Beiträge von Beuger

    Ich habe mich mit Kritik im Turnier bisher ja noch sehr zurückgehalten, weil ich es schätze, dass die Mannschaft als gefestigtigtes Team wirkt und alles zu geben scheint.

    Was mir allerdings hier schon tierisch auf den Geist geht, sind Kommentare wie "freut euch doch, wir haben gewonnen" oder "deutsche Motzer Mentalität".

    Alter, hier ist ein Handballforum, wo auf hohem Niveau Spiele analysiert werden sollen. Da brauche ich doch keine pseudo patriotische Brille?! Geht doch in die Kommentarspalte beim ZDF auf Facebook wenn ihr nur Gejuble über einen Sieg lesen wollt, das ist doch nicht der Sinn eines Fachforums?!

    Der Ermessensspielraum der Schiedsrichter geht aber so weit, dass sie eingreifen dürfen, wenn sie merken, dass Deutschland die Zeit ANDERS ALS IM SONSTIGEN SPIEL verschleppt und hier ZIELORIENTIERT LANGSAM spielt. Das ist deswegen was anderes, als wenn sie in der zweiten Minute einfach mal so kurz langsam spielen.

    Die Schiedsrichter können kein Zeitspiel abpfeifen bevor überhaupt ein Anwurf regelkonform ausgeführt wurde.

    Vom Torerfolg der Portugiesen bis Justus Fischer mit dem Ball in der Anwurfzone steht vergehen 7 Sekunden. Das ist sicherlich keine schnelle Mitte, aber auch kein Grund für die Schiedsrichter einzugreifen. 59 Minuten lang hätte niemand protestiert, wenn der Ball in einem gemächlicheren Tempo zur Anwurfzone gebracht wird und es wäre falsch in der letzten Minute plötzlich die Bewertungsgrundlagen massiv zu ändern.

    In den Regeln wird aber auch nicht ohne Grund differenziert zwischen den letzten 30 Sekunden und der sonstigen Spielzeit.
    Auch aufgrund der Tatsache, dass deutsche Spieler bereits vor dem Anpfiff über der Mittelline waren, wäre in meinen Augen ein Anhalten der Zeit die richtige Entscheidung gewesen.

    Du unterschlägst bei allen deinen Einlassungen zu diesem letzten Anwurf die Tatsache, dass es eine Aktion in den letzten 30 Sekunden war. Und da gibt es Strafen für die Behinderung/Störung einer Wurfausführung. Die Positionierung der weiteren deutschen Spieler ist in dieser Szene erst einmal von untergeordneter Bedeutung. Den wirklich relevanten Verstoß begehen die Spieler, die aktiv den Anwurfkreis blockieren. Der Spieler, der mit ausgebreiteten Armen mittig im Anwurfkreis steht, geht dann sogar noch direkt auf den Ball tragenden Fischer zu. Der befindet sich tief in der roten Zone, in der er bis zum erfolgten Anwurf nichts verloren hat. Fischer hätte ihn umrennen müssen, um zur Mitte zu kommen. Wo sich die anderen deutschen Spieler zu dem Zeitpunkt befinden, ist irrelevant. Sie hätten jede Möglichkeit gehabt, ihre Position noch zu korrigieren, bis der Schiedsrichter anpfeift.
    Die Anwurfausführung wurde durch die Portugiesen aktiv gestört, indem der Anwurfkreis und die direkten Laufwege der Deutschen blockiert wurden. Das ist zu bewerten, nichts anderes. Die einzig regelkonforme Folge wäre Rot (+Blau = Spielsperre) für mindestens einen Portugiesen gewesen, dazu zwingend 7-Meter für Deutschland. Da es sich bei dem Spieler um F. Costa gehandelt hätte, glaube ich nicht, dass Portugal diesen Spielausgang bevorzugt hätte.

    Du argumentierst ja auch damit, dass jedes Tor relevant sein kann. Dann sollten wir fairerweise auch die Aktion gegen Mertens kurz vorher neu bewerten. Griff von hinten an den Wurfarm, während er sich in der Luft befindet und zum Wurf ansetzt, die 2-Minutenstrafe bleibt aber aus? Dazu fordert F. Costa deutlich den Videobeweis. Auch das hätte als unsportliches Verhalten progressiv bestraft werden müssen. Die Schiedsrichter haben hier zum Vorteil Portugals beide Augen zugedrückt. Eigentlich hätte Portugal ab diesem Zeitpunkt in Unterzahl weiterspielen müssen. Da nach dem Tor der Deutschen nur noch 30 Sekunden Restspielzeit übrig waren, muss man das als spielentscheidende Fehler der Schiedsrichter werten.

    Blau gibt das Regelwerk dafür nicht her. Rot natürlich schon. Damit wäre die Zeit natürlich angehalten gewesen. Ich denke, dass daher die Schiedsrichter bei rot + 7m einen Nachteil für die Deutschen erkannt haben und deswegen auf Vorteil (weiterlaufen lassen) entschieden haben.

    Zweifelhaft ist allerdings trotzdem, dass in so einer Situation die Zeit nicht angehalten wird. So können die Deutschen als führendes Team durch bewusstes Langsamspielen bei einer Situation, in der der Ball nicht im Spiel ist, sie aber die komplette Kontrolle über ihn haben, den Spielausgang alleine hierdurch maßgeblich beeinflussen.