    Øverby ist mal zum THW gekommen als Nachfolger von Horák. Vor Øverby hatte Kiel, wenn alle gesund waren, nur zwei Kreisläufer im Kader mit Pekeler und Wiencek. Horák, als ehemaliger Rückraumspieler, war das erfahrene Backup für den Innenblock, der offensiv gar keine Rolle gespielt hat. Als er 2022 aus Kiel weg ist, war er 39 Jahre alt. Øverby hatte zuvor in Erlangen auch primär Abwehr gespielt. Dass er überhaupt in der Rotation der Kreisläufer auch offensiv so viel eingebunden wurde, war eher überraschend.

    Mit Wiencek hatte Kiel in der Vorrunde der Saison 22/23 nochmal bis 2025 verlängert, als das Duo Pekeler/Wiencek, zumindest in der HBL, noch absolute Leistungsträger waren. Das Problem für Kiel war vielmehr, dass Wiencek im Laufe seines letzten Vertrages dann doch spätestens ab der Saison 23/24 zwischenzeitlich erheblich abgebaut hat. Hier hätte man eigentlich spätestens im Laufe der Saison reagieren müssen und ab 24/25 einen jüngeren Kreisläufer holen müssen und für Wiencek wäre dann eher die Øverby-Rolle da gewesen. Das wollte man vermutlich aber mit Wiencek nicht machen, rein vom Status her, und so war es dann vermutlich auch naheliegend mit Øverby weiterzumachen als Backup für den Innenblock.

    Beim THW hat man doch in den letzten Jahren eine klare Tendenz (zu) lange an bewährtem festzuhalten und eher zu spät zu reagieren als früh zu agieren.

    Am Ende der letzten Saison war die beste Defensivformation Dahmke (2012/2014), Landin (2018), Pekeler (2018), Wiencek (2012), Duvnjak (2014) und Zerbe (2024). In Klammern immer, wann sie gekommen sind. Bis auf Zerbe, der Ekberg (2012) beerbt hat, hat man es zwischen 2018 und 2025 nicht geschafft einen Impact-Spieler für die Defensive zu etablieren, wo man diese Saison dann Načinović für Wiencek hat, was für mich jetzt auch kein signifikantes Upgrade ist.

    Offensiv kann man in der Zeit über Sagosen (2020), Johansson (2022), Skipagøtu (2023), Madsen (2024) reden, d.h. da hat man eine Reihe von Spielern geholt, die offensiv eine klare Marke gesetzt haben. Mir fehlt der Spieler, bei dem man man sagen kann, dass er den THW in der Defensive verbessert hat, am besten deutlich. Hoffentlich wird das Köster dann nächste Saison.

    Die erste Saison von Sagosen war gut, ohne ihn gewinnt der THW nicht das nachgeholte CL-Final 4 von 2020. Schon am Ende der ersten Saison war dann aber z.B. das Spiel in Paris, wo Kiel in der CL ausscheidet und er die zweite Zweiminuten-Strafe kassiert, dann solange meckert, bis er die dritte noch bekommt und mit Rot raus ist. Häufig hatte man das Gefühl, dass er seine Nerven nicht so ganz im Griff hat, weil er sich auch viel zu viel Druck gemacht hat, unbedingt der Spieler zu sein, der alles trägt. Die zweite Saison war dann insgesamt schon nicht mehr so gut. Gleich zu Beginn war klar, dass er am Ende der drei Jahre Vertrag nach Kolstad geht und dann hat er noch mehr überdreht, als zuvor schon gelegentlich. Außerdem wurde die Fitness schlechter. Beim Pokal Final 4 war er dann aber nochmal die tragende Kraft in der Offensive für den Titelgewinn.

    Schlussendlich hat er sich dann am Ende von Jahr zwei noch schwer verletzt und kam dann nochmal in der Rückrunde seiner letzter Saison zurück. Da fand ich ihn besser, weil effektiver, als vor der Verletzung. In der Saison hatte Kiel aber auch eine sehr große Kaderbreite und hat diese nochmal zum Gewinn der Meisterschaft sehr gut genutzt. Grundsätzlich habe ich bei Vertragsende von Sagosen nichts gesehen, was zum damaligen Zeitpunkt nicht auch von Johansson erwartbar war und was dieser auch schon gezeigt hatte.

    Problem aus Kieler Sicht war, dass man zwei Jahre Zeit hatte, sich auf den Abgang einzustellen und dann am Ende der Plan dann war, dass Bilyk in die Mitte rückt und Wallinius die Kaderstelle von Sagosen bekommt und für Bilyk auf RL spielt. Die Einschätzung, dass Bilyk den THW auf der Mitte tragen kann, war entsprechend falsch und bei Wallinius konnte man recht schnell sehen, dass es da an der Handlungsschnelligkeit hapert. Trotzdem war überraschend, dass man mit Bilyk dann im November 2023 verlängert hat bis zu diesem Sommer, denn da konnte man schon sehen, dass er auf der Mitte nicht funktioniert. Grundsätzlich hätte ich sportlich auch Bilyk statt Wallinius als zweiten Mann auf RL gesehen, zumindest in der Offensive, aber da Wallinius mit Ablöse vorzeitig geholt wurde und gerade im zweiten Jahr seines Fünfjahresvertrags war, schien Bilyk hier ein Stück weit das Pech zu haben, dass Kiel dringend einen neuen zentralen Spieler brauchte, da auch Skipagøtu noch nicht so richtig angekommen war. Aber Bilyk war gerade 27 geworden und vermutlich hat man beim THW zu sehr an eine weitere Entwicklung bei ihm geglaubt.

    Zarabec hingegen war beim THW eigentlich nie ein tragender Spieler. Er bekam doch in der Regel die unbedeutenden Spiele in der CL oder bei bedeutenden Spieler war er sowas wie die letzte Option, wenn alles andere nicht griff.

    Schon jetzt erlebt man z.B. in der IT eine Welt, wo niemand sich mehr mit den Basics beschäftigen will und durch KI auch muss. Sobald die Dinge aber komplex werden, macht die KI sehr zuverlässig Fehler. Und dann sitzen die Kollegen da und haben keine Idee mehr, was sie machen sollen, weil sie nie die Basics gelernt haben. Ja, das ist lästig und auch für alte Hasen wie mich ist es sehr praktisch, sich Dinge über die KI schnell zu erstellen, aber ich kann die KI noch überprüfen. Das können viele jüngere Kollegen nicht mehr, weil sie nur noch gewohnt sind, die KI machen zu lassen. Die sind drauf angewiesen, dass die KI funktioniert oder komplett aufgeschmissen.

    Du siehst also einen Madsen/Reinkind als die größere Baustelle als

    Peke/Nancinovic/Laube?

    Ich finde der THW offensiv keine guten Kreisläufer, dies hat man gerade gegen Berlin wieder gesehen.

    Je nach Möglichkeit würde ich eher versuchen einen Fischer zu locken und einen Laube abzugeben.

    Was man an Kreisläufern braucht, hängt stark von der Spielidee ab. Wenn man auf Durchbrüche gehen will, dann geht es primär darum, Kreisläufer zu finden, die Sperren stellen und halten können. Wenn so eine Spielanlage funktioniert, wird sowieso kaum aufs Tor geworfen vom Kreisläufer. Der SCM steht z.B. aktuell auf Platz 17 der Liga bei Toren vom Kreis. Rein von der Quote her auch nur auf Platz 9, aber auch mit besserer Quote wären sie da nicht weit vorne dabei. Letzte Saison hatte der SCM die zweitbeste Quote am Kreis und war trotzdem nur auf Platz 15 bei der Anzahl der Tore vom Kreis. Das ist auch nicht deren Aufgabe bei einem Durchbruch-Team.

    Letzte Saison hatte Kiel die meisten Tore in der Liga vom Kreis, stand aber nur auf Platz 10 mit der Quote (73,66%). Diese Saison ist es Platz 6 bei den Toren und Platz 13 bei der Quote (71,36%). Bei der aktuellen Spielweise wird vom THW häufig der Kreis gesucht. Wenn man diese beibehalten will, dann macht es schon Sinn, zu gucken, ob man näher an die 80% kommt, die aktuell Ligaspitze (RNL) sind.