Liebes Handballtagebuch!
Ohne das Beachturnier in Cuxhaven ist es kein richtiger Sommer. Zwei Jahre ohne Sommer, nun ist es wieder so weit. ZeeBee hat elf Mädchen mit dabei und die Mädels haben im Training ganz gute Ansätze gezeigt. Zweimal die Woche nach dem Hallentraining haben sie noch mal je eine Stunde in der Sandkiste durchgezogen. Bam Bam und Katharina treffen zielsicher aus dem Spinshot, mehrere Mädchen sind zumindest kurz davor, die Technik zu meistern. Das ansonsten nirgends gespielte Wechselsystem (Läuferin, ein Wechsel Abwehr, ein Wechsel Angriff, kein Spezialistenwechsel im Tor für mehr Speed) sitzt. Und der große Trumpf wird sein, dass mindestens fünf Mädchen von Tor zu Tor treffen können.
ZeeBee nimmt sich den Freitag frei, setzt den Rucksack auf und fährt morgens mit der Bahn vorweg, den Claim auf dem Zeltplatz abzustecken. Die Mädels trudeln im Laufe des Nachmittags nach und nach ein, Handballpapa Martin erscheint mit einer halben Zeltstadt im Gepäck. Der Grill wird angeschmissen. ZeeBee verpennt die Trainerbesprechung.
Das erste Spiel ist erst nach 10:00. Kein Grund, nicht als allererstes zum Frühstück um 6:50 anzustehen. Vielleicht war das mit dem Zivildienst die falsche Berufung... ZeeBee vertilgt zwei Brötchen, einen Yoghurt und eine Banane. Wie wollen einige Mädchen den Turniertag mit einem Yoghurt bewältigen? Und wissen sie, dass die Mannschaftskasse € 7,50 für den Yoghurt bezahlt hat? Am zweiten Turniertag ändert ZeeBee daraufhin die Spielregeln: "Wir spielen heute Morgen ein Spiel. Wer ein Brötchen oder eine Banane ist, darf nachher mitspielen." Große Augen, vier Mädchen stehen vom Tisch auf und rennen los.
ZeeBee verpennt die zweite Trainerbesprechung.
>>Wie heißen wir eigentlich?<<
>>Werdet Ihr merken, wenn Ihr aufgerufen werdet.<<
Irgendwann spricht es sich allerdings herum, dass wir "Bam Bam und die Ulzburgcupraketen" sind, sehr zum Misfallen des Stadionsprechers. Erstes Spiel. Der Gegner hat noch nicht wirklich viel im Sand geübt. Lange Torwürfe von Tor zu Tor, lange Pässe zur Einwechselspielerin vorn und Spinshot, nur die Deckung will noch nicht so richtig zur Ballseite verschieben. Deutlicher Sieg. Zweites Spiel. Der Gegner hat noch nicht wirklich viel im Sand geübt. Drittes Spiel. Der Gegner hat noch nicht wirklich viel im Sand geübt. Die "blauweißen Robben" sind beim Wechsel der Torhüterin nicht richtig schnell, so dass es 2-Punkte-Tore aus unserem Tor nur so hagelt. Irgendwann bleibt die Torhüterin bei Ballbesitz schmollend im Tor. Läuferin Jara, Bodyguard der Torhüterin, bleibt vorn am Torkreis stehen und schaut sich fragend um.
Gegner Nummer vier, "Chaos im Sand", Lokalmatador und mit viel Sand vor der Haustür zum Üben, hat einen Plan. Eine Läuferin, Spezialistenwechsel hinten, Spezialistenwechsel vorne, endlich mal eine Drohung in den Rückzug. Leider kommen die gegnerischen langen Pässe zu selten, die Mädchen können mit Laufarbeit alle Deckungsaufgaben gut lösen und sind auch nicht gewillt, das Spiel spannend zu halten. Der wirklich nicht schlechte Gegner hat keine Chance. Fünftes Spiel. Der Gegner hat noch nicht wirklich viel im Sand geübt... Halbfinale ist sicher.
Abmarsch vom Spielfeld Richtung Hallenbad. Auf dem Weg gibt ZeeBee die Pizzabestellung ab. Vor dem Hallenbad wartet die Mitarbeiterin des Landesverbands und verteilt die Eintrittskarten.
>>Na, wieder drinnen den Strandkorb in Beschlag nehmen und schlafen?<<
>>Die einzige Chance auf anständigen Schlaf hier.<<
ZeeBee bleibt noch ein wenig draußen sitzen. Eine große Gruppe Spielerinnen erscheint zum Schwimmen. Der junge Trainer trommelt die Horde zusammen, Totenstille, klare Anweisungen, wie es weitergeht. Kein Laut von den Mannschaften. ZeeBee ist begeistert und geht in den Eingangsbereich, nimmt den Strandkorb in Beschlag und versucht zu schlafen.
Früh morgens die ersten whatsApp Nachrichten aus der Heimat, wie es weitergehe.
>>10:00 Eyendorf - 11:30 Stuhr Halbfinale - 15:00 Findorff Finale>>
>>Und? Hast Du den Pokal schon eingepackt?<<
ZeeBee ist sich nicht einmal sicher.
>>Findorff hat auch zwei, drei normal große Mädchen...<<
Vorrundenspiel Nr. 6. Endlich ein Einsatz im Stadion am Meer. Mit Stadionsprecher. Der hat Mühe mit dem Teamnamen, den der Verband schon um "... und die.." gekürzt hat. Der Gegner ist immerhin aktuell Gruppendritter... hat aber nicht wirklich viel im Sand geübt. Halbfinale erreicht, keine Halbzeit abgegeben. Sechs Spiele. Verschwindend wenig Spinshots der Gegner. Eine einzige Torhüterin mit Würfen von Tor zu Tor. Die Veranstaltung nennt sich "Niedersachsenmeisterschaft". Hmmmm...
Halbfinale. Auf der Gegenseite die HSG Stuhr I. Mit dem resoluten Trainer vom Hallenbad. Mit echten Beachtrikots, was das Erscheinungsbild noch mal wesentlich professioneller macht. Mit mindestens fünf Mädchen, die beim Einwerfen blitzsaubere Spinshots zeigen. Endlich eine Aufgabe! 
Der Gegner überrascht mit einer Fleischmauer in der Deckung auf ZeeBees Wechsel- und damit Torhüterseite. Die Läuferin wird auf der wechselzonenfernen Seite gar nicht gedeckt. Dort hat ZeeBee eine seiner Anfängerinnen positioniert, die allenfalls mal einen Punkt treffen kann. Die übrigen drei Mädchen tanzen hilflos vor der Wand hin und her. Ein Phänomen des modernen Kinderhandballs. Die Mädels ballern wie die Wilden aus 27m auf das gegnerische Tor, nicht aber von 7m, wenn da ein Block dazwischen steht. Optimierungsbedarf.
ZeeBee wechselt auf der Läuferposition, bringt dort Spinshotcrack Katharina. Stuhr deckt weiterhin Fleischmauer und lässt die Läuferin in Ruhe... Die Torhüterinnen mit Würfen von hinten und Katharina erledigen die erste Halbzeit. Zweite Hälfte. ZeeBee sieht das Dilemma. Die Läuferin ist nun auf der Rechtsaußenposition und es fehlt an einer Linkshänderin. Der 360° Spinshot wird nun eher zum 380° Wurf und schon geht nichts mehr. Hinzu kommen plötzlich viele Fehlwürfe, auch vom eigenen Tor aus hämmern wir alles links am Tor vorbei. Stuhr zieht davon.
>>Wir brauchen jetzt die doppelten Punkte!<<
Zigfaches Deja Vu... das wird nun nichts mehr. Die Mädels kämpfen sich noch mal auf zwei Punkte ran, auch der letzte Wurf geht daneben. Shootout! ZeeBee hat zwei Spinshotcracks und mehrere Anwärterinnen. Stuhr hat mindestens fünf Spinshotcracks. ZeeBee hat Carlotta im Tor.
Rückblick zu einem Spiel der männlichen D-Jugend:
>>Was machen die denn da?<<
>>Babypenalties.<<
Ein Spieler steht auf dem Spielfeldmittelpunkt. Pass-Rückpässchen mit den Penaltyschützen. Die Mädchen sind fassungslos.
ZeeBee: >>Wir machen so einen Quatsch nicht, wenn es dazu kommt.<<
Es ist recht windig. Es ist Halbfinale. Die Mädels wollen ins Finale. Babypenalties? ZeeBee hat Stolz... und ist kein Teenager mehr.
>>Es ist ganz schön windig. Richtige Penalties oder Babypenalties?<<
Die Mädels wollen gewinnen. Mario und ZeeBee entscheiden die Reihenfolge wie echte Kerle: Schere-Schere. Schere-Schere. Schere-Papier... Mario entscheidet sich zu folgen. Lucie positioniert sich als Anspielerin. Bam Bam verwandelt erfolgreich den ersten Spinshot. Stuhrs erste Werferin setzt ebenfalls zur Pirouette an, wirf nicht platziert genug halbhoch, kein Problem für Carlotta. Katharina wirft der Torhüterin gegen die Beine. Die zweite Werferin versucht es mit einem Aufsetzer, Carlotta riecht den Braten und geht nach unten. Zeigt die Faust. Frida, letztes Jahr noch als E-Jugend Küken in der D dabei und mit Dauerhandbremse unter den Älteren, beim Turnier wieder und wieder nicht mit dem Spinshot erfolgreich... trifft doppelt per Pirouette unten rechts in die Ecke. 4:0. Die nächste Werferin von Stuhr zeigt einen technisch starken Spinshot platziert nach oben... Carlotta hält. ZeeBee signalisiert Lucie, bislang Passgeberin, einen einfachen Wurf zu machen. Lucie trifft souverän. Große Aufregung am Kampfgericht. Lucie habe bereits das zweite Mal geworfen. Wie soll das gehen, wenn sie bislang angespielt hat? Weiter geht's. Das nächste Stuhrer Mädchen wählt einen unglücklichen Laufweg weit nach Außen, zeigt dort ebenfalls einen Spinshot, abermals kein Problem für Carlotta. 5:0. Der Wurf war schon gar nicht mehr nötig, die Schiedsrichterin wollte ihn aber noch ausspielen lassen. FINAAALE!
>>Hast Du die Mädchen von Findorff gesehen? Ganz schön groß. Wie ist die Taktik?<<
>>Können die Spinshots? Können die von Tor zu Tor werfen?<<
Die Wettervorhersage kündigt Gewitter für unmittelbar nach dem Finale an. Das mE Finale verzögert sich, denn die Jungs entscheiden sich für ein Shootout. Das wE Finale verzögert sich, denn die Mädels entscheiden sich für ein Shootout. Das mD Finale verzögert sich, denn die Jungs entscheiden sich für ein Shootout. Weiblich D Finale. Es wird merklich dunkler und windiger. Die Mannschaften laufen ein. Bei den Gegnern scheint die ein oder andere Spielerin vom Vortag zu fehlen, die Durchschnittsgröße ist deutlich gesunken. Die Mädels haben Findorff klar im Griff, der einsetzende Regen und starke Wind macht sich beim Fangen und den langen Würfen bemerkbar. Das Publikum verschwindet nach und nach ins Hauptzelt. Erster Satz geht an uns. In der zweiten Halbzeit liegen wir klar vorne, dann kommt der Wolkenbruch. Das Schiedsrichtergespann bricht das Spiel vorzeitig ab.... Niedersachsenmeister! 
Dein
Karsten