Interview von Gerd Hofele in den Stn...
Frisch-Auf-Geschäftsführer Hofele: „Ich sehe den Bundesligahandball in Göppingen eher als gefährdet an“ - Sport
Ich habe mal das beste rauskopiert....
"Sie sind dieses Jahr 60 Jahre alt geworden, seit 1997 im Göppinger Management, 2026 jährt sich der Wiederaufstieg zum 25. Mal. Sie sehen Ihre Mission bei Frisch Auf noch nicht am Ende?
Wir haben unsere Ambitionen mit der Agenda 2030 umrissen. Wir müssen uns derzeit neu erfinden – mit einer extrem jungen Mannschaft. Wir sind zwar eine exklusive Traditionsmarke, befinden uns aber mit den ganzen Großstadtprojekten in einem neuen Wettbewerb, bei dem die Schere immer weiter auseinander geht.
Welche konkreten Ziele gibt es?
Beispielsweise würden wir gerne zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte den DHB-Pokal gewinnen.
Das ist Ihnen 2011 mit dem EHF-Pokal-Sieg gelungen.
Da dachte ich, ich könnte in Rente gehen, weil ich alle meine beruflichen Ziele erreicht habe (lacht). Es folgten noch drei weitere Titel 2012, 2016 und 2017. Aber die Ziele gehen nicht aus. Nächstes Thema ist der Ausbau des Trainingszentrums für unsere Nachwuchsakademie.
Will Frisch Auf wieder nach Europa?
Das ist immer unser Ziel.
Vergangenes Jahr war man näher an der zweiten Liga als an einem internationalen Wettbewerb.
Das ist dann eine Momentaufnahme. Das geht anderen auch so. Unser Nachbar TVB Stuttgart war 2023/24 ein einziges Mal in der Abschlusstabelle vor uns, feierte sich als Württembergischer Meister und wäre im Jahr danach um ein Haar abgestiegen.
Wie lautet Ihre Zwischenfazit des bisherigen Saisonverlaufs.
Die beiden Niederlagen zuletzt gegen Lemgo und in Eisenach haben das Ganze getrübt. 19:15 Punkte wären wirklich top gewesen, jetzt haben wir 15:19. Doch ich sehe einen Entwicklungsprozess in der Mannschaft, besonders in der Abwehr. Insgesamt haben wir eine extrem homogene Einheit. Es macht brutal viel Spaß, den Jungs zuzuschauen. Das sieht man auch an der Reaktion des Publikums, das ein gutes Gespür hat. Denn Herz und Leidenschaft werden honoriert. Die Identifikation ist extrem groß.
Hat sich die Doppelfunktion von Trainer Ben Matschke bewährt, der formal die Sportliche Leitung von Christian Schöne übernommen hat? Oder war das nur eine Änderung auf dem Papier?
Beide arbeiten nach wie vor sehr eng zusammen, da das Nachwuchscenter, das Christian Schöne leitet, aufgrund unserer strategischen Ausrichtung eine immer größere Rolle spielt. Ben Matschke blickt über den Tellerrand hinaus, er kann viel mehr, als nur das Training zu steuern.
Welche Rolle spielen die ehemaligen Spieler Manuel Späth und Matthias Dudium, die Sie in den Verein integriert haben?
Manu ist Markenbotschafter, mit ihm tauscht sich eher mein Stellvertreter in Marketingfragen aus. Ti ist Berater des Aufsichtsrats. Immer wieder habe ich mit den beiden Kontakt.
Der Vertrag mit Hauptsponsor Teamviewer endet am Saisonende. Wird die Zusammenarbeit verlängert?
Wir sind in Gesprächen, die nicht abgeschlossen sind.
Was machen die Pläne, die Infrastruktur in und um die EWS-Arena zu verbessern?
Wir wollten Qualitätsverbesserungen in der Halle, zusätzliche Vip-Räume, damit nach dem Last-Order-Signal nicht gleich die Kehrmaschine durch unseren Vip-Raum in der kleinen EWS-Arena fährt. Wir hätten gerne ein Museum integriert, eine eigene Rehapraxis. Dinge, die den Club und die Marke Frisch Auf attraktiver machen. Das wurde durch Corona und den Oberbürgermeister-Wechsel leider nicht realisiert. Und jetzt ist die Finanzkrise da, deshalb sehe ich realistischerweise in absehbarer Zeit keine Verbesserung. Leider.
Sehen Sie den Bundesligahandball in einer Stadt wie Göppingen mit den vorhandenen Rahmenbedingungen in den nächsten zehn Jahren als gewährleistet an?
Nein, ich sehe den Bundesligahandball in Göppingen eher als gefährdet an. Eindeutig. Wenn die Entwicklung so weitergeht, dann wird das schwierig.
Sie befürchten, dass es in die zweite Liga runtergehen könnte?
So weit denke ich jetzt nicht.
Aber wenn der Bundesligahandball in Göppingen gefährdet ist. . .
. . .muss ich trotzdem nicht an die zweite Liga denken. Aber wenn die Stadt in den nächsten 15 Jahren nichts unternimmt und unsere Sponsoren Schwierigkeiten haben, dann werden wir uns schwer tun, in der Bundesliga zu bleiben. Andere Clubs aus Großstädten, wie etwa die Rhein-Neckar Löwen, haben ganz andere Arenen, ein ganz anderes Zuschauerpotenzial.
Was muss passieren, damit Göppingen ein erstklassiger Standort bleibt?
Kurzfristig müssen sich die Trainingsbedingungen für unser qualitativ hochwertiges Nachwuchscenter mit unsere vielen Toptalenten weiter verbessern, da wir in der Arena eine Überlastungssituation haben. Wir können nicht mit sechs von 18 Bundesliga-Kaderspielern aus dem eigenen Nachwuchs planen, haben aber keine Trainingsmöglichkeiten für die Ausbildung der Jugendspieler. Dann gehen die nach Mannheim, Berlin, Dormagen, oder sonst wo hin, weil sie dort bessere Voraussetzungen haben.
Frisch Auf hat eine breite Sponsorenpyramide. . .
. . .aber im Handball haben wir dieses regionale Phänomen, wir werden keinen Großsponsor aus Frankfurt finden, der in Frisch Auf investiert. Du brauchst aber große Partner. Das ist in Stuttgart leichter möglich, als in Göppingen."