Jede eurer Sichtweisen zur Daseinsberechtigung der MT in der CL hat etwas für sich. Das ist eine Sache des Blickwinkels. Mal abgesehen davon, dass es für leidgeprüfte hessische Handball-Freunde allein schon ein Geschenk ist, dass diese (unnötige) Diskussion überhaupt geführt werden darf. Melsungen spielt CL und fertig. Mit jeder anderen Entscheidung würde sich die EHF komplett lächerlich machen. Für mich ist das eher eine Sommerloch-Diskussion als irgendetwas von Substanz.
Mich freut es ungemein für die Spieler, den Staff und die Förderer, die schon seit langer Zeit auf einen Titel hingearbeitet haben. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Schere zwischen den Bundesliga-Clubs und Rest-Europa immer weiter auseinanderklafft. Das zeigt sich insbesondere in diesem Wettbewerb, der erst ab dem Final Four sportlich überhaupt anspruchsvoll wird. Dort verhindert es allenfalls der Modus, das regelmäßig vier deutsche Mannschaften im Endturnier stehen würden. Ansonsten geht es meist bestenfalls gegen Teams, die in der Bundesliga in zweistelligen Regionen unterwegs wären - oder gar nicht.
Will sagen – und dafür kann Melsungen nichts: Der sportliche Wert des Ganzen ist aus deutscher Sicht doch eher zweifelhaft. Finanziell mau, halbleere Hallen. Genauso ist der Titel in der Bundesliga eigentlich höher zu bewerten als der Gewinn der CL, da die Belastung deutlich höher ist. Dass die CL – nach Vorbild Fußball – ihren Namen nicht mehr verdient, ist längst normal. Persönlich finde ich ja, dass damit jede Menge Charme des früheren Landesmeister-Wettbewerbs verloren geht. Aber so ist das eben, wenn nur noch die Kohle zählt.
Unter diesem Aspekt ist aus Sicht der EHF JEDER tabellarisch einstellige deutsche Vertreter für die sog. CL attraktiver als irgendwelche beliebigen Truppen aus dem Ausland. Und um den Titel in dem von der MT gewonnenen Europapokälchen für die BL-Teams wenigstens ein bisschen attraktiver zu machen, hat man ihn eben jetzt mit der Teilnahme am größten europäischen Wettbewerb verknüpft. Der Handballgott hat Melsungen auf diesem Wege jetzt ein bisschen dafür entschädigt, im letzten Jahr nur aus Verletzungsgründen nicht Deutscher Meister geworden zu sein. Wenn man dieses Jahr für sich sieht, hat der Verein, der grad mal die Hälfte seiner Ligaspiele gewonnen hat, freilich nichts auf höchster internationaler Ebene verloren. Das kann also nun wirklich jeder sehen, wie er will, und es liegt am Verein, die Teilnahme nachträglich sportlich zu rechtfertigen.