Ein Trainingslager organisieren
Nach ein paar Jahren gelungener Kooperation mit Tim (Grüße in die Grafschaft!) der SG Neuenhaus/Uelsen, zwischenzeitlich FC Schüttorf, hier das Rezept für ein erfolgreiches Trainingslager. Man nehme:
- eine etwa gleichstarke Partnermannschaft
Trainingslager mit 20 bis 26 Spielerinnen ist um Einiges aufregender und ich kann besser homogene Trainingsgruppen bilden (dritte Mannschaft geht auch, wird aber seeehr anstrengend). Letztes Jahr stellte sich nach der Saison heraus, es hatten die späteren Regionsmeister Bentheim/Emsland und Hannover/Weser/Leine gemeinsam trainiert, die beide zusammen in der Saison 21/22 gerade mal vier Punkte abgaben.
- mit einem Trainer auf eigener Wellenlänge
Tolle Partnermannschaft hilft nichts, wenn der Trainer anders tickt und eine andere Philosophie vertritt. Wenn ich im Trainingslager die offensive Deckung oder meinen Spleen für lange noch Manndeckung in der D-Jugend beibehalten, verteidigen muss, bin ich im falschen Film
- eine Sportstätte mit Übernachtungsmöglichkeit und ggf. Küche, Kühlschrank, etc.
Haben wir zu Hause nicht, so dass ich für ein Trainingslager stets auf Reisen gehe. Ratekau, Leipzig, Schüttorf, nun Neuenhaus.
- mit gehörigem Abstand zum Wohnort
Aus mehreren Gründen. Für die reisenden Mädels das Erlebnis der gemeinsamen An- und Abfahrt (am besten mit dem Zug für das Gemeinschaftsgefühl und das dämliche Werwolfspiel). Dann um die Helikoptereltern fernzuhalten. Um niemanden auf den Gedanken kommen zu lassen, dass ein Kind abends nach Hause pendelt. Und für uns abgrundtief böse Trainer: Damit der Partner nicht fürchten muss, dass ich seine Linkshänderin, Torhüterin oder sonstige Starspielerin auf dem Rückweg mitnehme. Mein vorletztes Trainingslager musste ich genau aus dem Grund kurzfristig komplett umkrempeln und verlegen...
- eine rührige Elternschaft vor Ort
Es müssen Brötchen gekauft und geschmiert werden, Gemüse und Obst geschnippelt, gegrillt, ggf. was aufgebaut werden. Reichlich Wasser wird gebraucht.
Tim und ich organisieren uns wie folgt:
- Trainingsgruppen werden gebildet
Im Vorfeld stellen wir drei Leistungsgruppen zusammen, damit in homogenen Gruppen trainiert werden kann. Zugegeben: Wenn man mit drei Vereinen trainiert und eine D-Jugend Elitegruppe erstellt, die sich fast alle später in der Landesauswahl wieder begegnen, dann ist das schon geil! Aber zwei Mannschaften sind von der Anzahl her gut zu managen. Zur Übersicht bekommen die Gruppen Namen, die nichts über ihre Rangordnung verraten (Trolle, Orks, Oger oder Muffins, Kekse, Croissants - ein immer wiederkehrender Quell der Freude).
- Trainingsinhalte absprechen
Zwei Trainer suchen sich je einen handballerischen Schwerpunkt aus und stimmen diesen ab. Es gilt für die Trainer mit ihren Schwerpunkten jeweils fünf Einheiten a zwanzig Minuten zu füllen. Die Einheiten bauen aufeinander auf und werden immer schwieriger/komplexer. Auf die Co-Trainerinnen delegieren wir das "Kontrastprogramm" und das Aufwärmen. Jede der fünf Einheiten (1x Freitagabend, 3x Samstag, 1x Sonntagmorgen) beginnt mit gemeinsamen Aufwärmen oder in zwei Gruppen. Dann verteilen sich die drei Gruppen auf zwei Trainer und eine Co-Trainerin für jeweils zwanzig Minuten. Trinkpause, rotieren. Ich überziehe immer gerne, die anderen müssen dann mal auf die Zeit pochen. Rücksicht nehmen: Einheit 4 und 5 finden nicht mehr mit derselben Intensität statt wie bis dahin. Nicht vergessen: Mindestens zwei, drei TW Trainingseinheiten!
Im "Kontrastprogramm" bringen wir Koordination, Motorik, Athletik, Schnelligkeit usw. unter. Zwei handballspezifische Schwerpunkte reichen mir. Natürlich kann in einer Kontrasteinheit auch mal Handballerisches außer der Reihe gemacht werden.
- Trainingsspiel
Ganz wichtig zum Abschluss, wenn alle platt sind, das Trainingsspiel, um die Einheiten mal umzusetzen. Da trennt sich die Spreu vom Weizen. Ich hatte das Thema "Ballannahme in der Vorwärtsbewegung". Einige meiner Mädels waren im Trainingsspiel eifrig am Stoßen, einige standen zur Ballannahme rum und drehten Däumchen.
- Trainingsinhalte
In der Vergangenheit hatten wir in der D-Jugend Trainingsschwerpunkte wie:
Ballannahme in der Vorwärtsbewegung
Übergang zur sinkenden Manndeckung
Kooperation Rückraum/Kreis
Täuschungen
Einführung Raumdeckung/erste Kooperation 2:2/3:3
In der C-Jugend kann ich mich fast einzig und allein an Einführung 3:2:1 erinnern, allerdings ein dankbares Thema für ein Trainingslager. Für die ersten Schritte in der 3:2:1 genau der richtige Trainingsumfang, wie wir letzten Sonntag mit der wC sehen konnten, die als dritte Mannschaft mit an Bord war.
P.S.: Mit der stärksten Trainingsgruppe habe ich beim Stoßen den Handgelenkspass (nach Nullschritt, also der Drohung von weiteren drei explosiven Schritten zum Durchbruch) mit eingebunden (beschränkt auf die Situation, dass die Abwehrspielerin nicht mehr gezogen werden musste, sondern schnell da war!). Ich kann nur dringend empfehlen, falls es das "Dogma des verbotenen Passes" noch gibt, das zu überdenken. Wie oben schon: Wenn die Zirkusscheiße mit Handgelenkspässen anfängt, Spielerin auf die Bank! Aber situativ richtig ist das ein Baustein auf dem Weg zum U18 WM Titel.