Man hat doch zwischen 2015 und 2018 gesehen, als es galt auf jüngere Spieler zu setzen, die nicht als Weltklasse nach Kiel gekommen sind, weil einige der älteren mit erheblichen Verletzungsproblemen zu kämpfen hatten, dass es Gislason überhaupt nicht gelang, aus der "nächsten Generation" eine erfolgreiche Mannschaft zu machen. Das war ein klarer Abwärtstrend mit Platz 5 am Ende von 17/18 und dem Verpassen der CL, was in den beiden Jahren davor auch nur gelang, weil der Liga-Dritte da noch in die CL kam. Von der Meisterschaft war Kiel 2018 als Jicha als Co wiederkam einiges entfernt.
Als dann ab spätestens 18/19 die Mannschaft wieder fit war und die älteren Spieler um die 30 noch genügend im Tank hatten, ging es zusammen mit der Verpflichtung von Pekeler wieder bergauf. Jicha hat als Co auch die Vorbereitung für 18/19 gemacht und was man so lesen konnte, auch in diesem Bereich einige Änderungen mitgebracht. Wie maßgeblich das war, dass der THW wieder deutlich fitter wurde mit der Rückkehr von Jicha ist natürlich schwer zu sagen. Vielleicht hatte er nur Glück und/oder auch andere Faktoren.
Eines der ersten Dinge, die Jicha bei seiner Übernahme angekündigt hatte, war mehr Tempo zu spielen. Schon alleine die zweite Welle wurde unter Gislason kaum noch gelaufen. Die Spiele unter Gislason waren oft noch schwieriger anzusehen in den letzten Jahren als dann mit Jicha, auch wenn man sich das heute kaum vorstellen kann. Ich kann mich noch an die ersten Spiele mit Jicha erinnern, wo wesentlich mehr Dampf drin war, als oft in den Jahren zuvor. Gerade mit Duvnjak in der zweiten Welle.
Kiel hatte damals eben noch Top-Abwehrspieler. Dazu brachte Jicha taktisch eine Veränderung mit der Abwehr mit den offensiven Halben. Gislason hatte hier Glück, dass er nach drei schlechteren Jahren so noch eine Saison 18/19 bekam, die ihm ein ähnlich schwieriges Ende wie jetzt Jicha erspart hat. Auf ein ähnliches Schicksal hat vermutlich Jicha jetzt gehofft, d.h. alle Verletzungen überstanden, Neuzugänge schlagen ein und dann ist man wieder oben dabei.
Weder Gislason, noch Jicha ist es am Ende ihrer Tätigkeiten gelungen, einen Umbruch auf jüngere Spieler hinzubekommen, die nicht als Weltklasse nach Kiel gekommen sind.
Beim THW herrscht für mich, nicht nur auf der Trainerebene, eine zu große Fixierung auf Einzelspieler. So als bräuchte man nur genug Einzelkönner und dann hat man Erfolg. Die letzten Jahren haben aber etwas anderes gezeigt. Die haben auch gezeigt, dass man nicht das meiste Geld braucht oder nicht den tiefsten Kader, wenn konsequent auf eine Spielidee verpflichtet wird, d.h. es verstanden wird, welche Spieler passen wie warum zusammen.
Für mich haben weder Gislason noch Jicha einen Plan gehabt, wie man die Mannschaft hin zu Teamhandball bringt. Im Grunde sieht man bei der Nationalmannschaft jetzt mit Gislason ähnliche Probleme mit einem extrem Hang zum Hero-Ball.
Ich finde die Frage irgendwo im Thread: "Wo ist das Ergebnis der Aufarbeit?" schon durchaus passend. Hat man denn verstanden, was die anderen erfolgreicher gemacht hat? Hat man sich mal intensiv mit den Spielweisen anderer Teams auseinandergesetzt und sich gefragt, warum die z.B. offensiv eine Effektivität erreichen, die Kiel auch in den erfolgreichen Jahren nie hatte? Warum mach man auch mit Tempo über Skipagøtu nicht die Effektivität hatte wie die Top-Teams? Wie die Mitspieler aussehen müssen, damit das besser läuft? Hat sich auch mal mit Fragen beschäftigt, was man taktisch auch defensiv falsch macht. Warum die Gegner extrem viele offene Würfe bekommen?
Wenn die einzige Antwort darauf die Qualität der Einzelspieler oder deren Ausfälle war, dann greift das viel zu kurz. Leider wurde auch jetzt bei den Veränderungen auch nicht mal wirklich nachgebohrt, was denn die handwerklichen Themen für den Misserfolg sind. Stattdessen gab es Prozesse und Impulse. So als bräuchte es nur eine andere Ansprache. Kann man nur hoffen, dass intern auch einem anderen Level abläuft.
Beim CL Final 4 konnte man jetzt sehr verschiedene Ansätze in Sachen Kaderplanung und Spielweisen sehen mit Kadern, die allesamt durchaus Lücken und Schwachstellen haben und trotzdem sehr erfolgreich waren. Wenn es mit Lund gelingt, dass der THW sich taktisch ein Ziel setzt und konsequent auf dieses trainiert und nach und nach den Kader dahingehend gestaltet, dann kann man auch wieder nach oben. Wenn man sich die Liga und CL ansieht, dann erscheint der Fokus eine starke Defensive in Summe erfolgversprechender als der sehr offensiv-lastige Ansatz von Berlin, auch wenn der THW die letzten drei Jahre der Füchse sicher gerne genommen hätte und gefühlt auch in Summe eher Spieler für eine solche Spielweise geholt hat.