Das Problem dabei ist halt, dass die meisten Spieler, das betrifft auch Sögard, fast immer nur dürfen, wenn es richtig kacke läuft und man im Grunde schon die Brechstange nutzen muss. Dafür ist Sögard eigentlich kein Spieler. Dafür ist eigentlich niemand so richtig ein Spieler.
Diese Beobachtung halte ich für sehr zentral zur Bewertung von Machullas Wechselpolitik und - damit verknüpft - den Weiterentwicklungsmöglichkeiten der Spieler unter ihm.
Beispiel Einarsson: Die Zahlenangabe mag Bauchgefühl sein, aber er bekommt im Durchschnitt 8-10 Minuten Spielzeit pro Spiel auf RR. In den häufigsten Fällen, so auch gestern im Nordderby, kommt er - wie Paul Jonas schon schreibt - erst in der Phase, wo die bisherige Lösung nicht funktioniert hat. Da ist dann aber ganz anderer Druck als zu Spielbeginn. Natürlich ist es wichtig, dass Spieler lernen in solchen Phasen zu bestehen und Verantwortung zu übernehmen. Aber es ist genauso wichtig, dass man unterschiedliche "States of Mind", die während eines Spiels existieren, erlebt. Und unterschiedliche Spielentwicklungen auf der Platte mitbekommt. Wenn es ein monotoner Modus ist, zudem noch der des "Allerhöchste Eisenbahn, spiel mal die Feuerwehr", so blockiert das auf Dauer eher das Fortschreiten der Entwicklung.
Genauso ist es übrigens auch mit anderen "eindimensionalen Spielerfahrungen": Spieler, die z.B. immer nur dann reinkommen, wenn man eh schon hoch führt, bekommen dadurch auch ein kleines Handicap in ihrer Entwicklung.
Die Kunst als Trainer (Und insbesondere als Trainer von Weltformat) liegt dann ja gerade darin, das Spiel so zu lesen und seine Spieler so zu präparieren, dass sie auch in Spielphasen, in denen sie intuitiv nicht spielen würden, spielen können und auch dürfen und beitragen können - eben um sich genau dadurch dann weiterzuentwickeln. Machulla spielt die gesamte Saison mit mehr oder minder 9-10 Spielern. Die machen dann natürlich auch Fortschritt.
Aber moderne Handballkader haben 16-17 für einen Einsatz in Frage kommende Spieler und was passiert bei der machulla'schen Vorgehensweise mit Spieler 11-17? Der Fall Lindskog ist eine extreme Härte. Der Fall Einarsson ist für meine Begriffe aber mit am tragischsten, weil ich bei ihm noch ein großes unausgeschöpftes Potential sehe. Unter anderen Bedingungen traue ich ihm durchaus zu, sich mit der Zeit vor Röd und auch Smits als Nr. 1 auf RR durchzusetzen.
PS: Als ein neuerlichstes Beispiel für
dass sie auch in Spielphasen, in denen sie intuitiv nicht spielen würden, spielen können und auch dürfen und beitragen können - eben um sich genau dadurch dann weiterzuentwickeln
stellt der Löwen-Torhüter David Späth dar. Fantastische Momente, denen man da im Pokal beiwohnen durfte.