Die Frage ist ja durchaus berechtigt. Nur, woran will man denn feststellen, ob Gislasson das Maximum rauskitzelt oder wenn nicht, wer es denn besser könnte? Wenn sich hier alle einig sind, dass man Danmark nicht schlagen kann bzw. es zweitrangig ist, sie demnächst einzuholen, aber Deutschland jetzt zweimal in Folge ein Finale eines Großturnieres erreicht und nur gegen Danmark gescheitert ist, was soll denn da mehr rausgekitzelt werden?
Dazwischen gibt´s nix. Wenn mehr rausgekitzelt, dann heißt es, Danmark schlagen zu können. Also zumindest im Ergebnissport und das ist nunmal das, was zählt. In Schönheit gestorben sind schon viele. Davon spricht aber keiner mehr, das bleibt nicht hängen.
Ich bin kein Freund der Spielweise der Nationalmannschaft, ich sehe aber auch nicht, dass die zur Verfügung stehenden Spieler großartig was anderen könnten. Wenn mit ihnen mehr 1:1 und schnellere Angriffe gespielt werden soll, setz ich 1 Kiste drauf, dass die Zahl der tF schneller steigt, als die Chance, erfoglreich zu werden. Vielleicht, wenn sie alle in einem Verein spielen würden, könnte es was werden. Aber sie trainieren nunmal selten zusammen. An sich geht´s aktuell nur über eine starke Abwehr, gute TW-Leistung und einfachen Handball. Schnelle TG, sichere Anspiele an den Kreis und die Außen sowie Würfe aus Rückraum fern nach Kreuzungen.
Noch ein Wort zum Bob. Als das Verhältnis im bzw. zum DHB noch geölt war, hat er die Arbeit von Prokop machen lassen. Da hätte er doch übernehmen können, hat aber nicht. Man könnte ja mal drüber nachdenken bzw. diskutierten, warum nicht. Ich glaube, darüber, dass die Erwartungshaltung in Italien deutlich niedriger als in Deutschland ist, sind wir uns alle einig 
Obo, das haben wir schon 1000x durchgekaut, aber wer das nicht versteht, was gemeint ist und immer wieder am Ergebnis 2x Silber entlang argumentiert und Dänemark als Maßstab nimmt, der kann eigentlich nur sagen, bravo, immer weiter so und Alfred auf Lebenszeit. Das wäre die andere Konsequenz dieser Argumentation.
Von vornherein sagen, dass nicht mehr geht, alles egal ist, weil es sowieso nicht besser werden kann, ist nichts weiter als eine Bankrotterklärung.
Es geht auch nicht darum in Schönheit zu sterben, sondern darum diese extremen Leistungsschwankungen zu verringern. Man kann mit den Finaleinzügen natürlich den Weg dahin auch vergessen, aber dann darf man sich auch nicht wundern, wenn demnächst mal wieder in der Hauptrunde Schluss ist. Also für mich gibt es durchaus ein "dazwischen" und zwar den Weg in ein Finale. Nicht Dänemark überholen, sondern den Rest auf Abstand halten wäre meine Devise. Zu Alfred kann man stehen wie man will, aber in 6 Jahren Amtszeit könnte evtl. ein bißchen mehr Stabbelität und Eingespieltheit möglich sein. Man kann auch weiter das Niveau unsere Spieler runter reden, aber das Grgic, Schluroff, Köster besser sind als Kühn oder Heymann und Uscins besser als Steinert, Schmidt oder Metzner usw. darauf kann man sich vielleicht einigen. Wir haben keine Weltklasse im Überfluss, aber wir haben bessere Handballer als vor 4-5 Jahren. Auch die Dänen haben nicht 15x Weltklasse, aber da fügen sich jung und alt, 1a und 1b ein in eine ansehnliche und erfolgreiche Art Handball. Da starten Debütanten auch nicht mit 3 Abspielfehlern. Okay, das kann auch am Mindset liegen, an der Sicherheit das eigene Fehler nicht gleich zur Niederlage führen können, weil andere das auffangen. Egal, vergessen wir Dänemark.
Weiterhin stelle ich die grundsätzliche Frage, ob man als 66-jähriger nun noch unbedingt auf eine Vertragsverlängerung drängen muss? Das hat auch was mit Würde, Selbstreflektion und Verantwortung zu tun. Du warst wahrscheinlich noch nie in Wendgräben, aber dagegen ist Akureyri auf Island wahrscheinlich wie Times Square und Piccadilly Circus an einem Freitag im Sommer um 21.00 Uhr. Seit sein Haus fertig restauriert ist wird dem guten Alfred wahrscheinlich langweilig sein und darum braucht er noch den Spaß mit den Jungs. Alles toll und nachvollziehbar, aber irgendwann muss man auch mal aus dem Weg gehen und Platz für den Nachwuchs machen, der auch schon fast 50 ist.
Ich würde als Maßstab nehmen, was Kehrmann aus Lemgo rausgeholt hat, Jansen aus Hamburg, Bob jetzt schon aus Italien, Pajovic aus Österreich. Auch wenn Siewert noch jung ist, aber der hat schon mal gezeigt wie moderner Handball aussieht. Auch wenn seine Schlaganfälle nicht stressbedingt waren, es geht uns sowieso nichts an, aber mit dem richtigen Rückhalt ginge das auch. Am Rückhalt beim DHB wird es aber bei Siewert hapern, weil der aus Berlin ist, aus der Bob-Schmiede und weil die nach Prokop nicht wieder einen jungen Trainer nehmen werden. Das wäre mein Denkansatz. Man muss sich nicht damit beschäftigen unmögliches erreichen zu wollen und dieser "Dänemark schlagen wollen-Bullshit" kommt doch auch zu 67,4 % von den Medien. Es ginge also genau und nur darum den Weg in ein Finale glatter hinzubekommen und nicht schon in der Vorrunde K.O.-Spiele gegen Gegner zu haben, die jenseits von Pl. 10 im Turnier eintrudeln. Wahrscheinlich ist dann ein angenehmer Nebeneffekt, dass man gegen Dänemark mal evtl. keine Klatsche bekommt, sondern nur mit 3-4-5 verliert.
Und was ist dann eigentlich "einfacher Handball"? Wenn man den zu schlicht hält kann sich nämlich jede Flötentruppe da ruck zuck drauf einstellen. Einfachen Handball mit einfachen Pässen zum Kreis und einfachen Rückraumwürfen aus dem Anlauf oder einer Kreuzung spielen wir ja jetzt schon und wir sehen doch wie das aussieht. Unsere Außen verhungern zu oft, okay. Es drängen halt alle in die Mitte und wollen rußen oder mit Ansage zum Kreis. Natürlich sind 2m-Leute nicht die klassischen 1:1-Spieler, aber jeder Profihandballer sollte das können und wie gesagt, selbst große Leute wie Lasse Böller, (schlechtes Beispiel, weil der Däne ist und die sowieso mehr können) Versteijnen oder Köster können 1:1. Das ist zuallererst eine Frage des Mutes und des Handball-IQ.
Kurz gesagt, jede Analyse, die damit beginnt und endet, dass es sowieso nicht besser werden kann, weil wir ja 2x Silber geholt haben erschlägt jede weitere Diskussion und macht alles andere überflüssig. Man braucht dann wirklich über nichts mehr zu reden.