Wie in vielen Unternehmen, herrscht beim THW offenbar ein Geist, bei dem es in erster Linie darum geht, keine Angriffsfläche zu bieten. Gründe, warum dies, das und jenes vom Ergebnis nicht gut lief, gibt es immer in der Regel immer genug. Wenn man es aber vom eigenen Denken her zulässt, dass die Gründe wirklich primär externe Faktoren sind, für die man nichts kann, dann kann man schnell in ein Mindset abrutschen, was jegliches verbessern schwierig macht. Auch wenn man vlt. anfängt, dass erstmal nur öffentlich zu sagen. Man sieht das häufig, dass Leute an Dinge glauben, weil sie sie nur oft genug wiederholt haben.
Grundsätzlich ist es natürlich so, dass in der normalen (Arbeits-)Welt ständig und überall versucht wird, die Dinge besser dastehen zu lassen, als sie sind. Es funktioniert normalerweise auch durchaus sehr gut, denn in der Regel lassen sich viele mit schönen Worten und irgendwie plausibel klingenden Gründen auch beschwichtigen. Das ist aber ein gefährlicher Weg, denn um wirklich weiterzukommen, gerade auf dem ganz oberen Level, muss man auch gegen sich eine Härte haben, die keine Alibis zulässt. Und wenn man die hat, neigt man in der Regel dazu, auch gegenüber anderen nicht so aufzutreten, dass man externe Faktoren vorschiebt.
Wichtiger als Handball-Sachverstand im AR fände ich, wenn von hier aus eine Unternehmenskultur eingefordert und etabliert würde, welche keine Alibis zulässt, auch wenn sie durchaus berechtigt sind. Solche Pressemitteilungen wie dem THW würde ich kategorisch verbieten, weil sie einer Leistungs- und Verbesserungskultur nicht entsprechen.
Dass Skipagøtu für dieses elementare Final 4 ausfallen könnte, ist doch nun kein unvorhersehbares Ereignis gewesen, was völlig aus der Kalten kam. Also muss ich mich doch viel mehr darauf vorbereiten, dass er nicht dabei ist. Dann kann ich natürlich sagen: Naja, ohne Skipagøtu hatten wir halt keine Chance, weil da hätten wir anders spielen können oder ich kann sagen: Die Vorbereitung auf diese Spiele ohne Skipagøtu war einfach nicht gut genug.
Jetzt muss man sich nicht öffentlich über die Maßen selbst kasteien, aber das mindeste, was man erwarten muss, ist doch das Eingeständnis, dass man es nicht geschafft hat, spielerische Lösungen mit den Spielern zu finden, die da sind und es nicht auf Pech oder Verletzungen zu schieben. Da erwarte ich einfach von den sportlichen Verantwortlichen, dass sie in der Lage sind, einzugestehen, wenn ihnen Dinge nicht gelingen oder sie Fehler machen. Und mal ganz ehrlich: Wenn es so sein sollte, dass man sich wirklich primär auf ein WE mit Skipagøtu vorbereitet nach dessen Verletzungshistorie, dann ist das ein noch größerer Fehler.
Und selbst wenn es Pech wäre, und wenn die Verletzungen natürlich schwierig sind, und wenn vlt. auch die Schiedsrichter nicht immer das gepfiffen haben, was man vlt. hätte pfeifen können. Aber: Solange man Situationen hat, wie nach der letzten Auszeit, wo es diesen einen Angriff braucht in 15, 20 Sekunden, um die Saison zu retten und man ist darum überhaupt nicht wirklich vorbereitet, solange hat man über Pech, Verletzungen oder die Schiedsrichter nicht zu reden.
Natürlich ist es menschlich, Angst vor den Reaktionen zu haben, aber die kommen doch so oder so. Leute, die bei jeder Niederlage sofort alle rauswerfen fordern, wird es immer geben. Und mit Sicherheit werden auch Sponsoren reagieren. Aber ich glaube, dass die große Menge bereit ist, einen Prozess auch bei den sportlichen Verantwortlichen positiv zu begleiten, wenn man merkt, dass man sich nicht versteckt und bereit ist, die Fehler zu aller erst bei sich zu suchen und nachvollziehbar daran arbeitet, es besser zu machen.
Und hier ist wieder der AR gefordert: Hier darf man es nicht zulassen, dass von der sportlichen Leitung über irgendetwas anderes geredet wird, als die eigenen Fehler. Wenn sie trotzdem die Alibi-Schiene reiten wollen, egal ob sie wirklich davon überzeugt sind, oder auch nicht, dann muss man trennen. Das sowas darf man als Kultur in der Organisation nicht zulassen.