Beiträge von immerweiter

    Gut beschrieben. Das Zweifachspielrecht kann sich tatsächlich als Win-Win-Situation herausstellen, wenn auch der klassentiefere Verein häufig nur den Nutzen daraus zieht, dass ihm ein herausragendes Talent noch ein oder zwei Jahre länger erhalten bleibt. Oft hat ja der höhere Verein nicht einfach das Glück, mal einen besonders starken Jahrgang zu besitzen, sondern verfügt über strukturelle Vorteile, bessere Trainingsbedingungen, höherklasige Perspektiven bei den Aktiven etc.

    Das von dir noch selten beobachtete Gastspielrecht wird m.E. in den nächsten Jahren an Bedeutung gewinnen.Wenn ich die Entwicklung in meinem Bezirk anschaue, gibt es doch sehr viele Jugendspiele, in denen noch sieben, acht oder neun Namen auf dem Spielbericht stehen. Die vorgeschriebenen zwei Ersatzbänke pro Mannschaft am Spielfeldrand sind meist völlig überflüssig. Meine Prognose: Es werden sich die Fälle mehren, bei denen man fürs Leben zu wenig und fürs Sterben zu viele Spieler*innen hat. Früher war hier die Lösung eine temporäre Spielgemeinschaft mit einem anderen Verein in ähnlicher Lage. Mittlerweile sind aber viele Jugendmannschaften bereits fest installierte Spielgemeinschaften zweier oder mehrerer Vereine und die dürfen keine temporären SGs gründen. Also bleibt nur, die eine Mannschaft für eine Saison per Gastspielrecht in die andere zu packen und zu hoffen, dass es in der kommenden Spielzeit wieder besser aussieht.

    Insgesamt keine gute Entwicklung, aber für viele Vereine überlebenswichtig. Ohne diese Flexibilität hätte man jetzt schon und - so vermute ich - in Zukunft noch viel mehr Mannschaften, die man vom Spielbetrieb abmelden müsste. Und was einmal weg ist...

    Für - auch nach Jahrzehnten noch - regeltechnische Laien wie mich ist das ein typischer Fall von Fehleinschätzung durch Gewohnheit. Ich kenne es auch so, dass die allermeisten Schiedsrichter nach Auszeiten oder zu Beginn der Halbzeiten kurz abzählen, ob die jeweils korrekte Anzahl Spieler auf dem Platz steht. Teilweise auch tatsächlich mit dem Hinweis vor dem Anpfiff, die Spielerzahl zu korrigieren (ohne eine zusätzliche Strafe wegen Wechselfehlers zu verhängen). Von daher ging ich automatisch davon aus, dass dieses auch Aufgabe der Schiedsrichter ist. Was mich als MV natürlich nicht davon entbindet, selbst auf meine Mannschaft zu achten.

    Jedenfalls danke, dass hier das Gegenteil auch mit Regelbezug verdeutlicht wurde. Man lernt halt nie aus und sollte manche Dinge nicht einfach als gegeben hinnehmen.

    Ihr kennt doch bestimmt noch die Einserkandidaten in der Schule, die nach einer Klassenarbeit regelmäßig berichten konnten, dass es dieses Mal ganz schlecht gelaufen sei - um am Ende wieder mindestens mit der 1-2 rauszulaufen. Sehr zum Ärger der schwächeren Schüler*innen.

    In dieser Rolle findet sich der THW ja seit Jahren, einfach weil sie lange Zeit auch mit dem einen oder anderen Ausfall ein immer noch hochklassiges Team stellen konnten. Oder weil auch angeschlagene Spieler oft besser waren als der fitte Bundesligadurchschnitt. Von daher werden besorgte Stimmen aus Kiel traditionell nicht so ernst genommen...

    Davon abgesehen wissen die Anhänger anderer Vereine natürlich auch, wie sie die THW-Fans triggern können. Und eine gelungene Provokation ist nie zu verachten ;)

    Das war ein ganz klarer 7-Meter am Ende. Fand 1. gut, dass die Schiris es sich nicht angeguckt haben und 2., dass sich Semrau da auf gar keine Diskussion mit Hens eingelassen hat.

    Sehe ich auch so. Die beiden Schiris sind mal um die 20. Minute etwas geschwommen mit vier, fünf Entscheidungen hintereinander zwischen zweifelhaft und klarem Fehler. Aber das haben sie durch die souveräne Schlussphase mehr als wettgemacht. Die beiden Entscheidungen gegen Canellas waren bitter für ihn, der doch die Spanier lange Zeit am Leben gehalten hat. Aber m.E. beide korrekt.

    Zum Spiel: Die spanische Abwehr schon beeindruckend. Arg viel besser kannst du Jim G. nicht aus dem Spiel nehmen. Über weite Strecken der zweiten Hälfte hatten die Spanier gefühlt das Momentum auf ihrer Seite. Schweden musste viel mehr ackern für seine Tore - und lag trotzdem die meiste Zeit vorne. Als sie dann den Sack zumachen konnten, begann das Nervenflattern.

    Interessant auch die unterschiedlichen taktischen Reaktionen in der Abwehr. Spanien mit vielen Formationswechseln und dem ständigen Versuch, Schweden vor neue Aufgaben zu stellen. Schweden eher mit kleinen Korrekturen und leicht veränderten Bewegungen in der Grundformation. Gutes Coaching und hohes Niveau auf beiden Seiten. Ging natürlich zeitweilig auf Kosten des Spielflusses und des "schönen" Spiels.

    Am Ende dann Ekberg mit der nötigen Coolness. Wie sagte meine Tochter (C-Jugend): "Oh Gott, ich würde mir jetzt so in die Hose machen."

    Tut eigentlich nichts zur Sache, aber deine Aussage hat man fast wortgleich oft über Gro Hammerseng gehört: Sie kann nichts überragend oder spektakulär, aber alles sehr, sehr gut. Hat immerhin für 3x Europameisterin, 1x Olympiasiegerin und einmal Welthandballerin gereicht.

    Ohne dem guten Oleg Kuleschow seinerzeit zu nahe treten zu wollen: Olafur habe ich in Erinnerung als den Erfinder des Spielmachers auf der Halbposition. Seinen vielen Toren zum Trotz habe ich ihn immer als den Denker und Lenker des Magdeburger Spiels gesehen, der seine Mitspieler, vor allem Perunicic und Kervadec, trefflich eingesetzt hat. Ein bisschen wie Jim Gottfridsson: Schauen nach dem besser postierten Mann und wenn´s sein muss, halt selber einnetzen. Korrigiert mich, wenn ich da falsch liege. Immerhin waren Spielausschnitte und Live-Übeertragungen damals noch eher rudimentär vorhanden. Und "in echt" in der Halle habe ich ihn leider niemals gesehen.

    Das Erfolgsgeheimnis der Spanier liegt meiner Meinung nach in der Abwehrarbeit inkl. Torhüter Perez de Vargas

    Schon zu Zeiten meiner Trainerausbildung in den Neunzigern war die spanische Abwehrschule ein Thema. Damals ging es hauptsächlich um das Verdichten auf der Ballseite und das Attackieren der gegenerischen Halbspieler durch die ballfernen Außen. Unglaublich, dass die dieses Niveau mehr oder weniger konstant bis heute gehalten und sogar verfeinert haben. Andere Nationen spielen zumindest phasenweise auch eine gute Abwehr, gerade die Schweden sind ja da auch nicht zu unterschätzen. Aber Spanien ist da in ihrer Konstanz und auch in der Variabilität eine andere Hausnummer. Das wird im Finale sehr schwer für die Schweden. Die Daumen drücke ich denen trotzdem.

    Ich war die letzten Tage dank positiven Test in häuslicher Quarantäne, hätte ohne den Test aber gar nicht mitbekommen dass ich überhaupt etwas habe und ich bin kein Profisportler.

    Darin liegt aber gerade die Krux. Wo bei leichtem / symptomlosen Verlauf eine Rückkehr an den Büroschreibtisch nach negativer Testung problemlos klappen dürfte, ist sportliche Höchstleistung unmittelbar nach überstandener Infektion schon eine andere Hausnummer. Nicht umsonst bezweifeln Häfner und Kastening selbst, dass sie bei dieser EM noch einmal auf die Platte zurückkehren, obwohl auch deren Krankheitsbild als leichter Verlauf gilt. Nur von Kühn ist bisher übermittelt, dass er sich fit fühlt - ist aber aktuell noch positiv.

    Das ist natürlich richtig, die deutsche Mannschaft hat immer wieder den Weg über die Mitte gesucht. Zurecht angesichts der polnischen Probleme im Mittelblock. Und Gegenstöße gab es kaum. Neun Tore wie zuletzt bei Kastening waren heute für beide Außen unerreichbar.

    Dahmke hatte allerdings 1 von 4, wenn ich mich richtig erinnere. Das ist ausbaufähig.

    Das ist auch ohne Corona eine echte Wundertüte. Schweden und Norwegen haben bisher, wie du sagst, nicht überzeugt. Dafür sind die Russen wohl stärker, als ich gedacht habe. Auch Spanien war souveräner als ich erwartet habe, ist aber im Grunde nur so hoch gesprungen, wie sie mussten.

    Zwischen vier Siegen und vier Niederlagen ist alles drin, wobei ich dann Letzteres doch für wahrscheinlicher als Ersteres halte. Aber wenn unsere Abwehr ihr Niveau von heute hält, schlägt uns zumindest niemand im Vorbeigehen. Und ich bin dieses Mal überzeugt, dass die vollen Hosen und das Crunchtime-Versagen der Vergangenheit nicht mehr drohen.

    Wie dem auch sei: Zwei Siege müssten für den dritten Gruppenplatz reichen und das wäre ein toller Erfolg.

    Würde sagen, dass wir mit der jetzigen Mannschaft nicht unbedingt schlechter sind als mit der Mannschaft zu Turnierbeginn.

    Abwarten. Die Kohlen haben heute die Leute aus dem Feuer geholt, die schon da waren. Schiller und Mertens haben in den ersten beiden Spielen besser performt als Dahmke heute, Bitter hat ordentlich gehalten, aber nicht zwingend besser, als das Wolff oder Klimpke getan hätten, und die drei restlichen Neuen haben keine Rolle gespielt. Nicht zuletzt hat der Mittelblock Golla/Wienczek stark gespielt, was ja einige hier im Forum schon so erwartet (oder besser: gehofft) hatten.

    Bisher haben sich aber in jedem Vorrundenspiel neue Spieler in den Vordergrund geschoben. Nach dieser Logik müssten eigentlich am Donnerstag Drux und Wiede einen auspacken...