Beiträge von Zickenbändiger

    Ein Trainingslager organisieren

    Nach ein paar Jahren gelungener Kooperation mit Tim (Grüße in die Grafschaft!) der SG Neuenhaus/Uelsen, zwischenzeitlich FC Schüttorf, hier das Rezept für ein erfolgreiches Trainingslager. Man nehme:

    - eine etwa gleichstarke Partnermannschaft

    Trainingslager mit 20 bis 26 Spielerinnen ist um Einiges aufregender und ich kann besser homogene Trainingsgruppen bilden (dritte Mannschaft geht auch, wird aber seeehr anstrengend). Letztes Jahr stellte sich nach der Saison heraus, es hatten die späteren Regionsmeister Bentheim/Emsland und Hannover/Weser/Leine gemeinsam trainiert, die beide zusammen in der Saison 21/22 gerade mal vier Punkte abgaben.

    - mit einem Trainer auf eigener Wellenlänge

    Tolle Partnermannschaft hilft nichts, wenn der Trainer anders tickt und eine andere Philosophie vertritt. Wenn ich im Trainingslager die offensive Deckung oder meinen Spleen für lange noch Manndeckung in der D-Jugend beibehalten, verteidigen muss, bin ich im falschen Film

    - eine Sportstätte mit Übernachtungsmöglichkeit und ggf. Küche, Kühlschrank, etc.

    Haben wir zu Hause nicht, so dass ich für ein Trainingslager stets auf Reisen gehe. Ratekau, Leipzig, Schüttorf, nun Neuenhaus.

    - mit gehörigem Abstand zum Wohnort

    Aus mehreren Gründen. Für die reisenden Mädels das Erlebnis der gemeinsamen An- und Abfahrt (am besten mit dem Zug für das Gemeinschaftsgefühl und das dämliche Werwolfspiel). Dann um die Helikoptereltern fernzuhalten. Um niemanden auf den Gedanken kommen zu lassen, dass ein Kind abends nach Hause pendelt. Und für uns abgrundtief böse Trainer: Damit der Partner nicht fürchten muss, dass ich seine Linkshänderin, Torhüterin oder sonstige Starspielerin auf dem Rückweg mitnehme. Mein vorletztes Trainingslager musste ich genau aus dem Grund kurzfristig komplett umkrempeln und verlegen...

    - eine rührige Elternschaft vor Ort

    Es müssen Brötchen gekauft und geschmiert werden, Gemüse und Obst geschnippelt, gegrillt, ggf. was aufgebaut werden. Reichlich Wasser wird gebraucht.

    Tim und ich organisieren uns wie folgt:

    - Trainingsgruppen werden gebildet

    Im Vorfeld stellen wir drei Leistungsgruppen zusammen, damit in homogenen Gruppen trainiert werden kann. Zugegeben: Wenn man mit drei Vereinen trainiert und eine D-Jugend Elitegruppe erstellt, die sich fast alle später in der Landesauswahl wieder begegnen, dann ist das schon geil! Aber zwei Mannschaften sind von der Anzahl her gut zu managen. Zur Übersicht bekommen die Gruppen Namen, die nichts über ihre Rangordnung verraten (Trolle, Orks, Oger oder Muffins, Kekse, Croissants - ein immer wiederkehrender Quell der Freude).

    - Trainingsinhalte absprechen

    Zwei Trainer suchen sich je einen handballerischen Schwerpunkt aus und stimmen diesen ab. Es gilt für die Trainer mit ihren Schwerpunkten jeweils fünf Einheiten a zwanzig Minuten zu füllen. Die Einheiten bauen aufeinander auf und werden immer schwieriger/komplexer. Auf die Co-Trainerinnen delegieren wir das "Kontrastprogramm" und das Aufwärmen. Jede der fünf Einheiten (1x Freitagabend, 3x Samstag, 1x Sonntagmorgen) beginnt mit gemeinsamen Aufwärmen oder in zwei Gruppen. Dann verteilen sich die drei Gruppen auf zwei Trainer und eine Co-Trainerin für jeweils zwanzig Minuten. Trinkpause, rotieren. Ich überziehe immer gerne, die anderen müssen dann mal auf die Zeit pochen. Rücksicht nehmen: Einheit 4 und 5 finden nicht mehr mit derselben Intensität statt wie bis dahin. Nicht vergessen: Mindestens zwei, drei TW Trainingseinheiten!

    Im "Kontrastprogramm" bringen wir Koordination, Motorik, Athletik, Schnelligkeit usw. unter. Zwei handballspezifische Schwerpunkte reichen mir. Natürlich kann in einer Kontrasteinheit auch mal Handballerisches außer der Reihe gemacht werden.

    - Trainingsspiel

    Ganz wichtig zum Abschluss, wenn alle platt sind, das Trainingsspiel, um die Einheiten mal umzusetzen. Da trennt sich die Spreu vom Weizen. Ich hatte das Thema "Ballannahme in der Vorwärtsbewegung". Einige meiner Mädels waren im Trainingsspiel eifrig am Stoßen, einige standen zur Ballannahme rum und drehten Däumchen.

    - Trainingsinhalte

    In der Vergangenheit hatten wir in der D-Jugend Trainingsschwerpunkte wie:

    Ballannahme in der Vorwärtsbewegung

    Übergang zur sinkenden Manndeckung

    Kooperation Rückraum/Kreis

    Täuschungen

    Einführung Raumdeckung/erste Kooperation 2:2/3:3

    In der C-Jugend kann ich mich fast einzig und allein an Einführung 3:2:1 erinnern, allerdings ein dankbares Thema für ein Trainingslager. Für die ersten Schritte in der 3:2:1 genau der richtige Trainingsumfang, wie wir letzten Sonntag mit der wC sehen konnten, die als dritte Mannschaft mit an Bord war.

    P.S.: Mit der stärksten Trainingsgruppe habe ich beim Stoßen den Handgelenkspass (nach Nullschritt, also der Drohung von weiteren drei explosiven Schritten zum Durchbruch) mit eingebunden (beschränkt auf die Situation, dass die Abwehrspielerin nicht mehr gezogen werden musste, sondern schnell da war!). Ich kann nur dringend empfehlen, falls es das "Dogma des verbotenen Passes" noch gibt, das zu überdenken. Wie oben schon: Wenn die Zirkusscheiße mit Handgelenkspässen anfängt, Spielerin auf die Bank! Aber situativ richtig ist das ein Baustein auf dem Weg zum U18 WM Titel.

    Zitat

    Das Regelwerk beim Shoot-Out hat im Grunde zwei Abzweigungen im Entscheidendungsbaum:

    Nr.1 kann die Schützin die Torhüterin sehen. Wenn nicht, nach Kontakt Rot für die TW und Strafwurf.

    Nr.2 Schützin kann Torhüterin sehen, wer nimmt zuerst den Raum ein. Entweder Stürmerfoul oder Rot für TW plus Strafwurf.

    Hatte ich auch gedacht und war verwundert über die zurückhaltende Spielweise der Werfer. In einem Falle hatte die TW sogar aktiv Rumpfkontakt hergestellt, die Werferin verunsichert und kam damit davon. Sand ist aber nicht Halle:

    Zitat

    Disqualifikation
     16:6 Eine Disqualifikation ist auszusprechen bei

     (…)

    d) Regelwidrigkeiten des Torhüters, wenn er beim „Shootout“ seinenTorraum verlässt und die Gesundheit des Gegenspielers gefährdet (Regel 8:5: Aktionen, welche deutlich gegen den Körper des Gegenspielers gerichtet sind und nicht das Ziel haben, den Ball zu spielen);

    Ich vermute, dass abgewogen wurde zwischen 1. Welle Halle und Shootout Sand. In der Halle wesentlich höhere Geschwindigkeit auf der einen Seite, die taktischen Möglichkeiten des TW im Sand auf der anderen Seite. Und das war ja teils schon geil, wie mit den Werferinnen gespielt wurde.

    Die eklatantesten Fehler hab ich in der wB gesehen (s.o.). Generell fand ich erschreckend, wie erfolgreich die offensive Torhüterin in der weiblichen Jugend beim Penalty agiert hat, weil es da selten Lösungen der Werferin gab. Ich musste eben mal ins Regelwerk schauen, warum die Werferin nicht einfach die Torhüterin umspringt. Das TW Spiel ist so aber vom Regelwerk gewollt/geduldet. Bei den Mädchen wenig, bei einigen Teams gar keine Kempatore. Das muss ab der B drin sein.

    Insgesamt habe ich nur wenig Tempospiel gesehen, vielleicht auch den Temperaturen und dem Spielplan geschuldet. Aber auch dann hätten die Teams Ansätze gezeigt, wenn Tempo in der DNA liegt. In der weiblichen D zähle ich manchmal im Training fünf Sekunden nach Ballgewinn TW runter und will dann eine Torchance sehen. Gut, wir machen auch keinen Spezialistenwechsel im Tor, wie das ab der C oder B üblich ist. Die TW Wechsel müssen offenbar bei der DM perfekt geklappt haben, meine zwölfjährigen Mädels machen im Schnitt pro Spiel mehr Tore von Tor zu Tor als ich in acht bis zehn Spielen bei der DM zusammen gesehen habe.

    Weil die Jugend DM angesprochen wurde:

    Großartig, dass es den Livestream gab. Dass die Ergebniseinblendung nahezu nie aktuell war, ließ sich verschmerzen. Was nervte:

    - Die Nr. 12 mit tollem Spinshot.

    - Super Block von der Nr. 6.

    - Parade von der Nr. 1.

    Der ganze Aufwand und keine Mannschaftslisten für die Kommentatoren. Meine Fresse... amateurhaft.

    Lichtblick am Mikro: Finja Lotta Kock, Bramstedter Trainerin. Und nicht nur, weil sie unter "Zickenbändigerin" firmiert. :D Frei von der Leber losgeplaudert, ab und an ging es auch um das Spiel. Naturtalent: verhaften für zukünftige Übertragungen!

    Teils tolle Spiele und klasse Spieler. Aber was ich in der wB an Anfängerfehlern beim Shoot-Out gesehen habe... unglaublich.

    - Angriff wird abgepfiffen, weil die Werferin mitten auf dem Spielfeld einschläft.

    - Passwinkel Scheiße, weil die Werferin direkt die Spielfeldmitte ansteuert.

    - Werferin steht vor dem Abschluss der herausgelaufenen Torhüterin auf den Füßen wie das Kaninchen vor der Schlange, weil zwei von drei Schritten für das Umdrehen verbrannt wurden. Bei mir lernen die elfjährigen Mädchen, dass die Füße NIEMALS bei der Ballannahme zum Ball sondern in Laufrichtung zeigen. Und in der Altersklasse dürfen die Keeper nicht mal raus.

    Für eine DM ist das Niveau leider noch erschreckend . Hoffentlich wird allmählich die Basis breiter, damit dort wirklich nur Elite aufläuft.

    Der verbotene Pass

    Danke Südkorea! Es kommt nur selten vor, dass das Studium einer EM oder WM wirklich neue Erkenntnisse bringt. Die U18 WM in Nord Mazedonien bringt mich als Jugendtrainer richtig voran. Kleine Spielerinnen, schneller Handball, dynamische Körpertäuschungen, überraschende Aktionen mit der Kreisläuferin... und immer wieder der verbotene Pass. Und trotzdem klappt der Parallelstoß. Auch ohne torgefährliches Heben des Wurfarms.

    Ich habe mal gelernt, man könne ENTWEDER torgefährlich/druckvoll ODER schnell spielen. Nicht beides gleichzeitig. Das muss mal auf den Prüfstand. Stoßen, torgefährlich machen, Schuss oder weiterspielen. Mein ABC der Einführung des Positionsspiels. Die Koreanerinnen führen das ad absurdum. Handgelenkspässe als Transportpass, für den Parallelstoß, beim Kreuzen (angesichts der Entfernungen beim Pass eher Positionswechsel) und mit der kreuzenden Kreisläuferin.

    Jahrelang war bei mir der Handgelenkspasse komplett verboten. Später ausnahmsweise erlaubt, wenn es mal schnell gehen muss. Letzte Saison hat in der wD mal meine RM einen Handgelenkspass erfolgreich und zur Überraschung aller an den Kreis gespiel... gefeuert. Tor. Dennoch blieb es bei mir eher bei der Duldung, in Passübungen habe ich aber immer wieder betont, dass das der "böse Pass" ohne vorherige Torgefahr ist, der nur in ganz bestimmten Situationen vorkommen soll.

    Jüngst machen wir in der Koordinationsleiter auch Handgelenkspasstäuschungen, seit gestern kommt der Pass bei mir auch in Grundübungen/-spielen vor:

    "Wenn die Abwehrspielerin auf Dich zurennt/schnell die Lücke schließt, brauchst Du Dich nicht mehr torgefährlich zu machen. Spiel den Pass von unten heraus!"

    Zitat

    §22 Jugendschutzbestimmungen

    (1) Jugendliche sollen in einer Mannschaft spielen, die ihrer Altersklasse entspricht. Der Einsatz Jugendlicher ist nur bis in die nächsthöhere Jugendaltersklasse zulässig. In einer Spielsaison darf der Einsatz (vgl. a. § 19 Abs. 1) jedoch in höchstens zwei Altersklassen gemäß § 37 Abs. 2 und 3 erfolgen; der Einsatz in Jugendqualifikationsspielen und Spielen der Jugend-Bundesliga der weiblichen A-Jugend wird hierauf nicht angerechnet. Abweichend davon ist ein Einsatz in einer dritten Altersklasse zulässig, sobald die Spielsaison für eine Altersklasse, in der der/ die Jugendliche zuvor zum Einsatz gekommen ist, abgeschlossen ist.

    Die einzige Ausnahme für das Überspringen von Altersklassen ist von wB zur Damen ab dem 16. Geburtstag, bzw. bei DHB Spielern mit Vollendung des 16. Lebensjahres.

    Vor mehreren Jahren ging das noch, eine C-Jugendliche in der A einzusetzen. Dann hat man an den Stichtagen in der SpO geschraubt und auf einen Schlag war das vorbei. Ich habe mal Spiele um die A-Jugend Norddeutsche Meisterschaft gesehen, wo die spätere Juniorennationalspielerin Penda Marie Bönighausen als C-Jugendliche mitgewirkt hat. Sie war Leistungsträgerin... Schade! Hat ihr sicher nicht geschadet.

    Niedersachsen geht das Problem bereits an und bietet einen five-a-side Spielbetrieb als Pilotprojekt mit gemischten Mannschaften an. Erfahrungsberichte habe ich nicht.

    Spinnen wir das mal für den regulären Hallenhandball weiter und die Spielordnung DHB erfährt in § 37 IV die entsprechende Änderung. Aktuell sind gemischte Mannschaften nur in D, E und F erlaubt. Für die C Jugend dürfen die Landesverbände das ebenso regeln.

    Es war in Hannover ein Riesenskandal, dass ich vor einigen Jahren mal "gemischte" Mannschaft sehr frei interpretiert habe und mit einer reinen Mädchenmannschaft in der männlichen D angetreten bin. Und da wir in der zweithöchsten Liga (wir waren die mD II und durften gar nicht höher melden) die meisten Jungsmannschaften geschlagen haben, teils deutlich, gab es in der Folgesaison zum Schutze des verletzlichen männlichen Egos* folgende neue Bestimmung: In der männlichen E und D Jugend dürfen gemischte Mannschaften antreten, allerdings dürfen sich immer nur maximal vier Mädchen gleichzeitig auf dem Spielfeld befinden. Also habe ich mir einen Fußballtorwart als Quotenjungen ins Tor gestellt und (fast) alle Spiele 4:6 bestritten. Eine Farce? Eine Farce!

    Jetzt stelle man sich vor, Frauen drängen in Männermannschaften. Welchen rechtlichen Riegel muss die Handballregion Hannover dann davor schieben, dass eine gemischte Mannschaft nicht gegen eine reine Männermannschaft gewinnt, um die armen Seelen der Spieler zu beschützen?

    *Das war ehrlich das Hauptargument auf dem Jugendstaffeltag, warum keine Mädchenmannschaft am Jungsspielbetrieb teilnehmen dürfe. Die Schmach am Montag in der Schule...

    Von den Großen abgeschaut

    Beim CL Final4 der Männer ging es mir so richtig auf die Nerven. RM kreuzt mit KM, der findet sich nun in der anderen Abwehrhälfte wieder, alles nahezu in Zeitlupe, kein Zugzwang, kein Stellungsvorteil, der Sinn ergibt sich mir bis heute nicht. Einen befreundeten Trainer mit Ahnung interviewt. Im Männerbereich wohl eher ein Auftakt für eine Folgehandlung, im Frauenbereich passiert wohl nach dem Kreuz oder unmittelbar aus dem Kreuz heraus (manchmal) was. Hmmmm....

    Nur mal so eine Idee: Was ist, wenn ich aus dem Kreuzen mit dem Kreis eine Auftakthandlung im Kinder- und Jugendhandlung (konkret D und C) bastele?

    >>Und wieder ein Trainer, der die Kinder mit Taktik überfrachten will!<<

    Au contraire! Wenn ich nur den Laufweg der Kreisläuferin als Auftakt festlege, sie mit RM kreuzt (oder lediglich den Laufweg schneidet), KM dann mit Ballannahme sofort torgefährlich werden muss und ich eine Handvoll Folgehandlungen aufzeige, ab da freies Spiel... kann denn ein solcher Spaß Sünde sein?

    Was haben wir für Gegebenheiten?

    - Die Ausbildung der Kreisläufer ist flächendeckend für die Wurst. Ich nehme mich da gar nicht aus. In der C-Lizenz Ausbildung habe ich NICHTS über die Position gelernt. Einige Trainer kennen die Schlagworte "Nachlaufen", "Gegenziehen", "Stellen" oder "Sperren". Wie viele Trainer schulen das? Nach der B-Lizenz Ausbildung wusste ich ne Menge über Sperren/Absetzen. In der ht fanden sich ab etwa '95 über zwanzig Jahre lang gefühlt drei Artikel über Kreisläuferspiel. Was soll dabei rumkommen?

    Einschub: Die Gedanken hier sollen nicht die Ausbildung in Basics ersetzen. Aber warum nicht mal ein Bonbon für die zweitvernachlässigste Position? Einfach mal die KM in das Rampenlicht schieben.

    - Die Abwehrreihen (D- und C-Jugend) lernen gerade die Kooperation. Hinten Mitte ist noch keine gestandene Spielerpersönlichkeit und lernt in der C allmählich (hoffentlich) die Chefrolle.

    - Keine Deckungsreihe dieser Altersklasse hat jemals eine Kreisläuferin im Rückraum kreuzen/schneiden sehen. Keine HM wurde jemals vor die Aufgabe gestellt, dass ihre Gegenspielerin in den Rückraum abwandert (außer mal zum Stellen oder Sperren).

    Spaßpotenzial!

    Ich stelle mir folgende Fragen:

    - Wie wird HM reagieren, wenn KM in den Rückraum verschwindet? Als Klette folgen? Tief entlang des Sechsers begleiten? Diagonal auf die vermutete Wiedereintrittstelle laufen?

    - Lässt sich VM von KM locken? Ignoriert sie KM? Klammern als einzige Lösung? Was ist, wenn KM unmittelbar hinter ihrem Rücken wieder übergeht?

    - Ich habe (voraussichtlich) kurzfristig eine Überzahl im Rückraum. Lässt sich diese für einen Parallelstoß (mit Weiterspielen) fruchtbar nutzen? Ich will ja gerade keine automatisierte Zirkusnummer wie im Profibereich.

    - Wie reagiert VM, wenn statt KM nun RM übergeht? Und rechtzeitig? Wenn plötzlich beide übergehen?

    - Wie groß ist das Chaos, wenn unmittelbar aus dem Kreuz mit KM / zeitgleich mit dem Kreuz mit KM die zweite Auslösehandlung folgt?

    Letzte Saison habe ich mit meiner Phantommannschaft C II (etwa halbe/halbe D und C, kein gemeinsames Training) gegen 3:2:1 zunächst stets mit 2:4 gespielt. Die Abwehr vor Aufgaben stellen mit den Mitteln einer fortgeschrittenen D-Jugend, ohne dass ich im Training Zeit darauf verschwende, C-Jugend Trainingsinhalte im D-Jugend Training zu bringen. Die Gegner haben sich im Laufe der Saison zunehmend besser darauf eingestellt, allerdings eher mit sehr defensiven, wenig regelkonformen Varianten. Übergänge haben wir nur ausnahmsweise mal aus 3:3 eingestreut.

    Ich denke, ich hab da eine neue Idee.

    Liebes Handballtagebuch!

    Ohne das Beachturnier in Cuxhaven ist es kein richtiger Sommer. Zwei Jahre ohne Sommer, nun ist es wieder so weit. ZeeBee hat elf Mädchen mit dabei und die Mädels haben im Training ganz gute Ansätze gezeigt. Zweimal die Woche nach dem Hallentraining haben sie noch mal je eine Stunde in der Sandkiste durchgezogen. Bam Bam und Katharina treffen zielsicher aus dem Spinshot, mehrere Mädchen sind zumindest kurz davor, die Technik zu meistern. Das ansonsten nirgends gespielte Wechselsystem (Läuferin, ein Wechsel Abwehr, ein Wechsel Angriff, kein Spezialistenwechsel im Tor für mehr Speed) sitzt. Und der große Trumpf wird sein, dass mindestens fünf Mädchen von Tor zu Tor treffen können.

    ZeeBee nimmt sich den Freitag frei, setzt den Rucksack auf und fährt morgens mit der Bahn vorweg, den Claim auf dem Zeltplatz abzustecken. Die Mädels trudeln im Laufe des Nachmittags nach und nach ein, Handballpapa Martin erscheint mit einer halben Zeltstadt im Gepäck. Der Grill wird angeschmissen. ZeeBee verpennt die Trainerbesprechung.

    Das erste Spiel ist erst nach 10:00. Kein Grund, nicht als allererstes zum Frühstück um 6:50 anzustehen. Vielleicht war das mit dem Zivildienst die falsche Berufung... ZeeBee vertilgt zwei Brötchen, einen Yoghurt und eine Banane. Wie wollen einige Mädchen den Turniertag mit einem Yoghurt bewältigen? Und wissen sie, dass die Mannschaftskasse € 7,50 für den Yoghurt bezahlt hat? Am zweiten Turniertag ändert ZeeBee daraufhin die Spielregeln: "Wir spielen heute Morgen ein Spiel. Wer ein Brötchen oder eine Banane ist, darf nachher mitspielen." Große Augen, vier Mädchen stehen vom Tisch auf und rennen los.

    ZeeBee verpennt die zweite Trainerbesprechung.

    >>Wie heißen wir eigentlich?<<

    >>Werdet Ihr merken, wenn Ihr aufgerufen werdet.<<

    Irgendwann spricht es sich allerdings herum, dass wir "Bam Bam und die Ulzburgcupraketen" sind, sehr zum Misfallen des Stadionsprechers. Erstes Spiel. Der Gegner hat noch nicht wirklich viel im Sand geübt. Lange Torwürfe von Tor zu Tor, lange Pässe zur Einwechselspielerin vorn und Spinshot, nur die Deckung will noch nicht so richtig zur Ballseite verschieben. Deutlicher Sieg. Zweites Spiel. Der Gegner hat noch nicht wirklich viel im Sand geübt. Drittes Spiel. Der Gegner hat noch nicht wirklich viel im Sand geübt. Die "blauweißen Robben" sind beim Wechsel der Torhüterin nicht richtig schnell, so dass es 2-Punkte-Tore aus unserem Tor nur so hagelt. Irgendwann bleibt die Torhüterin bei Ballbesitz schmollend im Tor. Läuferin Jara, Bodyguard der Torhüterin, bleibt vorn am Torkreis stehen und schaut sich fragend um.

    Gegner Nummer vier, "Chaos im Sand", Lokalmatador und mit viel Sand vor der Haustür zum Üben, hat einen Plan. Eine Läuferin, Spezialistenwechsel hinten, Spezialistenwechsel vorne, endlich mal eine Drohung in den Rückzug. Leider kommen die gegnerischen langen Pässe zu selten, die Mädchen können mit Laufarbeit alle Deckungsaufgaben gut lösen und sind auch nicht gewillt, das Spiel spannend zu halten. Der wirklich nicht schlechte Gegner hat keine Chance. Fünftes Spiel. Der Gegner hat noch nicht wirklich viel im Sand geübt... Halbfinale ist sicher.

    Abmarsch vom Spielfeld Richtung Hallenbad. Auf dem Weg gibt ZeeBee die Pizzabestellung ab. Vor dem Hallenbad wartet die Mitarbeiterin des Landesverbands und verteilt die Eintrittskarten.

    >>Na, wieder drinnen den Strandkorb in Beschlag nehmen und schlafen?<<

    >>Die einzige Chance auf anständigen Schlaf hier.<<

    ZeeBee bleibt noch ein wenig draußen sitzen. Eine große Gruppe Spielerinnen erscheint zum Schwimmen. Der junge Trainer trommelt die Horde zusammen, Totenstille, klare Anweisungen, wie es weitergeht. Kein Laut von den Mannschaften. ZeeBee ist begeistert und geht in den Eingangsbereich, nimmt den Strandkorb in Beschlag und versucht zu schlafen.

    Früh morgens die ersten whatsApp Nachrichten aus der Heimat, wie es weitergehe.

    >>10:00 Eyendorf - 11:30 Stuhr Halbfinale - 15:00 Findorff Finale>>

    >>Und? Hast Du den Pokal schon eingepackt?<<

    ZeeBee ist sich nicht einmal sicher.

    >>Findorff hat auch zwei, drei normal große Mädchen...<<

    Vorrundenspiel Nr. 6. Endlich ein Einsatz im Stadion am Meer. Mit Stadionsprecher. Der hat Mühe mit dem Teamnamen, den der Verband schon um "... und die.." gekürzt hat. Der Gegner ist immerhin aktuell Gruppendritter... hat aber nicht wirklich viel im Sand geübt. Halbfinale erreicht, keine Halbzeit abgegeben. Sechs Spiele. Verschwindend wenig Spinshots der Gegner. Eine einzige Torhüterin mit Würfen von Tor zu Tor. Die Veranstaltung nennt sich "Niedersachsenmeisterschaft". Hmmmm...

    Halbfinale. Auf der Gegenseite die HSG Stuhr I. Mit dem resoluten Trainer vom Hallenbad. Mit echten Beachtrikots, was das Erscheinungsbild noch mal wesentlich professioneller macht. Mit mindestens fünf Mädchen, die beim Einwerfen blitzsaubere Spinshots zeigen. Endlich eine Aufgabe! :klatschen:

    Der Gegner überrascht mit einer Fleischmauer in der Deckung auf ZeeBees Wechsel- und damit Torhüterseite. Die Läuferin wird auf der wechselzonenfernen Seite gar nicht gedeckt. Dort hat ZeeBee eine seiner Anfängerinnen positioniert, die allenfalls mal einen Punkt treffen kann. Die übrigen drei Mädchen tanzen hilflos vor der Wand hin und her. Ein Phänomen des modernen Kinderhandballs. Die Mädels ballern wie die Wilden aus 27m auf das gegnerische Tor, nicht aber von 7m, wenn da ein Block dazwischen steht. Optimierungsbedarf.

    ZeeBee wechselt auf der Läuferposition, bringt dort Spinshotcrack Katharina. Stuhr deckt weiterhin Fleischmauer und lässt die Läuferin in Ruhe... Die Torhüterinnen mit Würfen von hinten und Katharina erledigen die erste Halbzeit. Zweite Hälfte. ZeeBee sieht das Dilemma. Die Läuferin ist nun auf der Rechtsaußenposition und es fehlt an einer Linkshänderin. Der 360° Spinshot wird nun eher zum 380° Wurf und schon geht nichts mehr. Hinzu kommen plötzlich viele Fehlwürfe, auch vom eigenen Tor aus hämmern wir alles links am Tor vorbei. Stuhr zieht davon.

    >>Wir brauchen jetzt die doppelten Punkte!<<

    Zigfaches Deja Vu... das wird nun nichts mehr. Die Mädels kämpfen sich noch mal auf zwei Punkte ran, auch der letzte Wurf geht daneben. Shootout! ZeeBee hat zwei Spinshotcracks und mehrere Anwärterinnen. Stuhr hat mindestens fünf Spinshotcracks. ZeeBee hat Carlotta im Tor.

    Rückblick zu einem Spiel der männlichen D-Jugend:

    >>Was machen die denn da?<<

    >>Babypenalties.<<

    Ein Spieler steht auf dem Spielfeldmittelpunkt. Pass-Rückpässchen mit den Penaltyschützen. Die Mädchen sind fassungslos.

    ZeeBee: >>Wir machen so einen Quatsch nicht, wenn es dazu kommt.<<

    Es ist recht windig. Es ist Halbfinale. Die Mädels wollen ins Finale. Babypenalties? ZeeBee hat Stolz... und ist kein Teenager mehr.

    >>Es ist ganz schön windig. Richtige Penalties oder Babypenalties?<<

    Die Mädels wollen gewinnen. Mario und ZeeBee entscheiden die Reihenfolge wie echte Kerle: Schere-Schere. Schere-Schere. Schere-Papier... Mario entscheidet sich zu folgen. Lucie positioniert sich als Anspielerin. Bam Bam verwandelt erfolgreich den ersten Spinshot. Stuhrs erste Werferin setzt ebenfalls zur Pirouette an, wirf nicht platziert genug halbhoch, kein Problem für Carlotta. Katharina wirft der Torhüterin gegen die Beine. Die zweite Werferin versucht es mit einem Aufsetzer, Carlotta riecht den Braten und geht nach unten. Zeigt die Faust. Frida, letztes Jahr noch als E-Jugend Küken in der D dabei und mit Dauerhandbremse unter den Älteren, beim Turnier wieder und wieder nicht mit dem Spinshot erfolgreich... trifft doppelt per Pirouette unten rechts in die Ecke. 4:0. Die nächste Werferin von Stuhr zeigt einen technisch starken Spinshot platziert nach oben... Carlotta hält. ZeeBee signalisiert Lucie, bislang Passgeberin, einen einfachen Wurf zu machen. Lucie trifft souverän. Große Aufregung am Kampfgericht. Lucie habe bereits das zweite Mal geworfen. Wie soll das gehen, wenn sie bislang angespielt hat? Weiter geht's. Das nächste Stuhrer Mädchen wählt einen unglücklichen Laufweg weit nach Außen, zeigt dort ebenfalls einen Spinshot, abermals kein Problem für Carlotta. 5:0. Der Wurf war schon gar nicht mehr nötig, die Schiedsrichterin wollte ihn aber noch ausspielen lassen. FINAAALE!

    >>Hast Du die Mädchen von Findorff gesehen? Ganz schön groß. Wie ist die Taktik?<<

    >>Können die Spinshots? Können die von Tor zu Tor werfen?<<

    Die Wettervorhersage kündigt Gewitter für unmittelbar nach dem Finale an. Das mE Finale verzögert sich, denn die Jungs entscheiden sich für ein Shootout. Das wE Finale verzögert sich, denn die Mädels entscheiden sich für ein Shootout. Das mD Finale verzögert sich, denn die Jungs entscheiden sich für ein Shootout. Weiblich D Finale. Es wird merklich dunkler und windiger. Die Mannschaften laufen ein. Bei den Gegnern scheint die ein oder andere Spielerin vom Vortag zu fehlen, die Durchschnittsgröße ist deutlich gesunken. Die Mädels haben Findorff klar im Griff, der einsetzende Regen und starke Wind macht sich beim Fangen und den langen Würfen bemerkbar. Das Publikum verschwindet nach und nach ins Hauptzelt. Erster Satz geht an uns. In der zweiten Halbzeit liegen wir klar vorne, dann kommt der Wolkenbruch. Das Schiedsrichtergespann bricht das Spiel vorzeitig ab.... Niedersachsenmeister! :cool:


    Dein

    Karsten

    Beobachtungen im Sand

    Jahrelanger Skeptiker, was das Sandeln angeht. Beachhandball? Neee, lass mal. Nach und nach mit angefreundet und inzwischen trainieren wir in der Sandsaison nicht nur zweimal die Woche nach dem Training in der Sandkiste, die ein oder andere Technik lässt sich beim Beachhandball besser trainieren als in der Halle (Blocken... ja, dieser Hüpfer in die Luft mit nach oben gestreckten, geschlossenen Armen).

    Am Wochenende war "Niedersachsenmeisterschaft" E und D-Jugend in Cuxhaven. Da man frei melden konnte, eher "offene niedersächsische Meisterschaften". Einige Beobachtungen:

    - wir (weibliche D) erschießen nahezu jeden Gegner aus dem eigenen Tor heraus, haben selbst aber nur eine Handvoll Torwarttore aus der Distanz kassiert

    - unser stärkster Gegner spielte im Halbfinale gar eine Fleischmauer auf Torwartangriffsseite (noch nie gesehen vorher), die meisten Teams eher defensiv, passiv

    - es hat sich noch nicht herumgesprochen, dass man entlang der gesamten Spielfeldlänge abzüglich der Torräume einwechseln darf

    Wurfkraft Zwergenhandball

    Wenn ich mich richtig erinnere, haben wir von einer einzigen Torhüterin bei 8 Gegnern mal Tore von Tor zu Tor kassiert. Von uns haben regelmäßig fünf Mädchen aus dem eigenen Tor heraus getroffen. Einen Gegner haben wir gar dazu gezwungen, ihre Torhüterin im Tor zu belassen. Das führte zur absurden Situation, dass unsere Läuferin vorn am Torkreis arbeitslos auf ihren Einsatz wartete.

    In der E-Jugend jedes einzelne Training, in der D-Jugend einmal die Woche 10 Minuten stumpfes Ballern auf den Boden/gegen die Wand. Korrigieren bis zum Umfallen. Wo soll der Wurf denn sonst herkommen? Gehen die Mädels nachts in den Steinbruch und schmeißen Steine oder im Urlaub Kokosnüsse am Strand?

    Abwehr Kinderhandball Beach

    Die Fleischmauer war das extremste Beispiel der langweiligen Deckungen und war auch nur in einer Halbzeit erfolgreich, da ich keine Linkspfote habe. Erste Halbzeit mauerte die Deckung unsere Torwartangriffsseite komplett zu und ließ unsere Läuferin auf wechselferner Seite in Ruhe. Also tausche ich dort eine unserer zwei Spinshot Expertinnen hin und der Gegner guckt dumm aus der Wäsche, das gesamte Abwehrsystem zerfällt. Zweite Halbzeit verballern wir zuviel und unsere Läuferin ist als Rechtshänderin auf der rechten Seite für den Spinshot im Nachteil. Abwehrsystem siegt, ist aber.... laaaaaaaangweilig.

    Die Kinder können im Sand nicht prellen, dürfen den Ball einmal im Sand nach drei Schritten ablegen und weitere drei Schritte machen. In der D ist damit noch nicht viel anzufangen. Auch wenn es viele graue Haare kostet: Ran an den Speck, Bälle klauen! Wir haben es uns leicht gemacht. Läuferin deckt Torhüterin, die beiden verbliebenen Abwehrspielerinnen kümmern sich um die Überzahl. Verschieben zur Ballseite.

    ACHTUNG, jahrelange Erfahrung: Mädchen haben kein, null, nada, nix, niente Konzept von "Ballseite"! Kann ich bis zum Herzinfarkt korrigieren und einfordern, wird nichts! "Am Ball", "Minihandball" oder so ähnlich hat mehr Aussicht auf Erfolg. Ist dennoch ein langer, steiniger Weg. Lohnt sich aber, wenn man am Schluss einen gleichstarken Gegner trotz Unterzahl über das Feld scheucht.

    Ich bin innerlich eigentlich mit einem Konzept von "Manndeckung auf Ballseite" gestartet. Mit jedem Richtungswechsel des Balls springt die Deckung eine Gegenspielerin weiter in Passrichtung. Unser Ergebnis war - teils - allerdings viel besser. Letztlich weiß ich:

    - wir sind in Unterzahl und der Torwurf wird früher oder später kommen

    - der Gegner kann entweder einen oder zwei Punkte ergattern

    - in der D trauen sich auch die Expertinnen selten in Bedängnis den Spinshot zu

    Einfache Tore in Kauf nehmen, doppelte Punkte verhindern.

    - die Torhüterin ist in Manndeckung

    - eine echte Manndeckung ist gar nicht nötig, die Ballführerin darf nur nicht komplett unbedrängt werfen

    Im Laufe des Turniers haben die Mädels eher die Räume zwischen Ballführerin und Anspielstationen verteidigt und ich habe immer wieder "Abstand" eingefordert. So kam es selten zu Freiwürfen, Pässe waren stets möglich (aber abfanggefährdet) und der Weg zur freigespielten Spielerin war stets kurz. Selbst der Halbfinalgegner mit mindestens fünf Spezialistinnen kam kaum zum Spinshot. Das Shootout entschieden letztlich nicht die Werferinnen sondern unsere Torhüterin.

    Wechseln Kinderhandball Beach

    Die kürzeste Strecke zu einer Linie liegt im rechten Winkel. Schnelle Wechsel sind elementar. Wie viele Trainer das nicht begreifen und Wechselchaos laufen lassen... unglaublich! Die Auswechselspielerin hat den kürzesten Weg nach draußen zu suchen, nicht den Weg zur ihrer Einwechselzone.

    Was wir nicht vom eigenen Tor aus erschossen haben, erlegten unsere beiden Spinshotcracks, die vorne an der Torraumkante einwechseln. Anweisung an die Torhüterin:

    - Erster Blick geht zum Tor.

    - Zweiter Blick geht zu unserer Einwechselspielerin vorn.

    - Erst dann darfst Du einen kurzen Pass spielen.

    Bis auf ein Gegner hat niemand gegen uns diese Drohung aufgebaut. Auch bei der männlichen D wurde überwiegend vorne aus- und hinten eingewechselt. Ist mir ein Rätsel.

    Im Finale mD beide Teams mit Spezialistenwechsel. Wechselfern der Läufer, zwei Abwehrspezialisten hinten, zwei Angriffsspezialisten werden vorn eingewechselt. Maximal effizient, wahrscheinlich haben Abwehr und Angriff auch nach der Halbzeit getauscht, worauf ich nicht geachtet habe. Kindgerecht?

    Im Sand haben wir übrigens keinerlei soziale Maßnahmen ergriffen, was bei vier Gegnern mit offensichtlich ganz wenig Beachhandballerfahrung zu absurden Ergebnissen führte. Allerdings haben die gegnerischen Trainer so mal eine Vorstellung bekommen, was sie noch alles optimieren können. Einer hat sich für die "Lehrstunde" bedankt.

    Zitat

    Hatte schon die Erfahrungen machen müssen das man als deutlich Unterlegener in Unterzahl angereist 95% vom Spiel im Feld 5:6 Spielt

    Zitat

    Wie geht in E und D-Jugend Überzahlangriff?

    In Niedersachsen, möglicherweise aber bundesweit, gibt es jedenfalls keine regeltechnische Überzahl unterhalb der C-Jugend. Bei Hinausstellungen darf aufgefüllt werden. Sie kann theoretisch nur dann entstehen, wenn der Gegner trotz Personalmangels dennoch antritt und von Beginn an eine Spielerin fehlt oder sich in der Mannschaft ohne Auswechselspielerin wer im Laufe des Spiels verletzt bzw. in dieser Situation eine Hinausstellung kassiert. Viele Trainer tun sich schwer, wenn der Gegner nun - ausnahmsweise erlaubt - defensiv deckt. Wie spiele ich diese Überzahl aus?

    Weiß ich nicht. Ist in dreißig Jahren noch nie vorgekommen, wird auch nie vorkommen. Wenn ich bei einem Kinderspiel die Personallage des Gegners ausnutze, verliere ich immer - auf die eine oder andere Weise.

    Habe ich noch nie verstanden. Was beweise ich wem, wenn ich mit 6:5 oder 6:4 Spielerinnen gewinne? Brauchen die Eltern das? Die Kinder? Das Trainerego? Die Idee des Spiels ist es doch die bessere Mannschaft zu ermitteln. Da hat der Gegner Sportsgeist und tritt in Unterzahl an... Manchmal hat man allerdings das Glück des Tüchtigen, Februar 2005 gegen meinen jetzigen Verein:

    Zitat

    Wir reisten mit ganzen fünf Mädchen an und unser Gegner hatte 4:0 Punkte aus der Rückrunde. Als goldene Regel sag ich mal: Wenn ich den Gegner schon in doppelter Unterzahl spielen lasse, dann sollte ich auch gewinnen :devil:. Kein Gedanke wurde jedoch an eine faire Geste verschwendet, wobei wir körperlich wirklich nicht bedrohlich wirkten. Aber man antizipierte wohl das Endergebnis und verzichtete von vornherein auf die Herausnahme zweier Spielerinnen. 5:11 (1:6) für die Mannschaft in Unterzahl - es gibt Situationen, in die man sich hineinmanövriert, in denen man wohl einfach nicht gewinnen kann.

    Gegenbeispiel. Vor einigen Jahren war die weibliche Konkurrenz so schwach und unsere wC so voll, dass wir parallel als weibliche und männliche D gespielt haben. Der Verband hat sich das eine Saison angesehen, war angewidert von der Tatsache, dass Mädchen regelmäßig gegen Jungs gewinnen und konkretisierte aus Schikane "gemischte D Jugend" um in "maximal vier Mädchen gleichzeitig auf dem Spielfeld". Um überhaupt als Mädchenmannschaft antreten zu dürfen, reichte das nicht. Scheinheilige Frage dann auf dem Staffeltag:

    >>Zieht Ihr jetzt also eine männliche D zurück?<<

    >>.<<

    Wir spielen eine Saison lang mit einem Quotenjungen im Tor (Fußballtorwart) und vier Feldspielerinnen. EIN Trainer hat 4:4 gespielt. Und prompt verloren. Allerdings nur auf dem Papier.

    Den Thead hatte ich mit einem ethischen Problem in den Altersklassen Minis bis D-Jugend begonnen:

    Zitat

    Was tun, wenn der Gegner hoffnungslos unterlegen ist?

    Im Punktspielbetrieb habe ich nach jahrzehntelangem trial and error eine brauchbare Lösung:

    Zitat

    Das Kistentor liegt bei uns bei 30, ich habe eine weitere Kiste (Bionade) ausgelobt, wenn alle Feldspielerinnen in beiden Halbzeiten je ein Tor werfen. Mit zwei E-Jugendlichen an Bord der D-Jugend ist das schon mal eine Aufgabe.

    Die Mädchen haben eine gemeinsame Aufgabe, alle arbeiten ernsthaft daran, dass auch die weniger torgefährlichen Spielerinnen zu einem Treffer kommen, das Spielergebnis hält sich in Grenzen und im besten Fall bekommt der Gegner gar nicht mit, dass man mehr mit sich selbst als mit dem Gegner beschäftigt ist. Das gilt für den Punktspielbetrieb.

    Ganz anders die Situation beim Turnier in Dänemark:

    - die dritte Mannschaft des Gastgebers ist eine reine Anfängermannschaft

    - Manndeckung/offensive Raumdeckung kennt der Gegner nicht

    - der deutsche Gast ist... deutsch

    - die Eltern der dänischen Mädchen kennen keine Manndeckung/offensive Raumdeckung

    - die Eltern der dänischen Mädchen wissen nicht, dass wir gegen jeden Gegner offensiv decken, nicht nur gegen Anfängerinnen

    Trotz Durchsitzens der Bestbesetzung auf der Bank eine Katastrophe. Stundenlange Analyse, dann der Gedanke outside of the box:

    Zitat

    Was würde wohl ein netter Trainer tun? Was würde Buddha tun? Geschenke machen Freunde, geklaute Bälle gibt man zurück. So absurd die Lösung scheint, kann es das Publikum als Arroganz auslegen, wenn die Anfängerinnen 30 Minuten lang jeden abgefangenen Ball zurückgeschenkt bekommen? ZeeBee ist zufrieden.

    Rasenturnier in Hannover. Auftaktspiel gegen die dritte Mannschaft des Gastgebers. Die Mädchen werden instruiert: abgefangene Pässe geben wir zurück, rausgeprellte Bälle behalten wir.

    Als erster Testballon war das nicht schlecht. Leider hat der Gegner viel geprellt, die Bälle waren dann weg. Meine Mädels haben konsequent jeden abgefangenen Pass zurückgespielt. Die Reaktion der Eltern habe ich nicht mitbekommen, während eines Spiels bin ich im Tunnel. Das Spiel blieb flüssig, die gegnerischen Mädchen haben die Geschenke brav angenommen. War irgendwie witzig. In fünfzehn Minuten Spielzeit waren es maximal zehn Geschenke und damit nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Wenn ich die Deckung darauf einstelle, dass Prellversuche nicht weggefangen sondern unterbochen werde, es dadurch mehr Pässe gibt, wir mehr Pässe abfangen, dadurch wiederum mehr Bälle zurückschenken können...

    Ausbaufähig, aber so können wir nächstes Mal vielleicht in Dänemark bestehen, ohne dass vor der Halle brennende Kreuze aufgestellt werden.

    Nun auch im richtigen Thread:

    Auch wenn ich ein wenig spät dran bin. Im Final4 hat Alex Dujshebaev den ungewöhnlichen, weil langen, Wechsel von Rückraum Rechts zu Außen Links vollzogen. Zumindest wenn er bankfern im Angriff gespielt hat. Ich glaube, auch ein anderes Team hat diesen Wechsel gespielt.

    Ganz konkret im Fall Kielce: Warum nimmt man den zusätzlichen Laufweg in Kauf?

    Auch wenn ich ein wenig spät dran bin. Im Final4 hat Alex Dujshebaev den ungewöhnlichen, weil langen, Wechsel von Rückraum Rechts zu Außen Links vollzogen. Zumindest wenn er bankfern im Angriff gespielt hat. Ich glaube, auch ein anderes Team hat diesen Wechsel gespielt.

    Ganz konkret im Fall Kielce: Warum nimmt man den zusätzlichen Laufweg in Kauf?

    Plädoyer für das Solera Verfahren

    Mal was ganz Anderes. Nennen wir es Philosophie der Nachwuchsarbeit. In meinem ehemaligen Verein war ich zehn Jahre als Trainer aktiv. Habe mit einer Mini-Mannschaft in der E-Jugend angefangen. Habe die Mannschaft vier Jahre in der E-Jugend trainiert. Zwei Jahre in der D-Jugend. Zwei Jahre in der C-Jugend. Die beiden nachfolgenden Generationen parallel ebenfalls in E, D und C-Jugend. Ein Trainer, dieselben Mädchen, bis zu acht Jahre. Der Vorteil: Man kennt sich recht gut. Der Nachteil: Man kennt sich recht gut.

    Nun bin ich im zehnten Jahr in einer leistungsorientierten weiblichen Handballabteilung und bin seit ein paar Jahren D-Jugend Trainer. Gehe nicht mit einer Generation nach oben, sondern werde einerseits zum D-Jugend Experten, andererseits natürlich auch zum Fachidioten. Dieselbe Medaille. Im leistungsorientierten Bereich erscheint mir dieses System aber vorteilhafter zu sein. Ein kleiner Exkurs:

    Das Solera-System ist ein Verfahren zur Reifung von Sherry, Málaga, Brandy oder Gletscherwein. Seinen Namen hat das Verfahren von der Bezeichnung der untersten Fassreihe (spanisch solera ‚am Boden liegend‘), die darüber gestapelten Reihen nennt man criaderas (spanisch criadero ‚Zucht‘).


    Dabei werden Eichenfässer (span. bota) mit einem Fassungsvermögen von 520 Litern übereinander gestapelt. Aus der untersten Reihe Fässer wird etwa ein Drittel des fertig gereiften Sherry oder Brandy abgefüllt. Diese teilweise geleerten Fässer werden sodann mit jüngerem Wein aus der nächsthöheren Reihe befüllt. Diese Vorgehensweise wird wiederholt, bis die höchste Reihe leer ist und mit frischem Destillat nachgefüllt wird. Produkte die nach diesem System hergestellt werden, bezeichnet man allgemein auch als Soleras. (zitiert aus: http://www.wikipedia.de)

    Mein Thema ist eigentlich scotch malt whisky. Traditionell gereift in einem einzigen Bourbonfass. Mindestens drei Jahre, zumeist abgefüllt nach 10 oder 12 Jahren. Ich habe immer mal davon geträumt, mit ein paar Kumpels ein junges Fass zu kaufen, irgendwann abzufüllen und zu importieren. Handballecken-Whiskypapst einstein-husum hat mir die Augen geöffnet. Die Qualität der Fässer sei so unterschiedlich, dass nur rund ein Viertel aller Fässer für malt whisky tauge, der Rest wandere zum Blender und wird zu blended whisky verpanscht (Johnny Walker, Chivas Regal usw.). Die Chance, ein gutes Fass zu erwischen, 25%.

    Das Solera Verfahren...

    >>Was schreibt der Idiot denn da? Hier geht es um Handball.<<

    Der Altersklassenumbruch hat sich bei uns dieses Jahr maximal weit verzögert. Während alle anderen Altersklassen mit dem Spielbetrieb schon fertig waren (durch Corona schon mit erheblicher Verspätung), spielte die wB noch im Final4 und wollte natürlich im Training unter sich bleiben. Der 07er Jahrgang konnte nicht in die B wechseln, meine '09er nicht in die C. Dennoch habe ich die '11er schon mal aufgenommen, zusätzlich eine '13er Spielerin. Nun trainierten 09, 10, 11 plus ein Küken zusammen.

    Im Regelfall habe ich zwei D-Jugend Jahrgänge. Dazu die talentiertesten Mädchen aus dem älteren E-Jugend Jahrgang, in Ausnahmefällen auch eine Spielerin aus dem jüngeren E-Jugend Jahrgang. Nach zwei Jahren gebe ich die Mädchen wieder ab, die größten Talente habe ich folglich vier Jahre. Der älteste Jahrgang ist eine untere Fassreihe, gibt eine Menge an den neuen Sherry ab. Ich lerne jede Saison was dazu und kann auch jedes Jahr von Neuem mehr beibringen. Beispiel:

    Wir spielen Beachhandball mit einer Läuferin, einem Wechsel im Angriff, einem Wechsel in der Abwehr. Das läuft wie ein Uhrwerk, ist aber für die D schon recht komplex. Fange ich mit 10 Mädchen bei "null" an, brauche ich Wochen im Training, bis das sitzt. Kommt nun die neue Generation frisch dazu (oberste Fassreihe)... dieses Jahr klappt das nach einer einzigen Trainingseinheit und läuft reibungslos. Die Ältesten machen schon mal spinshots oder eingesprungene Blocks vor (meine ersten Beachhandballgenerationen haben weder noch gelernt, jede Saison setze ich Beachhandballerfahrung neu um).

    Wandere ich mit einer Generation mit in die C hoch, geht in der D das Solera Verfahren verloren, denn ich bin Teil der unteren Fassreihe. Das Eichenfass quasi, das jahrzehntelang Sherry im Holz eingelagert hat und als Aroma abgibt. Im "Einzelfassverfahren" ist die Erfolgschance bei 25%. Im Solera Verfahren scheint mir die Wahrscheinlichkeit, dass ich ganz unten, nach der A-Jugend, ein gutes Produkt bekomme, wesentlich größer.

    Fortsetzung Schnelle Mitte

    Vierergruppen, alle Spielerinnen an einem Ballkasten, in etwa 15m Entfernung (später 20m) zwei Turnmatten als Quadrat zusammengelegt. Passgeberin (vorzugsweise die Torhüterin, alle anderen können sich aber auch mal beteiligen) steht mit Ball neben dem Ballkasten, Spielerin vor ihr macht Hampelmänner bis sie von TW angetickt wird. Dann ein Sprint auf die Anwurfzone, Pass der Torhüterin nach zwei, drei schnellen Schritten, Anwerfende dreht sich um und bekommt im Idealfall den Ball in der Drehung.

    Korrekturen:

    - Der Ball landet überall, nur nicht bei der Anwerfenden

    Erst einmal vom Idealfall eines geraden, harten Passes abweichen und einen leichten Bogen erlauben, bis der sitzt. Dann allmählich härtere Pässe. Das kann seeehr frustrierend sein.

    - Probleme bei der Ballannahme wegen des Passes aus dem 180° Winkel

    Unmittelbar vor die Anwurfzone ein 2m breites Hütchentor setzen, durch das die Spielerinnen NICHT durchlaufen dürfen. Kleiner Bogen, dadurch eine seitliche Position bei Erreichen der Anwurfzone, der Winkel zum Pass ist deutlich besser.

    - Die Füße zeigen beim Fangen zur Torhüterin

    Das verhindert die Folgehandlung des schnellen Sprints nach dem Anwurf. Nach dem Schlenker kurz vor der Anwurfzone sollten der vordere Fuß nach vorne und der hintere Fuß zur Seite zeigen, ansonsten ist nur der Oberkörper Richtung Torhüterin gedreht.

    - Vorne Mitte muss auf den Pass vom Torwart warten

    Mit der Torhüterin einen Auslösepunkt erarbeiten, wann sie zum Pass losläuft. Wenn Linien vorhanden sind, eine Linie rauspicken, die bei Erreichen auf dem Weg zur Anwurfzone die Schnelle Mitte signalisiert. Im Idealfall fängt Vorne Mitte den Ball unmittelbar nach dem Umdrehen. Der Pass ist also längst unterwegs, wenn die Anwerfende noch läuft.

    - Vorne Mitte wird langsamer, um sich nach dem Ball umzuschauen

    Es gibt keinen Blickkontakt mit der Torhüterin/zum Ball vor Erreichen der Anwurfzone. Der Ball wird erst angeguckt, wenn er in den Händen landet.

    Das hier ist stumpfer Drill. Wie bei kaum einer anderen gruppentaktische Maßnahme müssen wir uns bei der Schnellen Mitte an Perfektion annähern, sonst funktioniert sie nicht.

    Die Ausführung der Schnellen Mitte trainiere ich losgelöst vom Auftaktpass. Wir werden mit der C ein langes Kreuzen spielen, das schon recht komplex für die Altersklasse ist. Elementar ist, dass in allen Phasen nach dem Anwurfpass die Torchance gesucht und nichts automatisiert geschieht. Im Idealfall produziert allein das lange Kreuz vier Abschlussmöglichkeiten des Rückraums, ohne dass auch nur Außen oder KM eingebunden sind. Alle vier Abschlussmöglichkeiten sollen ausgelotet werden. Dann kann ich immer noch einen Übergang/eine Sperre einbauen.

    In der D-Jugend habe ich bislang folgende Varianten (gegen extrem offensive Deckungsreihen) gesehen:

    - Mit dem Anpfiff geht eine schnelle Außen diagonal an den Kreis über. Sie überläuft ihre Manndeckerin und bietet sich am Kreis an. Der Anwurf erfolgt ohne feste Prinzipien, alle wissen aber, dass der Ball schnell zum Kreis muss.

    - RL oder RR (oder beide) überlaufen nach dem Pfiff ihre (sehr offensiven) Gegenspielerinnen. Der Anwurf wird maximal verzögert (3 Sekunden), bis sich eine Rückraumspielerin im Tiefenraum hinter der Deckung freigelaufen hat. Dann kommt der Anwurf direkt als Anspiel.

    Lässt sich Beides recht leicht verteidigen (1:1 ohne Ball / Sicherheitsabstand beim Anwurf), kann aber in der D mal eingestreut werden.

    Ich bin noch am überlegen, ob sich aus der Regel, dass ich drei Sekunden für den Anwurf Zeit habe und der Anwurf nicht ausgeführt ist, bevor nicht der Ball die Anwurfzone verlassen hat (also auch keine Abwehrspielerin in die Zone darf) Honig saugen lässt. Ein Ablenkungsmanöver innerhalb der Zone, drei Sekunden verzögern, Sprint durch die noch etwas verwirrte Abwehrreihen, dann der Pass aus der Zone. Wird die Schieris vor eine Aufgabe stellen.

    In der Mittellinie befindet sich ein Kreis mit einem Durchmesser von 4 Metern, der als Anwurfzone bezeichnet wird.

    Kleiner Satz, vielleicht große Wirkung ab dem 01. Juli 2022. Wer sich nicht anpasst, der ein oder andere Gegner wird es tun. Dank einer Trainerfortbildung habe ich jüngst die meisten Regelfragen zum Thema beantwortet bekommen:

    Anwurf kann angepfiffen werden, wenn die Spielerin

    - in ihrer Hälfte mit einem Fuß die Anwurfzone berührt, mit einem Fuß in der Anwurfzone steht, mit beiden Füßen in der Anwurfzone steht.

    - in der gegnerischen Hälfte mit einem oder beiden Füßen in der Zone steht

    - in der Zone steht, geht, läuft oder tanzt

    Anwurf kann nicht angepfiffen werden, wenn die Spielerin

    - teilweise mit einem Fuß/mit beiden Füßen in der gegnerischen Hälfte außerhalb der Zone steht

    - springt

    Mitspielerinnen dürfen in der Zone stehen oder sich bewegen, auch vor dem Anpfiff über die Mittellinie hinüber, solange es innerhalb der Zone ist.

    Es gibt keine Abstandsregel für den Gegner bei der Ausführung. Der Pass vom TW darf weiterhin aber nicht behindert werden. Der Gegner darf aber weder mit den Füßen in die Zone, noch darf er, wie beim Abwurf, in die Luftsäule oberhalb der Zone greifen oder darin blocken.

    Der Anwurf ist erst ausgeführt, wie schon der Abwurf, wenn der Ball die Luftsäule der Zone verlässt. Drei Sekunden lang hat die Ausführende Ruhe in ihrer Zone.


    Die Renaissance der Schnellen Mitte? Ich denke schon. Was hat es für Mühe gekostet, das Timing des Umdrehens, Fangen des Langpasses und das Setzen des Fußes auf die Mittellinie zu trainieren, gepaart mit der Körperdisziplin dabei den Fuß stehen zu lassen und nicht zu tanzen.

    In der C-Jugend werde ich konsequent die Schnelle Mitte mit System spielen. In der D werde ich die Mädels damit bereits vertraut machen.

    Fortsetzung zur praktischen Einführung folgt

    Liebes Handballtagebuch!

    Es ist gewagt. Im Mai erst wird der Altersklassenumbruch stattfinden. Ende Mai ist der Ulzburgcup, die alljährliche Initiation der neuen D-Jugend. Uuuund... angemeldet. ZeeBee verschickt über die E-Jugend Trainerinnen die Infos zum Turnier an teils gänzlich unbekannte Mädchen. Fordert Rückmeldungen an. In der Zwischenzeit sind die ersten Schnuppertrainingseinheiten mit der neuen D-Jugend. Ein Neuzugang, vier Mädchen aus der alten E-Jugend, vier angeworbene Spielerinnen aus der Nachbarschaft mit Gastspielrecht, vier alte Hasen. ZeeBee wirbt für das Turnier. Wartet. Will eine Woche vorher die Gruppentickets besorgen. Immerhin fünf Spielerinnen! Das wird eng.

    Tag vor der Abfahrt. Inzwischen elf Anmeldungen. Zugtickets sind besorgt.

    >>ZeeBees Last Minute Reisen. Wie kann ich Ihnen helfen? Ulzburgcup? 12. Teilnehmerin für morgen? Selbstverständlich ist das kein Problem, deswegen ja Last Minute Reisen. Anreise mit den Eltern? Sie übernachtet nicht mit der Mannschaft? Mit den Eltern im Hotel? Lässt sich ab und an zu den Spielen blicken? Selbstverständlich, der Kunde ist König.<<

    Notiz: Noch einen Elternabend ansetzen. Folterinstrumente als Exponate mitnehmen.

    In der Unterkunft verkündet ZeeBee die Hausregeln, die Spielregeln des Trainers und beantwortet die dringlichste Frage der Mädchen:

    >>Ich habe eine gute, eine schlechte und eine gute Nachricht. Wir haben die beste Torhüterin des Turniers. Die darf aber nicht ins Tor. Dafür dürfen alle anderen gerne mal ins Tor.<<

    Gastspielrechtstorhüterin Carlotta hatte vor einigen Wochen ein unglückliches Zusammentreffen von heißem Wasser mit ihrem Schoß und soll möglichst erst einmal nicht ins Tor.

    ZeeBee führt noch Einzelgespräche. Alle drei Haupttorschützinnen sind in die C hoch. ZeeBee schwört Lucie, Katharina und Emily (Roggisch 4.0) auf ihre neue Rolle ein. Dann Frida. Ein Jahr als E-Jugendliche in der D, Trainingsweltmeisterin, lässt im Training auch mal zwei Jahre ältere Spielerinnen wie Fahnenstangen stehen... spielt immer mit angezogener Handbremse. Das muss nun ein Ende haben als echte D-Jugendliche in der D-Jugend. Als letztes Nella. Es droht dasselbe Phänomen, zwei Jahre versetzt. Kommt frisch aus den Minis, von ZeeBee sofort in die D befördert. Handbremse tabu.

    Erstes Spiel um 8:30 gegen Gastgeber SV Henstedt Ulzburg. Erinnert um die Uhrzeit jedes Mal wieder an The Walking Dead. Beide Teams spielen auf Augenhöhe, leichte Vorteile für den TVB. ZeeBee ist die ersten drei Spiele allerdings überwiegend mit Flohzirkus beschäftigt:

    >>Mathildaaaaaa! AUSSENLINIE!<<

    >> Katharina, Carlotta, Emily aus dem schwarzen Kreis [Basketball 3 Punkte Zone] raus!<<

    >> Melena zwischen Tor und Gegenspielerin!<<

    Mit etwas defensiverer Wechselei wäre ein Sieg drin, ZeeBee wechselt aber munter durch. Auftaktspiel 11:13. Im nächsten Spiel gegen Hamburg Nord (späterer Turniersieger) sehen die Mädels keine Schnitte. Dann folgt mit dem Stralsunder HV eher eine fortgeschrittene Anfängermannschaft. Im Spiel gelingt Frida ein lupenreiner Hattrick. Knoten geplatzt?

    >>Und?! Hat es weg getan?<<

    Die Mädels führen 11:5, in der zweiten Hälfte wechselt Abwehrchefin Emily aus dem Deckungszentrum ins Tor. Gute Nachrichten für Stralsund und deren Rückraum Mitte, Roggisch 4.0 kennt nur Abwehr auf 100%. ZeeBee musste schon mal korrigierend einschreiten.

    >>Emily. Manchmal verteidigt man Stiere. Manchmal Schafe. Deine Gegnerin ist ein Schaf. Lass sie leben!<<

    Ohne Abwehrchefin hakt es im Deckungszentrum. 11:11. Schluss mit lustig, ZeeBee wechselt noch mal ein wenig durch. 12:11 gewonnen.

    Lugi Lund 3. Die Schweden haben entweder nur starke Mannschaften oder taktieren, denn Lugi spielt nicht wie eine Drittvertretung. Fasziniert beobachtet ZeeBee die Deckung in einem früheren Gruppenspiel. 3:2:1 ohne Libero in der D-Jugend. Ballfern stehen Außen und Halb der Gegner nahezu frei, denn das Abwehrbollwerk verschiebt wie ein eingeübter Formationstanz extrem zur Ballseite. Das sieht man auch nicht alle Tage. Spannende Variante. ZeeBee taktiert schon mal vor sich hin.

    >>Wir könnten... sind wir technisch nicht dazu in der Lage.<<

    >>Vielleicht... wird auch nicht klappen.<<

    >>Dann aber... nö.<<

    ZeeBee überlässt Co-Trainerin Amina zu Übungszwecken die Brücke und lehnt sich zurück. 9:14 ist noch ein beachtliches Ergebnis gegen den späteren Turnierzweiten. Parallel zur D-Jugend haben ZeeBees Ex-Mädels in der C-Jugend mit zwei Siegen zu einer Niederlage immerhin die Hauptrunde erreicht.

    Samstagmorgen ein niedersächsischer Neo-Klassiker. Peine - Badenstedt in der C-Jugend. Das neue Schwergewicht gegen den Platzhirschen. Nur eben nicht Lutz vs. ZeeBee sondern ZeeBees ehemalige C-Jugendliche Pia. Warum soll es Pia besser ergehen als ZeeBee siebzehn Jahre lang... Peine gewinnt 11:8. Das Privileg eines Sieges gegen Peine muss sich Pia noch ein paar Jahre erarbeiten.

    Die Mädels treffen auf EBT Berlin. Mit Trainer Bernd hatte ZeeBee schon C-Jugend Duelle beim Sauerlandcup und beim Kupper Cup. Es soll ein richtungsweisendes Spiel für die nächsten zwei Jahre werden. Berlin spielt... schmutzig. Klammern, nur Klammern. ZeeBee wird etwas ungehalten und konzentriert sich ausnahmsweise auch auf die Linie des Schiedsrichters. Die Mädels? Zeigen, aus welchem Holz sie geschnitzt sind, jammern nicht, kämpfen. Der Schieri? Pfeift einen Freiwurf nach dem Anderen, lässt irregulär entrissene Bälle durch und erkennt die Tore danach an. In der Halbzeit lobt ZeeBee die Einstellung des Teams.

    Die Berliner Mädels fühlen sich bestätigt. ZeeBee platzt allmählich der Kragen und erinnert den Schieri lautstark an sein Regelwerk. Der unterbricht sofort das Spiel, marschiert zur Bank und droht nicht mit Gelb, nicht mit Hinausstellung sondern kündigt gleich Rot an. Auch die Regel ist hier unbekannt. Dann dreht er wieder ab und schickt erstmals eine Berlinerin vom Feld. Die Mädels nutzen den Vorteil und schließen auf. Zwei Minuten vor Schluss liegt der TVB zwei Tore zurück. Die Berlinerinnen haben die plötzliche Änderung der Handballregeln mitten im Spiel nicht erkannt und finden sich in den letzten zwei Minuten in doppelter Unterzahl wieder. Anschlusstreffer, Ausgleich und mit dem Schlusspfiff der Siegtreffer... soll eine halbe Sekunde zu spät eingeschlagen sein. Unentschieden. 7m Werfen nach IHF Regel 2:2.

    Carlotta hatte vorab mit Mama telefoniert. Sie dürfe auch mal ins Tor, streift sich nun eine lange Hose über. Noch eine. Eine dritte. Eine passt noch. ZeeBee wählt fünf Werferinnen aus, die allesamt darüber nicht glücklich wirken. Carlotta stakst etwas steif Richtung Tor, stellt sich in den Kasten und... ZeeBee hat Carlotta noch nie im Wettkampf erlebt und maximal zweimal im Training im Tor. Sie kommt zwei Meter raus, nimmt ihre Gegenspielerin fest ins Visier und jeder Muskel Körpersprache sagt: "Du nicht, Baby!" Die Gegenspielerin versucht es mit einem anspruchsvollen Heber, den Carlotta weglächelt. Großer Jubel an der Mittellinie beim TVB. Berliner Torhüterin hält ebenfalls. Übertreter Berlin. Wir verballern. Mittlerweile sind die nachfolgenden Mannschaften eingetroffen. Ulzburgs Trainerlegende Eggi macht sich schon auf der Bank neben ZeeBee heimisch und grinst angesichts des 0:0 nach vier Würfen. Wir werfen vorbei. Nächster Übertreter Berlin. ZeeBee scherzt mit Eggi über die Auswahl seiner Werferinnen. Wir schmeißen die Kugel deutlich über das Tor. Carlotta hält im Hürdensitz! Frida tritt an. Will loslegen. Der Schieri jagt noch mal alle Zuschauer von der Spielfeldhälfte, während Frida angespannt am 7m Punkt steht. Hält die Konzentration? Links unten versenkt. Letzter Wurf Berlin. Rechts unten versenkt.

    >>Fünf neue Werferinnen.<<

    >>Fünf NEUE? Irgendwann habe ich keine mehr.<<

    IHF Regel 2:2: Für diese Fortsetzung benennt jede Mannschaft wiederum 5 Spieler. Hierbei dürfen dieselben Spieler wie beim ersten Durchgang benannt werden, auch ein Wechsel einzelner oder aller Spieler ist möglich.

    ZeeBee schickt fünf neue, nicht eben glückliche Mädchen ins Rennen und tröstet, nach dem ersten gewonnenen Duell müssen die späteren Mädchen gar nicht mehr ran. Den ersten Wurf nimmt sich Torhüterin Carlotta. Sie tunnelt ihre Kontrahentin und die hatte nicht wirklich breitbeining gestanden. Absicht? Die Mannschaft stürmt von der Mittelline los und wird wieder zurückgetrieben. Carlotta wechselt zurück ins Tor. Nun eine Linkshänderin. Kein Problem. Die Mädels stürmen von hinten, die C-Jugend stürmt von der Seite. Der Schieri hat andere Pläne, möchte das 7m Werfen nach dem erste Duell der Verlängerung fortsetzen.

    IHF Regel 2:2: Diese Regelung ist bis zur endgültigen Entscheidung anzuwenden. Ein Sieger steht jedoch bereits fest, wenn eine Mannschaft nach einem Wurfwechsel in Führung liegt.

    Der Schieri wird die Regeln schon kennen. Als nächstes Nella, die womöglich jüngste Spielerin des Turniers. Souverän. Die gegnerisch Torhüterin ist nun als Werferin dran. Pfiff. Holt aus. Nimm das rechte Bein weit nach oben, setzt es wieder ab, orientiert sich neu... Pfiff. Wurf. Es geht weiter. Berlins Torhüterin hält. Carlotta positioniert sich, lässt Körpersprache sprechen. Wieder eine Linkshänderin. Carlotta rauscht runter in den Hürdensitz. Gehalten! Der Schieri gibt das Signal, nach Hausregeln ist das 7m Werfen nun beendet. Die D stürmt nach vorn, die C von der Seite. Im Spiel um Platz 9 ein deutlicher Sieg gegen den Rellinger TV.

    Das wD-Jugend Finale am Sonntagmorgen schauen sich C und D Jugend noch an. Dann Fußmarsch zum Bahnhof. Die C-Jugend pünktlich, erreicht den Zug. Die D-Jugend stattet sich noch mit Kuchen und bunten Tüten aus, geht noch mal auf Toilette, sucht noch mal einen Ball... Die C-Jugend passiert Hamburg auch nicht rechtzeitig vor dem Weichendefekt, muss ebenfalls anderthalb Stunden auf offener Strecke ausharren... hat dafür aber keine bunten Tüten mehr.


    Dein

    Karsten