Zunächst einmal stellt sich die Frage, was Handball gegenüber allen anderen Sportarten auszeichnet um die Aufnahme in die "Must carry"-Liste des Rundfunkstaatsvertrages aufzunehmen? Bislang sind nur olympische Spiele und Fußball-Übertragungen auf dieser Liste. Falls nun die Intendanten der ARD auf die Idee kommen ihre Verhandlungspostion gegenüber den Rechteinhabern mit politischer Unterstützung verbessern zu wollen, dann werden (zurecht) zahlreiche andere Verbände des DOSB ihre Ansprüche anmelden. Ein Grand-Slam-Finale im Tennis mit deutscher Teilnahme? Das muss ins Free-TV! EM- und WM-Spiele im Basketball, Volleyball, Eishockey? Natürlich! Fabian Hambüchen & Co bei der Turn-WM? Na sicher! Timo Boll im Duell mit den Chinesen? ARD übernehmen sie! Deutsche Diskus-, Speer- und Hamerwerfer bei der IAAF Diamond League? Ryder Cup im Golfen? Warum denn nicht .... Und wann wäre die Grenze erreicht bei der Sky den §4 des Rundfunkstaatsvertrages im Hinblick auf Einschränkung des freien Wettbewerbes juristisch vor einem internationalen Gericht überprüfen lassen würde? Dieses Fass aufzumachen, nur um sich einen geringfügigen Wettbewerbsvorteil bei der Rechtvergabe für eine Handball-WM zu ermöglichen? Da wäre die EInführung der Grundverschlüsselung für Satellitenübertragung der einfachere und schnellere Weg.
Diese Absichtserklärung der ARD-Intendanten unmittelbar nach dem Europameistertitel für Deutschland macht sich natürlich gut, weil man sagen kann "Seht her, wir versuchen wirklich die WM-Übertragung zu ermöglichen, aber die bösen, bösen Rechteinhaber ....". Unterm Strich erwarte ich, dass in zwei Wochen kein Hahn mehr danach kräht und das Thema erst im November kurz vor der WM in Frankreich wieder auf den Tisch kommen wird.
Sicherlich würde die Aufnahme von wichtigen Handballspielen (Deutsche EM- und WM-Spiele ab dem Viertelfinale) in den Rundfunkstaatsvertrag den Druck auf die IHF im Hinblick auf zukünftige Rechtvergaben erhöhen. Für die WM 2017 sehe ich da jedoch noch keinerlei nutzen, weil BeIN Sports nicht auf das Geld von ARD/ZDF angewiesen ist. Die IHF könnte lediglich auf Drängen ihrer Sponsoren versuchen die Kataris zum Einlenken zu bewegen - auch im Hinblick auf die bevorstehende Rechtevergabe für 2019/2021. Aber angesichts der Zahlen (BeIN Sport zahlte 83 Mio. € für 2015 & 2017 im Vergleich zu 46 Mio. € die die IHF für die WM-Turniere 2011 & 2013 erzielen konnte) und der Tatsache, dass mit Ausnahme Deutschlands alls wichtige TV-Märkte mit BeIN Sports Einigungen erzielen konnten, erscheint ir das deutsche Anliegen als zu geringfügig. Ist der deutsche Handball-TV-Markt für die IHF 20-30 Mio wert? Wohl kaum.
Edit: Im weiteren Sinn interessant sind in diesem Zusammenhang auch Spekulationen um die Verbindungen zwischen BeIN Sports und der Perform Group. Wie bekannt ist, will die Perform Group ein Internetportal für Livesport ("the Netflix of sports") aufziehen, für das sie bereits zahlreiche Sportrechte erworben haben und dessen Start für Sommer 2016 erwartet wird. Über die Investoren dahinter ist bislang wenig bekannt, aber es wird spekuliert Perform könnte als Vorreiter im europäishen Markt für BeIN Sports fungieren. So betreibt die Perform Group als Internetdienstleister z.B. zahlreiche Webseiten von BeIN Sports (z.B. BeIN Sports France, BeIN Sports Australia, ...)