Ich finde die Diskussion um den Videobeweis, die aktuell geführt wird, total gut und richtig. Nach dem heutigen Spieltag dürfte diese weiter Fahrt aufnehmen. Beide rote Karten im Spiel Potsdam gegen Wetzlar will doch kein Handballfan sehen. Ich will gar nicht diskutieren, ob die Schiedsrichter hier richtig oder falsch liegen, weil ich es auch nicht beurteilen kann. Ich finde beide rote Karten im Sinne des Sports jedoch lächerlich.
Zum Thema Videobeweis kann ich euch die aktuelle Folge von Ballsam empfehlen (ab Minute 23). Ich finde Lennart Wilken-Johannes trifft es ziemlich gut auf den Punkt. Er sagt, dass der Videobeweis viel zu häufig genutzt wird und die Spieler dazu einlädt zu simulieren oder Theatralik fördert. Wenn ein Spieler lange liegen bleibt und den Kontakt schlimmer macht als er ist, steigt die Wahrscheinlichkeit dass der Videobeweis genutzt wird und eine Strafe ausgesprochen wird. Und der Punkt stört mich am meisten.
Ich frage mich grundsätzlich, was man mit dem Videobeweis im Handball erreichen will? Ich habe den Eindruck, dass sich das keine genau überlegt hat. Bei einem Videobeweis soll es meines Erachtens nur darum gehen, keine spielentscheidenden Fehlentscheidungen zu treffen. Spielentscheidend sind im Handball in der Regel die letzten 10 Minuten und falsche Entscheidungen bzgl. roter Karten.
Daher muss es das Ziel sein Regeln zu schaffen den Videobeweis seltener einzusetzen. Ich persönlich finde Challenges wie sie ursprünglich beim Tennis angewendet wurden am besten. Die Trainer sollten solange eine Chance zur Überprüfung einer Entscheidung haben, bis sie einmal falsch lagen. Danach ist keine Überprüfung mehr möglich. In den letzten 10 Minuten könnte man dann nochmal eine zusätzliche Chance bekommen, falls keine Challenge mehr vorliegt. Damit in den letzten 30 Sekunden nicht wegen jeder Kleinigkeit Überprüfungen durchgeführt werden, muss man den Einsatz eng eingrenzen (2 Minuten-Strafen, rote Karten, Ball bzw Spieler im Aus, Ball im Tor). Bei 7-Meter Entscheidungen bin ich mir zum Beispiel nicht sicher, weil immer irgendjemand im Kreis steht. Da würde ich eher auf die spontane Entscheidung in normaler Geschwindigkeit vertrauen.
Grundsätzlich muss man sich meines Erachtens von dem Gedanken verabschieden, dass es mit Videobeweis keine Fehlentscheidungen gibt. Die wird es immer geben und das ist auch gut so. Es sollte vielmehr darum gehen, grobe Fehler zu vermeiden, die insbesondere in den Schlussminuten durch die Mannschaften nicht mehr korrigiert werden können.
Ich könnte übrigens auch mit der Abschaffung des Videobeweises leben. Ich bin mir aber auch bewusst, dass das nicht mehr passieren wird.