Für das Tempo-Spiel braucht es vor allem auch schnelle Außen. Bei Berlin funktioniert das, weil sich West av Teigum, Freihöfer und auch Lichtlein, wenn er auf Außen verteidigt, super schnell in Position für ein Anspiel aus der schnellen Mitte bringen. Ähnlich wie Jacobsen bei Flensburg. Am WE gegen Berlin hat man auch gut gesehen, dass z.B. Lichtlein auf Außen einige Male Imre geschlagen hat, nicht weil er schneller gerannt ist, sondern weil er viel schneller umgeschaltet hat. Als Imre ihn dann eingeholt hatte, war es schon zu spät. Die haben das Spiel inkl. richtige Positionierung durch endlos Training und Anwendung einfach im Blut. Deshalb ist der Trainer auch nicht egal. Auf Linksaußen fehlt Kiel hier aktuell komplett das Tempo. Da hatte West av Teigum komplett freie Bahn. Wenn Berlin gegen den SCM spielt, sieht man auch gut, wie man das Tempo-Spiel der Berliner deutlich verlangsamt bekommt, wenn man entsprechende Außen dagegenstellen kann, die schnell genug sind, d.h. Beine und Kopf, um die Passwege zuzumachen.
Was das generelle Tempo, auch im gebundenen Angriff angeht, hat man bei Berlin durch Granlund auch sehr gut gesehen, was das ausmacht. Mit ihm stockte das Spiel deutlich, weil er nicht intuitiv weiterspielen konnte, sondern sich erstmal orientieren musste. Und dieser kleine Bruchteil ist dann der Unterschied. Man kann also auch nicht einfach schnell Spieler zusammenpacken und erwarten, dass die Tempo spielen. Das muss wie ein Orchester penibel aufeinander abgestimmt haben, dass man aus Tempo auch Effektivität erreicht. Sollte Kiel hier etwas erreichen wollen, dann wird das eine ganze Weile dauern, bis das gut funktioniert. Zudem sollte die Spieler auch mal Wochen und Monate zusammen spielen können.
Skipagøtu und Madsen sind auch dem Papier zwei Jahre im selben Team und wieviel haben die miteinander gespielt?
Ich fand im Übrigen nicht, dass das mit Skipagøtu und Madsen so richtig gut funktioniert hat. Primär hatten die Gegner Probleme sich auf Skipagøtu einzustellen. Je länger die Vorrunde lief, desto mehr konnte man das bei den Gegnern sehen, dass es genug Film von ihm gibt, um sich darauf vorzubereiten. Und dann fing er an mit dem Kopf durch die Wand zu wollen, inkl. Verletzungen. Da fehlte dann die Anspielstationen, weil keiner mitkam. Oft kam er erst im 7:6 ins Spiel, weil er durch den zweiten Kreisläufer dann Platz für Durchbrüche hatte. Madsen hingegen wirkte teilweise fast schon genervt, dass er gar keinen Abschluss bekam, nachdem er letzte Saison gefühlt alles über ihn lief. Dann fing er an, noch wildere Würfe zu nehmen, wenn er mal den Ball hatte und seine Quote sank noch unter die 62% der letzten Saison. Ich kann mich noch an Spiele erinnern, wo ich beim zugucken dachte: Ich würde jetzt jede Summe darauf wetten, dass Madsen sofort wirft, sobald er den Ball in die Hand bekommt.